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NFL Draft: Running Back Saquon Barkley im Portrait: Der beste Spieler im Draft?

Von Christoph Sahler
Mittwoch, 18.04.2018 | 10:00 Uhr
Bislang spielte Saquon Barkley für die Penn State Nittany Lions.
© getty

Running Back Saquon Barkley ist für viele der isoliert betrachtet beste Spieler im anstehenden Draft - und doch bleibt die Frage: Wie hoch kann der Running Back positionsbedingt wirklich gehen? Wo Barkleys NFL-Karriere als Profi beginnt, entscheidet sich, wenn am 26. April in Dallas der NFL-Draft startet. Allzu lange wird er dann wohl nicht warten müssen: zu gut ist er als Prospect.

Ende Dezember 2017 gewann Barkley mit den Penn State Nittany Lions den Fiesta Bowl- es war der Abschluss genau wie der Höhepunkt seiner drei Jahre am College. Gegen die Washington Huskies lief der Running Back für 137 Yards bei 18 Versuchen und erzielte dabei zwei Touchdowns.

Allen war klar, dass dies das letzte Spiel von Barkley für die Schule aus Harrisburg war. Zwei Monate später trat er bei der NFL Scouting Combine an und bestätigte, was viele in den USA schon längst wussten.

Saquon Barkley wird ein Top-10-Pick im Draft. Mindestens.

Saquon Barkley: Stark wie ein Lineman, Agil wie ein Receiver

Dass Running Backs sehr hoch gepickt werden, ist nicht selbstverständlich, aber durchaus ein wieder aufkommender Trend. In den letzten drei Jahren war immer ein Running Back unter den ersten zehn Picks der ersten Runde. Mit Ezekiel Elliott und Leonard Fournette gaben in den letzten beiden Jahren die Cowboys beziehungsweise die Jaguars sogar jeweils ihren vierten Pick her.

Barkley könnte 2018 gar an erster Stelle in der ersten Runde von den Cleveland Browns gezogen werden. Das gab es zuletzt 1995, damals wählten die Cincinnati Bengals Ki-Jana Carter aus, der ebenfalls am College für Penn State spielte. Nicht wenige Experten hatten zumindest für eine Zeit lang in den vergangenen Wochen Barkley derartige Draft-Höhen ebenfalls prognostiziert.

Diese Tatsache zeigt schon, dass Barkley ein ganz besonderer Spieler sein muss. Gerade auf der Running-Back-Position, so heißt es, sind die Unterschiede in der Liga bei weitem nicht so groß, wie auf anderen Positionen. Die Qualität ist enger beieinander, die Auswahl für die Teams somit höher.

Barkleys Auftritt bei der Combine gab jedoch eine weitere Antwort auf die Frage, warum er so wertvoll sein soll - und schraubte seinen vorausgesagten Pick endgültig unter die Top vier.

Beim Bankdrücken schaffte er mehr Wiederholungen als der ehemalige Offensive Tackle Joe Thomas, beim Laufen und Springen legte er bessere Werte hin als die Wide Receiver DeSean Jackson, Devin Hester und Julio Jones.

Dieses Gesamtpaket aus Talent, Kraft, Beweglichkeit und Schnelligkeit ist es, das viele Experten dazu verleitet, Barkley als den besten Spieler im Draft zu bezeichnen. Und so sind bei Barkley nicht nur seine Aktionen auf dem Spielfeld aus Highlight-Videos bekannt - sondern auch seine Trainingseinheiten im Kraftraum der PSU.

NFL-Draft: Wie viel ist ein Running Back wert?

Über den Wert von Running Backs wird derzeit viel diskutiert. Le'Veon Bell, der aktuell beste Back der Liga, kann sich weiter nicht mit den Pittsburgh Steelers auf einen neuen Vertrag einigen. Bell fordert eine ähnliche Bezahlung wie die seiner prominenten Teamkollegen Ben Roethlisberger und Antonio Brown. Beide gehören zur Elite auf ihren Positionen.

