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NFL

Der Saisonstart der New York Giants: Die Ausreden gehen aus

Von Pascal De Marco
Eli Manning`s 7,02 Air Yards pro Passversuch liegen ligaweit auf Platz 27 unter den Quarterbacks.
© getty

Die New York Giants haben sich im April an zweiter Stelle des Drafts für Running Back Saquon Barkley und gegen einen Ersatz für den 37-jährigen Eli Manning entschieden. Nach dem wie im Vorjahr verpatzten Start in die Saison ist diese Entscheidung mehr denn je zu hinterfragen. Die Giants haben nur eins ihrer ersten sechs Spiele gewonnen und sind das Schlusslicht der bislang enttäuschenden NFC East. Und als ob es nicht schon genug Probleme geben würde, füttern Leistungsträger des Teams die Presse immer wieder mit pikanten Aussagen, die für weitere Streitigkeiten sorgen.

Es war die endgültige Breakout-Party von Saquon Barkley, als der Second-Overall-Pick im Thursday Night Game von Week 6 gegen die Philadelphia Eagles 229 Scrimmage Yards sammelte. Mag die Zahl alleine stehend schon beeindruckend sein, ist es die Art und Weise, wie er sie geholt hat, noch viel mehr.

Barkley kreierte Big Plays, in dem er mit seinen beeindruckenden lateralen Sprüngen sicheren Tackles auswich. Er fing Pässe, um Downfield mehrmals die Richtung zu ändern und teilweise per Hurdle Gegner ins Leere laufen zu lassen. Er ließ eine der besten Defenses der Liga, gespickt mit verdienten Spielern, mehrmals alt aussehen. Es war eine Show, in der Barkley mit zwei Runs für mindestens 40 Yards so viele hatte, wie die Giants von 2015 bis 2017 insgesamt.

Die Giants lagen also richtig, als sie erkannten, dass Barkley der beste Athlet des Drafts war. Sie lagen richtig, als sie davon sprachen, dass er eines der ganz besonderen Talente ist, die auf der Running-Back-Position vermutlich über Jahre dominieren werden. Womit sie vermutlich aber nicht richtig lagen, war die Entscheidung, ihn deshalb mit dem zweiten Pick des vergangenen Drafts zu wählen. Dem Pick, den sich ein erschreckend schlechtes 3-13-Team der Giants in der Vorsaison redlich verdient hatte.

So spektakulär und atemberaubend wie Barkleys Spiel nämlich sein mag, so bitter ist es, dass er ein erneut schlechtes Giants-Team nicht im Alleingang zu Siegen führen kann. Seine 130 Rushing- und 99 Receiving-Yards sowie ein Touchdown waren beim 13:34 gegen die Eagles in Week 6 nicht mehr als ein glänzender Wehmutstropfen für die geschundene Seele einer Vielzahl von Giants-Fans.

Eli Manning: Seine Schwierigkeiten sorgen für Frust

Schon als neutraler Beobachter war es frustrierend zu sehen, wie ineffektiv Eli Manning in seiner einstigen Lieblingsdisziplin, dem Pass aus der Pocket, erneut war. Und mit Sicherheit leistet die Offensive Line der Giants hier Woche für Woche einen gehörigen und keineswegs zu vernachlässigenden Beitrag, doch sieht der 37-Jährige auch dann nicht gut aus, wenn er genug Zeit hat.

Manning war bei der Mehrzahl seiner Würfe zu kurz und zwang seine Receiver sich weit zu strecken. Mit dem zweiten Pass warf er einen Pick, der eindeutig seinen Namen trägt und schon hier ließ er erkennen, wie nervös er inzwischen ist, wenn er nur ansatzweise das Gefühl verspürt, Druck zu bekommen. Damit kommt er gar nicht mehr klar. Manning wurde viermal gesackt und brachte bei Pressure ganze zwei seiner 14 Passversuche für 16 Yards an. Indiskutabel.

