Lockout zwingt zu Alternativen

NHL-Schiedsrichter vor harten Zeiten

SID
Donnerstag, 20.09.2012 | 12:08 Uhr
NHL-Schiedsrichter müssen sich während des Lockouts nach Alternativen umsehen
© Getty
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Eiszeit in der NHL. Nichts geht zurzeit in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga. Die 30 Klubs der National Hockey League (NHL) haben ihre Angestellten ausgesperrt.

Weil sich die Teambesitzer und die Spielergewerkschaft NHLPA nicht auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt haben, ist seit Samstag um Mitternacht (Ortszeit) ein sogenannter Lockout, ein Ausschluss, in Kraft. Die etwa 700 NHL-Profis sehen sich Vorhängeschlössern und verriegelten Türen gegenüber. Kein Zutritt zu den Trainingsstätten. Dauer der Aussperrung: Völlig ungewiss. Die Fronten sind verhärtet.

Die in der NHLPA organisierten Kufencracks brauchen sich während des Lockouts, des dritten in den vergangenen 20 Jahren, um ihre Gehälter keine Sorgen zu machen - die Gewerkschaft zahlt zumindest einen Teil. Derweil geraten die 74 NHL-Referees in der Zwangspause völlig in Vergessenheit.

Wer zahlt ihre Einkommen? Die Spieler zieht es wohl mehr zum Zeitvertreib und der Spielpraxis wegen in die großen Ligen in Deutschland, Russland oder Schweden. Die Offiziellen in der NHL müssen derweil sehen, wo sie bleiben. In doppelter Hinsicht.

Gang nach Übersee untersagt

Denn weder werden die Männer in den gestreiften Trikots zum Dienst in einer der unterklassigen Ligen in Nordamerika abkommandiert, noch dürfen sie kurzfristig in Europa anheuern, wie dies Stars vom Range eines Jewgeni Malkin und Sergej Gonchar längst getan haben. Beide laufen während des Lockouts für Metallurg Magnitogorsk in der pan-russischen Liga KHL auf. Auch den deutschen Nationalspieler Christian Ehrhoff zieht es während der Aussperrung in die Heimat zu seinem DEL-Heimatverein, den Krefeld Pinguinen.

Ähnliche Möglichkeiten haben die NHL-Unparteiischen nicht. Ihnen ist ein eigenmächtiger Wechsel im Vertrag untersagt. Während eines Lockouts schaut jeder NHL-Referee in die Röhre, er kassiert keinen Cent. Eine herbe Einbuße. Erfahrene Schiris verdienen umgerechnet bis zu 260.000 Euro pro Saison. Ein Linienrichter kassiert in einer normalen Spielzeit bis zu 180.000 Euro.

Aber nichts ist normal in der NHL in diesen Tagen. Der laufende Arbeitsvertrag der Referees begann am 1. September, zwei Wochen wurden bezahlt, ehe am 15. September die Aussperrung in Kraft trat. Im schlimmsten Fall, der Absage einer kompletten Saison wie zuletzt 2004/05, droht Schiedsrichtern der Verlust der Einnahmen einer gesamten Spielzeit. Wer nicht vorgesorgt hat, dem bleibt nur die Möglichkeit, bis zu 5.000 Dollar (3.840 Euro) seines monatlichen Salärs als zinsloses Darlehen vorab zu beanspruchen - Peanuts im Vergleich zum regulären Gehalt.

Trotz Ruhestands ein gefragter Mann

"Beim letzten Mal haben wir beschlossen, uns nicht einzumischen. Wir mussten uns aus dem Konflikt heraushalten und neutral bleiben. Wir wollten keine Jobs von anderen in den unteren Ligen annehmen", erklärte der frühere NHL-Referee Kerry Fraser der kanadischen Nachrichtenagentur "Postmedia News" und ergänzte: "Sicher gäbe es Ligen in Europa, die jetzt höherklassige NHL-Offizielle nehmen würden." Auch der 60-Jährige ist trotz seines Ruhestandes noch ein gefragter Mann. Fraser hat ein Angebot aus der KHL vorliegen.

Wie die Spieler hoffen auch die Schiedsrichter, dass der Lockout wie 1994/95 nur ein paar Wochen und nicht Monate dauert. "Wenn sich die jetzige Aussperrung hinzieht, müssen sich meine Kollegen andere Optionen überlegen, um die Familien zu ernähren. Beim letzten Mal hatten einige von ihnen ganz schöne Probleme. Da hat niemand gedacht, dass die ganze Saison gestrichen werden würde, und die Jungs haben sich gefragt: 'Oh Gott, was mache ich jetzt?'", sagt Fraser.

Vor acht Jahren verdingte er sich als Berater für Immobilienanteile, um über die Runden zu kommen. Auch jetzt ist er wieder als Berater tätig - diesmal für seine jüngeren Kollegen in Sachen Einnahmeausfall.

Alle Lockout-Wechsel in der Übersicht

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