Freitag, 01.01.2010

NHL-Schlaglichter Dezember

Der größte Teufelskerl aller Zeiten

In der NHL war auch im Dezember wieder so einiges geboten. Martin Brodeur wurde zum Shutout-King, die Pens hassten die Devils - und dann waren da noch zwei unglaubliche Peinlichkeiten.

Die Penguins haben Devils-Goalie Martin Brodeur seit Ewigkeiten nicht mehr überwunden
© Getty
Die Penguins haben Devils-Goalie Martin Brodeur seit Ewigkeiten nicht mehr überwunden

Der Spieler des Monats: Martin Brodeur. Es ist an der Zeit, sich vor dem besten Eishockey-Torwart aller Zeiten zu verneigen. Zugegeben, es gab viele große Goalies, aber die Zahlen sprechen eindeutig für Brodeur. Am 21. Dezember stellte der Devils-Keeper beim 4:0-Sieg in Pittsburgh mit seinem 104. Shutout der Karriere einen neuen NHL-Rekord auf. Der Kanadier ließ damit den legendären Terry Sawchuk hinter sich, der in seiner 21-jährigen Karriere zwischen 1949 und 1970 insgesamt 103 Mal ohne Gegentreffer geblieben war. Inwzischen hat der der viermalige Vezina-Trophy-Sieger und dreimalige Stanley-Cup-Champion Brodeur bereits den 105. Shutout folgen lassen. Der 37-Jährige ist einfach ein Phänomen. Er ist der beste Puckhandler unter den Goalies, sein Positionsspiel ist eine Augenweide, seine Reflexe mit der Fanghand sind genauso beeindruckend wie die Ruhe, die er ausstrahlt. Wenn beim kanadischen Olympia-Team eine Personalie klar war, dann die des Goalies. Brodeur wird im Kasten stehen - und er wird wohl seine zweite Olympische Goldmedaille holen.

Das Team des Monats: New Jersey Devils. Über Martin Brodeur ist bereits alles gesagt. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein so überragender Goalie gleichbedeutend mit einem überragenden Team ist. Die Devils haben im Dezember elf von 15 Spielen gewonnen und sich damit an die Spitze der Eastern Conference gesetzt. Ihre Art zu spielen, mag langweilig sein. Falsch, sie ist furchtbar langweilig. Aber wenn es um taktische Perfektion und mannschaftliche Geschlossenheit geht, ist New Jersey das Nonplusultra auf diesem Eishockey-Planeten. Und dazu gibt es mit Zach Parise immerhin auch einen echten Star, der zwischendurch für ein Schmankerl sorgen kann. Das Schlimme für den Gegner: Er weiß vor dem Spiel genau, was auf ihn zukommt und er kann meistens trotzdem nichts dagegen machen. Einfach mal bei den Pittsburgh Penguins nachfragen. Der Stanley-Cup-Champion hat in dieser Saison schon vier Mal gegen die Devils gespielt. Die Ergebnisse: 1:4, 1:4, 0:4, 0:2. Trotz Crosby. Trotz Malkin. Kann man nichts machen, sind die Devils...

Das Überraschungsteam des Monats: Phoenix Coyotes. Es gibt nur noch wenige, die abstreiten, dass Phoenix kein guter Eishockeystandort ist. Die Franchise wird irgendwann wohl an einen anderen Ort verpflanzt werden. Fakt ist: Die Stadt, die die Coyotes dann bekommt, darf sich glücklich schätzen. Denn die Coyotes sind eine der Storys der Saison. Spätestens nach einer 10-2-3-Bilanz im Dezember ist klar, dass dieses Team im Westen ganz vorne mitspielen kann. Hauptgrund für den Erfolg ist eine bärenstarke Defensive - mit einem bärenstarken Ilja Brzygalow (5 Shutouts) im Tor. Shane Doan hat als Topscorer nur 26 Punkte auf dem Konto, aber dafür übernimmt in jedem Spiel jemand anders Verantwortung. Wirklich ein tolles Team, diese Coyotes. Schade, dass die Fans dennoch nicht in die Jobing.com Arena pilgern.

