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NFL

Third and Long Week 5: Kansas City - und wie Seattle fast die Rams schlug

Die Seattle Seahawks verpassten den Heimsieg gegen die Rams nur knapp.
© getty

Week 5 in der NFL ist vorbei und die Kansas City Chiefs bleiben weiter unschlagbar - während sich bei den Jaguars ein altbekanntes Problem zurückmeldet. Auch die Los Angeles Rams wahren ihre weiße Weste, wenngleich Seattle dennoch mit einem guten Gefühl aus dem Spiel gehen sollte. Außerdem: Alarmierend wiederkehrende Probleme bei den Eagles, und gibt es eine Rettung für die Offense der Green Bay Packers?

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Chiefs vs. Jaguars: Kansas Citys Designs und das Blake Bortles Problem

Kein Touchdown-Pass, zwei Interceptions - nach den ersten vier magischen Wochen war das Duell mit den Jaguars für Patrick Mahomes und die Offense der Kansas City Chiefs die erwartet schwere Aufgabe; eine Aufgabe, die KC trotzdem mit Bravour meisterte.

Die Jaguars hatten keine Angst davor, Press-Coverage zu spielen und gewannen einen ordentlichen Anteil ihrer Matchups. Trotzdem standen am Ende 439 Offense-Yards für Kansas City, eine gute Ausbeute gegen diese Defensive. Auch wenn KC offensiv nur zwei Touchdowns, beide über den Run, zustande brachte.

Der erste davon gelang gleich beim ersten Drive, vielleicht Kansas Citys bester Drive dieser Partie: über zehn Plays marschierte KC 73 Yards das Feld runter, Mahomes lief nach einem Rollout selbst in die Endzone. Es war der erste Touchdown, den Jacksonvilles Defense in dieser Saison in der ersten Hälfte zugelassen hatte.

Für den Drive-Starter hatte sich Coach Andy Reid gleich wieder etwas Besonderes einfallen lassen: Ein Misdirection-Play aus einem doppelt besetzten Backfield, in dem Tyreek Hill letztlich mit Speed den End Around erhielt und gleich das erste Big Play - auch wenn es via Strafe einige Yards verlor - ablieferte.

All diese Dinge fallen beim Chiefs-Tape immer wieder auf. Wo andere Offenses - Green Bay wäre ein aktuelles, prominentes Beispiel - zu statisch daherkommen, setzt Reid extrem viel Motion und Ablenkungen ein, um die Defense immer zum Nachdenken und zu Reaktionen zu zwingen. Kaum ein Team ist besser darin, die Defense dazu zu bringen, die ganze Breite des Feldes innerhalb eines Plays zu verteidigen.

Eine andere exemplarische Szene für die vielen Gefahren dieser Chiefs-Offense war das erste Third Down der Partie: Kansas City kommt hier in einer engen Formation mit 22-Personnel (zwei Running Backs, zwei Tight Ends) heraus. Jacksonville muss also die Bedrohung eines Runs zumindest respektieren - und natürlich ist ein Play-Action-Fake eingebaut.

Die Line blockt weg von den Routes, Jacksonvilles Front läuft zwei Schritte in die Falsche Richtung - und genau so entsteht am Ende der Raum für Fullback Anthony Sherman: Der Linebacker auf seiner Seite ist am Ende zwei Schritte zu weit weg, Sherman, der eine gerade, vertikale Route läuft, fängt bei 3rd&1 einen 15-Yard-Pass.

Die Rams und die Chiefs sind mit Abstand die beiden besten Teams der Liga, wenn es darum geht, enge Formationen mit Motion und Ablenkungen zu kombinieren. Für beide Teams sind es elementare Faktoren für den Erfolg ihrer Offenses. Die Chiefs vermischen das - im Gegensatz zu den Rams - zusätzlich mit jeder Menge Option-Plays; auch KC aber kann schlicht Matchups attackieren.

