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NFL

Divisional-Playoffs: Patriots dominieren enttäuschende Chargers auf allen Ebenen

Von Pascal De Marco
Sony Michel lief gegen die Chargers gleich dreimal in die Endzone.

Die New England Patriots haben mit einer furiosen Leistung in der Divisional Round zum achten Mal in Folge den Einzug ins AFC Championship Game klargemacht. Beim 41:28 gegen die Los Angeles Chargers dominierten die Pats schon in der ersten Halbzeit auf beiden Seiten des Balles derart nach Belieben, dass der Ausgang des Spiels zu keinem Zeitpunkt infrage stand.

Für einige war die Dynastie der Patriots nach einer Regular Season mit ungewohnten Höhen und Tiefen schon kurz vor dem Ende. Diejenigen, die diese Meinung vertraten, mussten aber sowas von feststellen, dass dies keineswegs der Fall ist. Die Patriots nutzten ihre traditionelle Playoff-Bye nämlich wieder einmal zur Perfektion in Sachen Game Planning und setzten die Erkenntnisse, die man von den Chargers in der Vorwoche gewonnen hatte, ideal um.

Das hatte vor allen Dingen damit zu tun, dass L.A. wie schon gegen die Ravens eine große Menge Defensive Backs auf das Feld schickte. Die Patriots aber kontrollierten die Line of Scrimmage und waren zunächst durch das Run Game und kurze Pässe auf die Running Backs enorm effektiv. Sony Michel schloss den ersten Drive nach über 7 Minuten mit dem ersten Touchdown ab.

Die Chargers taten sich schon im ersten Drive schwer, konnten aber eine 3rd&15-Situation in ein First Down konvertieren und als Keenan Allen Stephon Gilmore mit einem Double Move ins Niemandsland schickte, war er plötzlich völlig frei für den Touchdown zum 7:7. Vollkommen unbeeindruckt davon aber schalteten die Patriots nun offensiv noch einen Gang höher. Die Secondary-Spieler auf der Linebacker-Ebene der Chargers reagierten stark auf Play Action und hinterließen dadurch große Räume in ihrer Zone Coverage.

Chargers haben auf Edelman keine Antwort

Das wusste besonders Julian Edelman zu nutzen. Der wurde von den Chargers zu ihrem Verhängnis nämlich nicht gedoppelt und attackierte die freien Zonen schulbuchmäßig. Hierauf hatten die Defensive Backs der Chargers schlichtweg keine Antwort. Die Pats kamen zum nächsten Touchdown: Ein weiterer Inside Run von Michel. In der Folge verloren die Chargers jeglichen Bezug zu diesem Spiel. Nun nämlich kam der Pass Rush der Pats immer besser zur Geltung und begann das Matchup in den Trenches eindeutig zu kontrollieren. Philip Rivers hatte kaum Zeit, in die Pocket zu treten und war konstant unter Druck.

Zusätzlich erstickten die Pats das Run Game und forcierten lange 3rd-Down-Situationen. Die Chargers fanden so zu keiner Zeit einen Rhythmus. Auf der anderen Seite bewegte man das Feld nach Belieben herunter. Touchdowns von Philipp Dorsett, Rex Burkhead und der bereits dritte von Michel beendeten die Begegnung bereits zur Halbzeit. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Pats so viele Touchdowns wie die Chargers First Downs.

Das Aufbäumen der Chargers im zweiten Durchgang blieb weiterhin aufgrund von den grandiosen Problemen, die man in der Pass Protection hatte, aus. Rivers (25/51, 331 YDS, 3 TD, INT) warf zahlreiche lange Pässe in Richtung seiner Playmaker, Allen, Mike und Tyrell Williams. Doch hatte er bei vielen auch großes Glück, nicht abgefangen zu werden. Die Patriots verwalteten und attackierten gerade in der gegnerischen Hälfte nicht mehr mit finaler Konsequenz. Dies war aber auch nicht mehr von Nöten.

Die Patriots senden mit dieser dominanten Leistung ein Zeichen an die Chiefs und die gesamte NFL. Mit Tom Brady ()34/44, 343 YDS, TD), Bill Belichick und Co. ist natürlich auch in diesem Jahr zu rechnen. Am kommenden Sonntag kommt es zum AFC-Showdown mit den Chiefs, die man im ersten Duell der Saison 43:40 schlagen konnte. Diesmal muss man allerdings im Arrowhead ran. Für die Chargers hingegen geht eine beeindruckende Saison zu Ende. Dass man mit dem zweitbesten Record der Conference kein Heimspiel in den Playoffs bekam, ist sicherlich großes Pech.

