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NFL Third and Long: Draft Abschluss - finale Bewertung und Nuggets zum Draft

Ezekiel Elliott und das Run Game der Cowboys sollten 2018 wieder zur Liga-Spitze gehören.
© getty

Safeties, Receiver-Value, Dallas: Finale Draft-Nuggets

Anstieg der 3-Safety-Pakete: Der Trend an sich ist nicht neu, doch über die vergangenen Jahre hat er sich intensiviert: Defense-Pakete mit drei Safeties - die sogenannte Big-Nickel-Defense - sind ein zunehmend fester Bestandteil für viele NFL-Defenses. Die Patriots sind unter anderem ein Beispiel hierfür. Viele Teams nutzen einen Safety so als Defensive Back/Linebacker-Hybrid, die Denkweise dahinter: Ein Safety als zusätzlicher Cover-Spieler (anstatt eines dritten Cornerbacks) ist physisch besser geeignet, um Tight Ends zu decken - und ist der bessere Run-Defender.

Das gibt Teams Flexibilität in Coverage und in der Front generell, ohne in der Run-Defense zu leicht zu werden. Letztlich ist das auch das Argument für die Safety-Linebacker-Hybride, die man immer häufiger sieht. Man ist so etwa auf 12-Personnel (ein Running Back, zwei Tight Ends) und auch auf 21-Personnel (zwei Running Backs und ein Tight End) besser vorbereitet, weil die Front in Run-Defense noch immer standhalten kann, man gleichzeitig aber für Matchup-Waffen auf der Fullback- und Tight-End-Position vorbereitet ist. Zu Ersterem später mehr.

Im Draft haben wir gesehen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Einige Beispiele: Die Steelers, die zusätzlich zu Sean Davis und Free-Agent-Neuzugang Morgan Burnett mit Terrell Edmunds (1. Runde) und Marcus Allen (5.) zwei weitere Safeties nachlegten. Oder die Texans, bei denen neben Andre Hal und Neuzugang Tyrann Mathieu der erste Pick (3. Runde) für Justin Reid verwendet wurde. Jacksonville hat zwei Starting-Safeties mit Tashaun Gipson und Barry Church - und holte in der dritten Runde Alabama-Safety Ronnie Harrison dazu.

Die Offense-Defense-Matchups sind ein permanentes, nie endendes Schachspiel zwischen Philosophien, Innovationen, Trends und Reaktionen. Die 3-Safety-Pakete könnten in der kommenden Saison einer der dominanteren Trends werden.

Receiver-Picks werden zurückhaltender: In der jüngeren Vergangenheit waren die hohen Wide-Receiver-Picks nicht gerade sofortige Homeruns, aus verschiedenen Gründen. John Ross (Bengals), Corey Davis (Titans), Corey Coleman (Browns), Laquon Treadwell (Vikings) und natürlich auch Kevin White (Bears) sowie Breshad Perriman (Ravens) fallen spontan ein.

Im diesjährigen Draft wurde kein Receiver in den Top-20 ausgewählt, lediglich D.J. Moore (Panthers/Pick 24) und Calvin Ridley (Falcons/26) gingen in der ersten Runde weg. Sicher war die Spitzenqualität in dieser Receiver-Klasse nicht ganz so hoch, trotzdem lässt sich hier eine Parallele zu den Running Backs im Draft feststellen: College-Football präsentiert Jahr für Jahr so viele gute bis sehr gute Wide Receiver, dass die Draft-Klassen auf dieser Position schlicht so tief ist, dass man einen frühen Pick hier nicht investieren muss.

Einige Beispiele: Unter anderem Dante Pettis (49ers/Runde 2), Courtland Sutton (Denver/Runde 2), Christian Kirk (Arizona/Runde 2), Anthony Miller (Chicago/Runde 2), D.J. Chark (Jacksonville/Runde 2), Michael Gallup (Dallas/Runde 3), DaeSean Hamilton (Denver/Runde 4), Deon Cain (Indianapolis/Runde 6), Equanimeous St. Brown (Green Bay/Runde 6) oder auch Marcell Ateman (Oakland/Runde 7) könnten früh eine Rolle haben oder im Falle der Late-Round-Picks überraschen.

Und hier sind längst nicht alle Namen aufgelistet, die in diese Kategorie fallen. Insgesamt wurden in diesem Jahr mehr Running Backs als Receiver in der ersten Runde ausgewählt (3:2), auch in der zweiten (4:6) und dritten Runde (1:2) war das Verhältnis - bedenkt man, wie viele Receiver und wie viele Running Backs starten - überraschend ausgeglichen.

