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NFL

"Eine Kanone als Arm" - Alexander Honig: Dieser deutsche Quarterback will die USA erobern

Von Jan Dafeld
Alexander Honig will den Sprung an ein US-College schaffen.

Alexander Honig ist Quarterback in der Jugend der Schwäbisch Hall Unicorns und hat mit gerade mal 17 Jahren bereits ein Stipendium von einer US-Universität angeboten bekommen. Seine Statur und Athletik lassen Scouts ins Schwärmen geraten. Die NFL bleibt sein großes Ziel.

Als Jim Harbaugh im Sommer 2017 bei einem Workout mit einer Gruppe junger Quarterbacks hörte, wie groß die Hände eines der dort trainierenden Youngsters sein sollte, glaubte er wohl, er höre nicht recht. 28 Zentimeter vom Handgelenk bis zur Fingerspitze? Solche Maße findet man für gewöhnlich allenfalls in der NBA.

Der Head Coach der Michigan Wolverines vergewisserte sich also selbst, sprach den großgewachsenen Jungen an und verglich seine Hand mit der des Talents. Harbaugh staunte nicht schlecht: Solche Hände waren in der Tat außergewöhnlich. Ebenso außergewöhnlich allerdings: Der junge Mann, mit dem Harbaugh sprach, war Alexander Honig. Ein Deutscher.

Dass Honig mit gerade mal 15 Jahren bereits an Trainingsübungen in den USA teilnehmen durfte, ist bemerkenswert. Doch Honig ist aus einem besonderen Holz geschnitzt. Das dürfte spätestens klar werden, sobald man dem gebürtigen Bayern gegenübersteht.

Mit gerade mal 17 Jahren ist Honig knapp zwei Meter groß und bringt rund 105 Kilo auf die Waage. Als er sich in den USA verschiedenen athletischen Tests unterzog, stach deutlich mehr als nur seine großen Hände hervor: Honig lief eine 4,7 im 40-Yard-Dash, mehr als zwei Zehntel schneller als der durchschnittliche Quarterback bei der NFL Combine, sein Ergebnis beim vertikalen Sprung wäre das beste seit über fünf Jahren gewesen.

Robert Griffin III war der letzte Quarterback, der bei der NFL Combine einen besseren Wert erzielte. "Er ist riesig, stark und athletisch", wird Barton Simmons, der Scouting-Direktor von 247Sports bei Bleacher Report zitiert. "Er hat einzigartige athletische Eigenschaften und eine Kanone als Arm."

Alexander Honig lernt Football durch seinen Vater kennen

Dass Honig überhaupt Football als Sport für sich entdeckte, hat er wohl seinem Vater zu verdanken. Bereits 1981, als Football in Deutschland noch eine kleine Randsportart war, besuchte James Honig erstmals ein Football-Training. "Niemand war wirklich ein Fan von diesem Sport", so Honig gegenüber Bleacher Report. "Den Leuten war es damals zu brutal."

Doch James Honig ließ sich nicht abschrecken. 15 Jahre lang lief er als Linebacker auf, spielte in zwei Europa-Cup-Finals und schaffte es ins deutsche All-Star Team. Kurz vor der Geburt seiner Söhne hing er die Schuhe an den Nagel. Doch als Christian und Alexander älter waren, kehrte er nochmal auf den Platz zurück. Als Guard und mittlerweile auf einem niedrigeren Niveau, doch seine Söhne waren infiziert.

"Ich habe zuerst Fußball gespielt, so wie jedes deutsche Kind, aber ich wollte etwas Neues anfangen", so Alexander Honig bei Bleacher Report. "Mein Vater hat mich nie dazu gedrängt, Football zu spielen. Es war meine eigene Entscheidung, nachdem ich zugesehen hatte. Ich hatte mich schnell in den Sport verliebt."

Mit acht Jahren begann Honig, Flag Football zu spielen, mit 14 tauschte er die Flaggen gegen Pads ein. Der junge Quarterback lief zunächst für die Nürnberg Rams auf, doch schon früh war klar, dass Honig auf einem höheren Level würde spielen können. Vor drei Jahren schloss er sich den Schwäbisch Hall Unicorns, einem der besten Teams in der German Football League, an. "Es ist sicherlich hilfreich, in einer der besten, wenn nicht der besten Jugendorganisationen in Deutschland zu spielen. Das Training bei den Unicorns hat mich auf jeden Fall auf ein neues Level gebracht", meint Honig, der aktuell noch in der U17 des amtierenden deutschen Meisters zum Einsatz kommt.

Honig erhält Angebot der Universität von Massachusetts

Wie lange Honig tatsächlich noch für die Unicorns auflaufen wird, bleibt allerdings abzuwarten. In den USA ist der Deutsche mittlerweile mehr als nur ein Geheimtipp. Nach dem U17-Jugendländerturnier, bei dem Honig zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, wurde der Youngster zur All American National Combine nach San Antonio eingeladen. Die athletischen Fähigkeiten, die er dort demonstrierte, ließen seinen Stern am Football-Himmel noch höher steigen.

In zwei Jahren wird Honig in die NCAA in den USA wechseln können. Sein erstes Angebot für ein Stipendium hat er schon jetzt erhalten. "Ich war mir sicher, dass ich das Zeug dazu habe, in nächster Zeit ein Stipendiumsangebot zu bekommen", so Honig, der jedoch auch zugibt: "Als die Nachricht kam, war ich aber schon etwas geschockt und überrascht. Plötzlich war es so real."

Das Angebot stammt von der Universität von Massachusetts. Für die Minutemen liefen in der Vergangeheit bereits namhafte Spieler wie Victor Cruz oder Andy Isabella auf. Noch hält sich Honig aber alle seine Optionen offen. "Ich würde liebend gerne vorhersagen, dass er bei UMass unterschreiben und uns zum Titel führen wird", sagt LJ Collier, UMass-Alumnus und Ex-NFL-Spieler, der heute Football-Nachwuchsspieler in Europa unter die Lupe nimmt, gegenüber Bleacher Report. "Aber ganz ehrlich: Ich kann ihn mir auch bei Notre Dame, USC oder einem anderen der großen Programme vorstellen."

Alexander Honig will ein Quarterback bleiben

Bevor diese große Entscheidung ansteht, hat Honig noch etwas Zeit. Zunächst möchte der 17-Jährige in Deutschland sein Abitur machen, alles weitere soll sich dann zeigen.

Klar ist aber schon jetzt: Über die physischen Voraussetzungen, um es auch auf der anderen Seite des großen Teichs schaffen zu können, verfügt Honig ohne jeden Zweifel. Als er bei einem Workout für Penn State ein paar Übungen als Tight End machen sollte, staunte einer der Coaches anschließend: "Ich glaube, du bist ein richtig guter Quarterback. Aber du könntest auch ein Tight End in der NFL werden."

Zunächst ist ein Positionswechsel für Honig jedoch keine Option. Seit er ein Kind war, ist Tom Brady sein großes Vorbild. Es als Quarterback in die NFL zu schaffen, bleibt sein großer Traum. Collier glaubt, dass dieser eines Tages tatsächlich Wirklichkeit werden könnte. "Als ich Alexander das erste Mal traf, wusste ich, dass er etwas Besonderes an sich hat", so der ehemalige Defensive Lineman gegenüber Bleacher Report. "Wenn man sich einen Quarterback bauen könnte, dann würde er so aussehen wie er."

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