Die Gurken des Monats: Columbus Blue Jackets. In der letzten Saison standen die Blue Jackets noch in den Playoffs. Das können sie in diesem Jahr praktisch schon vergessen. In 16 Spielen ging Columbus im Dezember 14 Mal als Verlierer vom Eis - autsch! Warum es nicht läuft? Vor allem deshalb, weil die Blue Jackets hinten offen wie ein Scheunentor sind. Die Abwehr steht schlecht, was in erster Linie auch mit dem Torwart zu tun hat. Steve Mason, der amtierende Rookie des Jahres, spielt eine überraschend schwache Saison und war über weite Strecken bei weitem nicht der Rückhalt, der er eigentlich sein sollte. Mit einem Shutout gegen Detroit deutete Mason zuletzt wenigstens an, dass er auf dem Weg zurück zu alter Stärke ist. Ihm die Hauptschuld zu geben, wäre auch in höchstem Maße unfair. Von der Offensive kommt abgesehen von Rick Nash auch eindeutig zu wenig.

Die Reihe des Monats: Daniel Sedin/Henrik Sedin/Alex Burrows. Als die Sedin-Zwillinge Anson Carter an ihrer Seite hatten, feierten sie ihren großen Durchbruch. Als Carter dann Vancouver verließ, begann das große Experimentieren. Fast jeder durfte mal mit den Schweden spielen, aber irgendwie harmonierte es nie so richtig. Bis Alex Burrows kam. Der 28-Jährige ist ein unglaubliches Arbeitstier und damit die perfekte Ergänzung für die SSB-Reihe, dank der die Canucks in den letzten Wochen ins Rollen gekommen sind. Henrik Sedin spielt sogar die beste Saison seiner Karriere und liegt in der NHL-Scorerliste mit 53 Punkten (19+34) hinter Joe Thornton auf Rang zwei.

Der Rookie des Monats: Matt Duchene. Dieser Junge ist unglaublich. Er ist wirklich noch ein Junge. Duchene ist gerade mal 18 Jahre alt. Er müsste eigentlich noch in einer Junioren-Liga spielen, aber stattdessen fährt er gestandenen NHL-Abwehrspielern Knoten in die Beine. In 14 Spielen verbuchte Duchene im Dezember 13 Scorerpunkte. In Denver gilt der junge Center längst als der nächste Joe Sakic. Ob er mal so gut wird, muss natürlich abgewartet werden, aber Fakt ist, dass man sich diesen Namen unbedingt merken muss.

Das Spiel des Monats: Montreal Canadiens vs. Boston Bruins. Am 4. Dezember besiegten die Canadiens im Bell Centre die Bruins mit 5:1, Michael Cammalleri erzielte drei Treffer. Was diesen Tag so besonders machte, war das Datum. Denn am 4. Dezember 1909 wurde Le Club de hockey Canadien gegründet und feierte nun also seinen 100-jährigen Geburtstag. Mit 24 Stanley-Cup-Siegen ist Montreal Rekord-Champion. Zur Trauer aller Fans gab es seit 1979 nur noch zwei Titel zu feiern. Eigentlich wäre es für den ruhmreichsten Eishockey-Klub der Welt mal wieder an der Zeit, aber die Playoff-Teilnahme dürfte auch in dieser Saison das höchste der Gefühle sein.

Das Highlight des Monats: Am 3. Dezember gaben die Chicago Blackhawks die Vertragsverlängerungen mit Duncan Keith, Patrick Kane und Jonathan Toews bekannt. Worauf sich alle Blackhawks-Fans noch eine lange Zeit freuen dürfen, zeigte Toews gleich am nächsten Abend im Spiel gegen Nashville. Es waren noch acht Minuten und 18 Sekunden im ersten Drittel zu spielen, als sich Toews im Mitteldrittel die Scheibe schnappte. Was dann kam, ist nur mit einem Wort zu beschreiben: Zucker. Toews erniedrigte Preds-Verteidiger Dan Hamhuis (wahrlich kein schlechter Spieler) mit seinem unglaublichen Stickhandling und seinen Moves - und dann ließ er auch Dan Ellis im Kasten keine Chance. Es gab einige kontroverse Nominierungen, als Kanada seinen Olympischen Kader vorstellte, die Nominierung von Toews gehörte nicht dazu. Er musste dabei sein.

