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NFL

Third and Long Super Bowl Edition: "So kann Philly die Patriots schlagen"

Die Eagles müssen gegen New England auf ihre starke Defense bauen.

Nur noch wenige Tage - am Sonntag steigt endlich der Super Bowl zwischen den New England Patriots und den Philadelphia Eagles! Bevor es so weit ist, gibt SPOX den Lesern die Bühne: Wie können die Patriots gegen die starke D-Line der Eagles bestehen? Was macht New England in kritischen Situationen so stark und welche Spieler können den Unterschied ausmachen? In einer Special-Mailbag-Ausgabe seiner wöchentlichen Kolumne beantwortet Redakteur Adrian Franke die Leserfragen, Super Bowl LII gibt es dann am 4. Februar ab 23.45 Uhr live auf DAZN - wahlweise mit deutschem und Original-US-Kommentar!

Weitere Fragen? Das geht hier direkt an den Autor und am Freitagabend via SPOX Facebook Live!

Marcel Maier: Wie sollten die Patriots die starke Defensive Line der Eagles bespielen? Outside Runs wegen Cox und schnelle Pässe, um Brady zu schützen? Und wie sollte man defensiv gegen Ertz und die starken Running Backs agieren und vor allem gegen das starke Coaching der Eagles?

Outside Runs können ebenfalls schnell ein Problem werden, wenn die Interior Line nicht standhält - so können Spielzüge schon zerstört werden, ehe sie sich überhaupt entwickeln. Die Patriots müssen das machen, was sie immer gegen eine starke Defensive Line tun wollen: Die Partie über das Kurzpassspiel kontrollieren und Philadelphia mit der No-Huddle-Offense in Kombination mit Pre-Snap-Movement zu schnellen Anpassungen und in unvorteilhafte Matchups zwingen.

Die gute Nachricht für die Pats hierbei ist, dass New Englands Offensive Line etwa im Vergleich zu dem Blocking-Debakel beim Playoff-Aus gegen die Broncos 2015 deutlich stabiler ist - die Aufgabe wird hier für Philly jedenfalls auch an der Line of Scrimmage komplizierter als noch im Championship Game gegen die Vikings.

Und defensiv? Zwei zentrale Aspekte:

  • Variable, aggressive Coverage Underneath. Wenn die Patriots Philadelphias Passspiel insbesondere über die Mitte reduzieren, können sie Foles schon deutliche Probleme bereiten und ihn dazu zwingen, den Ball länger zu halten. Hier muss New England im Play die Coverage-Looks für Foles ändern und mit späten Blitzern arbeiten, um die Reads möglichst schwer zu machen.
  • Im Run Game erwarte ich eine kräftige Dosis Bear-Fronts von den Pats. Heißt: Die Interior Line der Eagles wird komplett zugestellt, das könnte Philadelphias Second-Level-Run-Blocking empfindlich stören. New England nutzte das unter anderem auch im Super Bowl 2014 gegen das starke Run Game der Seahawks, und das in verschiedenen Variationen.

Niklas_Cage: Wer ist der Spieler, der für Philly den Unterschied ausmachen kann - vor allem falls Foles seine Form vom letzten Sonntag nicht halten kann und wieder unteres Mittelmaß darstellt. Agholor? Ertz? Und warum?

Meine erste Antwort wäre Fletcher Cox, der die Line of Scrimmage im Zentrum dominieren muss, damit die Eagles eine Chance haben. Aber da sich die Frage eher auf die Offense bezieht: Als Einzelspieler würde ich Zach Ertz herausstellen.

New Englands Linebacker hatten in Coverage schon gegen Jacksonville immer wieder ihre liebe Mühe, Ertz bot gegen die Vikings - unter anderem gegen Harrison Smith - eine spektakuläre Partie. Den Tight End in vorteilhafte Matchups zu bringen und ihn als schnelle und sichere Option für Foles zu etablieren kann ein zentraler Aspekt für die Eagles sein. Sollten die Patriots Patrick Chung in Man Coverage für Ertz abstellen, wäre das ein mögliches Schlüsselduell.

SousaWillis: Bei den Eagles wird sicher Foles als deutlichste Sollbruchstelle oder als X-Faktor genannt. Wo siehst du das Äquivalent bei den Pats?

Die Frage schließt wunderbar an die vorherige an - wenn wir einen negativen X-Faktor für die Pats benennen wollen, dann wären das für mich die Linebacker. Hier gab es immer wieder Coverage-Breakdowns in der ersten Hälfte gegen Jacksonville, und hier kann Philly mit Ertz, Agholor und natürlich auch im Run Game mit seinen beiden Power-Backs attackieren. Das gilt umso mehr, falls New England, wovon ich ausgehe, blitzen muss, um gegen Philadelphias Offensive Line Druck zu kreieren.