Bell selbst wird zurecht darauf verweisen, dass sich sein Spielstil von allen anderen Backs der Liga unterscheidet und er für Pittsburghs Offense deshalb unverzichtbar ist. Dass er das Spiel in verschiedenen Aspekten beeinflusst.

Wird Barkley früh gedraftet, wird man von ihm erwarten, dass er ebenfalls Besonderes auf dem Platz abliefert, um seinen Wert zu rechtfertigen. Denn NFL-Teams trennen sich deutlich schneller von durchschnittlich guten Running Backs als von Quarterbacks oder Receivern, die zwar nicht herausragende Zahlen auflegen, aber auch nicht auffallend viele Fehler machen. Oder eben soliden Spielern auf anderen Positionen, für die man aber viel investiert hat.

Das Problem der Running Backs ist einerseits, dass man ihnen eine eher kurze Karriere vorhersagt, da sie durch die ständigen Hits verletzungsanfälliger sind. Außerdem lebt ein Spieler auf dieser Position von seiner Schnelligkeit, die jenseits der 30 häufig rapide abnimmt. Andererseits hat das Run Game selbst über die vergangenen Jahre klar an Bedeutung für den Erfolg eines Teams eingebüßt; Running Backs müssen also im Passspiel eine zentrale Rolle haben, um sich wirklich von anderen Backs zu distanzieren.

Aus diesen Gründen bekommen nur die allerbesten Running Backs hochdotierte Arbeitspapiere, nachdem ihr Rookie-Vertrag ausgelaufen ist. Oft wählen Teams den günstigeren Weg und holen sich im nächsten Draft lieber einen jüngeren und schnelleren Rookie. Auch gerne in den späteren Runden, wenn die Rookie-Deals nochmals deutlich preiswerter werden.

Running Backs unter den Top 5 im NFL-Draft seit 1995:

Jahr

Runde

Pick

Spieler

Team

College

2017

1

4

Leonard Fournette

Jaguars

Louisiana State

2016

1

4

Ezekiel Elliott

Cowboys

Ohio State

2012

1

3

Trent Richardson

Browns

Alabama

2008

1

4

Darren McFadden

Raiders

Arkansas

2006

1

2

Reggie Bush

Saints

USC

2005

1

2

Ronnie Brown

Dolphins

Auburn

2001

1

5

LaDainian Tomlinson

Chargers

Texas Christian

2000

1

5

Jamal Lewis

Ravens

Tennessee

1999

1

4

Edgerrin James

Colts

Miami (FL)

1998

1

5

Curtis Enis

Bears

Penn State

1995

1

1

Ki-Jana Carter

Bengals

Penn State

Geht Barkley an der Eins zu den Browns, wird von ihm erwartet, dass er eine Dekade in Cleveland prägt. Denn für weniger wird kein Team seinen ersten Pick im Draft hergeben. Zweimal pro Saison würde er außerdem - vorerst - gegen Bell und die Steelers spielen. Der, der mal der beste auf seiner Position werden soll, gegen den, der es schon ist. Das ließe den Druck auf Barkley nicht weniger werden.

Aber auch wenn er an zweiter Stelle zu den New York Giants - oder etwa an 4 nach Cleveland - gehen sollte, werden die Erwartungen nicht viel geringer sein. Selbst wenn die Rahmenbedingungen im Big Apple ganz andere sind als in Ohio: Die Giants haben in der Offensive mit Eli Manning und Odell Beckham Jr. immerhin zwei weitere Stars, die Barkley etwas aus dem Rampenlicht nehmen würden.

Gleichzeitig allerdings würde New York in dem Szenario ein enormes Risiko eingehen und die Chance auf seinen Quarterback der Zukunft verstreichen lassen. Barkley wäre der ultimative "Win-Now-Pick" - keine geringe Bürde gleich zum Start.

Wird Jets-Fan Barkley der neue Held der Giants?

Sollten die Browns an erster Stelle einen Quarterback draften, wäre der Weg für Barkley zurück in seine Geburtsstadt frei, wenn auch gewissermaßen zum "falschen" Team: 1997 wurde Barkley im New Yorker Stadtteil Bronx geboren - und wuchs als Fan der New York Jets auf.