Erinnert euch an Boston Scott: Ich hatte gegen Ende der vergangenen Saison schon etwas ausführlicher über das hervorragende Screen-Game der Saints geschrieben, vor einigen Wochen hatte ich die Fokussierung der NFL auf das Kurzpassspiel thematisiert. In der Summe haben fünf Quarterbacks mit mindestens 225 Passversuchen insgesamt 70 Prozent (!) ihrer Pässe zehn Yards oder kürzer geworfen: Josh McCown (73,6%), Aaron Rodgers (73,1%), Alex Smith (72,2%), Drew Brees (71,5%) und Brett Hundley (70,9%).

Brees führte alle Quarterbacks mit Pässen vor der Line of Scrimmage, also kürzer als die Line, an (25,6%), das glänzende Screen-Game spiegelt sich hier statistisch voll wieder. Dabei glänzte Alvin Kamara in der vergangenen Saison mit seiner unglaublichen Beweglichkeit und Explosivität - und in dieser Rolle könnte ich mir auch Boston Scott vorstellen.

Die Saints pickten den Running Back in der sechsten Runde, Scott ist für Football-Verhältnisse extrem klein. Aber den Nachteil, den er dadurch am Kontakt-Punkt hat, gleicht er mit spektakulärer Agilität und Explosivität aus, Scott ist im offenen Feld ein Albtraum für Verteidiger. Sein Tape kann ich jedem, der einen spaßigen, in seinen Bewegungen Videospiel-ähnlichen Running Back, der mich immer wieder an Darren Sproles erinnert, sehen will, nur empfehlen.

Der neue Value der Interior Offensive Line: Kein Team verkörpert diesen Aspekt so sehr wie die Colts: Zusätzlich zu Jack Mewhort investierte Indy seinen Nummer-6-Pick in Quenton Nelson - nur um in der zweiten Runde mit Braden Smith noch einen weiteren Guard als perspektivischen Starter nachzulegen. Indianapolis sollte jetzt mit Nelson, Mewhort und Center Ryan Kelly eine der ligaweiten Top-Interior-Lines an den Tag legen.

Das sollte nicht nur beim Inside-Run-Game eine große Hilfe sein; es ist vor allem der Versuch der Colts, Andrew Luck möglichst saubere Pockets zur Verfügung zu stellen. Das passt zu einem defensiven Trend: Interior-Pass-Rusher werden immer wichtiger.

Dabei spielt einfachste Mathematik eine Rolle, denn in der modernen NFL werden Quarterbacks den Ball immer schneller los, das Kurzpassspiel dominiert. (siehe die Aufzählung bei Boston Scott). Somit wird es immer wichtiger, gewissermaßen auf direktem Wege zum Quarterback zu kommen - also über die Mitte, nicht von außen. Das macht Spielertypen wie Aaron Donald so unglaublich wertvoll.

Insgesamt - je nach Zählweise - sechs designierte Interior Offensive Linemen wurden in den ersten beiden Runden des diesjährigen Drafts ausgewählt: Frank Ragnow, Billy Price, Austin Corbett, Will Hernandez, Braden Smith und James Daniels. Isaiah Wynn, der sich in New England wohl zunächst als Tackle versuchen darf, ist dabei noch nicht einmal aufgelistet. Auch Dallas' Zweitrunden-Pick Connor Williams könnte in der NFL in die Interior Line rutschen. Corbett könnte bei den Browns auch Tackle spielen, dennoch ist dieser Draft-Trend kein Zufall.

Projekt-QBs sind nicht so wertvoll wie gedacht: Mason Rudolph in der ersten Runde? Kyle Lauletta in der zweiten? Mike White in der dritten? Nichts davon trat ein und gerade die Patriots zeigten uns eindrucksvoll, wie sie diese Quarterback-Klasse nach der absoluten Spitze einschätzen. Auch dass die Ravens schon bereitwillig riskierten, Jackson nicht zu bekommen, sollte man nicht ignorieren.

Eine Lektion daraus: Quarterbacks, die von Coaches und Verantwortlichen als Projekte eingestuft werden, haben bei Teams im Draft einen klar geringeren Wert auch in puncto Pick-Value als man gerade vor diesem Draft wieder dachte. Nicht, weil Teams keinen guten Backup oder keine Langzeit-Lösung wollen - eher, weil die Chance, dass sich ein solcher Projekt-Quarterback wirklich als Glücksgriff etabliert, einfach sehr gering ist.

Gesicki kann Miamis Offense dramatisch verbessern: Dass die Dolphins Jarvis Landry abgegeben haben, tut dieser Offense weh - wird ultimativ aber zu verschmerzen sein, zumindest wenn man bedenkt, wie eindimensional Miami Landry eingesetzt hat. Das Outside-Receiver-Duo (Kenny Stills, DeVante Parker) steht, Amendola und Albert Wilson werden sich im Slot abwechseln und die Offensive Line mit Sitton und Kilgore sollte stabiler daherkommen.