Ganz konkret haben die Chiefs gegen Jacksonville Eins-gegen-Eins-Matchups für Travis Kelce mit den Jaguars-Linebackern gesucht. Bei diesem langen Second Down funktioniert das so: Die Chiefs stellen drei Receiver auf die linke Seite der Formation und lassen alle Mid-Range-Routes laufen. Das zwingt Jacksonvilles Underneath-Verteidiger auch in der Zone, einige Schritte zurück zu machen.

Kelce hat so ein Eins-gegen-Eins-Duell mit dem Linebacker auf seiner Seite, den er mit einer guten Route aussteigen lässt und einen einfachen Pass fängt.

Darüber hinaus ist Patrick Mahomes bereits sehr gut darin, Defenses vor und nach dem Snap zu lesen, Coverage-Umstellungen und auch Blitzer zu erkennen. Das fällt immer wieder auf, so auch gegen die Jags: Weil der Linebacker auf Kelces Seite blitzt, hat Mahomes ihn als seinen Hot Read. Bis der Safety nachrückt, ist der Ball bereits beim Tight End, während parallel die beiden tieferen Routes auf der anderen Seite wieder die Linebacker beschäftigen.

Mahomes warf in den beiden Spielen davor sieben (von 41) sowie zehn (von 48) Pässe hinter die Line of Scrimmage, sein Wurf selbst überquerte die Line also nicht. Der Großteil davon sind Screens und Dump-Offs zu den Running Backs. Diese Woche war Kansas City hier etwas eindimensionaler, Mahomes testete die gefährliche Jaguars-Defense allerdings sehr wohl tief: fünf seiner 41 Pässe flogen über 20 Yards das Feld runter.

Kansas Citys Offense letztes Jahr - als die Chiefs ja ebenfalls furios starteten - war noch stärker von den Option- und Misdirection-Elementen abhängig. Alex Smith hatte eine sehr gute Saison als Deep-Passer, aber auch, weil er sich primär auf klare Matchups fokussierte. Mahomes gibt den Chiefs eine größere Vielfalt auch aus einer "Basis"-Offense, wenn man so will, heraus und macht KC als Passer in und vor allem außerhalb der Pocket gefährlicher.

Die Chiefs sind mit ihm besser gerüstet, um die offensive Production hoch zu halten, auch wenn gegnerische Defenses im Laufe der Saison einige der Option-Elemente wieder wegnehmen sollten.

Und die Jaguars? Meine Meinung dürfte inzwischen bekannt sein. Mit Blake Bortles ist Jacksonville kein Contender, weil er die ultimative Quarterback-Achterbahnfahrt ist. Einige der Interceptions gegen die Chiefs waren hanebüchen und schlicht unentschuldbar, und diese Spiele wird man mit ihm immer wieder bekommen. Egal, wie gut die Defense ist, mit Bortles riskieren (bestenfalls) die Jaguars ihr sonst geöffnetes Titelfenster. Darauf zu setzen, dass man den "guten" Blake Bortles in den richtigen Momenten bekommt, ist, als hätte man das schönste Porzellan - und würde es auf einer Wippe lagern.

Seahawks vs. Rams: Seattles Run Game wird eine Basis

Seit Jahren gibt es aus Seattle jetzt mit Blick auf die Offense einen Tenor zu vernehmen: Das Run Game soll besser werden! Pete Carroll hat das über die letzten Jahre mehrfach ganz offen gesagt und zwar nicht nur mit Blick auf die Effizienz, sondern ganz gezielt auch was die Frequenz angeht.

Carroll - so rückständig das in der modernen NFL teilweise wirkt - will sein Team über gute Defense und ein dominantes Run Game aufbauen, so wie es in den Jahren mit Marshawn Lynch und der Legion of Boom der Fall war. Das ist auch der Grund für die Verpflichtung von Schottenheimer als neuer Offensive Coordinator; und gegen die Rams sah man erstmals in dieser Saison so richtig, wie diese Identität aussehen kann.

