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NFL Third and Long Week 3: Minnesotas Debakel und San Franciscos Alternativen

Die Minnesota Vikings erlebten gegen Buffalo eine komplett unerwartete Demontage.
© getty

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Garoppolo-Ersatz, Josh Allen, die Jets, Leistungssteigerung - eure Fragen

Tommy und MTitans97: Adrian, welche Alternativen auf der Quarterback-Position siehst Du, falls die Verletzung von Jimmy Garoppolo die Saison für ihn beendet?

Das ist natürlich das große Thema nach diesem Spieltag, und grundsätzlich gibt es hier für mich zwei Ansätze mit der grundlegenden Frage: Wie aggressiv will man als Team sein? Schätzen die 49ers ihr Team stark genug ein, dass sie mit einer Ersatz-Quarterback-Lösung, die schlechter sein wird als Garoppolo, auch Richtung Playoffs blicken können? Nur dann sollte man bereit sein, einen höheren Draft-Pick zu investieren. Und der wird nötig sein, für jede der denkbaren Trade-Lösungen.

Nick Foles wäre natürlich eine Option, die Eagles werden ihn aber sicher nicht unter Wert abgeben, falls sie ihn überhaupt gehen lassen - als Sicherheitsnetz ist er in Philly sehr wertvoll, und Foles ist ein wahnsinnig inkonstanter Quarterback; wenngleich er in San Francisco die Struktur bekommen würde, die ihm dabei hilft.

Spannend könnte etwa Tyrod Taylor sein, der bei den Niners die Rollout- und Bootleg-Konzepte bekommt, die ihn aus der Pocket und damit in seine Komfortzone bringen. Zudem bietet Kyle Shanahans Offense klar definierte Reads und offene Receiver via Scheme, was Taylor ebenfalls entgegen kommt. Mayfield übernimmt und die Browns haben in Drew Stanton noch eine erfahrene Lösung dahinter - ein Taylor-Trade sollte möglich sein, auch wenn Coach Hue Jackson natürlich erst einmal alles dementierte.

Robert Griffin III ist eine spannende Option, immerhin hat RG3 bereits in Washington unter Shanahan gespielt und sollte zumindest mit den Grundzügen der Offense bereits vertraut sein. Und er wäre mutmaßlich günstig zu haben. Jacoby Brissett wäre dem Foles-Szenario ähnlich: Die Colts müssten schon mit einem hohen Angebot gelockt werden, ansonsten ist Brissett für sie selbst zu wertvoll. Gerade mit seinem aktuellen Vertrag.

Und Kaepernick? Wäre natürlich eine tolle Geschichte, aber ich weiß nicht, ob ihm irgendein NFL-Team nochmal einen Vertrag anbietet.

Foles und Taylor wären die beiden Optionen, die sportlich vermutlich sofort am meisten weiterhelfen würden - beide kämen aber nur für einen höheren Draft-Pick. Und das führt zurück zu den Niners und der Eingangs-These: Die ersten Wochen haben gezeigt, dass die Offense noch einiges an Sand im Getriebe hat, in allen Bereichen - und dass die Defense weiter Edge-Rush-Probleme und aktuell auch mehrere Verletzungen in der Secondary hat.

Shanahan mag C.J. Beathard sehr, natürlich ist der von allen Kandidaten fraglos am meisten mit Shanahans aktueller Offense vertraut. Und dann muss man aber auch fragen: ist dieses Niners-Team nicht einfach noch ein Jahr weg? Wäre es da nicht kontraproduktiv, einen hohen Draft-Pick zu opfern, um dieses Jahr konkurrenzfähig aber in einer knallharten NFC letztlich mutmaßlich chancenlos zu sein? Ich glaube schon, und deshalb würde ich Beathard einen internen Konkurrenten zur Seite stellen, den ich günstig bekomme - wie eben RG3. Oder Kaepernick.

Premiumsender: War das für die Bills ein perfekter Sturm, oder kann Allen mit seinem Team doch mehr als man ihm zugetraut hat? Beziehungsweise: Muss man sich um die Vikings Sorgen machen? Das war ja doch mehr als eine Niederlage, wie sie mal passieren kann.

Allen hatte in dieser Partie sicher auch Glück - ganz konkret mindestens bei einer fallen gelassenen Interception und einem Fumble, den die Bills zurück erobern konnten.

