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NFL Third and Long: Neue Offenses und wie sie funktionieren - und Lamar Jackson

Carson Wentz und die Philadelphia Eagles sind in puncto Innovation weit vorne mit dabei.
© getty

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Earl Thomas, Helm-Regel, Überraschungen, Schemes - eure Fragen

Lukas Dilsen und Ralf Baier: Welcher Rookie-Quarterback wird als Erster für sein Team starten (müssen)? Was denkst Du, welcher der jungen Quarterbacks in dieser Saison schon Starter sein könnte?

Zum ersten Teil der Frage: Josh Allen ist und bleibt hier mein Tipp. Auch wenn er von den Rookie-QBs derjenige ist, der am ehesten noch Zeit braucht - die Quarterback-Situation in Buffalo ist so schwierig, dass Allen letztlich den Starter-Job gewinnt und die Bills womöglich darauf bauen, dass er außerhalb der Struktur und vielleicht auch als Scrambler Plays kreieren kann, die mit den anderen beiden Quarterbacks angesichts der Defizite vor allem in der Offensive Line nicht möglich wären.

Josh Rosen ist in seiner Entwicklung am weitesten, so lange Sam Bradford aber fit bleibt - wie lange auch immer das sein wird) -, wird Bradford in diesem Jahr auch starten. Sam Darnold ist mein Tipp als zweiter spielender Rookie-Quarterback, ich glaube, dass Darnold etwa zur Saison-Mitte übernimmt.

the MaD: Was ist - in Grundzügen - der Unterschied zwischen der McVay-Offense und der Shanahan-Offense?

Passt zum generellen Thema dieser Kolumne - auch wenn die Antwort vielleicht etwas enttäuscht: Denn nicht nur in Grundzügen sind sich die beiden Offenses vergleichsweise tatsächlich ziemlich ähnlich und setzen auf ähnliche Aspekte: Ein (Outside) Zone Run Game, viel Play Action (nur Deshaun Watson hatte 2017 prozentual mehr PA-Pässe als Goff), viel Pre-Snap-Motion und eine intensive Nutzung des Screen Games.

Das liegt maßgeblich daran, dass beide eine ähnliche Prägung hatten: Shanahan und McVay waren gemeinsam in Washington und haben dort unter Mike Shanahan in der West Coast Offense gelernt. Das setzte sich für McVay auch unter Jay Gruden fort, ebenfalls ein West-Coast-Anhänger.

Von Mike Shanahan haben dessen Sohn Kyle und McVay gelernt, Run- und Pass-Plays eng miteinander zu verknüpfen, um für die Defense schwieriger ausrechenbar zu sein - das Outside Zone Run Game hilft dabei: Weil sich die Line bei den Run-Plays als Einheit in eine Richtung bewegt, ist es leichter, hieraus auch Play-Action-Fakes zu spielen. Play Action und das Screen Game sind maßgeblich Gründe für Todd Gurleys statistischen Aufstieg im Passspiel.

Run Pass Options dagegen waren zumindest bisher bei beiden kein Faktor: Die 49ers (15) und Rams (13) nutzten die RPOs am viert- beziehungsweise zweitwenigsten.

Im Kern sind beide Schemes also sehr ähnlich, und das streckt sich auch auf die Details aus. Beispielsweise mit Blick auf die Formationen: Shanahan wie auch McVay sind große Anhänger der Bunch- und Stack-Formations, also Aufstellungen, bei denen mehrere Receiver nah beieinander postiert sind. Das erleichtert dem Receiver den Release und ist eines der besten Scheme-Mittel gegen Man Coverage.

Benjamin Moser: Besteht bei Earl Thomas und seiner Unzufriedenheit bei den Seahawks die Chance, den Spieler zu den 49ers zu holen? Marquise Goodwin hatte das ja medienwirksam gefordert.

Das halte ich für nahezu ausgeschlossen. Ich kann mir kein Szenario vorstellen, in dem Seattle Thomas innerhalb der Division tradet - auch wenn er in puncto Scheme natürlich sehr gut zu den 49ers passen würde. Die Fronten sind inzwischen ziemlich verhärtet und ich bleibe bei meiner Prognose: Es wird noch einen Trade geben. Da sehe ich aber weiter eher die Cowboys als heißesten Kandidaten, auch wenn ich da vom Scheme-Fit noch nicht so überzeugt bin.

