NFL

Mayfield, Jackson und Co.: Die Second-Year-Quarterbacks unter der Lupe

Von Jan Dafeld
Baker Mayfield und Lamar Jackson gehen in ihr zweites Jahr in der NFL.
© getty
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Josh Allen (Buffalo Bills)

Dr. Jekyll oder Mr. Hyde? Wie wird sich Josh Allen präsentieren? Diese Frage stellte sich in der vergangenen Saison jede Woche, bei jedem Play. In einer mit nur wenig Talent gesegneten Offense stellte der 23-Jährige seine Athletik sowie seine brutale Armstärke mehrfach unter Beweis, äußerst fragwürdige Entscheidungen sowie mangelnde Genauigkeit waren allerdings ein ebenso großer Teil seines Spiels 2018.

Allen hielt zahlreiche Plays als Scrambler am Leben und wurde immer wieder selbst zu einem gefährlichen Runner, wies allerdings auch das schlechteste Passer Rating aus einer sauberen Pocket sowie die schlechteste Adjusted Completion Percentage der Liga auf.

Dementsprechend ließen die Bills in den vergangenen Monaten nichts unversucht, um ihrem Franchise Quarterback bestmöglich unter die Arme zu greifen. Center Mitch Morse und Tackle Ty Nsekhe sollen die Offensive Line ebenso verstärken wie Rookie Cody Ford, sodass Allen 2019 nicht mehr konstant um sein Leben laufen müssen wird.

Darüber hinaus kommt mit Cole Beasley ein sehr verlässlicher Receiver über die Mitte des Feldes, wo Allen in der vergangenen Saison große Probleme offenbarte, sowie Speedster John Brown, der mit der riesigen Armstärke seines neuen Quarterbacks gut harmonieren sollte.

Bills-ZugängeBills-Abgänge
Mitch Morse (C, Free Agent)Jordan Mills (T, Free Agent)
John Brown (WR, Free Agent)John Miller (G, Free Agent)
Cole Beasley (WR, Free Agent)Ryan Groy (C, Free Agent)
Ty Nsekhe (T, Free Agent)Charles Clay (TE, Free Agent)
Cody Ford (G, Draft)Chris Ivory (RB, Free Agent)
Devin Singletary (RB, Draft)
Dawson Knox (TE, Draft)
Frank Gore (RB, Free Agent)
TJ Yeldon (RB, Free Agent)
LaAdrian Waddle (T, Free Agent)

All diese Moves können Allen im kommenden Jahr deutlich helfen; die größten Fragezeichen bleiben allerdings weiter bestehen: Eine solide Offensive Line hilft nicht, wenn der Quarterback nach seinem ersten Read bereits zum Scramble ansetzt. Das beste Paar von Händen ist nutzlos, wenn der Pass zwei Meter im Rücken des Receivers landet.

Der 23-Jährige wird nicht der neue Tom Brady werden. Das erwartet auch niemand von ihm, sein bisheriger Spielstil wird dauerhaft allerdings nicht zielführend sein können. Somit liegt auf der Hand: Allen wird 2019 nächsten Schritt als Passer machen müssen. Andernfalls dürfte er in der NFL kaum dauerhaft bestehen können.

Josh Rosen (Miami Dolphins)

Es ist kein Geheimnis, das Rosen im vergangenen Jahr in der so ziemlich schlimmsten Situation landete, in der man sich als Rookie-Quarterback nur wiederfinden kann. Ein antiquiertes offensives System, das während der laufenden Saison überholt wurde, ein verletzter Sam Bradford, der Rosen ohne lange Vorbereitung zum Starting Quarterback machte, ein schwaches Receiving Corps sowie eine von Verletzungen geplagte Offensive Line, die zu den schlechtesten Units der letzten Jahre gehörte.

Allerdings trifft auch Rosen durchaus Schuld an den schwachen Vorstellungen der Cardinals in der Vorsaison. Denn er war nicht nur unter Druck schwach, auch aus einer sauberen Pocket legte er die schlechtesten Werte aller Starting Quarterbacks auf. Besonders bei kurzen und mittellangen Routen offenbarte er klare Schwächen, überraschenderweise auch bei seiner Genauigkeit, die am College noch zu seinen Stärken zählte.

Hier wird Rosen in Miami zeigen müssen, wie viel davon im letzten Jahr tatsächlich dem konstanten Druck geschuldet war. Denn: Bei aller berechtigten Kritik zeigte der 22-Jährige durchaus auch, wieso er vor einem Jahr in der ersten Runde gedraftet wurde. In fast jedem Spiel zeigte Rosen mehrere "Wow"-Würfe - nun gilt es, Konstanz in seine Leistung zu bringen.

