Playing for History

SID
Montag, 13.06.2011 | 19:49 Uhr
Kevin Bieksa (l.) von den Vancouver Canucks gilt bei vielen Experten als möglicher MVP
© Getty
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Sie gelten als meistgehasstes Team der NHL. Doch das ist den Vancouver Canucks um Christian Ehrhoff völig egal. Sie nehmen sich ein Beispiel an den Chicago Blackhawks und können in Spiel 6 (2 Uhr im LIVESCORE) gegen die Boston Bruins und Dennis Seidenberg Geschichte schreiben. Schon jetzt steht Hockey-mad city Kopf.

Hockey-mad city. So wird Vancouver in den kanadischen Medien derzeit nur noch genannt.

Warum? Vielleicht wegen der mehr als 100.000 Fans im Stadtzentrum von Vancouver, der 2800 Getränke-Stände, drei gesperrten Hauptstraßen und der einen riesigen Party, die die Menschen in der Rain Ciry feiern. Und das bei Spiel 5.

Sie feierten den 1:0-Sieg ihrer Canucks, als wäre es bereits der Titel. Was nach einem tatsächlichen Stanley-Cup-Erfolg passiert? Nicht auszudenken. "Wir erwarten eine Riesen-Party", sagt Bürgermeister Gregor Robertson nur. Unabhängig vom Ergebnis.

"Man kann die Leidenschaft spüren"

Doch wer will es den Menschen in Vancouver verdenken. Zum dritten Mal nach 1982 und 1994 stehen die Canucks im Stanley-Cup-Finale - und jetzt, nach 40 Jahren in der NHL und zwei bitteren Final-Niederlagen (0-4 gegen die New York Islanders und 3-4 gegen die New York Rangers) samt schwerer Ausschreitungen, soll Geschichte geschrieben werden.

"Es ist wirklich aufregend", sagt Canucks-Legende Stan Smyl, der selbst im Finale von 1982 auf dem Eis stand. "Man kann die Leidenschaft der Stadt für ihr Team regelrecht spüren."

Und noch etwas treibt die Spieler aus Vancouver an. "Ich hatte nur eine Chance auf den Titel", erklärt Smyl. "Und viele der Spieler wissen, dass sie vielleicht nie wieder so nah am Stanley Cup dran sind." Das gilt auch für Christian Ehrhoff.

Er wäre erst der zweite Deutsche, der überhaupt den Titel in der NHL gewinnt. Uwe Krupp war dieses Kunststück 1996 mit den Colorado Avalanche gelungen. Und der 28-Jährige ist zuversichtlich: "Jetzt müssen wir nur schauen, dass wir die gleiche Energie wie in Spiel 5 auch in Boston aufs Eis bringen", sagt Ehrhoff.

Dreckig? Schlecht gelaunt? Hauptsache Titel!

Dass die Canucks bei Fans und innerhalb der Liga als meistgehasstes Team gelten? Das ist dem Deutschem sowie fast allen anderen in Vancouver, völlig egal. Die Canucks halten sich lieber an die Chicago Blackhawks.

"Die waren bei ihrem Titel-Gewinn auch nicht das Team mit den besten Manieren", sagt Canucks-Verteidiger Kevin Bieksa. "Im Gegenteil: Sie waren dreckig, schlecht gelaunt und vermutlich das Team mit der größten Klappe in der gesamten Liga. Und wisst ihr was? Es hat sie nicht gestört. Überhaupt nicht. Sie haben den Titel gewonnen und einen Dreck auf das Gerede gegeben. Einfach so. Einen Dreck. Und wir machen das jetzt genau so."

"Und noch was", legt Bieksa nach. "Glaubt ihr, dass sich in zehn Jahren noch irgendwer daran erinnern wird, wer die besseren Statistiken hatte und mehr gemocht wurde? Nein! Natürlich nicht. Alle werden sich nur daran erinnern, wer gewonnen hat."

Bieksa for MVP?

An die Canucks. Und auch an Bieksa selbst, so die Hoffnung. Denn natürlich überragt Bruins-Goalie Tim Thomas bisher die Finals, aber es gibt nicht wenige Experten, die im Canucks-Verteidiger einen Geheimfavoriten im Rennen um den Titel als Finals-MVP sehen.

Große Hits? Check. Wichtige Tore und Pässe? Check. "Er ist einfach überragend", lobt Teamkollege Alex Burrows. "Er ist stark, kämpft hart und bereitet sich richtig vor. Außerdem ist er ein hervorragender Teamkollege und extrem wichtig für die Stimmung in der Kabine. Man weiß einfach immer, dass er für uns da ist. Und auf dem Eis kann er alles."

Dabei sah es noch vor einem Jahr so aus, als wären Bieksas Tage in Vancouver gezählt. Während er selbst wegen Verletzungen nicht richtig in Tritt kam, holten die Canucks Keith Ballard und Dan Hamhuis - Bieksa selbst tauchte eher in Trade-Gerüchten auf.

"Früher hätte mich das vielleicht aus der Bahn geworfen", sagt er mittlerweile 29-Jährige. "Aber man wird älter und kümmert sich nicht mehr um solche Dinge. Man versucht einfach alles so zu nehmen, wie es kommt. Man tut das, was man am besten kann."

Und das ist nun mal Eishockey spielen.

Canucks-Party im Garden? No Way!

Doch ein Canucks-Sieg? In Boston? Eine Meisterfeier des Auswärtsteams im TD Garden? Soweit wollen es die Bruins natürlich nicht kommen lassen. "Wenn wir verlieren, ist es vorbei, aber keiner denkt so weit", sagt Dennis Seidenberg. "Wir sind optimistisch, dass es ein siebtes Spiel geben wird." "Wir wollen diejenigen sein, die den Pokal in die Luft stemmen", meint auch Bruins-Rookie Brad Marchand. "Wir werden so hart kämpfen, wie wir nur können. Und wenn wir das tun, können wir gewinnen."

Hart kämpfen, wenn es darauf ankommt. Dass die Bruins das können, haben sie in diesem Jahr bereits bewiesen. "Immer, wenn es darauf ankam, haben unsere Jungs überzeugt", sagt Bruins-Coach Claude Julien. "Und ich erwarte nicht, dass sich das jetzt ändert."

Dabei setzt Boston ganz klar auf den Heimvorteil. Denn seit den zwei Auftaktpleiten gegen Montreal haben die Bruins neun von zehn Heimspielen gewonnen, in den letzten vier fegten sie ihre Gegner mit insgesamt 16:2 Toren vom Eis. Goalie Thomas ist eine Macht.

Kesler kann wohl spielen

Und das muss er auch, wollen die Bruins die Serie ausgleichen und ein Entscheidungsspiel in Vancouver erzwingen. Denn die Canucks können in Boston wieder auf Center Ryan Kesler bauen. Der hatte am Sonntag (zusammen mit Jeff Tambellini und Dan Hamhuis) das Training ausfallen lassen, kehrte am Montag aber wieder aufs Eis zurück.

"Es geht ihm gut", erklärt Coach Alain Vigneault. "Er brauchte nur mal eine Pause. Das ist alles." Pause ist gut. Ausgedehnte Behandlung ist besser. Kesler spielt seit Spiel 5 der Western Conference Finals mit einer Verletzung am Unterleib und muss sich abseits des Eises regelmäßig intensiv behandeln lassen.

"Aber er ist ein harter Kerl, der sicht durch alles hindurchkämpft", sagt Mason Raymond, der mit Kesler in einer Reihe spielt. "Wir wissen, das wir uns auf ihn verlassen können."

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