Blackjack Jack Jamal Jackson Jr. from Jacksonville: Kannst Du in deiner nächsten Kolumne erklären, welcher Receiver (WR, TE, RB) welchen Vorteil gegen Verteidiger (CB, LB, SS etc.) hat? Man liest ja immer, dass man in einem Offense-Scheme versucht, Miss-Matches zu kreieren.

Ganz einfach formuliert versucht man, die schwächsten Cover-Gegenspieler in Coverage zu attackieren. Hat man beispielsweise einen gefährlichen Pass-Catching-Back, dann kann das schon ein Matchup gegen einen Linebacker sein. Gleiches gilt für den Tight End. Ein beweglicher Slot-Receiver gegen einen großen, physischen Strong Safety kann genauso ein Mismatch sein wie ein großer, explosiver Receiver gegen einen Linebacker.

Pauschal kann man es also nicht sagen (auch wenn ein Outside-Receiver gegen einen Linebacker beispielsweise meist ein Mismatch sein wird), die Herangehensweise funktioniert eher so: Eine Offense schaut immer, wo der Gegner welche Schwächen hat. Welcher Verteidiger hat Probleme mit schnellen, wendigen Passfängern? Welcher ist langsamer? Welcher wird mit einem physischen Receiver Probleme bekommen? Und so weiter.

Dann gilt es, diese "Problemzonen" mit den entsprechenden Waffen zu attackieren und über Pre-Snap-Motion, Route-Kombinationen und der gleichen die Matchups als Offense zu erzwingen.

Stefan Janssen: Wie siehst Du die neue Helmet-Rule? Beim Hall of Fame Game fand ich das schrecklich.

Ich bleibe hier mal vorsichtig, weil die Frage aber häufiger kam, hab ich sie rein genommen. Im Hall of Fame Game gab es tatsächlich einige Szenen, in denen ein vermeintlich völlig sauberes Tackle abgepfiffen wurde - ich bin aber noch optimistisch, dass es hier Feinjustierungen geben wird, damit beispielsweise solche Hits legal bleiben. Gleiches gilt hier. Um die Frage zu beantworten: Wenn die Umsetzung der Regel im Hall of Fame Game richtungsweisend für die ganze Saison wird, dann haben wir hier ein ernsthaftes Problem.

Franco: Gibt es für dich Überraschungskandidaten für einen Starting-Spot, die noch etwas unter dem Radar schweben?

Da wird natürlich in der Preseason noch viel passieren, ganz zu schweigen von Verletzungen, Trades, Entlassungen und so weiter. Aber wie wäre es mit einem tiefen Sleeper-Kandidaten: Braxton Berrios in New England?

Hier ist der Gedankengang: Edelman fehlt zunächst gesperrt. Mitchell wurde mittlerweile entlassen und in Cordarrelle Patterson sehe ich nicht den Route-Runner, den die Patriots in ihrer Offense wollen. Chris Hogan ist gesetzt, aber dann kommt man für Week 1 schon zu Eric Decker, Kenny Britt und Philip Dorsett.

Ich hatte Berrios, der auch New Englands Punt-Returner werden könnte, schon kurz nach dem Draft hervorgehoben und die aktuelle Situation im Pats-Receiving-Corps macht die Situation zumindest interessant.

Herr Bert: Welches Team sorgt dieses Jahr für die größte Überraschung?

Dass die Bears und Browns dieses Jahr deutlich verbessert sein werden ist inzwischen ja keine Überraschung mehr, auch mit den 49ers und Chargers rechnen viele. Ich werfe mal noch ein Team in den Raum, über das nicht so viel gesprochen wird: Die Detroit Lions!

Detroit sollte eine der besten O-Lines haben, dazu ein Top-12-Quarterback, ein gutes Receiving-Duo und ich glaube, dass die Probleme in der Front durch Patricias Scheme zumindest teilweise behoben werden. Dazu das Talent in der Secondary - wenn da nur nicht diese heftige Division wäre ...

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