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NFL

New York Giants in der Offseason 2019: Die Suche nach dem roten Faden

Eli Manning geht 2019 wohl in seine letzte Saison bei den New York Giants.

Bei den New York Giants steht ein Umbruch an. Landon Collins und Olivier Vernon sind weg, doch Eli Manning ist noch da. Zahlreiche Personalentscheidungen passen nicht zusammen und so stellt sich die Frage, wo die Reise für die G-Men eigentlich hingehen soll.

Die New York Giants geben dieser Tage ein kurioses Bild ab. Einerseits suggerieren die Ergebnisse der letzten zwei Jahre, dass ein Umbruch bitter nötig wäre, andererseits jedoch suggerieren die Taten, dass doch eher weiter am Status Quo festgehalten wird. Oder doch nicht?

Um der Konfusion dann noch mehr Nährboden zu geben, wird nun Safety Landon Collins in die Free Agency entlassen. Der kolportierte Franchise Tag blieb aus und Collins, der schon frühzeitig seinen Spint ausgeräumt hatte, wird nicht mehr im Giants-Trikot zu bestaunen sein - sondern künftig für Division-Rivale Washington auflaufen. Und: Edge-Rusher Olivier Vernon spielt jetzt in Cleveland.

Doch der Reihe nach. Nach der enttäuschenden 3-13-Saison von 2017 hätte es wohl auch jeder Hardcore-Giants-Fan verstanden, wenn das Team die Reißleine gezogen und einen kompletten Neuanfang in die Wege geleitet hätte. Sprich: Weg mit allen Altlasten, darunter eben auch Eli Manning, dessen letzte wirklich gute Saison wohl 2015 war.

Sinn ergeben hätte es auch, denn vor der Saison 2018 wurde die sportliche Leitung ausgetauscht. Dave Gettleman übernahm als General Manager für Jerry Reese, Pat Shurmur wurde der neue Head Coach und Nachfolger von Ben McAdoo und seinem formatfüllenden Playsheet.

New York Giants: Bilanzen seit 2011

JahrSiegeNiederlagenPlatzierung NFC EastPlayoffs
2011971.Super Bowl Champions
2012972.-
2013793.-
20146103.-
20156103.-
20161152.Wild Card Game
20173134.-
20185114.-

New York Giants: Wo bleibt der Umbruch?

Doch wo blieb der Umbruch? Manning wurde gehalten. Mehr noch: Die Giants gingen den komplett anderen Weg und investierten massiv in Bereiche, die besonders Manning zugutekommen sollten. Für den damaligen Rekord-Vertrag für Offensive Tackle wurde Nate Solder als neuer Left Tackle eingekauft - als massives Upgrade über Draft-Bust Ereck Flowers - so jedenfalls war der Plan.

Und richtig luxuriös wurde es dann im Draft: Mit dem zweiten Pick insgesamt - ein exorbitanter Preis in der heutigen Zeit für einen Running Back - leistete sich das Team den - zugegebenermaßen - herausragenden Playmaker Saquon Barkley. Als Sahnehäubchen bekam auch noch der nicht weniger herausragende - aber auch schwierige - Playmaker Odell Beckham Jr. einen neuen hochdotierten Vertrag.

Die Message war klar: Wir glauben weiter an Manning und denken, mit ihm erfolgreich sein zu können.

Das allerdings erwies sich als Trugschluss. Die Saison endete mit lediglich zwei Siegen mehr als im Vorjahr und damit erneut fernab von Gut und Böse in der Tabelle. Sicher, Manning legte eine ordentliche Saison hin und kam auf seine beste Passquote überhaupt in seiner langen Karriere (66 Prozent). Zudem warf er die wenigsten Interceptions (11) jemals in einer vollen Saison.

Doch das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Manning in Sachen Total QBR (51,8 - Platz 27) und DVOA (-2,3 Prozent - Platz 24) zum hinteren Drittel aller Quarterbacks der Liga zählte und mit seinen 38 Jahren nicht unbedingt zu allzu großem Optimismus anregt.

Giants 2018: Offensive Line erneut schwach

Natürlich half ihm die O-Line einmal mehr recht wenig - eine Adjusted Sack Rate von 7,5 Prozent war gut genug für Rang 20 der Liga. Die Präsenz von Solder etwa hatte nicht den gewünschten Effekt. Aber auch sonst war das, was Manning gezeigt hat, wenig spektakulär.

Und so bleibt als Lichtblick einzig die Rookie-of-the-Year-Leistung von Barkley, der Augen öffnete mit seiner Dynamik, Explosivität und Power. Doch bleibt es fraglich, ob es nicht doch sinnvoller gewesen wäre, nicht Barkley, sondern einen Quarterback zu ziehen. In einem Jahr, in dem gleich mehrere hochtalentierte QBs verfügbar gewesen wären.

In diesem Jahr erscheint dies nämlich wesentlich weniger klar. Abhängig davon wen man fragt, werden eigentlich nur Dwayne Haskins und wohl auch Kyler Murray als klare Top-Optionen angesehen.

