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NFL: Josh Gordon: Nach Drogen und anderen Problemen - endlich eine saubere Saison?

Von Dominik Thau
Montag, 06.08.2018 | 13:30 Uhr
Josh Gordon, NFL, Cleveland Browns, American Football, AFC North
© getty

Josh Gordon gehörte früher zu den besten Passempfängern in der NFL. Nach vielen Höhen und Tiefen und mehr als 100 Tagen in einer Entzugsklinik, gab er in Week 13 der vergangenen Saison sein Comeback gegen die Los Angeles Chargers. Jetzt möchte der Star-Receiver der Cleveland Browns endlich ohne Eskapaden zu alter Stärke zurückkehren.

Möglicherweise stellt jenes Spiel gegen die Chargers tatsächlich einen positiven Wendepunkt im Leben von Josh Gordon dar.

Seit diesem Zeitpunkt zeigt sich der Wideout physisch, wie auch scheinbar psychisch in absoluter Topverfassung. Das freut nicht nur Head Coach Hue Jackson, auch zahlreiche Browns-Fans hoffen, nachdem man sich mit einem Sieg in den letzten beiden Jahren zufriedengeben musste, auf eine gute Saison des 27-Jährigen - nach dem Abgang von Corey Coleman um so mehr. Die Browns brauchen Gordon auf dem Feld.

Doch warum war der bisherige Weg für den physisch unglaublich talentierten Gordon so holprig? Warum war er nicht einmal im richtigen Draft? Und wie früh begannen die Probleme, die den Receiver bis heute begleiten?

Es ist eine Geschichte, die für viele schwer nachvollziehbar ist. Die eine ganz andere Welt zeigt, als den Glitzer und den Glanz des Daseins eines Profi-Sportlers.

Schon immer Probleme in der Kindheit

Denn schon der Weg in die NFL verlief für den gebürtigen Texaner alles andere als glatt. Bereits früh zeigten sich zwar seine Begabungen in verschiedenen Sportarten; in der High School spielte er neben Football auch Basketball und war zusätzlich als Sprinter in seiner Schule aktiv.

Mit der High School begann jedoch auch seine kriminelle Karriere. Schon früh nahm er Marihuana und das verschreibungspflichtige Mittel Xanax zu sich. Gordon hatte bereits damals mit Depressionen zu kämpfen, Xanax wirkt angstlösend, entspannend und beruhigend. Es wird unter anderem zur Behandlung von Angst- und Spannungszuständen sowie von Panikstörungen eingesetzt.

"Ursprünglich fing es für mich aufgrund von kindheits- und jugendtraumatisch basierter Angst an. Ich wollte keine Furcht spüren. Ich plante nicht, zu leben bis ich 18 bin. Ich lebte von Tag zu Tag", sagte der Receiver in einem Interview mit dem GQ Magazine schockierend offen. Hinzu kamen der Handel mit Drogen und Waffen.

Trotz seiner Eskapaden auf der High School sorgte Gordon sportlich für Aufsehen, zu groß war sein Talent. 2009 nahm er schließlich das Stipendium an der Baylor Universität an - allerdings wurden hier seine Fehltritte nicht weniger. Er handelte unter anderem mit Gras, später gab er in einem Interview der Sports Illustrated zu, dass er in manchen Monaten 10.000 Dollar damit verdiente.

Aufgrund positiver Drogentests wurde Gordon zudem während seiner gesamten College-Football-Karriere immer wieder gesperrt, bis irgendwann das Maß voll war. Gordon wurde von Coach Art Briles auf unbestimmte Zeit suspendiert und entschied sich schließlich zum Transfer zur University of Utha - wo er nie zum Einsatz kam.

Gordon wollte letztlich 2012, nachdem auch in Utah positiv getestet worden war und ein Jahr ausgesetzt hatte, den Sprung in die NFL schaffen - aus finanziellen Gründen. Die einjährige Pause in Utah "nutzte" er, wie er später erzählte, um erstmals Kokain auszuprobieren.

