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Washington Redskins nach dem NFL Draft: Bringt Dwayne Haskins die Wende?

Die Washington Redskins haben Dwayne Haskins mit dem 15. Pick im NFL Draft 2019 gezogen.

Nach dem Draft scheinen die Washington Redskins für die Zukunft gerüstet. Allen voran Quarterback Dwayne Haskins weckt Hoffnungen, sieht sich aber noch einiger Hürden gegenüber. Steigt jetzt der Druck auf das Team von Head Coach Jay Gruden oder siegt bei Owner Dan Snyder am Ende die Vernunft?

Die Washington Redskins standen vor dem Draft vor mehreren größeren Aufgaben. Zum einen ging es darum, das Team insgesamt zu verbessern. Schließlich gab es genügend Baustellen in zahlreichen Mannschaftsteilen. Auf der anderen Seite aber spielte immer auch der Gedanke mit, dass man ja eigentlich auch einen Quarterback gebrauchen könnte, schließlich wusste und weiß niemand, ob, und wenn ja, wann Alex Smith nach seinem katastrophalen Beinbruch nochmal aufs Feld zurückkehren wird.

Letztlich gelang es der Franchise, beide Gesichtspunkte unter einen Hut zu bringen! Mit dem 15. Pick wurde Ohio-State-QB Dwayne Haskins ausgewählt, für viele der zweitbeste Quarterback im Draft nach First-Overall-Pick Kyler Murray. Später tradete Washington dann für Edge-Rusher Montez Sweat auch noch auf Position 26 hoch. Auch Sweat gilt als einer der besten Spieler seiner Positionsgruppe.

Mit Wide Receiver Terry McLaurin bekamen die Skins auch noch einen College-Buddy von Haskins, auch Running Back Bryce Love ist ein Rookie, der sofort einschlagen könnte - auch wenn Derrius Guice kein Fan von diesem Move war.

Unterm Strich legten die Redskins einen sehr guten Draft hin (SPOX-Draft-Grade: 1-) und wären 2018 mit weniger Verletzungspech vielleicht schon fähig gewesen, die Playoff-Plätze anzugreifen. Mit Haskins, Sweat und Co. erhöht sich nun also der Druck auf Washington. Müssen die Redskins jetzt liefern?

Dwayne Haskins: Ein Geschenk der Konkurrenz im NFL Draft

Die Tatsache, dass den Redskins Haskins gewissermaßen in den Schoß gefallen ist, ohne Trade oder dergleichen, ist durchaus bemerkenswert. Genügend Teams vor ihnen hätten den großen Pocket Passer sicherlich auch gut gebrauchen können - darunter auch eines in der NFC East.

So haben es die Redskins geschafft, ihr Team über den Draft in mehreren Bereichen zu verbessern. Nach drei Jahren ohne Playoffs und nur einer Playoff-Teilnahme in der fünfjährigen Amtszeit von Head Coach Jay Gruden war dies auch bitter nötig. Denn: Owner Dan Snyder ist bekanntlich kein Mann, der für größte Geduld steht.

NFL Draft 2019: Die Picks der Washington Redskins

RundePickSpielerPositionCollege
115Dwayne HaskinsQBOhio State
126Montez SweatEDGEMississippi State
376Terry McLaurinWROhio State
4112Bryce LoveRBStanford
4131Wes MartinOGIndiana
5153Ross PierschbacherOGAlabama
5173Cole HolcombLBNorth Carolina
6206Kelvin HarmonWRN.C. State
7227Jimmy MorelandCBJames Madison
7253Jordan BrailfordEDGEOklahoma State

Doch auch in Washington gilt: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Haskins ist sicher ein gutes Prospect, doch kommt auch er mit einigen Fragezeichen. Das größte: Kann er NFL-Defenses lesen?

Haskins gilt als schlauer Bursche, beeindruckte die Redskins vor allem in persönliche Gesprächen und an der Taktiktafel und legte eine großartige Saison 2018 - seine einzige als Starter für die Buckeyes - hin. Doch spielte er dort auch in einem System, das viel Wert auf Run Pass Options und Screens legte. Das alleinist nicht zwingend ein Problem, schließlich setzen auch in den Pros immer mehr Teams auf RPOs. Bedenklich ist allerdings, dass die gegnerischen Defenses in der NFL ein anderes Niveau - und ein anderes Verhalten - an den Tag legen. Und: RPOs sind nicht unbedingt die beste Grundlage für einen QB, um das Lesen einer komplexen NFL-Defense zu erlernen.

