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NFL Third and Long Week 11: Packers-Offense in der Krise - und Lamar Jacksons Debüt

Aaron Rodgers und die Offense der Green Bay Packers steht mit dem Rücken zur Wand.
© getty

Woche 11 in der NFL, und die Probleme der Green Bay Packers können nicht mehr weg diskutiert werden. Wie sollten die Konsequenzen aussehen? Wie verlief das Debüt von Lamar Jackson bei den Baltimore Ravens? Welche klaren Signale senden die Jaguars, wer gewinnt die NFC East - und ein erster Blick auf den Draft.

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Rams vs. Chiefs: Gewöhnt euch an die neue NFL

Ein paar kurze Gedanken zu dem unfassbaren Spiel am Montagabend in Los Angeles: Diese Partie war die perfekte Visualisierung von Football in der NFL im Jahr 2018. Ich hatte in den vergangenen Wochen mehrfach den Punkt angebracht, dass es in diesem Jahr keine dominante Defense gibt; gemeint ist eine Defense, die konstant und insbesondere auch gegen gute Offenses ein Spiel dominieren kann. Die Top-Offenses in der Liga werden den Ball bewegen und auch punkten, egal, gegen wen es geht.

Der Super Bowl mit seinen 1.151 Combined Yards und 14 Scoring-Drives war das perfekte Beispiel hierfür: die Offenses dominierten die Partie weitestgehend komplett, am Ende war es aber das eine Big-Play der Eagles-Defense - ein Forced Fumble 2:16 Minuten vor dem Ende - das dieses Spiel entschied.

Zumindest vorläufig muss man sich von dem Gedanken verabschieden, dass Defenses ein Spiel dieser Größenordnung kontrollieren können, wie es in der Vergangenheit - die Seahawks auf ihrem Höhepunkt sind sicher das beste Beispiel dafür, die Broncos und Jaguars in den vergangenen Jahren fallen ebenfalls in diese Kategorie - der Fall war.

Aber sehr wohl gibt es noch einen Platz für Defenses in der heutigen NFL, und das hat das Duell am Montagabend ebenfalls gezeigt. Acht Sacks, drei Defensive Scores und sieben Turnover insgesamt zeigen, wie sich die Aufgabe für eine Defense verändert hat: da die wirklich guten Offenses weniger auf Ballbesitz und lange Drives setzen - die Rams hatten gegen KC weniger Yards bei ihren 54 Punkten als die Buccaneers in der Vorwoche gegen Washington (3 Punkte) -, ist es nicht der Job einer Defense, die Offense zu kontrollieren.

Es geht darum, die Big-Play-Offenses mit ein, zwei Big Plays defensiv zu kontern. Das wird den Unterschied ausmachen, auch in den Playoffs; keine kontrollierende Defense. Dafür sind die Elite-Offenses in der NFL aktuell zu stark und zu weit voraus.

Lamar Jacksons Debüt: eine neue Ära bei den Baltimore Ravens?

Verletzungsbedingt waren die Ravens letztlich zum Quarterback-Tausch gezwungen, in der kommenden Woche könnte sich das Szenario wiederholen - und dann? Was sollte Baltimore machen, wenn Joe Flacco wieder fit ist? Gibt Flacco den Ravens aktuell die bessere Chance auf Siege? Oder Jackson? Mit welchem Quarterback können sie Gegnern größere Probleme bereiten, noch Richtung Playoffs schauen - und John Harbaughs wackelnden Stuhl wieder sichern?

Klar ist, und das wurde bei Jacksons Starting-Debüt gegen die Bengals deutlich: Mit dem Rookie-Quarterback sieht die Ravens-Offense dramatisch anders aus als das mit Flacco der Fall war.

Jackson hatte gegen Cincinnati 27 Runs - kein Quarterback in der Super-Bowl-Ära hatte jemals (!) so viele Rushing-Versuche in einer Partie. Es war der Höchstwert, seitdem Pittsburghs Joe Geri 1950 stolze 29 Mal lief.

