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Third and Long Week 1: Vikings-Defense und die unterhaltsamste Offense der NFL

Tyreek Hill war von den Los Angeles Chargers nicht zu stoppen.
© getty

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Fitzpatrick, die Falcons, Green Bays Comeback, Le'veon Bell - eure Fragen

Ferdinando Cubitano, Donatus Bergen und Chris Hook: Was sagst du zu dem grandiosen Spiel von Fitzpatrick? Oder sollte man an dieser Stelle lieber über die Defense der Saints sprechen? Können die Bucs ihre heutige Leistung nächste Woche gegen Philadelphia wiederholen?

Das war natürlich die große Überraschung des ersten Spieltages, in meinen Augen haben wir hier so etwas wie den perfekten Sturm aus Bucs-Sicht gesehen: Die Saints hatten über weite Strecken riesige Probleme im Pass-Rush, was dazu führte, dass Ryan Fitzpatrick - der in seiner Karriere ja immer wieder mal plötzliche Hochs hatte - Zeit bekam und seine starken Waffen einsetzen konnte. Ergänzt wurde das durch Abstimmungsprobleme in der Saints-Secondary.

Und welche Schlüsse zieht man dann aus so etwas? New Orleans' Pass-Rush wird wieder besser sein, die Secondary wird sich stabilisieren und Marshon Lattimore hatte eines der schlechteren Spiele seiner noch jungen NFL-Karriere. Ich hatte im Vorfeld der Saison einen leichten Rückschritt der Saints-Defense vermutet, aber der wird sich definitiv auf einem höheren Level abspielen, als das, was wir am Sonntag gesehen haben.

Aus Bucs-Sicht ist für mich ziemlich klar, dass sich das gegen die Eagles so nicht fortsetzen wird. Tampa trifft dann auf eine der Elite-Defenses der Liga, und Philadelphia wird ohne jeden Zweifel in der Lage sein, gegen diese Bucs-O-Line Druck auszuüben. Dann sehen wir vermutlich mehr der Fitzpatrick-Plays, die wir von der anderen Seite des Spektrums kennen. Umso mehr, da Fitz am Sonntag gerade was das Deep-Passing-Game angeht absurde Zahlen auflegte (8/9 bei 15+ Air Yards).

Und nein - eine Quarterback-Kontroverse gibt's in Tampa Bay nicht. Selbst dann nicht, wenn Fitzpatrick seine Form irgendwie über drei Wochen ansatzweise beibehalten könnte.

Kelzama: Haben die Packers einfach nur Glück gehabt, oder war das erste Spiel jetzt einfach "Eingewöhnen" und sie sind recht stark? Immerhin hat die Defense ja "nur" einen Touchdown und drei Field Goals zugelassen...

Die Packers hatten insofern Glück, als dass McCarthy durch Rodgers' Verletzung gezwungen war, mehr No-Huddle zu gehen, mehr aus der Pistol zu agieren und auf Timing-Pässe zu bauen, um dann vereinzelt die volle Gefahr der Breakdown-Pässe - aber mit Rodgers dabei in der Pocket - genießen zu können. Die Packers kontrollierten das Spiel so deutlich besser, mit Rodgers in der Pocket war die Offense innerhalb der eigenen Struktur und Konzepte merklich gefährlicher.

Womöglich auch ein Fingerzeig auf das, was man offensiv künftig noch mehr beachten sollte. Die Kombination aus Rodgers' Fähigkeiten außerhalb der Struktur der Offense auf der einen sowie dem Wunsch nach klarer Struktur und Timing in Coach Mike McCarthys West Coast Offense auf der anderen Seite war schon immer eine kuriose Mischung. Vielleicht hat die Partie gegen die Bears allen Beteiligten gezeigt, dass dieser Ansatz zum jetzigen Zeitpunkt in Rodgers' Karriere erfolgsversprechender ist.

Obwohl Mack die Line und das Spiel zuvor dominierte, hatte Green Bay nämlich bevor Rodgers für einige Plays raus musste seinen Ansatz quasi nicht geändert. Das ist auch eine klare Kritik an McCarthy, möglicherweise wurden die Packers hier zu ihrem Glück gezwungen.