Seahawks: Rushing-Stats über die vergangenen Jahre:

JahrRun-VersucheLiga-Platzierung RunsYards pro Run
2018*458*8*4,3*
2017409204,0
2016403203,9
201550034,5
201452525,3
201350924,3
201253614,8
2011444154,0

*Zahlen für die 2018er Saison aus den ersten fünf Spielen hochgerechnet auf 16 Partien

Dabei waren es nicht zwangsläufig die einzelnen Elemente, die herausstachen - vieles davon konnte man bereits in den vergangenen Wochen und sogar in der Preseason bereits beobachten. Eher das Zusammenspiel der einzelnen Teile war gegen die Rams beachtlich stark Die gute Nachricht für Seahawks-Fans: Ich glaube, es war keine Eintagsfliege.

Gegen die Rams verzeichnete Seattle 32 Runs für 190 Yards (5,9 Yards pro Run), aufgeteilt zwischen Chris Carson, Mike Davis und Tyler Lockett - und das lässt direkt stutzig werden. Erstrunden-Pick Rashaad Penny war zwar active, erhielt aber keinen einzigen Offense-Snap (einen im Special Team) und auch auf die ganze bisherige Saison gesehen war Penny der ineffizienteste der Seahawks-Backs.

Die andere Überraschung: Russell Wilson hatte nicht einen Run. Das bedeutet aber nicht, dass die Seahawks ihn im Run Game nicht einsetzen würden - mit Zone Reads ist er nach wie vor ein Spieler, den Verteidiger als Runner respektieren müssen, auch wenn er den Ball, wie gegen die Rams, jedes Mal übergibt. Diese Dimension ist wichtig, um Überzahlsituationen im Blocking zu kreieren.

Auch ansonsten ist es ein vielseitiges Run Game. Eine gute Mischung aus Zone und Power, man sieht einerseits Fullback-Blocks sowie Pull-Blocker, andererseits aber auch Misdirection und Jet Sweeps. Letzteres war bei diesem Run von Lockett zu beobachten, der sehr gut geblockt und choreografiert einen 6-Yard-Raumgewinn bei First Down einbrachte.

Seattle mischt diese Jet-Sweep-Looks auffällig gut mit seinen Play-Action-Paketen und zwang die Rams so, auch aus Run-Formationen den Pass im Hinterkopf zu haben. Darüber hinaus zeigte Seattle gute Blocking-Designs, um schnell Blocker auf das Linebacker-Level zu bringen, so wie bei diesem 16-Yard-Run von Carson. Und die Seahawks kombinierten das endlich auch mit einem vertikalen Passing Game, Russell Wilson warf den Ball im Schnitt von allen Quarterbacks in Week 5 am weitesten. Dieses Element hat bisher zu häufig gefehlt.

Das Play-Calling ist immer noch mitunter fragwürdig, aus anderem Blickwinkel könnte man auch sagen: passend zu den Vorstellungen von Carroll. Bei First Down lief Seattle 18 Mal, bei lediglich sieben Dropbacks. Wenn die Seahawks dann mal bei First Down passten, gab es einige der explosivsten Plays; unter anderem ein 32-Yard-Pass sowie der 39-Yard-Touchdown.

Aber, und das wiederum ist zumindest innerhalb dieser Parameter ermutigend: Seattles First-Down-Runs erreichten einen Schnitt von 5,2 Yards pro Run, ein sehr guter Wert. Und es führt zu einem übergeordneten Punkt, der nicht einfach zu etablieren ist, weil so lange das Gegenteil der Fall war: Seattles Offensive Line ist nicht schlecht, in Teilen sogar gut.

Pro Football Focus listet Seattles O-Liner mit nur einem zugelassenen QB-Pressure gegen die Rams, immer wieder waren gerade auch Inside gegen Suh und Donald Lücken im Run Game offen. Die Seahawks sind dieses Jahr eines der besten Teams in Short-Yardage-Run-Situationen und die Pass-Protection ist im Vergleich zu vergangenen Jahren auf einem merklich anderen Level.

L.A. auf der anderen Seite bekam in diesem Spiel erstmals Probleme, weil die Defense einerseits keinerlei Edge-Rush-Präsenz hat - und andererseits dann gerade Marcus Peters (weniger dramatisch, aber in die gleiche Richtung auch Aqib Talib) aufgrund seiner Aggressivität anfällig für Double Moves ist, vor allem, wenn die noch mit Play Action kombiniert werden. Es wird spannend sein zu sehen, ob andere Teams das ebenfalls ausnutzen können.