Jackson hat den Ravens-Franchise-Rekord für Rushing-Yards eines Quarterbacks fast verdoppelt (bisher: Tyrod Taylor, 65 Rushing-Yards 2012) und seine 64 Rushing-Yards in der ersten Hälfte waren der zweithöchste Wert für einen Rookie-Quarterback in einer ersten Hälfte seit 1991; nur Russell Wilson in Woche 15 der 2012er Saison hatte mehr (72).

Und das war auch komplett so geplant: lediglich drei seiner 27 Runs waren Scrambles, die restlichen 24 Läufe waren designed Runs; einen solchen sieht man beispielhaft hier.

Die Ravens, bei ihrem ersten Drive, der über elf Plays und ohne Pass ablief, kommen bei einem frühen Third Down in der eigenen Hälfte in Empty Formations heraus. Die Bengals reagieren konservativ, mit einer 2-Man-Coverage: ein 4-Men-Rush, zwei tiefe Safetys in Zone Coverage, ansonsten überall Eins-gegen-Eins-Coverage.

Das ist eine Einladung für den Play-Call der Ravens. Die spielen einen designten Quarterback-Draw, es handelt sich hier also nicht um einen Scramble; der Center, der direkt Downfield blockt, liefert den Indikator hierfür. Und auch ansonsten räumen die Route-Kombinationen auf beiden Seiten den Weg frei, um Jackson hinter dem Center als Lead-Blocker einen langen Run zu erlauben. Durch den Play-Call der Bengals gibt es keinen Verteidiger in der Box, um auf Jackson zu reagieren.

Baltimores genereller Ansatz war schlicht ein anderer: Die Ravens liefen in 74 Prozent ihrer offensiven Snaps und warfen den Ball in nur 26 Prozent; der Liga-Schnitt in dieser Saison ist bei rund 60 Prozent Pässen. Baltimore selbst hatte bislang in dieser Saison eine Pass-Quote von über 60 Prozent.

Dabei hatten die Ravens diverse Pakete für Jackson parat, immerhin hatten sie die gelegentlichen Trick Plays mit ihrem Rookie-Quarterback im Laufe der Saison ja immer wieder gespielt. Mit (angetäuschten) Jet Sweeps, Zone Reads, Option Plays, Formationen mit mehreren Spielern im Backfield, Formationen mit den Tackles Outside postiert - die Ravens-Offense mit Jackson statt Flacco gab Cincinnatis Defense einige Denkaufgaben.

Ravens und Jackson: Funktioniert das Passing Game?

Dennoch bleibt ein zentraler Aspekt: in der heutigen NFL muss man auch in der Lage sein, den Ball zu werfen. Und die Ansätze, die Baltimore hier zeigte, sollten Ravens-Fans optimistisch stimmen.

Insbesondere in der vergangenen Saison war es ein zentrales Problem der Ravens-Offense, dass man zu eindimensional und zu vorhersehbar daherkam, da die Run Plays und die Passing Plays zu wenig aufeinander aufbauten. Deshalb investierte Baltimore so in Tight Ends, um zurück zu den 2-TE-Sets zu kommen, und daraus dann laufen sowie ins Play Action Game gehen zu können.

Tatsächlich spielt Baltimore ligaweit nach den Eagles, Texans und Titans mit die meisten 2-TE-Formationen - und wirft daraus häufig und erfolgreich: fast 60 Prozent ihrer Plays aus 2-TE-Sets sind Pässe - für 8,4 Yards pro Pass.

Das hilft Jackson auch, und mit ihm auf dem Feld ist der Faktor des Kombinierens von Run- und Pass-Plays nochmals gefährlicher für die Defense.

Man sieht es bei dieser Route-Kombination und diesem Play-Call. Eine kurze Completion am Ende, doch das Design und die Formation sind der interessante Part. Die Ravens hatten gegen Cincinnati mehrere Plays mit exakt dieser oder sehr ähnlicher Formation: Ein Running Back hinter Jackson, ein Tight End oder Fullback leicht versetzt vor Jackson.

Daraus liefen sie regulär, sie liefen Zone Reads - und hier nutzen sie eine genau solche Formation für den Pass. Die Bengals fokussieren sich auf das Zentrum, weil sie einen Run erwarten. Jackson findet nach dem Play-Action-Fake seinen Tight End, der aus dem Backfield in die Flat läuft und dort ungedeckt auf den Pass wartet.