Gordons College-Karriere

SpielzeitSpieleReceptionsYardsAverageTD
20099177.00
2010134271417.07

2012: Cleveland Browns schnappen sich Gordon

So waren die Chancen auf eine NFL-Karriere im Jahr 2012 schon deutlich gesunken - lediglich der Supplemental Draft im Jahr 2012 blieb ihm, nachdem er sich für den 2011er Supplemental Draft zu spät angemeldet hatte. Dieser ist für die meisten Football-Spieler die Notfall-Alternative zum normalen NFL-Draft. Er wurde eingeführt für Spieler, die sich nicht oder zu spät für den regulären Draft anmelden, in der kommenden College-Saison aber nicht spielberechtigt sind. NFL-Teams wählten dort eher selten Spieler aus.

Aber die Browns erkannten das Potential von Gordon und waren, nach einem persönlichen Treffen zwischen Gordon und den Browns-Verantwortlichen, bereit, das Risiko einzugehen. In der zweiten Runde des Supplemental Drafts schlug die Franchise zu.

Und Gordon sollte die Browns zunächst tatsächlich nicht enttäuschen. In seiner ersten Spielzeit kam er auf 50 Receptions für 805 Yards. Damit war der damalige Rookie der beste Passempfänger seines Teams. Im ersten 100-Yard-Spiel gegen die Oakland Raiders kam er auf 116 Yards gekrönt mit einem Touchdown.

2013 hatte "The Flash", wie er auch von seinen Teamkollegen genannt wird, sein endgültiges Breakout-Jahr: Mit 1.646 Receiving-Yards (ligaweiter Saison-Höchstwert) und sieben Touchdowns dominierte der Texaner trotz schlechtem Quarterback-Plays die Regular Season - und das obwohl er die ersten beiden Spiele gesperrt verpasst hatte. Bis heute ist Gordon der einzige Receiver in der NFL-Geschichte, der zwei Spiele hintereinander mit über 200 Yards beendete.

Gordons NFL-Statistik bei den Cleveland Browns:

SpielzeitSpieleReceptionsYardsAverageTD
201751833518,61
201452430312,60
201314871.64618,99
2012165080516,15

2014-2016: Katastrophen-Jahre für Gordon

Doch seine Vergangenheit sollte den Receiver nach seiner bis heute besten NFL-Saison wieder einmal einholen. 2014 begann mit einer Verhaftung, nachdem er in North Carolina nicht nüchtern am Steuer erwischt worden war, der Absturz. Die NFL suspendierte Gordon als Wiederholungstäter für die gesamte Saison 2014.

Die Strafe wurde zwar später auf zehn Spiele reduziert und in seinen verbliebenen fünf Spielen fing er immerhin noch 24 Pässe für 303 Yards. Es sollten allerdings seine letzten Partien für einen langen Zeitraum sein.

2015 fiel Gordon wegen einer erneuten Suspendierung für die gesamte Spielzeit aus. Gründe waren abermals Drogen und Alkoholkonsum am Steuer. 2016 das gleiche Bild. Auch nach einer Selbsteinweisung in eine stationäre Rehabilitationseinrichtung folgte beim Comeback-Versuch ein weiterer positiver Drogentest. Ein weiteres Engagement in der NFL schien zu diesem Zeitpunkt undenkbar.

Und doch wird er es versuchen.

Alkohol und Drogenbeichte 2017: "in jedem Spiel etwas eingenommen"

2017 wollte das Sorgenkind der NFL reinen Tisch machen. In einem Interview mit dem GQ Magazine gestand der Receiver ehrlich und offen seine mentale Probleme, den Drogenkonsum und seine bewegte Vergangenheit.

"Ich war ein hochfunktionaler Alkoholiker. Ich weiß nicht wie ich es gemacht habe, aber ich habe definitiv die Grenzen verschoben", verriet der Receiver. "Ich hatte wahrscheinlich in jedem Spiel damals etwas eingenommen, definitiv auch im College."

Weiter habe er "damals ein Ritual daraus gemacht. Wenn ich in der jeweiligen Woche bereits auf Drogen getestet worden war oder wenn es der Tag vor dem Spiel war, wusste ich, dass ich etwas Zeit hatte, um mein System wieder zu reinigen."