Und die Packers hatten auch mit Blick auf Chicago ein wenig Glück. Die Bears wurden zwischenzeitlich viel zu konservativ in ihrem Passspiel, warfen zu wenige Pässe mal über den First-Down-Marker und schienen teilweise schon gewillt, (zu) früh an der Uhr zu drehen. Auch das sorgte dafür, dass Chicago den Deckel auf dieses Spiel nicht bekam.

Ansonsten hat das Spiel eine gute Idee von dem vermittelt, wozu Green Bay in der Lage sein kann. Die Packers haben in der Secondary jetzt die Feuerkraft, um Eins-gegen-Eins-Matchups nicht nur anzunehmen, sondern sie zu forcieren - das öffnet Tür und Tor für die aggressiven Blitz- und Pressure-Pakete von Mike Pettine. Diese Möglichkeiten hatte Green Bay in den vergangenen Jahren nicht.

Sven: Matt Ryan hatte sicherlich nicht sein bestes Spiel gegen die Eagles. Die Red Zone Offense der Falcons ist erschreckend schlecht gewesen, definitiv Parallelen zum ersten Jahr. Wie könnte ein Turnaround geschafft werden in dem Bereich?

Tatsächlich - und das ist für mich bei den Falcons der frustrierendste Part - ist es glaube ich gar nicht so schwierig, in dem Bereich einige Dinge zu ändern. Zumindest in der Theorie, oder zumindest als Versuch. Was wir gegen die Eagles aber gesehen haben, waren im Prinzip mehr oder weniger exakt die gleichen Probleme, die es auch letztes Jahr gab.

Julio Jones wurde in der Red Zone entweder vom Feld genommen, oder aber isoliert bei Jump-Balls angespielt. Generell ließ Sarkisian weniger Routes innerhalb der Plays laufen, setzte wieder mehrfach auf Isolation-Routes und hatte regelmäßig keinerlei Route-Konzepte, um mal Verteidiger ineinander laufen zu lassen oder Receiver als Ablenkung zu nutzen.

Und als ob das nicht genug wäre: Runs aus offensichtlichen, engen Heavy-Sets (statt aus Spread-Formationen, wie Atlanta ja beim Gegner am Donnerstag wunderbar beobachten konnte), zu wenig Motion, zu wenig Play Action, zu wenige Stack- und Bunch-Formationen (also vor dem Snap eng beieinander postierte Receiver). Sarkisian könnte seiner Offense enorm helfen, würde er an einigen Schrauben ein bisschen drehen. Zwischen Januar und September hat er das aber offensichtlich nicht geschafft.

Breaqi: Die Bills offensiv potenziell schlecht wie kaum ein Team zuvor? Cleveland jetzt schon mit einer der besseren Defensiven der Liga?

25 Passing-Yards und kein einziges First Down in der ersten Hälfte, Peterman am Ende mit fünf Completions, sieben Sacks gegen die Bills-Offense und 2,5 (!) Yards pro Play - ja, es ging gegen eine gute, erfahrene Ravens-Defense, aber da hatte ich dann doch zumindest ein bisschen mehr erwartet. Buffalo wird wenigstens für Teile der Saison die wohl schlechteste Offense haben, und es wäre trotzdem der schlimmste Weg, jetzt vorschnell Josh Allen rein zu werfen. Die Protection wird dadurch ja nicht besser, die Defenses nicht langsamer oder weniger komplex.

Und die Browns? Die Turnover waren zu einem nicht unerheblichen Part Roethlisbergers Fehler, und auch ohne Bell hatten die Steelers über 150 Rushing- und 335 Passing-Yards. Aber: Die Browns haben zumindest angedeutet, welches Potential in dem Team schlummert. Myles Garrett hatte gegen Alejandro Villanueva teilweise einen schweren Stand, hatte aber auch die beiden Big Plays. Denzel Ward war sehr stark, nicht nur aufgrund der Picks.

Cleveland könnte mit der Mischung aus aggressivem Scheme, einem potentiellen Elite-Pass-Rusher in Garrett und der verbesserten Secondary vielen Teams Probleme bereiten. Die Browns sind gerade auf der Seite des Balls noch sehr jung und werden hier noch besser werden, da bin ich sicher (wenn auch womöglich eher mit neuem Coordinator). Aber aktuell würde ich sie eher in der Top-14 als in der Top-8 der Defenses einordnen, als grobe Orientierung.

Sportaddict: Wie bewertest du die Situation in Pittsburgh mit Le'Veon Bell?