In eine ähnliche Kategorie fällt dieser Play-Action-Pass 9:20 Minuten vor der Halbzeitpause. Baltimore präsentiert wieder typisches Run-Personnel und eine enge Formation, bei 1st&10 deutet für die Bengals erst einmal vieles auf einen Run hin.

Nach dem Snap blockt die Line nach rechts, ein Pull-Blocker kommt auf die linke Seite rüber und beschützt gemeinsam mit den im Backfield postierten Running Back und Fullback die Backside des Plays.

Jackson kann sich so nach dem Play-Action-Fake ungehindert via Rollout zu seiner rechten Seite bewegen. Auf der Seite haben sich beide Tight Ends in ihre Route begeben, dazu gibt es eine Crossing-Route durch den Receiver auf der anderen Seite. Jackson hat so mehrere Optionen für einen vergleichsweise sicheren Pass und erhält einen einfachen Read.

Mit diesen Mitteln kann Baltimores Offense im Passing Game über die nächsten Wochen noch gefährlicher und vor allem schwerer ausrechenbar werden.

Fazit: Baltimores Offense mit Jackson gefährlicher als mit Flacco

Und das Fazit? Baltimores Ansatz macht die Ravens in jedem Fall zu einer neuen Herausforderung für Defenses.

Flacco hatte nach gutem Start in die Saison zuletzt merklich nachgelassen, insbesondere das explosive Element in der Offense - das Baltimore letztes Jahr so deutlich gefehlt und über das erste Saison-Viertel zurück schien - ist inzwischen wieder weitestgehend verloren gegangen. Über Flaccos letzte fünf Spiele (Steelers, Panthers, Saints, Titans, Browns) lautet seine Bilanz bei Passversuchen über mindestens 20 Yards: 4/30, 94 YDS, 2 INT.

Gleichzeitig konnte Baltimore, und das hängt natürlich zusammen, den Ball in den letzten Wochen nicht mehr so gut laufen. Defenses können die Box wieder aggressiver bespielen, weil das vertikale Passing Game nicht mehr so gefährlich daherkommt. Unter der Prämisse, dass Flacco nicht plötzlich wieder die Big Plays im Passing Game einfach anknipsen kann, müssen sich die Ravens fragen: wie bekommen wir offensiv Big Plays zustande?

Im Passing Game sollte man die, zumindest konstant, von Jackson (noch) nicht erwarten. Aber mit dem Rookie sind die Ravens in der Lage, explosive Plays zumindest über das Run Game zu kreieren. Gegen Cincinnati hatte Baltimore acht Runs über mindestens zehn Yards, 15 Runs für ein neues First Down und insbesondere über die Mitte diverse explosive Plays. Erst zum vierten Mal in dieser Saison knackte Baltimores Offense die 400-Yard-Marke.

Und klar ist auch: Jackson wird gegen stärkere Gegner im Passing Game mehr liefern müssen als es gegen eine inkonstante Bengals-Offense sowie eine seit Wochen anfällige Bengals-Defense der Fall war. Gleichzeitig aber präsentiert Baltimores Offense, wenn die Ravens den Zone-Read-Stil ausbauen und darauf aufbauend auch das Passing Game weiterentwickeln können (etwa mit Run Pass Options, Play Actions, Passing Designs aufbauend auf den Runs), in dieser Form eine für NFL-Defenses ungewohnte Herausforderung, was in der Vorbereitung auf die Spiele kein kleiner Faktor ist.

Darauf aufbauend lautet dann die Frage: wie groß ist die realistische Chance, dass Flacco seine Form aus dem ersten Saisonviertel nochmals wiederfindet und so als Passer wirklich den Unterschied ausmacht? Oder ist es wahrscheinlicher, dass man für die ausstehenden Spiele dieser Saison mit Jackson die unkonventionellere, nicht unbedingt zeitgemäße, aber dennoch gefährlichere Offense hat?

Ich würde auf Letzteres setzen.

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