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Draft 2019: Byron Murphy - unverhoffte Vaterfreuden als Wendepunkt zur NFL

Byron Murphy könnte in der ersten Runde des NFL Drafts 2019 gezogen werden.

Im NFL Draft 2019 stehen Defensive Backs nicht unbedingt im Rampenlicht. Einer, der den Sprung dennoch hoch in Runde 1 schaffen könnte, ist Byron Murphy von der University of Washington. Trotz körperlicher Defizite macht er vieles mit Spielintelligenz und Intensität wett. Seine persönliche Entwicklung ist geprägt von einer unerwarteten Wendung.

In der diesjährigen Draft-Klasse stehen Defensive Backs eher im Schatten der anderen Positionsgruppen. Gerade auf den oberen Positionen stehen eher die Top-Edge-Rusher, Wide Receiver, oder Defensive Tackles im Rampenlicht.

Doch auch in Sachen Cornerbacks hat die Klasse von 2019 einiges zu bieten. Einer, der vielleicht etwas unter dem Radar fliegt, ist Byron Murphy von der University of Washington.

Dabei sollte man sich zuvorderst mal vom ersten Eindruck freimachen.

Er ist nur knapp 1,80 Meter groß und auch nicht sonderlich schnell - bei der Combine lief er eine überschaubare 4,55 40-Yard-Dash-Zeit, was bei seiner Größe nicht gerade als Elite-Speed zu bezeichnen ist. Doch er wirkt im Spiel größer als er ist, was auch an seinen 86 Kilogramm liegt, die er sich seit Saisonende antrainiert hat.

Murphy kommt allerdings auch mit einem Beipackzettel, der zu beachten ist: Er ist kein universell brauchbarer Cornerback, aber immerhin einer, der gerade in Zone Coverage groß aufspielt. Er versteht es, an seinen Gegnern dran zu bleiben, obgleich er auf dem College dafür vielleicht zu häufig die Hände eingesetzt hat - in der NFL hagelt es dafür Flaggen.

Zone sollte ihm allerdings dabei helfen, seine Defizite im Sprint-Speed zu maskieren. Zudem spricht für den Jungen aus Arizona, das er noch extrem jung ist. Mit gerade mal 21 Jahren kommen nicht viele in die NFL. Als Redshirt-Sophomore auch nicht unbedingt.

Byron Murphy: 2-Sport-Star auf der High School

Zu High-School-Zeiten war aber bereits für alle ersichtlich, dass es sich bei Murphy um einen großartigen Athleten handelte. Damals spielte er nicht nur einen zuverlässigen Cornerback - mit sieben Interceptions in seinem Senior-Jahr - sondern auch Wide Receiver. Und wie: 88 Receptions für 1.733 Yards und 21 Touchdowns. Und er war ein 2-Sport-Star, spielte ebenfalls auf hohem Niveau High-School-Basketball.

"Er hätte Basketball, Wide Receiver oder Defensive Back auf Division-I-Level spielen können", sagte Jason Mohns, Murphys Head Coach an der High School von Scottsdale Saguaro zu The Athletic. "Er war ein instinktiver Football-Spieler mit den besten Ball-Skills, die ich je gesehen habe - eine verblüffende Fähigkeit, den Ball zu tracken, natürliche Fang-Skills, eine flüssige Beweglichkeit in den Hüften und schnelle Füße. Man konnte den Basketball-Hintergrund so richtig sehen."

Sein Weg im Football schien damit schon vorgezeichnet. Als Schüler in Arizona erschien es naheliegend, dass er sich auch ein College in diesem Bundesstaat aussuchen würde. In der Endauswahl stand letztlich Arizona State - zusammen mit den Huskies.

Am Ende aber fiel die Entscheidung doch zugunsten Washingtons. Der Hauptgrund: Head Coach Chris Petersen und Defensive Backs Coach Jimmy Lake. Speziell Letzterer hatte es Murphy angetan: "Ich hatte das Gefühl, dass er der beste Coach auf und neben dem Platz war, er und Coach Pete", sagte Murphy: "Er ist einer der besten DB-Coaches der Nation, denke ich."

Seine Entscheidung für die Huskies hatte auch mit seiner generellen Motivation zu tun: "Ich wollte etwas Neues machen, eine neue Erfahrung machen. Ich hatte das Gefühl, dass dies der beste Ort für mich war."

Byron Murphy: Raus aus der Komfortzone

"Es wäre viel einfacher für ihn gewesen, zu Arizona State zu gehen", sagte Mohns: "Ich denke, er erkannte, dass er von den Leuten in seinem Umfeld weg und aus seiner Komfortzone raus musste, um wirklich erwachsen zu werden."