Eagles vs. Vikings: Philadelphias Offensive Line ist ein Problem

Die Philadelphia Eagles haben ein ernsthaftes Problem. Zwei sogar, wenn man ehrlich ist - die Anfälligkeiten in der Secondary, die jetzt schon die ganze Saison über ein Thema sind, sollen hier aber nicht weiter diskutiert werden; auch wenn die Tatsache, dass Philly aktuell viel zu viele Coverage-Breakdowns hat, obwohl die Eagles über eine der besten Pass-Rushing-Fronts verfügen, ohne Frage alarmierend ist.

Nicht viel weniger besorgniserregend, aber umso überraschender sind dagegen die Probleme in der Offensive Line. Philadelphias Super-Bowl-Triumph stand auf den breiten Schultern seiner beiden Lines - die Eagles waren das einzige Team der vergangenen Saison, das eine Top-3-O-Line und eine Top-3-D-Line hatte, und man könnte argumentieren, dass sie in beiden Kategorien sogar auf dem ersten Platz lagen.

Die Defensive Line ist noch immer sehr stark, hier hat sich auch nach einigen Personalwechseln nichts an der Qualität geändert. Es ist stattdessen die Offensive Line, die Sorgen macht - und das, obwohl hier personelle Kontinuität gegeben ist.

Bereits letzte Woche waren die Probleme der Line gegen Tennessees Pass-Rush ein Thema. Was gegen die Titans noch sehr kreativen und vielseitigen Pressure- und Blitz-Paketen des Gegners zugeschrieben werden konnte, war jetzt gegen Minnesota oftmals schlicht und ergreifend einfache Unterlegenheit an der Line of Scrimmage.

Bei Linval Josephs langem Return-Touchdown etwa spielten die Vikings keinen Blitz, keinen angetäuschten Pressure. Die Linebacker lassen sich in Coverage fallen, vier Mann attackieren die Line. Auf der rechten Seite der Protection schieben die Vikings zwei Spieler in die gleiche Gap - und Right Tackle Lane Johnson wird blitzartig geschlagen. Daraus resultiert der Fumble.

Bereits in der Vorwoche gegen Tennessee hat Johnson, gemeinsam mit Left Tackle Jason Peters, die meisten Pressures zugelassen (4), gegen die Colts in Week 3 gehörte Johnson der alleinige Spitzenplatz (5), genau wie in Week 2 gegen die Bucs (7) und - um das Paket komplett zu machen - beim Saison-Auftakt gegen Atlanta (3).

Johnson ist eigentlich einer der besten Right Tackles in der NFL, aktuell aber ist er die große Schwachstelle einer Offensive Line, die auch in ihrer Summe weit weg von der Dominanz des Vorjahres liegt.

Und natürlich gab es auch die Blitz- und Pressure-Pakete der Vikings, die wir alle kennen: Double-A-Gap-Looks, genau wie das Überladen einzelner Seiten der Protection mit dem Blitz. Der zentrale Takeaway aber war die Anfälligkeit der Eagles auch gegen den 4-Men-Rush, und das ist etwas, das Philadelphia schnellstmöglich korrigieren muss: Wenn Wentz Pressure erhielt (17 Mal) brachte er ganze fünf Pässe für 59 Yards an den Mitspieler und kassierte drei Sacks, drei weitere Male musste er den Ball weg werfen.

Wentz bewegt sich zwar schon wieder beachtlich gut in der Pocket, gelegentlich aber hält er den Ball auch etwas zu lange - und braucht mitunter auch etwas mehr Zeit, bis er offene Receiver hat. Damit das Passspiel wieder explosiver werden kann und auch die ausgedehnten, vielseitigen Run-Blocking-Schemes vernünftig funktionieren, brauchen die Eagles ihre Line. Nach der Verletzung von Jay Ajayi, noch immer einer der besten Contact-Runner der Liga, umso mehr.

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