Die Pannen des Monats: An dieser Stelle gilt es eine wichtige Frage zu klären. Was ist peinlicher? Wenn man ein Eigentor fabriziert oder wenn man völlig unbedrängt über einen Meter am leeren Tor vorbei schießt. Der Mann mit dem Eigentor war Stars-Rookie-Verteidiger Ivan Vishnevskiy. Gegen San Jose lag Dallas kurz vor Schluss 2:3 in Rückstand, nahm den Goalie vom Eis und wollte noch mal auf den Ausgleich drücken. So weit kam es aber gar nicht, weil dem bemitleidenswerten Vishnevskiy die Scheibe ins Tor rutschte. Zwei Tage später wurde er übrigens wieder ins Farmteam abgeschoben, die Welt ist so grausam. Nach SPOX-Meinung war aber die "Leistung" von Islanders-Stürmer Nate Thompson noch lächerlicher als das Eigentor. Als Rangers-Keeper Henrik Lundqvist beim Herauslaufen ins Stolpern geriet, hatte Thompson plötzlich freie Bahn und ein freies Tor. Wie er es geschafft hat, daneben zu schießen, bleibt sein Geheimnis.

Was machen die Deutschen? Der Star aus deutscher Sicht heißt weiterhin Christian Ehrhoff. Der Deutsche ist in Vancouver mit 22 Scorerpunkten (9+13) offensiv ein Faktor, herausragend ist aber vor allem seine Plus-Minus-Bilanz. Mit einem Wert von +21 liegt Ehrhoff in dieser Kategorie auf Rang eins in der gesamten Liga. Dennis Seidenberg (14 Scorerpunkte, 1+13) gehört bei den Florida Panthers weiter zu den Top-Verteidigern und darf in der ersten Überzahl-Formation aufs Eis. Christoph Schubert hat sein zweites Tor für die Thrashers erzielt und bekommt weiter ordentlich Eiszeit. Marco Sturm steigert sich in Boston immer mehr. Im Dezember klappte es vor allem mit dem Tore schießen gut (7 Treffer). Jochen Hecht hat in Buffalo weiter hauptsächlich defensive Aufgaben, aber mit acht Scorerpunkten setzte er im letzten Monat auch offensiv Akzente. Marcel Goc ist in Nashville mit 13 Scorerpunkten (6+7) in 15 Spielen geradezu explodiert. Alexander Sulzer macht in Nashville dagegen weiter eine harte Zeit durch. Er ist und bleibt ein Pendler. Fünf Spiele machte er für die Preds, dann musste er wieder zurück in die Minor League, und jetzt wurde er aufgrund einer Verletzung von Kevin Klein schon zum vierten Mal wieder aus dem Farmteam geholt. Thomas Greiss kam in San Jose zu drei Einsätzen. Und er spielte dreimal stark. Beim 3:2-Sieg in Phoenix an Silvester parierte Greiss 34 Schüsse - im Shootout stoppte er dann sogar noch alle sechs Coyotes-Schützen.

Wer ist verletzt? Kurz ein Überblick über die wichtigsten Ausfälle. Besonders schlimm hat es die Ottawa Senators erwischt, die längere Zeit auf Jason Spezza (Knie) und Daniel Alfredsson (Schulter) verzichten müssen. Bei den New York Rangers hat sich Vinny Prospal mit einer Knieverletzung auf die Verletztenliste veraschiedet - und in Anaheim warten die Ducks auf die Rückkehr von Teemu Selänne (Handbruch) und Ryan Getzlaf (Risswunde am Bein).

Wer sind die Stats-Leader? Joe Thornton (Sharks/11+44) führt die NHL mit 55 Scorerpunkten an, gefolgt von Henrik Sedin (Canucks/19+34) mit 53 Scorerpunkten, Marian Gaborik (Rangers/26+25) mit 51 Scorerpunkten und Alexander Owetschkin (Capitals/26+24) mit 50 Scorerpunkten. Die Überraschung in den Top 10: Tomas Plekanec (Canadiens/10+36) mit 46 Scorerpunkten. Topscorer bei den Verteidigern ist Mike Green (Capitals) mit 38 Scorerpunkten (9+29), ins kanadische Olympia-Team hat er es trotzdem nicht geschafft. Hinter Green folgen Duncan Keith (Blackhawks/6+29) und Tomas Kaberle (Maple Leafs/3+32) mit je 35 Scorerpunkten. Bei den Goalies top: Martin Brodeur (Devils/25 Siege) und Tuuka Rask (Bruins/1.85 GAA/93,5 Prozent Fangquote).

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Florian Regelmann

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