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NFL: Björn Werner über seinen Wunsch-Super-Bowl: "Mal nicht die Patriots"

Von SPOX
Björn Werner hofft auf neue Gesichter im diesjährigen Super Bowl.

Die Regular Season hat die Halbzeitmarke bereits erreicht - Zeit für ein Zwischenfazit! Im Gespräch mit DAZN gibt der deutsche Ex-NFL-Profi und Football-Experte Björn Werner seine Einschätzungen ab: zu den Giants, den Raiders, den Rams, den deutschen Spielern in der NFL - und er sagt, wen er gerne im Super Bowl sehen würde.

Björn Werner über...

... die positiven Überraschungen dieser Saison bisher: "Man denkt, man hätte alles schon gesehen, und dann gibt es so einen unglaublichen Start von allen Teams. Zum Beispiel die Cleveland Browns, die schon vier Mal in die Overtime gehen mussten - wenn die noch eine Overtime haben, ist es ein Rekord! Jeder gewinnt gegen jeden, die Patriots haben zum Saisonstart zwei Spiele nacheinander verloren. Patrick Mahomes ist eine meiner positivsten Überraschungen, ich dachte in der Offseason, dass er noch nicht bereit ist. Aber der kam total lässig raus und ist aktuell einer der besten Quarterbacks in der NFL!"

... die negativen Überraschungen dieser Saison: "Eine meiner negativen Überraschungen sind auf jeden Fall die New York Giants. In der Offseason war ich bei denen eigentlich positiv gestimmt und dachte, dass das mit Saquon Barkley ein super Jahr wird, OBJ hat seinen großen Vertrag bekommen - ich dachte, Eli Manning würde das hinbekommen und noch eine große Saison spielen. Aber bisher ist da tote Hose. Das ist bisher für mich die größte Enttäuschung. Bei den Cardinals läuft auch nicht viel, die 49ers hatten natürlich Pech mit der Verletzung von Jimmy Garoppolo. Mit Blick auf die Spieler finde ich es unglaublich, dass die Patriots für Josh Gordon getradet haben und der sich richtig gut macht. Da bin ich persönlich gar kein so großer Fan davon, der Junge hat schon richtig viele Chancen bekommen und es gibt andere Spieler da draußen, die genauso gut sind und die nicht so viele Chancen bekommen. Jeder hat seine Meinung dazu, persönlich bin ich da kein großer Fan davon."

... seine Playoff-Prognosen zur Halbzeit: "In der NFC sind die Los Angeles Rams ganz weit oben, die sind aktuell auch mein Super-Bowl-Favorit. Man hat es vor der Saison auf Papier gesehen, dass die einen unglaublichen Kader haben und sie spielen auch so. Häufiger sieht man ja, dass Teams zwar die Spieler haben, aber das dann nicht aufs Feld bekommen. Die Rams sind aber gerade echt klasse. Die Vikings und die New Orleans Saints sind auch sehr stark, das sind meine drei Favoriten, einer von denen wird es in den Super Bowl schaffen."

"Ansonsten: Das erste Viertel der Saison war etwas schwach von den Seattle Seahawks, aber seitdem ist das ein ganz anderes Team. In der AFC sind die New England Patriots wieder ganz vorne dabei, wie immer. Die haben zwar zwei Spiele nacheinander verloren und alle schieben große Panik, aber jeder, der die Patriots kennt: die fangen immer etwas langsam an und danach geht es bergauf. Die größte Enttäuschung in der AFC sind für mich bisher die Jaguars, ich dachte, dass die es weit in die Playoffs schaffen. Zur Halbzeit sieht es so aus, als würden sie die Playoffs verpassen. Dann muss man aber natürlich auch die Kansas City Chiefs nennen, die sind neben den Patriots mein AFC-Favorit. Mahomes liefert ab, der hat seine Waffen um sich herum und er nutzt sie."

... seinen MVP zur Saison-Halbzeit: "Todd Gurley. Gurley hat unglaublich viele Touchdowns, gefühlt zwei, drei pro Spiel. Er hat jetzt im Vergleich zu anderen Running Backs nicht übermäßig viele Yards, aber er ist Runner und Receiver für die Rams. Für mich ist der MVP einer, der seinem Team am meisten hilft; die Rams haben noch kein Spiel verloren und Todd Gurley ist für mich der MVP der ersten Hälfte, weil seine Stats einfach zeigen, wie wichtig er für das Team ist."

... die deutschen Spieler in der NFL: "Uns fehlen gerade ein bisschen die großen Storys, das war für Football-Deutschland natürlich super, als wir mehrere Spieler in den 53-Mann-Kadern hatten. Aktuell sind es nur Mark Nzeocha und EQ St. Brown. Die spielen beide gut, Mark ist ein Ersatz-Linebacker und spielt im Special Team und hatte kürzlich einen geblockten Punt, er spielt eine wichtige Rolle. Aber am Ende des Tages haben wir keinen Quarterback da draußen, oder jemanden, der startet, und das fehlt uns gerade ein bisschen. Aber mal sehen: in ein paar Jahren wird es vielleicht einige neue Leute geben, wir haben gerade viele Jungs im College-Football."