Nun mag es nicht viele Teams geben, die intensiv auf QB-Suche sind, aber eben doch genug, um den Giants den Pfad gerade zu Haskins, dem wohl besten Pocket-Passer dieser Klasse, zu verstellen. Auf Position 6 könnte einer, wenn nicht beide, schon weg sein.

Stellt sich also die Frage, wo die Reise hingehen soll für die Giants.

Gerüchte um Odell Beckham Jr. reißen nicht ab

Gleiches gilt im Übrigen auch in Sachen Odell Beckham Jr. Um ihn rankten sich Trade-Gerüchte, bis man ihn dann doch endlich langfristig und hochdotiert gebunden hatte. Und nun? Nun rankten sich Trade-Gerüchte um den Receiver. Allerdings sagte Gettleman dazu: "Wir haben mit Odell Beckham nicht verlängert, um ihn dann zu traden."

Der einzige rote Faden, der sich bei den Giants dieser Tage erkennen lässt, ist die Absenz eines solchen. Insofern passt es gut ins Bild, dass die Giants ihren wohl besten Verteidiger, Collins, haben ziehen lassen. Die Giants kamen frühzeitig zur Erkenntnis, dass Collins ihnen nicht ungefähr die Hälfte ihres bis dahin verfügbaren Cap Spaces wert ist.

Und auch wenn man die Entscheidung vor dem Hintergrund eines Rebuilds nachvollziehen kann, stellt dies erneut den Kurs infrage: Wenn nun doch der Rebuild das Ziel ist, warum wurde dann nicht im Vorjahr in die Zukunft investiert - mit einem neuen QB, der zentralen Figur eines jeden Teams in der heutigen NFL?

Letztlich geht dies alles auf GM Gettleman zurück. Und dieser gab kürzlich am Rande der Scouting Combine in Indianapolis weiter Rätsel auf.

Zum Beispiel schwadronierte er: "Hören Sie, ich würde liebend gern einen Franchise-Quarterback draften und ihn dann in meinem Ruhestand von Cape Cod aus beobachten und es genießen. Das ist ein Geschenk, das ich den New York Giants machen möchte."

Giants-GM wünscht sich neuen Franchise-Quarterback

Und auf die Frage, ob er für einen solchen Franchise-QB hoch traden würde, sagte Gettleman: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, Bursche!"

Eine klare Vorstellung, wie der Übergang von Manning zum Nachfolger aussehen könnte, hat Gettleman aber schon: "Das Modell in Kansas City funktionierte gut. Es gibt einige Beispiele, bei denen ein Team einen erfahrenen Starter hatte und dann einen jungen Burschen gedraftet hat. Irgendwann wurde der Staffelstab dann übergeben und alle waren glücklich."

Eine noch viel größere Baustelle des Teams scheint jedoch die Defense zu sein. Eine Baustelle, die mit Collins' Abgang noch größer wird, zumal mit B.W. Webb und Curtis Riley zwei weitere Starter das Team als Free Agents verlassen könnten. Gerade auf der Safety-Position allerdings sollte es in der Free Agency genügend Alternativen geben, um diese Verluste halbwegs zu kompensieren.

Mit allerdings nur etwas mehr als 32 Millionen an Cap Space - nach dem Vernon-Zeitler-Trade - ist dies aber auch kein leichtes Unterfangen. Besonders dann nicht, wenn man sich qualitativ vielleicht noch nachhaltig verbessern wollte.

Will man dagegen signifikant mehr Cap Space kreieren - netto etwa zwölf Millionen Dollar -, dann bleibt eigentlich nur eines: Eine Trennung von Eli Manning (Cap-Ersparnis: 17 Mio. / Dead Money: 6,2 Mio.).

Giants: Noch ein Jahr für Eli Manning?

Das aber wäre ein Eingeständnis, dass im Hier und Jetzt nichts zu holen sei. Ein Schritt, der zwar der Realität entspräche, für Gettleman und Co. scheinbar aber nicht zur Debatte steht. Dann lieber noch ein Jahr mit Eli aussitzen und anschließend den möglichen Top-Pick dieses Drafts übernehmen lassen.

Eine Strategie, die aufgehen könnte, wenn man glaubt, dass das Gerüst schon steht und "nur" noch der Mann am Lenkrad ausgetauscht werden müsste.

Diese Herangehensweise jedoch birgt ein nicht geringes Risiko, denn essenziell droht man so ein weiteres Jahr - auch von Barkleys Rookie-Vertrag - zu verschwenden, um dann eventuell 2020 festzustellen, dass das Gerüst doch noch wacklig ist und vielleicht erneut Arbeiten am Fundament durchgeführt werden müssen. Und dann verschwendet man vielleicht schon das zweite kostbare Jahr eines neuen Quarterbacks in dessen Rookie-Vertrag.

Was auch immer die Giants nun in Free Agency und Draft für Entscheidungen treffen, sie werden einen weitaus größeren Einfluss auf die Zukunft als auf die Gegenwart haben. Die Offseason 2019 wird wegweisend sein für die New York Giants - auf gute oder schlechte Weise.

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