Josh Gordon ist ein "physischer Freak"

Und er wird in Cleveland noch eine Chance erhalten, denn trotz seiner Skandale ist Gordons Talent noch immer unumstritten. Der 27-Jährige ist die perfekte Mischung aus Größe, Kraft und Schnelligkeit. Nach seiner langen Pause bewies er in der vergangenen Saison, dass er noch immer zu den schnellsten Wide Receivern der NFL gehört und dass er an seinen Probleme ernsthaft gearbeitet hat.

Den 40-Yard-Sprint absolvierte er in 4.3 Sekunden. Sollten diese Angaben stimmen, hat er seine Zeit aus dem Pro-Day-Training von 2012 um zwei Zehntelsekunden verbessert. Zum Vergleich, der Rekord des 40-Yard-Dash liegt bei 4.22 Sekunden, aufgestellt von John Ross bei den Scouting Combine 2017.

Durch seine Größe und Schnelligkeit ist Gordon eine echte Waffe für auch für 1-gegen-1 Matchups unter anderem in den in Cleveland so beliebten Isolation-Routes, das bestätigte auch Clevelands neuer Quarterback Tyrod Taylor auf einer Pressekonferenz. "Auf dem Feld ist Gordon ein physischer Freak, er bewegt sich gut und hat sichere Hände. Es fühlt sich so an, als wäre er bei jedem Spielzug frei".

Jarvis Landry ist noch eine weitere Besonderheit aufgefallen: "Er kann Routes laufen. Ich hab noch nie einen Spieler gesehen, mit seiner Statur, der solche Routes laufen kann und Cuts macht wie ein kleinerer Spieler. Das ist etwas Besonderes."

Gordon: Abstinenz vom Cleveland-Trainings-Camp

Die nächste Schlagzeile aber folgte dann vor einigen Tagen und sorgte für kurze Panik im Lager der Browns-Fans: Josh Gordon wird vorerst nicht am Trainings-Camp der Browns teilnehmen. Er wolle seinen Behandlungsplan durchziehen und weiter gegen seine mentalen Probleme ankämpfen.

Via Twitter verkündet der Receiver: "Ich will euch wissen lassen, dass es mir sowohl körperlich, als auch mental großartig geht. Ihr werdet merken, dass ich nicht beim Start des Training Camps sein werde. Dies ist Teil meines Gesundheits- und Behandlungsplans." Es wirkt wie ein vernünftiger, proaktiver Schritt, während in Cleveland der Medienzirkus der "Hard Knocks"-Produktion aufgefahren hat.

In dieser Phase erhält Gordon Beistand von seinen Teamkollegen, Freunden, Fans und den Browns. "Wir werden Josh weiterhin dabei unterstützen, seinen Heilungsfortschritt beizubehalten. Solange er nicht beim Team ist, werden wir seine Privatsphäre respektieren", sagte Team-Geschäftsführer John Dorsey jüngst. "Ich bewundere, was er macht, weil er sich um das langfristige Interesse seiner Person kümmert. Ich werde mich auf die Jungs konzentrieren, die im Trainingslager 2018 hier sind. "

Auf die Frage ob Gordon diese Saison spiele würde, antworte Dorsey: "Ich habe gesagt, dass er hier sein wird, und er wird hier sein."

Kommt Gordon wirklich skandalfrei zurück in die NFL, hätte die Franchise einen der talentiertesten Passempfänger im Roster. Gemeinsam mit der Neuverpflichtung aus Miami, Jarvis Landry, hätten die Browns zudem auf einen Schlag eines der spannenderen Receiver-Duos der Liga. Gordon wäre es auch persönlich zu wünschen, endlich eine gesamte Spielzeit ohne Fehltritte zu bestreiten.

Momentan sieht es so aus, als könnte der 27-Jährige seine vermutlich letzte Chance in der NFL nutzen - und auch darüber hinaus sein Leben in geordnetere Bahnen lenken.

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