"Kasim Edebali ist aktuell Free Agent, wenn du mich fragst, dann ist er gut genug für die NFL. Er hat eine gute Preseason gespielt, für mich ist es nur schwer erklärbar, warum er aktuell in keinem 53-Mann-Kader ist. Aber das ist eben die Business-Seite der NFL: Kasim hat jetzt schon vier Jahre in der NFL hinter sich, dadurch geht sein Minimum-Gehalt hoch und er wird teurer als die Rookies. Ich denke, er bekommt dieses Jahr nochmal eine Chance. Falls das nicht passiert, dann wird es sehr hart, nochmal rein zu kommen. Wer ihn nicht kennt: Kasim der positivste Menschen überhaupt. Er hat gerade eine Tochter bekommen und konzentriert sich voll darauf, was super ist - und sonst bleibt er einfach in Football-Form, was natürlich wichtig ist. Er wartet auf seine Gelegenheit, und mal schauen, was da passiert. Die Saison ist noch sehr lang. Hoffentlich sehen wir ihn nochmal irgendwo."

... die Quarterback-Situation in der NFL: "Der Quarterback ist die wichtigste Position bei jedem Team. Deshalb ist es so schwierig, einen Spieler zu finden, den du für 10, 15 Jahre dann auf der Position hast. Die gibt es nicht oft, nicht jedes NFL-Team hat so einen Quarterback. Wir haben jetzt zum Beispiel die Situation bei den Buccaneers, bei denen Jameis Winston zum Saisonstart suspendiert war - und plötzlich kam da Fitzmagic raus, und wir alle haben das gefeiert! Aber wir wussten auch, dass Fitzmagic irgendwann zum Ende kommt, und nach seinem ersten schlechten Spiel wurde er direkt raus genommen. Jetzt hatte Winston ein richtig schlechtes Spiel, und Fitzpatrick ist wieder zurück. Das ist schon viel Instabilität in einem Team, wenn du keinen klaren Quarterback hast, und das will kein Head Coach."

"Eli Manning beispielsweise hat zwei Super Bowls nach New York geholt und auch extrem gute individuelle Statistiken. Aber ich glaube, da wird es jetzt so langsam Zeit, dass man sich trennt. Und Blake Bortles bei den Jaguars ist wieder ein anderer Kandidat. Ich habe nicht verstanden, warum sie ihm nochmal so einen guten Vertrag gegeben haben. Er hat das letztes Jahr nicht schlecht gemacht, aber jeder der die Jaguars verfolgt und ein bisschen Ahnung von Football hat, der weiß: er ist nicht dieser Quarterback, bei dem du darauf hoffen kannst, dass er dein Team über die nächsten Jahre auf das nächste Level bringt. Die haben eine starke Defense, normalerweise auch ein starkes Run Game. Da wird es auch langsam Zeit, sich von Bortles zu trennen; letztlich ist es auch nicht fair Bortles gegenüber: immer wenn sie schlecht spielen, ist es seine Schuld und wenn sie gut spielen, dann ist es das Run Game oder die Defense. Das ist eine komische Situation aktuell, wo manchmal ein Neustart für beide Seiten der beste Weg ist."

... seine Lieblingsstory der bisherigen Saison: "Das ist Adam Thielen von den Vikings. Der hat sich ja letztes Jahr schon sehr gut gemacht, jetzt hat er den Rekord von Calvin Johnson für acht Spiele in Folge mit jeweils mindestens 100 Receiving-Yards eingestellt. Das ist natürlich sehr überraschend, er war ein Walk-On im College, dann war er ein Undrafted Rookie - und jetzt ist er einer der besten Wide Receiver in der NFL. Das ist so eine Story, bei der man einfach die Daumen drückt und hofft, dass er das aufrecht erhalten kann. Das ist auch Motivation und Inspiration für viele Spieler da draußen."

"Eine andere tolle Story ist J.J. Watt: Watt war über die letzten Jahre sehr dominant, dann kamen die Verletzungen und viele haben ihn danach ein bisschen abgeschrieben. Und jetzt ist er, zusammen mit Khalil Mack, mein Defense-MVP zur Saison-Halbzeit. Wenn man ein Spiel von den Houston Texans anschaut, dann sieht man wieder den alten J.J. Watt; bei jedem zweiten Play ist er beim Quarterback. Und warum die Raiders Khalil Mack getradet haben, das verstehe ich immer noch nicht. Ich verstehe das ganze System bei den Raiders nicht. Einen Spieler wie Khalil Mack findest du nicht oft, zu einem Zeitpunkt in der Saison hatte er mehr Sacks, als die ganze Defense der Raiders. Er produziert viele Fumbles und wir sprechen ja immer über Schlüssel zum Spiel - da gehört die Turnover-Battle immer dazu. Wenn du einen Spieler hast, der es schaffst, den Ball weg zu nehmen, dann ist das eine zusätzliche Possession für deine Offense."

... seinen Wunsch-Super-Bowl: "(überlegt) Auf jeden Fall ein Teil davon wäre es, mal nicht die New England Patriots im Super Bowl zu sehen, auch wenn sehr viele Patriots-Fans in Deutschland jetzt sauer sein werden, wenn ich das sage. (lacht) Ich würde einfach gerne mal wieder frische Teams im Super Bowl sehen. Normalerweise ist es in der NFL durch den Salary Cap und den Draft ja so, dass nicht immer die gleichen Teams stark sind. Klar, einige Teams können sich oben absetzen. Das zeigt auch, wie dominant die Patriots über die letzten Jahre sind und dafür gebührt ihnen Respekt. Aber es ist auch ein bisschen langweilig. Ich würde einfach mal gerne Chiefs gegen die Rams im Super Bowl sehen, das wäre sicher ein toller Shootout."

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