Mit einem Wort: hässlich, und es wird nicht besser. Nachdem sich jetzt mehrere Mitspieler öffentlich negativ über ihn geäußert haben, provozierte er nach dem Spiel gegen die Browns mit einem Emoji via Twitter. Dabei scheint ihm entgangen zu sein, dass James Conner - auch mit dem Fumble - ein gutes Spiel hatte und zeigte, wie elementar das Run-Blocking eben auch in Pittsburgh ist.

Für mich hat sich Bells Situation in Pittsburgh mit dem Auftaktspiel nochmals verschlechtert. Er wird irgendwann zurück kommen, um die Saison auch angerechnet zu bekommen und anschließend Free Agent zu sein. Ich kann mir aber zunehmend vorstellen, dass er dem Team noch für eine Weile fernbleibt und die Situation innerhalb der Mannschaft auch nicht mehr so richtig repariert werden kann.

Seine Zukunft liegt nicht in Pittsburgh, allein: ein Trade wird durch die vertragliche Situation mit dem Franchise Tag sehr, sehr schwierig.

Winternam88: Ist der Pass-Rush der Patriots so viel besser, oder ist die O-Line der Texans einfach so viel schlechter?

Ich hatte nie so ganz verstanden, warum viele die Patriots im Vorfeld der Saison in ihren Rankings etwas zurückgestuft haben. Für mich ist das nach wie vor das beste Team der AFC, und ein Grund dafür ist die Tatsache, dass die Front deutlich verbessert ist. Nachdem das letztes Jahr noch die große Schwachstelle war, sind die Pats mit Clayborn und Shelton - die beide hervorragend in das Scheme passen - viel besser aufgestellt, mit Flowers und Wise haben sie schon zwei Edge-Rusher und in Derek Rivers kommt ein X-Faktor noch dazu.

All das ist korrekt, trotzdem gilt hier auch: Vorsicht vor der Week-1-Overreaction. Denn ja, für mich war der Texans-Auftritt eine erste Bestätigung der Offseason-Prognosen. Houston wird mit der eigenen Offensive Line die ganze Saison über Probleme haben, und das wird ein großes Handicap, wenn Watson mehr aus der Pocket passen soll. Es ist ein zentraler Grund dafür, dass ich die Texans knapp nicht in die Playoffs getippt habe.

Letztlich kassierte Watson am Sonntag drei Sacks, alle drei kamen beim 4-Men-Rush und ohne irgendwelche exotischen Pressure-Pakete.

Sebastian von Horn: Bester Spieler in Week 1? Sleepers und Matchups in Week 2? Spannendste beziehungsweise interessanteste Spiele in Week 2?

Bester Spieler, da wäre meine Auswahl:

  • Tyreek Hill, der ein absoluter Game-Changer und die vielleicht aktuell gefährlichste Waffe der ganzen NFL ist. Kein anderer ist so eine Big-Play-Maschine, kein anderer kann Spiele als Receiver und als Returner derart auf den Kopf stellen oder kippen lassen und ist dabei gleichzeitig auch noch die größte "Ablenkungs-Waffe" der Liga.
  • Ryan Fitzpatrick hatte natürlich massive Hilfe von seinen Playmakern und eine unerwartet saubere Pocket. Aber was er daraus gemacht hat, war aller Ehren wert.
  • Und natürlich Aaron Rodgers, der die Packers auf einem Bein in einem Spiel zurückführte, das eigentlich schon fast außer Reichweite schien.

Was Week 2 angeht: die interessantesten Spiele sind Jacksonville gegen New England, Green Bay gegen Minnesota, Pittsburgh gegen die Chiefs und Atlanta gegen Carolina. Die beiden AFC-Duelle könnten später im Playoff-Rennen mal noch eine Rolle spielen, und wir alle wollen die Pats-Offense gegen die Jaguars-Defense wieder sehen.

Die beiden NFC-Partien dagegen sind möglicherweise im weiteren Saisonverlauf absolut kritische Partien: zwischen Green Bay und Minnesota könnten die direkten Duelle über den Division-Sieg entscheiden, die Falcons müssen zeigen, dass sie nach der unnötigen Auftaktpleite in Philadelphia gegen eine unangenehme Panthers-Defense zurückschlagen können. Ein 0-2-Start in dieser NFC wäre ein ziemlich dickes Brett gleich zu Beginn der Saison.

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