Dwayne Haskins - Vorteil: Pocket-Passer

Die Tatsache, dass Haskins ein starker Pocket-Passer ist und innerhalb der Struktur des Plays besonders gut ist, lässt wiederum hoffen, dass die Anpassung an die NFL für ihn nicht allzu schwer werden wird. "Er ist ein großer, starke Bursche", analysierte Gruden seinen neuen QB: "Er kann in der Pocket manövrieren. Er kann sich mit seiner Größe und seiner Kraft Zeit verschaffen - Leute prallen von ihm ab, also kann er einen guten Job in der Pocket machen."

Freilich weiß aber auch Gruden, dass bei Haskins noch Raum für Verbesserungen besteht: "Es gibt ein paar Dinge, an denen er noch arbeiten kann, und ein paar, an denen er noch arbeiten muss. Er kann an allem arbeiten, wie es jeder Quarterback kann. Tom Brady arbeitet heute immer noch an bestimmten Dingen, Drew Brees auch. Und ich denke, dass Dwayne so einer ist, der sehr gerne an Dingen arbeitet. Und das hat uns auch zu ihm geführt."

Zudem dürfte die Zeit für Haskins sprechen. Aktuell ist weiterhin davon auszugehen, dass die Redskins zunächst wie geplant mit Case Keenum in die kommende Saison gehen werden - eine Wunderheilung von Smith mal ausgeschlossen. Und dann stellt sich zunächst eben erstmal die Frage, wie gut Keenum und die Skins spielen werden. Läuft es gut und bewegen sich die Redskins auf Playoff-Kurs, dann sehen wir Haskins voraussichtlich erst 2020. Geht es dagegen schnell in die falsche Richtung, dann wird Haskins wie viele andere junge QBs der letzten Zeit schnell ins kalte Wasser geworfen werden.

Eine Konstellation, die Haskins aber nicht neu wäre. In seiner Redshirt-Freshman-Saison 2017, in der er hinter J.T. Barrett nur gelegentlich mal aufs Feld durfte, verletzte sich der Starter ausgerechnet Ende November im Klassiker gegen den Erzrivalen Michigan. Haskins musste also spät im dritten Viertel mit einem Sechs-Punkte-Rückstand ran.

Bis dahin hatte Haskins nur in der Garbage Time das Feld gesehen. Nun aber stand er im Mittelpunkt und musste sich kurz darauf einem 3rd-and-13 gegenüberstellen. Seine Reaktion: Ein sehenswerter Pass durch zwei Verteidiger für ein First Down. Er beendete die Partie mit 6/7 Pässen für 94 Yards und einem Comeback-Sieg im Big House.

Washington Redskins: Letzter Super Bowl Sieg 1991

Druck sollte also kein Hindernis für den Rookie sein, der diesem bei den Redskins früher oder später naturgemäß gegenüberstehen wird. Washingto dürstet nach Erfolg und läuft seit 1991 einer Saison hinterher, in nicht nur letztmals mehr als zehn Siege eingefahren werden konnten (14-2), sondern sogar der Super Bowl gewonnen wurde.

Seit dem ersten Rücktritt von Erfolgscoach Joe Gibbs (1992) erreichten die Redskins noch fünf Mal die Playoffs. In 26 Jahren. Letztmals war dies 2015 der Fall, in Grudens zweiter Saison mit Quarterback Kirk Cousins an der Spitze des Teams. Damals reichte eine 9-7-Bilanz gar zum Division-Titel.

Angesichts eines starken Cowboys-Team sowie einem weiterhin sehr gut besetzten Eagles-Teams wird aber auch die kommende Saison kein Zuckerschlecken für die Redskins werden. Die Franchise hat sich personell verbessert und ist mit Haskins für die Zukunft gut aufgestellt.

Doch über eines sollte man sich in DC im Klaren sein: Der Draft 2019 bietet eine Grundlage für eine womöglich gute Zukunft - inwiefern diese aber schon in der kommenden Saison beginnt, darf aktuell noch bezweifelt werden.

Besonders der ungeduldige und sprunghafte Snyder sollte sich dessen bewusst sein und auch bei einem möglichen weiteren schwachen Jahr genau hinterfragen, ob dann schon die Reißleine gezogen werden sollte.

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