Die Probleme Mannings sorgen auch innerhalb des Teams für eine ganze Menge Frust. Nach ESPN-Informationen soll sich ein Spieler ausdrücklich über Mannings offensichtliche Probleme gegen Cover 2 und Zone Defenses aufgeregt haben. Schwierigkeiten, die nicht erst seit sechs Spielen zu erkennen und ganz sicher nicht nur auf das offensive Scheme zu schieben sind. Schon in den letzten beiden Spielzeiten hatten die Giants eine der schlechtesten Scoring-Offenses der Liga. Inzwischen sind sie eine Norm.

Mara über Beckham: "...mehr spielen, ... weniger reden"

Einer, der sicherlich keine Scheu davor hat, seinen Frust in der Öffentlichkeit zum Ausdruck zu bringen, ist Odell Beckham. Der Superstar-Wideout steht nach sechs Wochen bei 45 Catches, 506 Yards und einem Touchdown. Seine 11,2 Yards pro Reception sind ein Karriere-Negativwert und darüber ist der 25-Jährige auch trotz einer Vertragsverlängerung im Wert von 90 Millionen Dollar in dieser Offseason verärgert.

Beckham sprach nach Week 4 in einem Interview, an dem auch Rapper Lil Wayne teilnahm, über den schlechten Saisonstart der Giants und dabei mit Nachdruck über seinen Quarterback: "Er wird die Pocket nicht verlassen. Wir wissen, dass Eli nicht laufen wird", so Beckham. "Geht es also um Timing? Er kann den Ball zwar noch werfen, aber es ist alles sehr sicher. Es wäre cool, den Ball auf Shallow (Post-)Routen zu fangen und in die Endzone zu laufen. Ich will über jemanden steigen, wenn ich Pässe fange."

Seit dem Interview haben die Giants ihre beiden weiteren Spiele verloren. Beckham fing gegen die Eagles sechs Pässe für 44 Yards, verließ das Spielfeld schon vor der Halbzeit (laut Pat Shurmur aufgrund einer intravenösen Behandlung) und schlug später mit seinem Kopf gegen ein Kühlgerät an der Seitenlinie. Freilich können die Gesten des Superstars auch als individual-bedingte Hilfestellungen der Motivation verstanden werden, Co-Eigentümer John Mara jedenfalls fand zuletzt ebenfalls in der Öffentlichkeit klare Worte zum Verhalten seines Superstars:

"Ich würde mir wünschen, dass er wieder auf dem Platz für Schlagzeilen sorgt und nicht daneben", so Mara während der Unterbrechung eines Eigentümer-Treffens. "Ich denke, er sollte ein bisschen mehr spielen und ein bisschen weniger reden."

Saquon Barkley an Zwei? Giants haben keine Reue

Während die aktuelle Situation der Giants mit Sicherheit mehr auf Manning als auf Beckham zurückzuführen ist, "schämt" sich Co-Eigentümer Mara zwar "für 1-5", einen Running Back anstelle eines Nachfolgers für Manning zu wählen, während vier Quarterbacks in den Top Ten vom Board gegangen sind, bereut er aber nicht. "Wir haben den besten Spieler im Draft gewählt", so Mara über Barkley. "Ich bin begeistert von dem, was er bislang geleistet hat. Ihm sind keine Grenzen gesetzt."

Doch mit jeder weiteren Niederlage erhalten die Fragen der Medienlandschaft, was denn gewesen wäre, wenn..., einen immer deutlicheren Nachdruck. Es braucht keine tiefgreifenden Analysen, um zu erkennen, welch besonderer Spieler Barkley ist und dass er schon jetzt zu den besten Backs der Liga zählt. Aber: Genau so wenig ist es aber von der Hand zu weisen, dass Running Backs alleine keine Football-Spiele gewinnen.