Patriots vs. Chargers - die wichtigsten Statistiken:

New England Patriots vs. Los Angeles Chargers 41:28 (14:7, 21:0, 3:7, 3:14) BOXSCORE

  • Die Patriots sind das erste Team, das in seinen ersten 4 Drives eines Postseason-Spiels einen Touchdown erzielte seit den Broncos im Wildcard Game gegen die Colts 2003.
  • Zur Halbzeit hatten die Patriots mehr First Downs (24) als die Chargers Offensive Plays (23). Außerdem hatte ein Team nie mehr als 35 Punkte zur Halbzeit eines Playoff-Spiels erzielen können.
  • Sony Michel ist der einzige Spieler in den letzten 25 Postseasons, der in der ersten Halbzeit für über 100 Yards und 3 Touchdowns lief. Er ist erst der dritte Rookie in der Playoff-Geschichte, der 3 Touchdowns in einem Spiel erzielte.
  • James White ist der zweite Running Back überhaupt, dem es gelingt, mehrere Playoff-Spiele mit mindestens 10 Receptions zu haben. Der andere Spieler ist Tony Nathan, dem dies für die Dolphins in den Playoffs 1984 und '85 gelungen ist.

Der Star des Spiels: Julian Edelman (New England Patriots)

Die Offense der Pats hatte angefangen von einem nahezu perfekten Gameplan von Josh McDaniels, über grandios platzierte Pässe von Tom Brady und herausragendes Blocking der O-Line, von James Develin und Rob Gronkowski einen grandiosen Anteil am Erfolg. Edelman aber überragte gegen die Zone Coverage der Chargers und wusste die sich auftuenden Lücken bilderbuchmäßig anzulaufen. Er kämpfte nach Receptions auch trotz gut gesetzter Tackles für Extra-Yards und holte so First Downs und vermisste in diesem Spiel eigentlich nur einen Touchdown.

Der Flop des Spiels: O-Line der Chargers

Ein Tag zum Vergessen für die O-Line der Chargers, welche sowohl in Sachen Pass Protection als auch im Run Blocking ganz schlecht aussah. New Englands Pass Rush dominierte das Duell in den Trenches und schaffte es über Geschwindigkeit und grandiosen Vorteilen in den individuellen Matchups immer wieder in die Pocket einzubrechen. Das Run Game der Chargers war zwar ab Mitte der ersten Halbzeit nicht mehr gefragt, doch sind die 15 Yards Melvin Gordons bei 1,7 Yards pro Laufversuch bezeichnend.

Analyse Patriots vs. Chargers: Die Taktiktafel

  • Die Chargers zerstörten den Game Plan der Ravens in der Wild-Card-Round mit beeindruckender Effizienz, als man gleich sieben Defensive Backs auf das Feld schickte und sie nahe an der Line of Scrimmage verteidigen ließ. Gegen die Patriots setzte man wieder auf viele Sets mit mehreren Defensive Backs, doch machte sich der Unterschied zwischen der Run-abhängigen Offense der Ravens und einer multifunktionalen mit einem der besten Quarterbacks aller Zeiten bemerkbar.
  • New England führte die zahlreichen Defensive Backs der Chargers auf Linebacker-Ebene durch den enorm hohen Gebrauch von Play Action komplett in die Irre. Diese sind durch die Natur ihrer Position nämlich nicht gewohnt, Play Action lesen zu müssen, und New England hatte das als große Schwachstelle festgemacht.
  • Die Patriots attackierten früh über das Ground Game und ihre Running Backs. Beim ersten Drive berührten Running Backs bei 12 der 13 Plays den Ball. Bei seinen 8 Pässen hatte Brady nicht mehr als 6 Air Yards und durchschnittlich 0,6 Air Yards pro Pass. Als die Chargers dann näher an die LoS kamen und stark auf Play Action reagierten, nutzten Brady und Edelman die großen Lücken in der Zone Coverage bei den Chargers und bewegten sich mit großer Leichtigkeit das Feld herunter. Hier hatten die Secondary-Spieler auf der Linebacker-Ebene schlichtweg keine Antwort.
  • Die Chargers auf der anderen Seite sind die langsamste Offense der NFL in dieser Saison was die Zeit vor dem Snap angeht. Man hatte auch gegen die Patriots bei großem Rückstand kaum Eile, begab sich aber dadurch auch gerne in Schwierigkeiten und beging gleich zwei Delay-of-Game-Penalties im ersten Durchgang. Die Folge: Die Chargers hatten in der ersten Halbzeit 6 Third-Down-Situationen. 5 davon waren für mindestens über 10 Yards.
  • Auf der defensiven Seite zeigten die Pats weiterhin großes Vertrauen in Stephon Gilmore. Der Corner verteidigte Keenan Allen über den Großteil des Spiels im Eins-gegen-Eins, während die anderen Chargers-Receiver meist gedoppelt wurden. Gilmore hatte Allen im Großen und Ganzen im Griff, ließ sich aber beim ersten Drive von einem angetäuschten Inside Move Allens in die Irre führen. Bei der Cover-3-Verteidigung der Pats in dieser Situation war das nicht verständlich.
  • Die Patriots übten Defensiv außerdem eine Menge Druck aus und das schon vor dem Snap. Gerne zeigte man sich immer wieder in Cover-0-Formationen und vertraute auf den Blitz und Man-to-Man-Fähigkeiten seiner Secondary.
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