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NFL Draft: Will Grier - einmal durch die Hölle und zurück

Will Grier spielte zwei Jahre für West Virginia auf demCollege.

Quarterback Will Grier überzeugte zwei Jahre für West Virginia und machte sich als Touchdown Jesus einen Namen. Davor jedoch musste er einen frühen Rückschlag in Florida wegstecken, der ihn beinahe von seinem bis dahin steilen Weg nach oben abgebracht hätte.

Die Geschichte von Will Grier, dem nicht wenige einen Platz in der ersten Runde des kommenden Drafts zutrauen, ist eine von Wiedergutmachung. Es ist die Geschichte einer Jugendsünde und einer Vater-Sohn-Beziehung. Es ist eine Erfolgsgeschichte.

Blickt man zurück auf den Anfang der Saison 2015, dann sieht man dort ein wiedererstarktes Team der Florida Gators nach einigen mauen Jahren, das angeführt von seinem Star-Quarterback Will Grier von Sieg zu Sieg eilt. Die Gators eröffnen die Saison damals mit sechs Siegen in Serie.

Grier als Gesicht des Erfolges ist in aller Munde und die Träume von einer großen NFL-Zukunft werden größer und größer. Florida schließlich ist eine Hausnummer - selbst Tim Tebow spielte einst dort und schaffte den Sprung zum Volkshelden und NFL-Starter.

Anders als Tebow, der vier Jahre für die Gators aktiv war, sollte Griers Zeit dort aber keineswegs reibungslos verlaufen. Ganz im Gegenteil, seine Zeit in Gainesville fand ein abruptes Ende.

Grier wurde bei einer Dopingprobe erwischt und von der NCAA für ein Jahr gesperrt. Er hatte ein Muskelpräparat eingenommen, dass zwei Monate vor dem Kauf auf die NCAA-Dopingliste gesetzt worden war. Nach eigenem Bekunden hatte er vor der Einnahme recherchiert und das Mittel auf keiner Liste gefunden.

Dopingsperre: Will Grier nimmt Schuld auf sich

Er selbst gab aber gegenüber Bleacher Report Jahre später zu, dass es dennoch seine Schuld sei, dass es zu dieser Situation gekommen war: "Ich habe meine Nachforschungen angestellt und hatte Vertrauen in das, was ich fand. Was ich aber nicht getan hab, war meine Teambetreuer in Florida zu fragen, ob das Präparat freigegeben war. Ich weiß bis heute nicht, warum ich das nicht getan habe. Es ist nicht die Schuld von jemand anderem, sondern nur meine."

Für Grier brach mit dieser Nachricht eine Welt zusammen. Bis dahin ging seine sportliche Karriere stets steil bergauf. Mit drei Jahren bereits spielte er Basketball, mit fünf Fußball. Sein Vater Chad Grier war sein ständiger Begleiter und Coach. Als Will auf dem Fußballplatz anfing zu dominieren und "zu viele Tore" zu schießen, beklagten sich die gegnerischen Trainer und verlangten, Will aus dem Spiel zu nehmen.

Sein Vater jedoch wählte einen anderen Weg. Er brachte seinem Sohn vielmehr bei, mehr mit den Teamkollegen anstatt allein zu agieren. Das Ergebnis: Will war immer doch besser als die anderen, suchte jedoch seltener den Abschluss und bereitete stattdessen häufiger Tore für die Teamkollegen vor.

Die Coach-Sohn-Beziehung ging sogar bis zur High School weiter. An der Davidson Day High School in North Carolina war Chad viele Jahre als Coach tätig, mittlerweile hat es ihn an die Oceanside Collegiate Adademy in South Carolina verschlagen.

Will Grier: Vater Chad als langjähriger Wegbegleiter

Chad Grier, der sich schon in Wills jungen Jahren von dessen Mutter, Elizabeth Grier-Floyd, getrennt hatte, war dabei, als sein Sohn regelmäßig für 400 Yards warf und drei State Championships in Serie gewann. Er war auch dabei, als Will Grier im Jahr 2012 für 837 Yards beim 104:80-Playoff-Sieg über Harrells warf und damit einen neuen nationalen Rekord aufstellte.

Und obwohl die beiden anfangs ein eher schwieriges Verhältnis hatten - der Coach unternahm alles, um seinen Sohn nicht besser als die anderen Spieler zu behandeln, aus Wills Sicht forderte er ihn sogar deutlich mehr - war es der Vater, den Will in seiner wohl schwersten Stunde angerufen hat, kurz nach der Dopingsperre.

Zusammen mit dessen Hilfe fand Grier langsam wieder in den Alltag zurück. Er kehrte nach Davidson zurück und stand an der Seitenlinie, quasi als Experte und Ratgeber. Seine Zeit in Florida hingegen lag hinter ihm.

Der damalige Head Coach der Gators, Jim McElwain, hatte ihm nahegelegt, die Schule zu verlassen. Einige namhafte Colleges zeigten prompt Interesse, darunter Ohio State und Urban Meyer, der sich sehr um Grier bemüht hatte. Doch letztlich fiel die Wahl auf West Virginia, was vor allem mit Head Coach Dana Holgorsen zu tun hatte.

