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NFL Third and Long: Mayfield, Rosen, Darnold und Co.: Die Draft-Quarterback-Analyse

Die Draft-Klasse 2018 ist eine der spannendste seit Jahren. SPOX hat die Top-Kandidaten ausführlich unter die Lupe genommen.
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Josh Allen, Wyoming, Draft Report:

In einem Draft, in dem man mit Lamar Jackson ein Prospect hat, über das mehr als kontrovers diskutiert wird und bei dem mehrere Experten gar zu einem Positionswechsel raten, gehört schon einiges dazu, ein noch kontroverseres Prospect zu sein. Josh Allen schafft diese Herausforderung mühelos.

Wer sich ein wenig mit Allen beschäftigt, dem wird auch schnell klar, warum: Kein Quarterback in dieser Klasse hat die physischen Tools, die Allen mitbringt. Und umgekehrt ist auch keiner der Top-Quarterbacks so roh und so inkonstant wie Wyomings Passer. Das sorgt schnell für massiv unterschiedliche Meinungen, insbesondere wenn die Meinungen von Tape-Analysten, Insider-Analysten und NFL-Vertretern kollidieren.

Ein Problem dabei: Die Vorstellung von Allen, beziehungsweise von dem, was Allen sein kann, hat über die vergangenen Wochen das, was Allen aktuell tatsächlich ist, in der Betrachtung mancher (großer) Experten so in den Hintergrund gedrängt, dass man den Eindruck bekommt, dass aus Potential quasi schon Realität geworden ist.

Und das Potential ist enorm. Allens Armstärke ist etwa bei Out-Routes, genau wie bei Pässen in engste Fenster zu sehen und sein Downfield Game kann wundervoll anzuschauen sein. In der Pocket ist er schwer zu Boden zu bringen, seine Power und Athletik ist auch als Runner sichtbar.

Hier aber kommt man zum Knackpunkt: Armstärke ist eine der am meisten überbewerteten Quarterback-Eigenschaften. Eine gewisse Armstärke ist notwendig, keine Frage; alles darüber hinaus aber rückt schnell in den "Luxus-Bereich". Passgenauigkeit, Technik, Spielverständnis, Reads, Beinarbeit - diese Dinge sind wichtiger. Dennoch wird Armstärke teilweise noch immer extrem hoch auf der Prioritätenliste angesetzt, mit der Idee, dass man den Rest ja beibringen kann. Wurfkraft aber nicht.

Allens Inkonstanz aber stellt diese Idee auf eine harte Probe. Mitunter verfehlt er simpelste kurze Pässe, ist auf alle Distanzen ungenau. Dazu kommen massive Read-Probleme und Würfe in Coverage, schlechtes Verhalten in der Pocket und Unbeständigkeiten bei Timing und Antizipation.

Häufig verlässt er sich darüber hinaus zu sehr auf seinen Arm, vernachlässigt dabei die Technik beim Pass und unterschätzt Verteidiger, die in den Passweg springen. Derartige Pässe sieht man von Allen immer und immer wieder und man darf zumindest daran zweifeln, dass Allen eher auf seine Mechanik baut, nur weil er in der NFL möglicherweise eine bessere Protection als bei Wyoming genießt. Allen genoss gewisse Freiheiten an der Line of Scrimmage, agierte gleichzeitig aber viel aus One-Read-/Half-Field-Read-Plays heraus.

In der Summe sind das sehr viele Fragezeichen dafür, dass manche Allen schlicht ob seines Potentials als Nummer-1-Quarterback im Draft sehen.

Josh Allens College Statistiken:

JahrSpieleCompletions/PässePass%YardsYards/AttemptTDINTRunsYardsTD
201524/666,7518,5003400
201614209/373563.2038,628151425237
201711152/27056,31.8126,7166922045

Zusammenfassung: Josh Allen, drei Schwächen und Stärken:

Stärken:

  • Unglaubliches Arm-Talent. Bringt physisch alles mit, Statur und Arm sind der Stoff, aus dem NFL-Scout-Träume sind. In der Folge beherrscht Allen - in der Theorie - jeden Wurf, und das auch von scheinbar unmöglichster Plattform.
  • Allen ist ein mobiler Quarterback, der als Power-Runner auch in der NFL fungieren kann. Hier lassen sich stilistische Vergleiche zu Cam Newton ziehen, auch wenn Allen nicht auf Newtons athletischem Level ist.
  • Seine Beine sind nach dem Snap konstant in Bewegung, Allen ist in der Pocket schwer zu Boden zu bringen, erinnert hier teilweise an Ben Roethlisberger in dessen ersten NFL-Spielzeiten.

Schwächen:

  • Zwei zentrale Elemente, die für gutes Quarterback-Play von höchster Bedeutung sind, sind bei Allen massive Fragezeichen. Da wäre einmal die Accuracy: Allen verfehlt Receiver bei einfachsten Pässen genau wie bei Rollouts oder auch bei Downfield-Pässen. Seine Inkonstanz hier ist mehr als frustrierend, nicht selten hat man den Eindruck, dass es eine 50/50-Frage ist, wo der Ball landet.
  • Der andere Aspekt sind die Reads. Regelmäßig hat Allen schlimme Read-Fehler, häufig bedingt dadurch, dass er mit dem Augen an einem Ziel klebt. Das führte nicht selten zu unschönen Interceptions.
  • So schwer er in der Pocket auch zu stoppen ist, Allen übertreibt es hier bisweilen. Teilweise verlässt er eine saubere Pocket überhastet, teilweise hält er den Ball zu lange fest, beim Versuch, das Play auszudehnen. So kassiert er zu viele unnötige Sacks.

Drop-Percentage 2017 (laut Pro Football Focus): 7,84 Prozent.