Und erwachsen werden musste Murphy schneller als er dachte. Noch vor seinem ersten Training bei den Huskies ereilte ihn die Nachricht, dass er Vater werden würde.

Alex, die Mutter seines Sohnes Malakai, lebt in Arizona und verständlicherweise wollte Murphy so nah dran wie möglich sein, dachte sogar an einen Transfer zu ASU. "Ich habe mit meiner Mutter gesprochen. Ich habe sie gefragt: 'Mom, soll ich nach Arizona zurückgehen? Was soll ich machen?' Und sie sagte: 'Du hast deine Entscheidung bereits getroffen. Nun bleibst du auch dabei. Alles Weitere wird sich ergeben.'"

Gegenüber The Athletic erklärte Shannon Strickland, Murphys Mutter: "Ich habe ihm gesagt, dass dies als Grund nicht gut genug sei, und, dass er sich in seinem Herzen darüber klar werden müsse. Irgendwie hat er das geschafft. Er hat das Richtige getan."

Letzten Endes ergab sich alles von selbst, wie Strickland prognostizierte. Murphy wurde zum Star-Cornerback, wurde 2018 ins First Team All-Pac-12 gewählt und krönte seine College-Karriere mit dem MVP-Titel im Pac-12 Championship Game - Washington schlug Utah 10:3 und Murphy fing zwei Interceptions, von denen er eine zum einzigen Touchdown der Partie zurück trug.

Washington Huskies: Byron Murphy meldet zum NFL Draft

Anfang Januar dann gab er seine Entscheidung bekannt, sich für den Draft anzumelden. Eine Entscheidung, die seine Coaches voll und ganz unterstützten. Als Murphy die beiden informierte, sagten beide: "Wenn ich dein Vater wäre, würde ich dir raten, genau das zu tun." Zuvor hatte er eine Saison mit vier Interceptions und 58 Tackles abgeschlossen und sich als einer der besten Cornerbacks im Land etabliert.

Dass es eines Tages so kommen würde, war allerdings nicht immer abzusehen. Als Murphy in Seattle ankam, sah er nicht einmal das Feld. Es herrschte ein Überangebot an guten Cornerbacks, darunter Sidney Jones und Kevin King, die beide im Draft 2017 in der zweiten Runde gezogen wurden. Murphy musste sich also mit einer Redshirt-Saison in den Wartestand begeben. Nachdem er als Receiver und Cornerback praktisch immer gespielt hatte, saß er nun das komplette Jahr draußen.

Murphy aber steckte nicht auf. Er nutzte das Jahr dazu, stärker zu werden und sich im Training einiges von Jones und King abzugucken. Zudem unterstützte ihn seine Mutter, die ihm nach Seattle gefolgt war. "Es war das Beste", sagte Murphy, "denn ich bekam hausgemachte Mahlzeiten und musste keine Miete zahlen."

Als Dank dafür und auch für die unzähligen Fahrten zu Spielen und Trainings in der Schulzeit hat Murphy mit seinem ersten NFL-Scheck vor allem ein Ziel: "Das erste, was ich machen will, ist meiner Mom ein schönes Haus zu besorgen - wo immer sie will."

Als zweites wolle er dann seine Oma Ruby "aus diesem Apartmentgebäude rauszuholen, in dem sie lebt seit ich ein Kind war". Seine Großmutter hatte geholfen ihn aufzuziehen, während der Vater nicht zugegen war.

Byron Murphy: Im Partnerlook mit Sohn zum NFL Draft

In seiner Zeit in Washington blieb er seinem Sohn trotz der Entfernung so nah wie möglich. Regelmäßige FaceTime-Sessions waren das eine, Besuche mit Alex, die den Kleinen zu Huskies-Spielen mitnahm, das andere. Seit seiner Meldung zum Draft lebt Murphy nun in der Nähe von Phoenix, wo er sich seit Jahresbeginn auf den Draft vorbereitet.

Und wo er nun viel mehr Zeit mit seinem Sohn verbringt. "Alles was ich mache, macht er auch", erzählte Murphy: "Immer wenn ich bei ihm bin und mich ausruhe und Fortnite spiele, schnappt er sich einen Controller."

Für den Drafttag hat Murphy bereits einen klaren Dresscode bestimmt: "Ich will den gleichen Anzug anhaben wie er."

Malakai, sagt Murphy, veränderte sein Leben. Er nennt ihn "den größten Segen meines Lebens". Mehr noch: "Alles, was ich tue, ist für ihn."

Wer auch immer sich in der kommenden Woche für Byron Murphy entscheidet, bekommt einen zuverlässigen Zone-Spezialisten, der auch physisch mit seiner enormen Energie überzeugt.

Und außerhalb des Platzes einen verantwortungsvollen Familienvater.

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