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NFL: Jameis Winston und die Tampa Bay Buccaneers: In guten wie in schlechten Zeiten

Von Pascal De Marco
Dienstag, 10.07.2018 | 11:24 Uhr
Jameis Winston spielt nicht nur auf dem Platz mit seiner Zukunft.
© getty
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Die Personalie Jameis Winston ist nach der Drei-Spiele-Suspendierung wegen eines Belästigungs-Vorfalls gegenüber einer Uber-Fahrerin vor zwei Jahren weiter stark umstritten. Einige Stimmen legen den Tampa Bay Buccaneers sogar nahe, sich von ihrem auserkorenen Franchise-Quarterback zu trennen. Eine Idee, von der die Bucs vorerst Abstand halten sollten.

Als wären die Fragezeichen, die Jameis Winstons Spiel begleiten, nicht schon groß genug. Nun wird Tampas Quarterback für die ersten drei Spiele seiner vierten Saison in der NFL auch noch gesperrt. Und das nicht aufgrund eines Vergehens mit ausschließlich sportlich relevanten Auswirkungen, sondern wegen der Belästigung einer Uber-Fahrerin.

Winston, dessen Sperre ihn zugleich 124.000 Dollar seines Basis-Gehalts kosten, ist in Sachen fragwürdiges Verhalten neben dem Football-Feld kein unbeschriebenes Blatt. Schon während seiner College-Zeit bei Florida State wurde der heute 24-Jährige wegen eines sexuellen Übergriffs angezeigt, wurde jedoch in Ermanglung an Beweisen nie strafrechtlich angeklagt. Die Klägerin verklagte ihn schließlich zivilrechtlich, man einigte sich aber schließlich außergerichtlich.

Der Uber-Vorfall von vor zwei Jahren könnte den letzten Warnschuss für eine Karriere bedeuten, die mit vielen Lorbeeren begann, einigen davon gerecht wurde, aber auch vielerlei Kritikpunkte beinhaltete, deren Verbesserung der junge Quarterback bis heute schuldig geblieben ist. Die Franchise von der West-Küste Floridas stand schon vor der Bestätigung der Sperre vor einer für viele der Verantwortlichen schwierigen Saison, die Causa Winston hätte man sich sicherlich gerne erspart.

Der ehemalige Heisman-Trophy-Gewinner und First-Overall-Pick des 2015er-Draft-Jahrgangs ist einerseits auf dem Weg, der beste Quarterback der Franchise aller Zeiten zu werden. Doch andererseits muss er dennoch um einen zweiten Vertrag im Piraten-Land bangen.

Tampa Bay Buccaneers: Der Druck ist schon vor der Saison da

Für nicht wenige war es eine Überraschung, dass Head Coach Dirk Koetter nach einer maßlos enttäuschenden Saison seinen Job auch für die kommende Saison (5-11) behalten durfte. Noch überraschender war es, dass das Team, welches mit eindeutigen Playoff-Aspiranzen ins Jahr 2017 gegangen war, an Defensive Coordinator Mike Smith festgehalten hatte, obwohl es in mehreren der relevantesten Statistiken (Team DVOA, Gegnerische Yards, Gegn. Yards pro Play, Sacks, Sack Rate, Pressure Rate, Tackles for Loss, Third-Down-Stop-Rate) abgeschlagen als Letzter abgeschnitten hatte.

Und selbst Geschäftsführer Jason Licht, der das Amt 2014 übernahm und dementsprechend für einen Großteil des Kaders der weiterhin nach seiner ersten Playoff-Teilnahme seit zehn Jahren lechzenden Franchise verantwortlich ist, ist im Auge der Kritik und von Rauswurf-Gerüchten verfolgt. Für so viele steht in der kommenden Spielzeit der Job auf dem Spiel.

Doch auch die Rahmenbedingungen sind in einer der schwierigsten Divisions der Liga nicht gerade erfolgsversprechend. Die anderen drei Teams der NFC South schafften in der abgelaufenen Spielzeit allesamt den Sprung in die Playoffs und machen nicht den Anschein, sich verschlechtert zu haben.

NFL: Tampa Bays Neuzugänge - Lösen sie die Probleme?

Tampa seinerseits adressierte in erster Linie seine größten Baustellen - und davon gab es viele. Eine generalüberholte Defensive Line sollte dank der Verpflichtungen von Jason Pierre-Paul, Vinny Curry, Mitch Unrein, Beau Allen und First-Round-Pick Vita Vea endlich Druck auf Quarterbacks ausüben. Zwei Zweitrunden-Picks investierte das Team im Draft für die Cornerbacks M.J. Stewart und Carlton Davis.

Auf der offensiven Seite wurde die Line durch Ryan Jensen aufgewertet, der 2017 alle 16 Spiele als Center der Ravens startete. Das nahezu inexistente Running Game soll dagegen durch den Speed des ebenfalls in der zweiten Runde gezogenen Ronald Jones in frischem Glanz erstrahlen.

Die offensive Seite der Bucs abgesehen von Problemen in der Red Zone zwar die weitaus verlässlichere, doch trügen gute Statistiken teilweise über den Wahrheitsgehalt des Bildes. Meist aus großen Rückständen heraus setzte die Bucs-Offense in der zweiten Halbzeit zu Comebacks an. Große Raumgewinne wurden gegen Prevent-Defenses erzielt, deren Priorität es war, Zeit von der Uhr laufen zu lassen.

Grundsätzlich basiert die Offense viel zu stark auf dem physischen Vorteil, den sich Tampa durch Wideout Mike Evans und Tight End Cameron Brate erhofft. Die Route-Konzepte erschienen viel zu einfältig. Underneath-Routes hatten Seltenheitswert. Nur Houstons Deshaun Watson hatte mehr Intended Air Yards pro Passversuch als Starting-Quarterback als Winston. Zudem schaffte es Tampa Bay zu keiner Zeit, Neuzugang DeSean Jackson in ihr Spiel einzubinden.

Jameis Winston: Verkörperung der Gunslinger-Mentalität

Winston pendelt unter diesen Voraussetzungen seit Beginn seiner NFL-Karriere zwischen Genie und Wahnsinn. Er passierte die 4000-Yard-Marke in seinen ersten beiden Saisons und hätte dies wohl auch in der vergangenen geschafft, hätte ihn eine Schulter-Verletzung nicht bei drei Spielen auf die Seitenlinie beordert.

Doch leidet das Spiel des 24-Jährigen auch immer wieder an folgenschweren Fehlentscheidungen, die er in seiner Passauswahl trifft. Jameis ignoriert auch einmal eine Double-Coverage, wenn er seinen Lieblings-Receiver auserkoren hat. Außerdem zwingt ihn das Scheme den Ball lange in der Hand zu halten. Fumbles sind ein ähnlich großes Problem wie die vielen Interceptions, die die Bucs bereits mehrere Spiele gekostet haben.

In drei Jahren in der NFL sind die 44 Picks Winstons eine dunkle Kehrseite neben den 69 Touchdowns, die er geworfen hat. Die Frage, ob die Fehler, die Winstons Gunslinger-Mentalität mit sich bringt, nicht zu viel sind, um einem Franchise-Quarterback-Status gerecht zu werden, sind auch nach drei Jahren allgegenwärtig.

Keinen seiner Fehler allerdings könnte er teurer bezahlen, als den, den er vor zwei Jahren abseits des Platzes an einem Abend in Arizona begangen hatte.

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