Zusammenfassung: Ich glaube, dass Miamis Offense 2018 einige Teams überraschen wird, auch das Backfield dürfte mit Drake und Ballage sehr explosiv sein. Ein Spieler, der für das Scheme von Adam Gase eigentlich ganz zentral ist, fehlte noch: Der athletische Pass-Catching-Tight-End, der über Scheme, Formation und Route-Kombinationen isoliert wird und so gewinnen soll.

Deshalb hatte Miami damals Julius Thomas geholt, die Verpflichtung klappte bekanntermaßen überhaupt nicht. Deutlich vielversprechender ist da der Zweitrunden-Pick der Dolphins: Mike Gesicki ist einer der athletischsten College-Tight-Ends in den vergangenen Jahren. Kein Blocker, aber das wird Gase von ihm auch nicht verlangen. Gesicki gibt Miamis Offense eine Dimension, die Gase unbedingt haben will und die er bisher in South Beach nie hatte. Das wird das Passspiel und auch Tannehill merklich voranbringen.

Die Fullback-Renaissance geht weiter: Wir haben es in den vergangenen Jahren schon mehrfach gesehen: Fullbacks erleben ein Comeback in der NFL! Die Falcons unter Kyle Shanahan und jetzt auch die 49ers, die Patriots bereits seit einiger Zeit und auch die Saints in der Vorsaison waren herausragend darin, den Fullback als neue Matchup-Waffe zu installieren.

Eine Formation mit einem Fullback, einem Running Back und einem Tight End auf dem Platz - also 21-Personnel - erlaubt es der Defense häufig nicht, im Sub-Package raus zu kommen. Bedeutet einfach gesagt: Die Defense, die auf dem Platz steht, wird ihre Stärken eher in der Run-Defense als im Passspiel haben.

Ein moderner Fullback - also ein Spieler, der im Passspiel ein verlässlicher Receiver sein kann - ist hier sehr wertvoll: Die Offense wird ihn gegen Man Coverage fast immer in ein Matchup mit einem Linebacker bekommen, in Zone Coverage kann er einen Cornerback außen beschäftigen, und so Räume für Wide Receiver schaffen.

Pittsburgh hat mit Jaylen Samuels einen genau solchen Fullback/Tight End-Hybrid in der fünften Runde gedraftet, ein Spieler, der im College als Tight End in drei Jahren 201 Receptions für 1851 Yards hatte und in Pittsburgh als eben jener moderne Fullback zum Einsatz kommen kann. Ein weiterer Kandidat: Dimitri Flowers, der als Undrafted Free Agent bei den New York Jets landete.

Drei Undrafted Free Agents, die ihr im Auge behalten solltet: Wie in jedem Jahr glühten auch am Ende dieses Drafts die Telefone längst bevor die siebte Runde beendet war. Teams sind dann auf der Jagd nach den besten ungedrafteten Spielern und hierbei kann es von großem Wert sein, wenn man eines der Prospects im Vorfeld bereits getroffen oder gar zu einem der limitierten Team-Visits eingeladen hat.

Hier sind drei Undrafted Free Agents, die ihr im Auge behalten solltet:

Holton Hill, CB, Texas - Minnesota Vikings

  • sehr athletischer Corner, der seine Physis in Press-Coverage gut einsetzt und in der Route agil verteidigt. Lässt sich nicht leicht abschütteln
  • zeigt gute Ansätze in Zone Coverage, liest Plays schon gut
  • teilweise zu aggressiv, was ihm dann zum Verhängnis wird
  • Tackling muss besser werden
  • Suspendierungen im College wegen positiver Drogen-Tests, auch der Grund dafür, dass viele Teams ihn letztlich nicht auf ihrem Board hatten

Hercules Mata'afa, DT, Washington State - Minnesota Vikings

  • athletischer, unheimlich explosiver Defensive Tackle im College - wird aufgrund seiner Physis aber in der NFL als End spielen müssen. Das hat er im College vergleichsweise selten gemacht
  • könnte ein Pass-Rush-Spezialist und 1-Gap-Verteidiger in der NFL werden
  • Problem ist letztlich die Position angesichts seiner Statur und die Frage, wie kreativ ein Team mit ihm wird
  • 47 TFL (22,5 2017) und 22,5 Sacks in seiner College-Karriere

Akrum Wadley, RB, Iowa - Tennessee Titans

  • ich war bei keinem Spieler mehr überrascht, dass er nicht gedraftet wurde. Ja, Wadley ist klein - aber mit seiner Vision, seiner Geduld und seinem Burst, sobald er eine Lücke gefunden hat, macht er davon einiges wieder wett
  • auch ein guter Receiver und mit seiner Agilität ein Matchup-Problem für Linebacker oder Safeties. 1,61 Yards pro gelaufener Route laut PFF
  • technisch ein guter Running Back, weshalb er auch in Pass-Protection viel besser standhält, als man physisch vermuten würde
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