Später zog seine Familie nach Pennsylvania. Dort spielte er zunächst an der Whitehall High School Football, bevor er an die PSU ging. Und das gleich mit einschlagendem Erfolg: Bei den Nittany Lions erlief er in seinem ersten Jahr mit 1.076 Yards prompt einen neuen schulinternen Freshman-Rekord.

Nun könnte Barkley nach New York zurückkehren, allerdings in der Uniform der Giants. "Jedes Team, das mich draften möchte und mir die Möglichkeit gibt, in der NFL zu spielen, ist ein Segen", sagte er am Rande der Scouting Combine.

Barkley selbstbewusst - der beste Spieler im Draft?

Zu der Frage, ob ein Running Back an erster Stelle gedraftet werden könne, wenn die Klasse der Quarterbacks in diesem Jahr so aussichtsreich ist, äußerte er sich sehr selbstbewusst: "Ich denke, es macht keinen Sinn, dass ich nicht an die erste Stelle kommen kann, nur weil ich ein Running Back bin. Ich respektiere alle Jungs, die die Heisman Trophy gewonnen haben. Aber ich glaube trotzdem nicht, dass sie dasselbe Level haben wie ich."

Isoliert - also unabhängig von dem Wert der Position betrachtet - ist es nicht schwer, Barkley hier zuzustimmen. Der Neffe des einstigen Supermittelgewicht-Boxers Iran Barkley hat Erfolge als 100-Meter-Sprinter, Wrestler und im Weitsprung vorzuweisen, ist ein echter 3-Down-Back und kann mit seinen flüssigen Bewegungen, den Cuts, der Explosivität sowie den Fähigkeiten als Receiver und Returner ein Team sofort prägen.

Darüber hinaus ist er in einer Zeit, in der vor dem Draft jeder noch so kleine (und manchmal auch sehr große) Fehltritt der Prospects in der Öffentlichkeit seziert und breitgetreten wird, so sauber, wie man es sich nur vorstellen kann. Barkley gilt als unglaublich harter und disziplinierter Arbeiter, hat keinerlei Entgleisungen in seiner Vergangenheit - und ist schlicht und ergreifend ein netter Typ.

Dafür gibt es mehrere Anekdoten, vielleicht die Schönste ist die aus Barkleys Leichtathletik-Zeiten: Bei einem Turnier 2015 waren erstmals die Teilnehmer des Wettbewerbs für geistig behinderte Kinder zeitgleich auf der Anlage. Als Barkleys Weitsprung anstand, fand parallel deren 400-Meter-Lauf statt - und Barkley weigerte sich trotz des größer werdenden Drucks der Unparteiischen, seinen Sprung durchzuführen, bevor der 400-Meter-Lauf abgeschlossen und auch das letzte Kind über der Ziellinie war. Er wollte ihnen nicht das Rampenlicht rauben.

Saquon Barkley - College Stats

SaisonRushing AttemptsYardsYards im SchnittTouchdowns
201721712715,918
201627214965,518
201518210765,97

Browns, Giants und Co. - wer holt sich Barkley?

Die meisten Experten tippen mittlerweile, dass Barkley entweder bei den Browns oder bei den Giants landen wird. Cleveland könnte Barkley möglicherweise sogar an vierter Stelle bekommen. Dazu müssten sowohl die Giants als auch die Jets einen Quarterback auswählen. Daran, dass die Jets dies tun werden, zweifelt spätestens nach dem teuren Trade mit den Colts niemand mehr.

Traden die Browns ihren vierten Pick, könnten die ersten vier ausgewählten Spieler alle Quarterbacks sein. Dann würde Barkley auf Rang fünf fallen, wo Denver ihn auswählen könnte - die Broncos haben gerade erst C.J. Anderson entlassen.

Unter den Top 10 wären sicher auch noch Tampa Bay (7) und San Francisco (9) scharf auf ihn. Länger als bis auf die 49ers wird Barkley aber bestimmt nicht warten müssen, um gedraftet zu werden.

Und dann hat er die Chance, der Liga zu beweisen, dass ein Top-10-Pick in einen Running Back noch immer eine gute Entscheidung sein kann.

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