Gemäß NCAA-Regularien dauerte die Sperre ein Jahr. Doch durch den Transfer zur Saison 2016 zu einem anderen College kam nochmal eine zusätzliche Sperrfrist hinzu, was bedeutete, dass Grier theoretisch auch noch sechs Spiele im Jahr 2017 hätte aussetzen müssen.

Holgorsen jedoch beruhigte Grier: "Als ich in sein Büro ging, sagt er zu mir: 'Mach dir keine Sorgen um irgendetwas. Wir werden zu dir halten, egal was kommt, selbst wenn du die ersten sechs Spiele 2017 nicht spielen kannst. Wir wollen dich'", erinnerte sich Grier und fügte an: "Ich sagte in dem Moment WVU zu."

Will Grier: Geburt der Tochter 2016

Bis zu seinem Debüt für die Mountaineers - er durfte nach einem Einspruch West Virginias letztlich doch schon zu Saisonbeginn 2017 wieder ran - bekam Grier auch sein übriges Leben wieder in den Griff. Er heiratete seine langjährige Freundin Jeanne und das Paar bekam im Oktober 2016 Tochter Eloise Marie.

"Nichts ist seither mehr so wie es war. Und das meine ich im positiven Sinn", sagte Grier gegenüber den Moultrie News und meinte damit auch das Verhältnis zu seinem Vater, der dann auch die Rolle des Großvaters einnahm. "Er ist absolut verliebt" in seine Enkelin, berichtete Will Grier.

Auf dem Platz wiederum reichte es für Grier und West Virginia dann zu zwei "Winning Seaons" (7-6 und 8-4) sowie zwei Bowl-Teilnahmen. 2017 verlor man mit Grier den Heart of Dallas Bowl, 2018 dann in dessen Abwesenheit - er wollte vor dem NFL Draft keine Verletzung mehr riskieren - den Camping World Bowl.

Will Grier: Statistiken seiner College-Karriere

JahrSchuleConferenceSpielePassquote (Prozent)YardsTouchdownsInterceptions
2015FloridaSEC665,61202103
2017West VirginiaBig 121164,434903412
2018West VirginiaBig 121167,03864378

Was seinen Draft-Stock betrifft, scheiden sich indes die Geister. Seine Statur ist für einen NFL-Quarterback vielleicht etwas zu schmächtig - auf seine 1,87 Meter Körpergröße verteilen sich 98 Kilogramm. Er wirft mit hoher Präzision, hat guten Touch und kann dorthin werfen, wo nur die Receiver den Ball erreichen können.

Zudem bleibt er zumeist cool in der Pocket und bringt Führungsqualität mit. "Er schaute uns an der Seitenlinie an und sagte: 'Ich werde dieses Spiel für uns gewinnen.' Und dann tat er das auch", erinnerte sich sein Offensive Tackle Yodny Cajuste während der NFL Combine in Indianapolis. Der Tackle fühlte sich "definitiv" ein wenig an einen gewissen Tom Brady erinnert, wie er zu Protokoll gab.

Will Grier: Touchdown Jesus von Morgantown

Was Grier aber fehlt, ist die Armstärke. Deep Balls können schon mal die Puste ausgehen und er verliert mitunter bei kürzeren Pässen die Power hinter dem Ball, wenn seine Fußarbeit nicht ideal ist. Zudem werden ihm von diversen Scouts fehlende Dynamik als Runner sowie noch suboptimale Field-Vision attestiert.

Problematisch sein könnte auch, dass das Offensiv-System der Mountaineers weit weg ist vom Pro-Level. Anpassungsprobleme gerade zu Beginn könnten also vorprogrammiert sein.

Nach seiner schweren Zeit zwischen Florida und West Virginia jedoch ist Grier, den seine Fans in Morgantown ob seiner Frisur nur "Touchdown Jesus" nennen, Gegenwind mittlerweile gewöhnt. Auch Skeptiker kennt er nun zuhauf.

Draft: Will Grier - ein Erstrunden-Pick?

Doch Grier stört dies wenig. Er selbst sagte über sich am Rande der Combine: "Ich habe das Gefühl, dass ich der beste Quarterback in diesem Draft bin." Und dabei beließ er es nicht: "Ich habe großes Vertrauen in meine Fähigkeiten. Und ich denke, es geht hier nicht nur ums Tape - das sehr gut ist und ich denke, dass es das beste Tape ist, dass es gibt -, sondern auch um alles andere, das mit der Quarterback-Position einhergeht. Und ich bin da sehr stolz drauf."

Glaubt man den derzeit grassierenden Mock Drafts, dann teilen diese Einschätzung aber nicht alle. In der Regel werden Kyler Murray, Dwayne Haskins und auch Drew Lock als sichere Kandidaten für Runde 1 - vielleicht sogar die Top 10 - angesehen. Grier hingegen hat da eine weit größere Streuung - von später erster Runde bis irgendwann am zweiten Tag oder auch darüber hinaus.

Am Ende kommt es bei einer Entscheidung für oder gegen Grier wohl auf die Wertschätzung seiner Intangibles gegenüber den vielleicht nicht ganz so überzeugenden harten Fakten an. Glaubt man an den Touchdown Jesus? Oder ist es mehr Mythos als Realität?

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