Joni Soprano: Warum sind die Patriots so viel besser in kritischen Situationen als der Rest der Liga?

Hier spielt natürlich auch die Erfahrung eine Rolle, das kann man nicht von der Hand weisen. So ungern ich persönlich mit derartig schwer mess- und greifbaren Attributen argumentiere - New Englands Erfahrung gerade in den kritischsten Momenten der größten Spiele ist ein riesiges Plus, egal ob wir vom Coaching, Play-Calling oder natürlich den Spielern auf dem Platz sprechen. New England ist seit Jahren extrem gut darin, die eigenen Aufgaben verlässlich zu erfüllen und auf Fehler der Gegner zu warten beziehungsweise diese zu provozieren. Und die kommen in kritischen Momenten immer wieder.

Besser messen kann man, was die Pats spielerisch so stark macht - und das ist natürlich vor allem Tom Brady. Hier kommen mehrere Faktoren zusammen: Einerseits Bradys rein sportliche Entwicklung, im hohen Footballer-Alter hat er sich in puncto Pocket-Verhalten und Downfield-Passing nochmal sichtbar weiterentwickelt. Andererseits aber auch sein Spielverständnis.

Hier ist Brady jedem Quarterback überlegen. Das gibt den Pats enorme Freiheiten: Wenn andere Quarterbacks an der Line of Scrimmage entweder durch ihre Coaches oder ihre Fähigkeiten (oder eine Mischung aus beiden Aspekten) limitiert sind, steht New England eben auch im kritischsten 2-Minute-Drill - um nur ein Beispiel zu nennen - das komplette Playbook zur Verfügung.

Und mehr noch: New Englands Offense ist seit Jahren so aufgebaut, dass gerade ein Quarterback wie Brady damit einer Defense umso größere Probleme bereiten kann. Die Erhardt-Perkins Offense ist kurz gesagt ein Hybrid aus diversen Systemen, dabei werden verschiedene Route-Kombinationen unter Oberbegriffen zusammengefasst.

Die Offense kann hierbei aus verschiedensten Formationen das gleiche Play laufen und aus der gleichen Formation unterschiedlichste Plays ansagen, während sich Running Backs, Tight Ends und Wide Receiver Pre-Snap austauschbar über den Platz bewegen. Das sorgt für Matchup-Probleme aufseiten der Defense und da Brady und die Offense all das auch aus der No-Huddle-Offense heraus machen können, ist die Defense schnell und immer wieder in desolaten Positionen und Matchups noch bevor der Snap erfolgt.

NiceGuysSanktPauli: Siehst du die Patriots auch so weit vorne wie die Buchmacher? Immerhin scheint eine starke Front Seven in Kombination mit einer Big Play Offense das einzige Patentrezept zu sein, um New England zu schlagen.

Bei den Buchmachern ist natürlich der Brady-Belichick-Faktor enorm. Würde man heute versuchen, aus den Offenses und Defenses der Patriots und der Eagles jeweils eine Starting-Unit zu formen - wie viele Pats-Spieler wären dabei? Brady, Gronk, Amendola, Lewis und McCourty? Vielleicht noch Gilmore? Was ich damit sagen will: Die Eagles sind in meinen Augen das bessere und komplettere Team, als Ganzes betrachtet.

Dieser Fakt aber kann durch Brady und Belichick ausgehebelt werden, in gewisser Weise haben wir genau das ja gegen Jacksonville gesehen. Die Jaguars-Defense ist individuell eigentlich der Patriots-Offense überlegen, den Quarterback-Faktor aber kann man hierbei nicht mit dem Rest zusammen gewichten.

So kann Philly die Patriots schlagen: Interior Pressure ohne Blitzing, ein gutes Maß an Man Coverage sowie in der Pass-Defense Matchup-Antworten in Zone und in Man für Gronkowski und die Running Backs. Dann haben die Eagles eine Chance, New Englands Offense zumindest halbwegs zu stoppen und möglicherweise den einen oder anderen Turnover zu kreieren. Klar ist aber ebenfalls: Alles unter 20 Patriots-Punkten wären für mich auch gegen diese Defense eine faustdicke Überraschung, und somit wird die Eagles-Offense ebenfalls punkten müssen.

Hier kommen dann die Buchmacher ins Spiel: Pedersons Offense-Designs in dieser Saison waren glänzend, jetzt aber hat Belichick zwei Wochen Zeit, um sich darauf vorzubereiten. Ich rechne mit einer aggressiven Patriots-Defense, die ihrerseits Foles in Fallen locken und so zu Fehlern zwingen wird. Und diese Aussicht, mit der deutlichen Steigerung der Pats-Defense in der zweiten Saisonhälfte im Hinterkopf, lässt bei mir auch die Patriots als Favoriten dastehen.

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