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NFL Third and Long: Die Offense-Schemes aller 32 Teams

SPOX blickt vor dem Saisonstart auf die offensiven Grund-Schemes aller 32 Teams.
© getty

Oakland Raiders Scheme:

Offense-Grundlage: West Coast Offense.

Und wie sieht das aus? Das ist eine der spannenderen Fragen vor der kommenden Saison. Gewissermaßen eine 100-Millionen-Dollar-Frage. Gruden ist klar in der West Coast Offense geprägt, und in der Preseason sieht man bereits erste Tendenzen davon: Kurze Pässe mit über das Scheme kreierten Yards nach dem Catch sind ein klarer Fokus, im Run Game wird das Outside Zone Game Marshawn Lynch entgegenkommen. Das Passing-Scheme sollte auch sehr gut zu Derek Carr passen, der seine Stärken ganz klar im Kurzpass-Timing-Passspiel hat. Martavis Bryant könnte als Matchup-Receiver Outside und im Slot zum Einsatz kommen, Jordy Nelson ist möglicherweise im Slot zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere wertvoller. Amari Cooper sollte gut in die mittleren Route-Kombinationen passen - so weit die Theorie.

Philadelphia Eagles Scheme:

Offense-Grundlage: West Coast Offense mit Option-Elementen.

Und wie sieht das aus? Wer die vergangene Saison nicht komplett ignoriert hat, der kennt die Stichpunkte für Doug Pedersons Interpretation der West Coast Offense in Philly - für alle anderen gibt's hier nochmal die ausführliche Analyse zum Nachlesen. Die wichtigsten Punkte: Ein glänzend choreografiertes Passspiel um Run Pass Options, Motion, 2-TE-Pakete. Ein starkes Passspiel vor allem auf die mittlere Distanz, wo Nelson Agholor als Slot-Receiver in der West Coast Offense endlich in der NFL angekommen ist, sowie Levels- und Mesh-Konzepte, um Zone genau wie Man Coverage zu attackieren. Auch enge Receiver-Formationen sind prominent vertreten. In Kombination mit der herausragenden Offensive Line und dem starken Run-Blocking gerade auf dem Linebacker-Level ist es eine der Quarterback-freundlichsten, modernsten Offenses in der Liga, in welcher Pederson als aggressiver, mutiger Play-Caller zusätzlich einen Unterschied ausmacht.

Pittsburgh Steelers Scheme:

Offense-Grundlage: Flexible Spread/ISO Offense mit Tempo-Fokus.

Und wie sieht das aus? Todd Haley ist weg, Randy Fichtner übernimmt in Pittsburgh - das lässt die genaue Identität der Steelers-Offense etwas offen, ist es doch Fichtners erster Job als Offensive Coordinator in der NFL. Eine Sache kann man definitiv prognostizieren: Pittsburghs Offense wird schneller sein. Fichtner setzte schon im College intensiv auf einen No-Huddle-Ansatz, Ben Roethlisberger soll kommende Saison noch mehr Freiheiten an der Line of Scrimmage erhalten, als er ohnehin schon hat; Berichten zufolge war Roethlisbergers Wunsch nach mehr Tempo und Flexibilität an der Line zuletzt ein konstanter Ansatz für Diskussionen zwischen Big Ben und Haley. Auch dürfte das Play Action Passspiel stärker zum Einsatz kommen als noch unter Haley, der es vergleichsweise sehr selten nutzte. Ansonsten wird im Passspiel viel von Haleys Konzepten wieder zu erkennen sein: Ein vertikales Passspiel in dem die Receiver die Chance bekommen, Eins-gegen-Eins-Matchups zu erhalten und zu gewinnen. Im Run Game dürfte Fichtner das Zone-Blocking als Kern beibehalten, hier kommt Le'Veon Bells Geduld als Runner besonders zur Geltung. Gleichzeitig hat Fichtner im College auch Power-Blocking-Schemes wie etwa Pull-Blocks intensiv genutzt, hier könnte also mehr Vielfalt Einzug erhalten.

San Francisco 49ers Scheme:

Offense-Grundlage: West Coast Offense.

Und wie sieht das aus? Seit zwei Jahren ist San Franciscos Head Coach Kyle Shanahan jetzt schon einer der absolut spannendsten und besten Offensiv-Köpfe in der NFL. Die West-Coast-Elemente im Passspiel sind genauso präsent wie der klare Fokus auf das Zone-Blocking im Run Game - die ausführliche Analyse der Shanahan-Offense gibt's hier. Die Säulen: Play Action, der Fullback als Matchup-Waffe im Passspiel, Stack- und Bunch-Formations, um Receivern an der Line of Scrimmage einen freien Release zu geben, Run- und Pass-Formations sind extrem gut miteinander verbunden und so für die Defense schwer zu lesen. Shanahan kann wie kaum ein zweiter Coach in der NFL Matchups kreieren, forcieren und ausnutzen, der Kurzpass-Timing-Ansatz passt sehr gut zu Jimmy Garoppolo und in Pierre Garcon hat San Francisco einen guten Possession-Receiver. Zusätzlich deutet vieles darauf hin, dass Marquise Goodwin tatsächlich den Sprung zu einem echten Nummer-1-Receiver hinlegen kann, was Shanahan eine gefährliche Waffe auch für die mittleren Distanzen gibt.

Seattle Seahawks Scheme:

Offense-Grundlage: Air Coryell Prinzipien mit Run-lastiger Identität.

