Donnerstag, 01.04.2010

Schlaglichter März

Deutschland rockt die NHL

In der NHL war auch im März wieder so einiges geboten. Die Botschaften des Monats: Auweia, die Red Wings kommen. Ole, die Deutschen sind so gut wie nie. Und: Hulk Hogan ist jetzt Coach in der 2. Liga.

Dennis Seidenberg ist in der NHL inzwischen bekannt für sein physisches Spiel
© Getty
Dennis Seidenberg ist in der NHL inzwischen bekannt für sein physisches Spiel

Der Spieler des Monats: Pekka Rinne. Warum haben die Nashville Predators einen Playoff-Platz in der Western Conference so gut wie sicher? Die einfache Antwort: weil sie Pekka Rinne haben. Der 27-Jährige aus Kempele im Norden Finnlands war auf der Goalie-Position im März das Nonplusultra. Ein Gegentorschnitt von 1,81, eine Fangquote von 93,4 Prozent, dazu 4 Shutouts - nicht schlecht für einen, der 2004 bis zur achten Runde warten musste, ehe ein Klub sich erbarmte, um ihn zu draften. Rinne ist top.

Neben Rinne verdienen vor allem zwei weitere Jungs Erwähnung: Da ist zum einen Henrik Sedin. Der Schwede setzte seine grandiose Saison mit einem grandiosen März (24 Scorerpunkte in 15 Spielen) fort. Nicht Alex Owetschkin wird die Art Ross Trophy für den Scoring-Champion der Regular Season gewinnen, nicht Sidney Crosby, und schon gar nicht Jewgeni Malkin. Es wird aller Voraussicht nach Henrik Sedin werden. Das sagt schon alles.

Und dann wäre da noch ein gewisser Christos Kostas Tselios, besser bekannt als Chris Chelios. Der gute Mann wurde im Januar 48 Jahre alt, aber von wegen Karriereende, nichts da, im März machte Chelios vier Spiele für Atlanta. Einfach der Wahnsinn, der Typ!

Das Team des Monats: Detroit Red Wings. Jeder, der sich ein bisschen mit der NHL auskennt, der weiß, dass es Dinge gibt, die nicht passieren können. Dass die Red Wings die Playoffs verpassen könnten zum Beispiel. Eine alberne Vorstellung. So war es nur eine Frage der Zeit, bis Detroit seine vielen Verletzungen und Problemchen hinter sich lassen, aufdrehen und sich ganz schnell von einem Nicht-Playoff-Rang entfernen würde. Rechtzeitig zur heißen Saisonphase sind die Red Wings im März mit einer 12-3-Bilanz heiß gelaufen.

Henrik Zetterberg und Pawel Datsyuk kommen immer besser in Fahrt, der eigentliche Schlüssel zu allem steht aber im Tor und heißt Jimmy Howard. Von Chris Osgood spricht in Detroit angesichts der überragenden Leistungen seines Konkurrenten niemand mehr, es ist Howard-Time in der Joe Louis Arena. Man darf gespannt sein, welches das bemitleidenswerte Team sein wird, das in Runde eins gegen Detroit ran muss.

Das Überraschungsteam des Monats: Phoenix Coyotes. Auch wenn man sich inzwischen daran gewöhnt hat, dass Phoenix im Westen unglaublich gut dasteht, muss es hier noch einmal gesagt sein, welch Sensation die Leistung der Coyotes ist. Im März gewann Phoenix zwischenzeitlich neun Spiele in Folge und man fragte sich: Warum eigentlich? Shane Doan ist mit vergleichsweise bescheidenen 53 Punkten Topscorer des Teams, das Powerplay ist ein schlechter Witz.

Wie um alles in der Welt machen die das also? Zum einen gibt es wohl kein Team, das so ausgeglichen und damit unausrechenbar ist. Die entscheidenden Tore können von fast jedem Spieler kommen. Ein Pluspunkt ist außerdem, dass sich die Trades für Lee Stempniak (13 Tore in 14 Spielen) und Wojtek Wolski (13 Scorerpunkte in 14 Spielen) als äußerst geschickt herausgestellt haben. Hinzu kommt eine formidable Defensive mit einem Ausnahme-Goalie (Ilya Bryzgalov, 8 Shutouts), der ein Kandidat für die Vezina Trophy ist.

Die Gurke des Monats: Alexei Kowalew. Was Kowalew genau in der Olympia-Pause gemacht hat, ist nicht überliefert, aber leistungsfördernd war es nicht. Seine Bilanz nach Olympia: 12 Spiele, 0 Tore, 0 Assists, -10. Dass einer der begabtesten Spieler, der jemals in der NHL gespielt hat, so einen langen Zeitraum ohne einzigen Punkt bleiben kann, ist unfassbar. Umso größer war jetzt der Jubel, als Kovy mit seinem Siegtreffer gegen Washington die Flaute beendete. Einen fast genauo bescheidenen Monat wie Kowalew erlebten die Goalies der Blackhawks. Während Antti Niemi wenigstens ab und zu ordentlich Pucks hält, ist Cristobal Huet zum großen Unsicherheitsfaktor geworden. Chicago kann ein noch so gutes Team sein, auf der Goalie-Position gibt es zwei dicke Fragezeichen.

Der Aufreger des Monats: Der dreckige Blindside-Hit von Penguins-Stürmer Matt Cooke, mit dem er Bruins-Star Marc Savard ausknockte und wohl dessen Saison beendete. Cooke wurde zurecht nicht gesperrt, da Mike Richards für eine identische Aktion gegen David Booth früher in der Saison auch straffrei davon kam, aber der Hit war immerhin der Auslöser dafür, dass die NHL in erstaunlicher Schnelligkeit mitten in der Saison eine Regeländerung veranlasste, die solche Hits in Zukunft hoffentlich unterbindet. Ach ja. Eine Pittsburgh-Boston-Serie in den Playoffs könnte interessant werden...