Nun stehen die Giants mit ihrem zweimaligen Super Bowl MVP under Center bei 1-5 und blicken der Realität ins Auge. Manning hat gegen die Eagles 13 Quarterback Hits einstecken müssen und wurde viermal gesackt. Doch wie viele davon gehen auf den 37-Jährigen, der eindeutig kein Vertrauen in seine Line hat? Er verfehlt offene Receiver und scheut sich davor, in die Pocket zu treten und Risiko zu gehen. Seine Probleme sorgen für Unruhe bei den Mitspielern und in Kyle Lauletta gibt es nur einen möglichen Vertreter, der wohl nichts als ein übergroßes Projekt ist, für dessen Scheitern Head Coach Pat Shurmur im Nachhinein die Verantwortung übernehmen müsste.

New York Giants stellen klar: "Wir vertrauen Eli"

Aufgrund dessen sind Veränderungen auf der Quarteback-Position vorerst nicht zu erwarten und deshalb fällt es den Verantwortlichen auch einfach, Manning öffentlich den Rücken zu stärken. "Wir vertrauen Eli", sagte Mara nach der Eagles-Pleite. "Aber um erfolgreich zu sein müssen alle ihren Job erledigen und das passiert gerade nicht. Ich weiß, dass Eli gerade viel einstecken muss, aber viele Leute müssen besser spielen, wenn man bei 1-5 steht."

Zwar sind es nur zwei Spiele Rückstand auf die Eagles und die Playoff-Chancen mathematisch noch nicht begraben, doch wird die Offense im aktuellen Tempo nur für noch weiteren Frust sorgen. So bleiben zehn Spiele, in denen Giants-Fans wohl nichts anderes bejubeln können, als ihren Running Back auf dem bestem Wege zum Rookie-of-the-Year-Award. Doch dann kommen die Giants an einem neuen Quarterback nicht mehr vorbei.

Manning steht für 2020 zwar noch in seinem letzten Vertragsjahr mit 23,3 Millionen Dollar in den Büchern, ein weiteres Mal wird die Franchise aber nicht an einem neuen Quarterback vorbeikommen. Selbst ein Cut, welcher 6,2 Millionen Dollar Dead Money zu Folge haben würde, sollte in Betracht gezogen werden. Egal wie die nächsten Wochen verlaufen, hält Manning das Team mehr zurück, als dass er dabei hilft, Spiele zu gewinnen.

Die Zukunft der Giants: Herbert, Grier, Lock oder Thorson?

Das sieht wohl auch der ehemalige GiantsSuper-Bowl-MVP Phil Simms so. In einem Tweet wies er auf potenzielle Quarterbacks der nächsten Draft-Klasse hin und erklärte, dass jeder von ihnen in einem NFL-Team starten könnte. Es schien, als ob er die Giants damit panisch informieren wollen würde, dass das Fenster für eine Manning-Nachfolge nach dem Draft 2018 noch nicht geschlossen sei.

Dies sollte auch die Hoffnung und die Ambition der Giants für das sein, was nach dieser weiteren schwierigen Saison ansteht. Die Giantmen steuern trotz des beeindruckenden Spiels von Barkley geradewegs auf einen weiteren Top-5-Pick zu. Dann werden sie möglicherweise in einem Herbert, einem Grier, einem Lock oder einem Thorson ihren Franchise Quarterback ausmachen und darüber hinaus ihre O-Line und die Secondary adressieren.

Und dann würde auch Barkley nicht mehr die Last tragen, Footballspiele im Alleingang gewinnen zu müssen. Solange Manning nämlich weiterhin am Steuer der Giants sitzt, scheint dies der Fall zu sein. Noch genießt er offenbar das Vertrauen der Verantwortlichen, doch dürften bald keine Ausreden mehr bleiben.

Die Offensive Line mag zwar ihren Teil dazu beitragen, doch gibt es ansonsten niemanden mehr, dem man die Schuld zuschieben kann. Die Giants haben ihre Coaches, ihre Schemes und ihre Geschäftsführer gewechselt. Sie haben Eli Waffen zur Seite gestellt und viel Geld in einen Left Tackle investiert. Nichts hat funktioniert. Es scheint, als sei seine Zeit gekommen. Manning ist schlichtweg nicht wie ein Tom Brady oder ein Drew Brees älter geworden. Das ist mit Sicherheit kein Verbrechen, ein Schlussstrich sollten nun aber gezogen werden.

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