Und wie sieht das aus? Neben Carolina sind die Seahawks das zweite Team, das 2018 mit einem neuen Offensive Coordinator an den Start geht, der in der Air Coryell Offense zuhause ist: Brian Schottenheimer übernimmt in Seattle. Das ist schon einmal ein klarer Cut zu den vergangenen Jahren, in denen Seattle durch die West Coast Offense geprägt war. Ein vertikales Passspiel sollte in jedem Fall gut zu Russell Wilson passen, die Frage ist, ob die Offensive Line da mitmacht - und wie die generelle Philosophie aussieht. Schottenheimer hat, genau wie Head Coach Pete Carroll, die Bedeutung des Run Games klar betont und auch die Tatsache, dass die Seahawks in der ersten Runde in Rashaad Penny einen Running Back wählten, passt dazu. Im Run Game setzt Schottenheimer auf eine Mischung aus Power und Outside Zone, auch hier ist es eine Abkehr der meist klaren Zone-Blocking-Prinzipien, die Seattle in den vergangenen Jahren nutzte. Schottenheimers Ansatz steht und fällt aber letztlich mit der Offensive Line.

Tampa Bay Buccaneers Scheme:

Offense-Grundlage: Air Coryell, "4 Verts".

Und wie sieht das aus? Dirk Koetter lässt eine sehr Pass-lastige Offense spielen. Die Tendenz wurde bereits in Atlanta offensichtlich, bei den Buccaneers setzte sich das auch in der vergangenen Saison fort. Koetter will Defenses vertikal attackieren, von allen Quarterbacks mit mindestens 200 Pass-Versuchen warf nur Deshaun Watson den Ball im Schnitt weiter (11,2 Average Intended Air Yards) als Jameis Winston (10,5). Dementsprechend bestand Koetters Personnel auf dem Feld auch primär aus 11 (ein Running Back, ein Tight End - 62 Prozent der Snaps) und 12 (ein Running Back, zwei Tight Ends - 24 Prozent), Letzteres, um Winston mehr Protection geben zu können und um mit seinen beiden Tight Ends schwerer ausrechenbar zu sein, etwa auch für Play Action. "4 Vertical" ist dabei ein Kern-Play seiner Offense - also vier Spieler, die mittellange bis tiefe Routes laufen - und daraus lässt Koetter diverse Variationen spielen, um verschiedene Bereiche des Feldes zu attackieren. Als Air-Coryell-Schüler setzt er auf tiefere Dropbacks und Routes, die sich etwas länger entwickeln müssen, was für die O-Line zusätzlichen Druck bedeutet. In den vergangenen Jahren war das immer wieder ein Problem in Tampa.

Tennessee Titans Scheme:

Offense-Grundlage: West Coast/Spread Option Hybrid.

Und wie sieht das aus? Eine neue Welt in Tennessee. Unter dem neuen Trainerstab geht es weg von "Exotic Smashmouth" und dem wenig zeitgemäßen Ansatz unter Mike Mularkey, und hin zu einer modernen Offense mit Matt LaFleur. LaFleur ist in der West Coast Offense geprägt, 2015 und 2016 arbeitete er unter Kyle Shanahan in Atlanta und in der vergangenen Saison unter Sean McVay bei den Rams. Dementsprechend dürfte er das Play-Action-Passspiel priorisieren, etwas, das Marcus Mariota sehr entgegenkommen sollte: die Titans hatten schon in der vergangenen Saison eines der gefährlichsten Play Action Games. Das dürfte jetzt weiter ausgebaut und um Run Pass Options sowie Zone Reads für Mariota - LaFleur bringt hier auch Erfahrungen mit, er war in Washington, als Robert Griffin III. gedraftet wurde -, Spread-Formations und generell einen offeneren, moderneren Ansatz erweitert werden. Kein Team spielte letztes Jahr prozentual so viele 3-TE-Sets wie Tennessee (13 Prozent), hier dürften 3-WR-Sets (44 Prozent - der viertniedrigste Wert 2017) stattdessen etwas nach oben geschraubt werden. Mariota ist für den West-Coast-Ansatz mit Timing und Kurzpassspiel mit seiner Accuracy sehr gut geeignet, Corey Davis kann den Schritt zu einem gefährlichen Possession-Receiver hinlegen und in Dion Lewis hat LaFleur zum Einstand eine echte Matchup-Waffe bekommen.

Washington Redskins Scheme:

Offense-Grundlage: West Coast mit vertikalem Play Action Passspiel.

Und wie sieht das aus? Genau wie sein Bruder Jon ist auch Washingtons Head Coach Jay Gruden in der West Coast Offense zuhause. Eine Säule dabei ist das Run Game, in dem Zone- und Power-Blocking-Schemes gemischt werden. Gleichzeitig gehören kurze Dropbacks, schnelle Pässe, das Verteilen des Balls an alle Receiver und Yards nach dem Catch fest ins Repertoire. Das Play-Action-Passspiel wird bevorzugt für Downfield-Shots genutzt, Kirk Cousins war hier eine sehr gute Lösung in der Hauptstadt. In der Theorie sollten diese Scheme-Tendenzen auch zu Alex Smith passen, wenngleich der in puncto Deep-Passing-Game mehr Hilfe vom Scheme braucht. Gruden könnte hierfür einige der Option-Elemente, welche die Chiefs-Offense in der vergangenen Saison so aggressiv gemacht haben, übernehmen.

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