Dolphins-ZugängeDolphins-Abgänge
Josh Rosen (QB, Trade)Ryan Tannehill (QB, Trade)
Ryan Fitzpatrick (QB, Free Agent)Ja'Wuan James (T, Free Agent)
Jordan Mills (T, Free Agent)Danny Amendola (WR, entlassen)
Dwayne Allen (TE, Free Agent)Ted Larsen (G, Free Agent)
Michael Deiter (G, Draft)Frank Gore (RB, Free Agent)
Isaiah Prince (T, Draft)
Myles Gaskin (RB, Draft)
Chandler Cox (FB, Draft)

Das größte Fragezeichen in Miami ist dabei Ryan Fitzpatrick. Wie schon im letzten Jahr hat Rosen den Starting Job nicht garantiert. Nach dem Trade für Rosen wäre Miami allerdings gut beraten, den Youngster genug spielen zu lassen, um ihn unter normaleren Umständen für die Zukunft bewerten zu können.

Die Voraussetzungen, um sich als Franchise-Quarterback in Szene zu setzen, scheinen in Miami schon mal besser zu sein als im Vorjahr. Das Receiving-Corps mit Kenny Stills, DeVante Parker und Albert Wilson ist kein schlechtes, auch Tight End Mike Gesicki ist mit seiner Athletik eine interessante Receiving-Option.

Die Offensive Line bereitet allerdings einmal mehr Kopfzerbrechen. Das Tackle-Duo aus Laremy Tunsil und Jordan Mills könnte ein solides sein, die Interior Line weist allerdings mit mehr Fragen als Antworten auf. Trotz dieser deutlichen Makel sollte Rosen 2019 zumindest etwas regelmäßiger aus einer sauberen Pocket spielen können.

Dabei wird er nun zeigen müssen, dass zu mehr in der Lage ist, als zu gelegentlichen Highlight-Würfen. Andernfalls dürfte Miami im kommenden Jahr auf Quarterback-Suche gehen - und er wohl eine Backup-Rolle einnehmen.

Lamar Jackson (Baltimore Ravens)

Ist Lamar Jackson ein überragender Spieler, der sein Team zu sechs Siegen in seinen ersten sieben Starts geführt hat? Oder ist er ein unfähiger Quarterback, der den Ball keine zwei Meter zu seinem Mitspieler werfen kann? Ist er ein zukünftiger MVP-Kandidat oder ein zukünftiger Running Back? Die Wahrheit dürfte - zumindest nach seinem ersten NFL-Jahr als Maßstab - irgendwo in der Mitte liegen.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Jacksons Leistungen als reiner Passer in der vorangegangenen Saison nur wenig erfolgversprechend waren. Der 22-Jährige wies Probleme aus einer sauberen Pocket auf, war anfällig gegen den Blitz und schwach bei Würfen in Richtung Seitenlinie. Vor allem Jacksons Genauigkeit bleibt ein massiver Kritikpunkt im Spiel des Superathleten. Im Vorjahr wies kein Quarterback hier größere Probleme auf, vor allem bei kurzen und bei weit offenen Würfen war die Diskrepanz zum Rest der Liga enorm.

Ravens-ZugängeRavens-Abgänge
Marquise Brown (WR, Draft)Joe Flacco (QB, Trade)
Mark Ingram (RB, Free Agent)John Brown (WR, Free Agent)
Miles Boykin (WR, Draft)Michael Crabtree (WR, entlassen)
Ben Powers (G, Draft)Alex Collins (RB, Free Agent)
Justice Hill (RB, Draft)Javorius Allen (RB, Free Agent)
Trace McSorley (QB, Draft)

Ein ähnlich guter - und vor allem: genauer - Passer wie der Liga-Durchschnitt wird Jackson also aller Voraussicht nach tatsächlich nicht mehr werden. Aber: Er muss es auch gar nicht. Jacksons Skillset macht ihn nicht nur zum gefährlichsten Runner aller Quarterbacks, es öffnet zwangsläufig auch größere Passfenster, zum Beispiel hinter den Linebackern, sodass er sich kleinere Ungenauigkeiten am ehesten erlauben kann.

Der nächste Schritt für ihn wird somit weniger sein, perfekte Würfe in enge Fenster zu perfektionieren, sondern die klaren Fehlwürfe soweit es geht zu reduzieren.

Die Ravens haben bereits deutlich gemacht, dass sie 2019 einen weniger Run-lastigen Ansatz in der Offense verfolgen wollen. Vorausgesetzt bei diesen Ansagen handelt es sich nicht um reine Nebelkerzen der Coaches, dürfte es in der neuen Offense von Baltimore vor allem darum gehen, seinem jungen Quarterback so viele einfache und offene Würfe wie möglich zu ermöglichen.

Das stark besetzte Tight-End-Arsenal sollte dabei eine ähnlich zentrale Rolle einnehmen wie Rookie Marquise Brown, der mit seiner Schnelligkeit und Flinkheit perfekt mit Jacksons Skillset harmonieren sollte.

Die Offense der Ravens dürfte zu Beginn der neuen Saison zu den spannendsten der Liga zählen. Gelingt es Jackson als Passer den nächsten Schritt zu machen, könnten Head Coach John Harbaugh und Offensive Coordinator Greg Roman die Liga tatsächlich auf dem falschen Fuß erwischen. Mit einem primären Runner als Quarterback dürfte die Offense hingegen früh auf dem Boden der Tatsachen anlangen.

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