Die Reihe des Monats: Chris Stewart, T.J. Galiardi, Paul Stastny. Nach einer sehr guten Saison scheint den Avs auf der Zielgeraden etwas die Luft auszugehen. Die Playoff-Teilnahme wackelt. Das liegt aber zum einen nicht an Peter Mueller (17 Scorerpunkte in 13 Spielen), der seit seinem Wechsel aus Phoenix grandios spielt, und das liegt zum anderen überhaupt nicht an der GSC-Reihe. Galiardi (21 Jahre), Stastny (24) und Stewart (22) wirbeln die NHL gewaltig durcheinander. Ein aufregendes Trio.

Der Rookie des Monats: Tyler Bozak. Ein ukrainischer Kanadier, der nie gedraftet wurde, ist ein Hauptgrund dafür, dass die Maple Leafs optimistisch in die Zukunft schauen können. Mit 14 Scorerpunkten (5+9) in 16 Spielen machte der 23-Jährige im März auf sich aufmerksam und ist aus Toronto nicht mehr wegzudenken.

Das Spiel des Monats: Caps vs. Pens. Es gibt eine Regel: Wenn in einem Monat Washington und Pittsburgh aufeinander treffen, ist es automatisch das Spiel des Monats. Per Gesetz. Denn jedes einzelne Duell zwischen Alex Owetschkin und Sidney Crosby ist ein Pflichttermin. Auch das dritte Spiel in dieser Saison hatte alles, was ein Eishockeyspiel braucht. Allein die beiden Shootout-Tore von Ovie und Sid waren das Eintrittsgeld wert. Obwohl die Penguins Washington über weite Strecken komplett an die Wand spielten, setzte es im Shootout die dritte Niederlage im dritten Saisonspiel gegen die Caps. Was das für die Playoffs heißt? Rein gar nichts. Sollte es zur Traumserie kommen, sind dennoch die Pens der leichte Favorit.

Die Szene des Monats: Ein kurzer Ausflug weg aus der NHL hinein in die AHL. Dort steht der ehemalige Flames-Coach Jim Playfair jetzt als Coach bei den Abbotsford Heat - dem Farmteam der Flames - an der Bande. Manchmal steht er aber auch nicht an der Bande, sondern auf der Spielerbank, zertrümmert reihenweise Schläger und reißt sich in Hulk-Hogan-Manier das Sakko vom Leib. So geschehen nachdem der Referee im Spiel gegen die Hamilton Bulldogs Playfairs Spieler J. D. Watt vorzeitig zum Duschen schickte, weil er gegen eine Fünf-Minuten-Strafe protestiert hatte. Das sah Playfair anders und wurde zur Internet-Sensation. Ausgerechnet ein Mann, der "Playfair" heißt, rastet komplett aus, ein echter Brüller.

Was machen die Deutschen? Es gibt eine Menge Positives zu berichten von den deutschen NHL-Jungs. Christian Ehrhoff  knüpfte im März (10 Scorerpunkte, 3+7) nahtlos an seine bärenstarke Saison an, insgesamt 41 Scorerpunkte und ein Plus-Minus-Rating von +28 zeigen deutlich, dass sich Ehrhoff als absoluter Top-Verteidiger in der NHL etabliert hat. Genau auf diesem Weg ist auch Dennis Seidenberg. Ziemlich im Verborgenen spielt er eine herausragende Saison. In Florida war Seidenberg schon ein Top-Verteidiger, und seit seinem Trade hat er in Boston noch mal einen Sprung gemacht.

Seidenberg bekommt unglaublich viel Eiszeit, teilweise noch mehr als Zdeno Chara, und auch offensiv (9 Scorerpunkten in 15 Spielen mit den Bruins) kann er sich immer besser entfalten. Seidenbergs Teamkollege Marco Sturm steht bei 21 Saisontoren und ist damit Bostons Top-Torjäger. Seine Plus-Minus-Bilanz (+13) ist ebenso eine der besten im Team. Einer der besten im Team ist in Buffalo seit Wochen Jochen Hecht, der für die Saison bei 41 Scorerpunkten hält (20+21) und schon jede Menge wichtige Tore für die Sabres erzielt hat.

Während Marcel Goc (29 Scorerpunkte, 12+17) in Nashville auch eine sehr gute Rolle spielt, läuft es nur für zwei Deutsche nicht wie gewünscht. Alexander Sulzer hat seit längerem keine Chance mehr bei den Preds erhalten und in Atlanta kann Christoph Schubert wegen einer Hüftverletzung den Thrashers im Kampf um ein Playoff-Ticket nicht helfen. Backup-Goalie Thomas Greiss kommt bei den Sharks weiter nur sporadisch zum Einsatz.

Wer sind die Stats-Leader? Henrik Sedin (Canucks/29+75) führt die NHL mit 104 Scorerpunkten an, gefolgt von Alex Owetschkin (Caps/46+55) mit 101 Scorerpunkten und Sidney Crosby (Penguins/47+47) mit 94 Scorerpunkten. Neben Crosby und Owetschkin kann auch Steven Stamkos (46 Tore) die Regular Season noch als bester Torjäger abschließen. Bei den Verteidigern führt weiter Mike Green (Capitals) mit 72 Scorerpunkten (18+54). Hinter Green folgt Duncan Keith (Blackhawks/13+53) mit 66 Scorerpunkten. Bei den Goalies top: Martin Brodeur (Devils/41 Siege) und Tuuka Rask (Bruins/2.02 GAA/92,9 Prozent Fangquote).

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Florian Regelmann

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