Aber es waren auch positive Tendenzen zu erkennen: beispielsweise wie er sich gegen Pressure verhielt, wie er konstant die Ruhe bewahrte und wie er zeigte, welchen Schaden er mit seiner Athletik anrichten kann. Es gab in der Hinsicht einige Cam-Newton-Vergleiche im Draft-Prozess, gegen Minnesota haben wir gesehen, dass die nicht aus der Luft gegriffen waren. Buffalo hatte einige sehr gute Play-Designs, die Allen dann sehr gut umsetzte und den Ball darin auch schneller los wurde und häufiger bei seinen Reads und in der Struktur der Plays blieb.

Natürlich macht er noch Rookie-Fehler, hält den Ball teilweise zu lange und die Accuracy wird noch lange ein Thema sein. Aber das Spiel war in jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Und dass Buffalos Pass-Rush jetzt endgültig aufgewacht ist, ist ebenfalls ein sehr gutes Zeichen für die Bills. Nach dem Horror-Start könnte dieses Bills-Team, wenn die Secondary auch ihr Potential wieder abruft, einigen Teams ein unangenehmer Gegner sein.

Patrick: Das offensive Play-Calling der Jets war gegen die Browns mies anzusehen. Sollten sie nicht so langsam das Playbook für ihren Rookie-Quarterback Sam Darnold öffnen und weniger enge Formations spielen? Das Receiving-Corps hätten sie dafür doch, oder nicht?

Ja, und ich gehe davon aus, dass wir auch eine deutlich offenere Offense schon im nächsten Spiel sehen. Meine Befürchtung vor der Partie gegen Cleveland war, dass die Jets Darnold schützen wollen: eine kurze Woche, gegen eines der Blitz-lastigsten Teams der Liga und eine Defense, die einen sehr guten Start in die Saison hatte.

Ich glaube, genau das ist am Donnerstag in Cleveland passiert. Die Jets waren sehr vorhersehbar aus ihren 2- und 3-Tight-End-Formationen, die in der Summe kein Team prozentual so häufig spielt wie New York. Viel zusätzliche Protection, wenig Kreativität im Play-Calling und dass die Jets die gute Field Position früh nutzten und die Browns-Offense mit Tyrod Taylor so dominierten, ermutigte die Coaches wahrscheinlich sogar, offensiv noch konservativer zu agieren und die Führung zu verteidigen.

Die Personnel-Groupings und Play-Calls in den ersten beiden Wochen lassen auf einen konservativeren Ansatz schließen - aus dem man aber immer noch kreativ werden kann, insbesondere mit Run Pass Options und Play Action. Das würde Darnold auch die Arbeit weiter erleichtern.

Sebastian von Horn: Über alle 3 Wochen: Die größten Leistungssteigerung zur Vorsaison (Team oder Spieler)? Und: der beste Rookie des diesjährigen Drafts, sowohl offensiv als auch defensiv?

Ich starte mal mit den Rookies: Offensiv sieht Calvin Ridley in Atlantas Offense schon richtig gut aus und bereitet Defenses mit seinem Route-Running große Probleme. Courtland Sutton in Denver gefällt mir auch schon sehr gut, genau wie Kerryon Johnson bei den Lions. Sehr gut möglich, dass hier in ein paar Wochen aber ein Name über allen thront - Baker Mayfield.

Die größte Überraschung ist fraglos Phillip Lindsay, der als Undrafted Free Agent in Denver über den Sommer ordentlich an Muskelmasse drauf gepackt hat und in den ersten beiden Wochen einen tollen Start in die Saison hatte.

Defensiv kann man es etwas kürzer halten - zu dominant war Derwin James bislang, der in der Defense gefühlt jede Position außerhalb der Interior Defensive Line bekleiden kann. Jaire Alexander in Green Bay ist jetzt auch schon mehrfach deutlich aufgefallen, genau wie Denzel Ward (der aber viel besser tackeln muss, 26 Prozent Missed Tackle Rate ist heftig!) und Bradley Chubb.

