Samstag, 15.05.2010

NHL-Playoffs: Conference-Finals-Check

Niemand stoppt die Halakalleris!

Die Nummer eins gegen die Nummer zwei im Westen - und die Nummer sieben gegen die Nummer acht im Osten. Die NHL-Playoffs sind in dieser Saison wieder mal herrlich verrückt. Wie es weitergeht? Praktisch unmöglich vorherzusagen, aber SPOX tut es nach sehr mäßigem Erfolg in der Runde zuvor trotzdem wieder.

Die beiden größten Canadiens-Helden der Playoffs: Michael Cammalleri und Jaroslav Halak
© Getty
Die beiden größten Canadiens-Helden der Playoffs: Michael Cammalleri und Jaroslav Halak

Philadelphia Flyers (/7) vs. Montreal Canadiens (8)

Saisonbilanz: 2-2 (1:3, 3:2, 6:2, 0:1)

Ausgangslage: 0-3 in der Serie hinten. 0-3 auswärts in Spiel 7 hinten. Die Flyers waren gegen Boston mausetot, aber sie sind einfach nicht kaputt zu bekommen. Nach den Maple Leafs 1942 und den Islanders 1975 sind die Flyers erst das dritte Team, das einen 0-3-Rückstand gedreht hat. Und das erste, das dies nach einem 0:3-Rückstand in Spiel 7 geschafft hat.

Dass mit Jeff Carter der Top-Torjäger ausfällt? Kein Problem. Dass man im Tor aufgrund Brian Bouchers Verletzung wechseln musste und jetzt wieder Michael Leighton nach monatelanger Pause im Kasten steht? Kein Problem.

Angeführt vom unumstrittenen Leader Mike Richards (17 Scorerpunkte) sind die Flyers ins Rollen gekommen. Der Angriff hat die richtige Mischung aus Talent (Danny Briere, Simon Gagne) und Toughness (Claude Giroux, Daniel Carcillo, Scott Hartnell).

Bei der Defense braucht man nur einen Namen zu nennen: Chris Pronger. Von wegen der 35-Jährige ist zu alt und zu langsam geworden. Er ist immer noch ein Superstar und ein echter Winner. Pronger steht im Schnitt fast 30 Minuten auf dem Eis und lässt - gemeinsam mit Kimmo Timonen, Matt Carle und Braydon Coburn - wenig anbrennen und ist auch noch offensiv stark (11 Scorerpunkte).

Was soll man auf der anderen Seite zu den Canadiens noch sagen? Erst Alexander Owetschkin und die Caps aus den Playoffs werfen, und dann Sidney Crosby und die Pens ebenso eliminieren - und beides auswärts in Spiel 7. Das hat was.

Über die Heldentaten von Goalie Jaroslav Halak - Gerüchten zufolge haben Washington und Pittsburgh ein Gutachten in Auftrag gegeben, ob der Slowake wirklich ein Mensch und damit überhaupt spielberechtigt ist - ist schon viel geschrieben worden. Genauso wahnsinnige Playoffs spielt Michael Cammalleri (12 Playoff-Tore).

Wer also behauptet, dass eigentlich nicht die Montreal Canadiens die Serien gewonnen haben, sondern die Montreal Halakalleris, der hat nicht ganz Unrecht. Auf der anderen Seite muss man aber auch sehen, dass Montreal ein echtes Team ist. Mit viel Herz und jede Menge versteckter Helden.

Hal Gill wird mit 50 Stichen genäht und haut sich in Spiel 7 wie ein Verrückter in die Schüsse, Josh Gorges gehört immer noch zu den am meisten unterschätzten Verteidigern, Andrei Kostitsyn muss damit klarkommen, dass sein Bruder Sergei beim Team völlig unten durch und nicht mehr erwünscht ist, und die komplette dritte Arbeiter-Reihe um Travis Moen, Maxim Lapierre und Dominic Moore hat ebenfalls einen großen Anteil am Erfolg.

P.K. Subban (Montreal Canadiens)
P.K. Subban (Montreal Canadiens)
© Getty

Die heimlichen Helden: Ville Leino vs. P.K. Subban. Als Leino im Februar im Tausch für Ole-Kristian Tollefsen und einen Fünftrundenpick im 2011-Draft aus Detroit nach Philadelphia kam, dachten wohl wenige Flyers-Fans, dass der Finne mal so wichtig für sie werden würde. Aber als sich Gagne und Carter in den Playoffs verletzten, erhielt Leino die Chance, in die Bresche zu springen und zu zeigen, was er drauf hat. Mit sieben Scorerpunkten in acht Spielen ist es ihm eindrucksvoll gelungen. Er ist eine formidable Ergänzung zu Briere und Hartnell.

Pernell Karl Subban ist eine der Storys der Playoffs. Vor der Postseason hatte der gerade 21 Jahre alt gewordene Verteidiger die Erfahrung von zwei Regular-Season-Spielen. Zwei. Dann wird er aufgrund von Ausfällen ins kalte Wasser geschmissen - und schwimmt im übertragenen Sinne Weltrekord. Subban bekommt unglaublich viel Eiszeit, er steht in Powerplay und Unterzahl auf dem Eis und macht in allen Situationen einen extrem ruhigen Eindruck. Dass er ein Ausnahme-Talent ist, hatte er bei diversen Junioren-Weltmeisterschaften schon bewiesen, aber dass er so einschlägt? Ein ganz junger, charismatischer, farbiger Verteidiger rockt die Playoffs - einfach überragend.

