Freitag, 21.05.2010

Kolumne von Alexander Sulzer

"Ich bin großer Owetschkin-Fan"

Alexander Sulzer will in der kommenden Saison seinen Durchbruch in der NHL schaffen. Bei den Nashville Predators gehört der Deutsche zu den großen Talenten auf der Verteidiger-Position. SPOX begleitet Sulzer auf dem Weg durch die Saison.

Alexander Sulzer (r.) schreckt auch vor einem amtlichen Handgemenge nicht zurück
© Getty
Alexander Sulzer (r.) schreckt auch vor einem amtlichen Handgemenge nicht zurück

Liebe Eishockeyfreunde,

lange habe ich nichts von mir hören lassen, aber in den letzten Monaten war bei mir eine Menge los. Erst Olympia in Vancouver, dann jede Menge Spiele für Milwaukee in der AHL - und jetzt die grandiose WM im eigenen Land.

Olympia in Vancouver war wirklich ein tolles Erlebnis, auch wenn die Ergebnisse leider nicht so waren, wie wir uns das erhofft hatten. Wir haben eigentlich gar nicht so schlecht gespielt, aber in der entscheidenden Partie gegen Weißrussland war einfach unsere Abwehrleistung nicht gut genug.

Russland - Deutschland: Sa., 17.45 Uhr im LIVE-TICKER

Highlight war natürlich das Spiel gegen Kanada in Kanada. Gegen diese Mannschaft aus All-Stars anzutreten, war unglaublich. Dass sie danach Gold gewonnen haben, hat es für uns umso besser gemacht. Denn es kann schließlich nicht jeder sagen, dass er mal gegen die Olympiasieger von 2010 gespielt hat.

Jede Menge Eiszeit in Milwaukee

Zurück in Milwaukee habe ich dort für den Rest der AHL-Saison jede Menge Eiszeit bekommen. Das hat riesigen Spaß gemacht. Wir haben auch die Playoffs erreicht, sind dort aber leider in der ersten Runde in Spiel 7 gegen Chicago ausgeschieden.

Natürlich wäre es mir lieber gewesen, weiter für Nashville in der NHL spielen zu können, denn dort will ich mich letztlich als Stammspieler etablieren. Im Hinblick auf Olympia und die WM war es speziell in diesem Jahr aber wichtiger, viel zu spielen. Gerade gegen Ende der Saison spiele ich lieber 30 Minuten in Milwaukee, als in Nashville auf der Tribüne zu sitzen.

Lieber Owetschkin als Crosby

Am Sonntag vor dem Testspiel gegen Kanada bin ich dann zur WM nach Deutschland gekommen. Die Stimmung hier im Team könnte nicht besser sein. Am meisten hänge ich mit meinem Zimmerkollegen Michael Wolf, Korbinian Holzer und natürlich Robert Dietrich zusammen. Er ist auch Kaufbeurer und wir haben zusammen in Milwaukee gespielt. Wir kennen uns schon seit 15 Jahren.

Interessant war, dass ich nach den kanadischen Stars bei Olympia bei der WM gegen die russischen Stars gespielt habe. Erst Sidney Crosby, dann Alexander Owetschkin. Ich muss ehrlich sagen: Ich bin großer Owetschkin-Fan. Crosby ist unglaublich gut, aber wenn ich mich entscheiden müsste, wen von beiden ich im Team haben möchte, würde ich Owetschkin wählen.

Das Tolle und gleichzeitig Unglaublche ist, dass ich im Halbfinale noch einmal die Chance bekomme, gegen ihn zu spielen. Das muss ich erst einmal sacken lassen. Halbfinale bei der WM - das ist einfach nur Wahnsinn!

Nächstes Jahr muss der Durchbruch in Nashville kommen

Nach der WM werde ich noch ein paar Tage bei meinen Eltern in Kaufbeuren verbringen, im Sommer bin ich aber durchgehend in Nashville. Die ersten 14 Tage werde ich erst einmal gar nichts machen. Also wirklich gar nichts! Wenn es sein muss, komme ich auch mal einen ganzen Tag lang gar nicht aus dem Bett. Dann geht das Training wieder los. Mitte September beginnt das Trainingscamp, bis dahin muss ich topfit sein. Denn meine Erwartung an mich selbst ist, dass ich mir in der kommenden NHL-Saison einen Stammplatz bei den Predators erspiele. Und wenn es mit Nashville nicht klappt, dann vielleicht mit einem anderen Verein.

Theoretisch auch in der DEL, aber wenn es irgendwie geht, möchte ich auf jeden Fall in den Staaten bleiben. Ich vermisse zwar meine Familie in Deutschland, ich mag aber den Lifestyle in den USA sehr gerne. Die Gelassenheit gefällt mir. Dort rast niemand mit 250 km/h über die Autobahn und macht Lichthupe. An Nashville habe ich mittlerweile auch den Country-Style schätzen gelernt.

Angenehm ist, dass Marcel Goc seit dieser Saison auch in Nashville wohnt. Wir sehen uns oft, und auch unsere Frauen haben viel Zeit miteinander verbracht. Bei Marcel haben wir so manche Weißwurst gegessen. Ja, er bekommt die wirklich in Nashville/Tennessee irgendwo her. Keine Ahnung, wie er das macht.

 

So, nun habe ich aber genug aus dem Nähkästchen geplaudert. Zum Schluss noch wie gewohnt meine Rubriken.

 

Mein Spieler des Monats: Mike Cammalleri. Er hat gegen die Washington Capitals (10 Punkte) und gegen die Pittsburgh Penguins (8 Punkte) unglaublich gut gescort und war neben Jaroslaw Halak der Architekt von Montreals Sensationen.

 

Mein Team des Monats: Philadelphia Flyers. Natürlich. Comeback nach 0-3 in der Serie gegen die Boston Bruins. Comeback nach 0:3 in Spiel 7 - Wahnsinn!

 

Mein Spiel des Monats: Das WM-Eröffnungsspiel auf Schalke gegen die USA. Da kann ich nichts anderes sagen. Die Kulisse war unglaublich. So etwas habe ich noch nie erlebt.

 

Mein Moment des Monats: Lange Zeit dachte ich, es sei das Singen der Nationalhymne nach dem Sieg gegen die USA auf Schalke gewesen. Das war schon Gänsehaut pur. Aber der Viertelfinal-Sieg gegen die Schweiz hat allem die Krone aufgesetzt. Das war der größte Moment in meiner Karriere.

 

Das war es mal wieder. Ich verabschiede mich jetzt wie gesagt in die Sommerpause. Drückt mir die Daumen, dass alles glatt geht und ich im nächsten Jahr in Nashville voll angreifen kann. Ich melde mich wieder!

 

Bis zum nächsten Mal,


Euer Alex

Alexander Sulzer, 25, spielt seit 2007 in der Organisation der Nashville Predators. Der 1,85 Meter große Verteidiger startete seine Karriere beim ESV Kaufbeuren, bevor es ihn nach Hamburg und später nach Düsseldorf zog.  Mit der Nationalmannschaft nahm er 2005, 2007 und 2010 bei der WM sowie 2006 und 2010 bei den Olympischen Spielen teil.

 


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