Was den Vergleich zur Vorsaison angeht, da kann man natürlich auch in viele Richtungen gehen. Ein paar Namen, die jetzt in meinen Notizen mehrfach vorkommen:

  • Jared Goff. Wirkt deutlich sicherer innerhalb der Offense. Scheint auch mehr Verantwortung zu haben, und das Downfield-Passing-Game ist um ein Vielfaches gefährlicher als letztes Jahr.
  • Die Browns. Diese Defense ist unglaublich jung und unglaublich talentiert, und wenn Cleveland in Baker Mayfield tatsächlich seinen Quarterback gefunden hat, dann steht den Browns ein neues Zeitalter bevor.
  • Die Colts. Das ist plötzlich ein Team, das auf beiden Seiten der Line of Scrimmage dominant sein kann und dessen Offense von einer vertikalen, spät-im-Down-Offense zu einem Kurzpass-System gewechselt hat. Nur ein Run Game haben die Colts noch immer nicht.
  • Und dann gibt es viele weitere. Offensichtliche Kandidaten wie das Passing Game der Buccaneers, auch Cam Newton spielt bisher eine starke Saison und der Khalil-Mack-Trade hat die Bears-Defense in den erweiterten Elite-Kreis katapultiert.

Kevin Pauly und Higgens64: Ist das dünne Receiving-Corps der Patriots das Hauptproblem und verantwortlich für die beiden Niederlagen? Oder sind es tiefgreifendere Probleme? Wie groß sind die Sorgen, die man sich um die Patriots machen muss?

Es gibt auch tiefgreifendere Probleme. Die Defense sieht aktuell löchrig aus, wie ich es nicht erwartet hatte - vor allem die Front sollte eigentlich besser sein, gegen Detroit wurden die Patriots auf beiden Seiten des Balls an der Line of Scrimmage herumgeschubst und bei den Linebackern fehlt es an Explosivität. Daraus entstehen dann Löcher in der Secondary, und wer solche Probleme mit - bei allem Respekt - Detroits Pass-Rush hat, wie die Pats am Sonntag, der könnte tatsächlich ein Line-Problem haben.

Das große Aber: Ich bin fest davon überzeugt, dass die Probleme in der Offense mit der Rückkehr von Julian Edelman und früher oder später auch Josh Gordon ein ganz anderes Gesicht haben wird. Im Moment haben die Patriots das große Problem, dass sie Man Coverage nicht schlagen können; das war ein gemeinsames Thema in den Spielen gegen Jacksonville und Detroit.

Beide Defenses hatten einen Plan für Double-Coverage gegen Gronk, ohne dabei die Struktur der eigenen Defense zu sehr aufzubrechen. Und dann hatte New England nicht die individuelle Qualität, um anderswo auf dem Feld zu gewinnen. Das wird mit Edelman anders werden, ich bin davon überzeugt, dass wir ab Week 5 eine sichtbar veränderte Patriots-Passing-Offense zu Gesicht bekommen.

Daniel Seitl und Tobias Focke: Was macht die Dolphins im Moment zu einem ungeschlagenen Team? Liegt das am offensiven Scheme von Gase, oder spielt die Defense zur Zeit einfach so stark? Wie siehst du die Chancen auf die Playoffs gerade in Bezug zur aktuellen "Schwächephase" der Pats?

Wer meine Texte und Prognosen in der Offseason verfolgt hat, der weiß, dass ich von Miamis Offense im Vorfeld der Saison recht viel erwartet habe - bei der Defense aber skeptisch war. Insofern bin ich durchaus positiv überrascht, von der Entwicklung von Xavien Howard etwa, darüber, wie schnell das Safety-Zusammenspiel schon funktioniert und vor allem darüber, wie stabil die Front weitestgehend bisher aussieht.

Aber ich würde da auch noch zur Vorsicht mahnen. Miami hat gerade Defensive Lineman William Hayes mit einem Kreuzbandriss für den Rest der Saison verloren, das ist ein empfindlicher Tiefschlag. Und die Offenses, mit denen es die Dolphins bisher zu tun hatten, gehören sicher nicht zur Ligaspitze: Tennessee ist noch ein Team im Nichts, die Jets sind mit Darnold sehr vorsichtig und deshalb vorhersehbar und die Raiders haben in Derek Carr einen aktuell massiv inkonstanten Quarterback.

Trotzdem ist das ein bissiges Dolphins-Team, das man im Playoff-Rennen der AFC auf jeden Fall auf dem Zettel haben muss. Gerade wenn man sieht, wie sich die AFC South bislang insgesamt präsentiert. Ich habe Miami aktuell im engsten Wildcard-Ticket-Kreis.

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