Prognose: Es ist keine ungefährliche Geschichte für die Habs, weil jetzt plötzlich jeder den Stanley-Cup-Gewinn erwartet, aber sie sind nun mal das "team of destiny". Und wenn sie wieder in der Schussstatistik hoffnungslos unterlegen sein werden, es macht nichts - sie werden einen Weg finden, um die Serie zu gewinnen. Weil Halak Halak ist - und weil sie mit Andrei Markow vielleicht ihren besten Spieler überhaupt wieder zurückbekommen könnten. Canadiens in 6.

San Jose Sharks (1) vs. Chicago Blackhawks (2)

Saisonbilanz: 1-3 (3:4 OT, 2:7, 3:2, 3:4 OT)

Ausgangslage: Als die Sharks nach Dan Boyles tragisch-komischem "Eigentor" in Spiel 3 der ersten Playoff-Runde gegen Colorado mit 1-2 in der Serie in Rückstand gerieten, hätte man es ihnen fast nicht verdenken können, wenn sie sich von diesem Schlag nicht erholt hätten.

Aber diese Version der Sharks ist mental unglaublich stark. San Jose gewann nicht nur die Serie gegen die Avalanche noch recht souverän mit 4-2, San Jose fertigte danach Detroit in fünf Spielen überraschend deutlich ab. Vor allem fanden sie immer einen Weg, um die engen Spiele für sich zu entscheiden.

Der bärenstarke Joe Pavelski (9 Playoff-Tore) führt die vielleicht beste zweite Reihe (mit Devin Setoguchi und Ryan Clowe) der NHL an, und vor allem der oft kritisierte Joe Thornton wirkte gegen die Red Wings wie ein Superstar, der vom Ziel besessen ist, sein Team zum Cup zu führen.

Was Talent, Schnelligkeit, Größe und Toughness angeht, müssen sich die Blackhawks aber sicherlich nicht vor den Sharks verstecken. Jonathan Toews (20 Scorerpunkte) spielt absolut dominante Playoffs, dazu kommen Patrick Kane, Patrick Sharp oder Marian Hossa, die jederzeit ein Spiel entscheiden können. Niemand ist im Sturm so wahnsinnig tief besetzt wie Chicago. Ihre dritte Reihe könnte bei anderen Teams locker die erste sein.

Sharks-Keeper Jewgeni Nabokow vs. Blackhawks-Star Jonathan Toews
Sharks-Keeper Jewgeni Nabokow vs. Blackhawks-Star Jonathan Toews
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Die Verteidigung der Blackhawks um Duncan Keith und Brent Seabrook ist ohnehin Weltklasse - und Goalie Antti Niemi war bislang nicht der erwartete Schwachpunkt, auch wenn er es teils an Konstanz vermissen ließ. Außerdem top bei Chicago: das Powerplay und das Unterzahl-Spiel.

Die heimlichen Helden: Manny Malhotra vs. Dustin Byfuglien. Als Malhotra 1998 von den New York Rangers gedraftet wurde, dachten viele Experten, er würde sich zu einem Superstar entwickeln. Das ist nicht passiert. Erst nach vielen Jahren der Enttäuschung fand Malhotra in Columbus seine Rolle - und seit seinem Wechsel nach San Jose ist er auch bei den Sharks ein wichtiger Faktor geworden. Ein Rollenspieler, der offensiv nicht völlig ungefährlich ist (33 Scorerpunkte in der Saison), der aber vor allem defensiv top ist. Nicht umsonst steht er immerhin 17 Minuten im Schnitt auf dem Eis. NBA-Star Steve Nash ist übrigens sein Schwager.

Malhotra ist groß, Byfuglien ist noch größer und stärker. Der ehemalige Verteidiger, der jetzt als Flügelstürmer überzeugt, ist ein echtes Monster. Ein Monster, das vor dem gegnerischen Tor sein Unwesen treibt und von den gegnerischen Goalies deswegen gehasst wird. Einfach mal bei Roberto Luongo nachfragen - dem Canucks-Keeper schenkte er in Spiel 3 einen Hattrick ein. Alles was sich bewegt, wird von Big Buff mit Hits versorgt. Es gibt überhaupt nichts Schönes an seinem Spiel, aber jeder würde ihn gerne in seinem Team haben.

Prognose: SPOX hat schon zweimal gegen die Blackhawks gesetzt - und zweimal daneben gelegen. SPOX lernt aber nicht, sondern tippt erneut gegen Chicago. Weil Nabokow trotz allem der bessere Goalie als Niemi ist. Und weil die Blackhawks Matchup-Probleme bekommen werden - Keith/Seabrook können nicht gegen beide Top-Reihen der Sharks auf dem Eis stehen, zudem werden die Sharks ihre Top-Reihen wohl wieder durcheinander wirbeln. Und die unfassbare Dominanz der Auswärtsmannschaften in siebten Spielen (8-2 in den letzten zehn Spielen) kann nicht immer so weitergehen. Es wird eine unglaublich unterhaltsame Serie. Dany Heatley mit dem Game-Winner in Spiel 7 in der zweiten Overtime. Sharks in 7.

Die Playoffs im Überblick

Florian Regelmann

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