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NFL

Was machen die Packers ohne Rodgers?

Aaron Rodgers wird den Green Bay Packers wohl lange fehlen - möglicherweise für die komplette Rest-Saison

Bradford, Eagles, Beckham, Steelers - eure Fragen

#52: Ist Bradford done in Minnesota? Was sind seine Perspektiven für die nächste Saison?

Natürlich ist hier einiges an Spekulation dabei, aber so lautet meine Einschätzung: Bradford, für den die Saison bisher kaum unglücklicher hätte verlaufen können, wird Minnesota verlassen, falls Bridgewater im weiteren Verlauf der Saison ein paar Spiele absolvieren kann (wovon ich sehr stark ausgehe) und sein Knie dabei auch in der Nachbetrachtung hält (hier kommen wir in den spekulativen Part).

Das soll nicht heißen, dass Bradford schlechter wäre als Bridgewater, sieht man seine Zeit in Minnesota, könnte man gar durchaus für das Gegenteil argumentieren. Was er in der vergangenen Saison hinter einer desolaten Offensive Line gezeigt hat, war aller Ehren wert, und in der laufenden Spielzeit bewerte ich ehrlich gesagt nur das Spiel gegen die Saints - und das war nach kurzen Anlaufschwierigkeiten großartig. Sein humpelnder Teilzeit-Auftritt in Chicago fließt für mich nicht mit rein.

Ich sehe stattdessen eher pragmatische Gründe: Minnesota wird Bridgewater durch dessen Verletzung und all die Unklarheiten darum deutlich preiswerter halten können. Sind die oben genannten Faktoren (Bridgewater spielt, das Knie hält) erfüllt, ist er somit die deutlich günstigere Version gegenüber Bradford. Und, nur um das klarzustellen: Bridgewater war vor seiner Verletzung ein sehr solider Quarterback.

Bradford auf der anderen Seite war über seine ganze Karriere ebenfalls nie für seine robuste Fitness bekannt, das bekommen die Vikes aktuell am eigenen Leib zu spüren. Es ist also nicht so, als würden wir hier von klaren Gegensätzen sprechen. Ihn zu halten wäre für Minnesota viel teurer, mit Bridgewater statt Bradford könnte sich Minnesota vereinfacht gesagt ein Free-Agency-Schwergewicht leisten, das sonst nicht drin wäre.

Und dann ist da noch der Keenum-Faktor. Der spielt in seiner Teilzeit-Rolle bisher nämlich beachtlich und könnte den Verantwortlichen noch mehr Vertrauen geben, eine klare Quarterback-Entscheidung zu treffen, anstatt mit Bradford und mit Bridgewater in die kommende Saison zu gehen. Keenums Vertrag läuft zwar auch aus, in beiderseitigem Interesse sollte eine Einigung aber realisierbar sein. Bradford derweil wird auf dem Markt zahlreiche Angebote haben: San Francisco, Washington (je nachdem, was mit Cousins passiert), Jacksonville, die Jets, die Giants - da gibt es viele zahlungswillige Optionen, garantiert auch einige, an die jetzt noch niemand denkt.

Luke: Siehst du die Eagles als Super Bowl Contender?

Mit den Super Bowl Contendern nach Week 6 ist das bekanntermaßen immer so eine Sache - was im Oktober passiert, spielt nicht selten im Dezember und vor allem im Januar keine Rolle mehr. Wenn ich jetzt aber eine Prognose abgeben müsste, dann: Ja, aktuell sind die Eagles für mich ein Super Bowl Contender.

Das hat mehrere Gründe, und letztlich kommen wir wie so oft gerade in dieser Saison zurück zu den Kernelementen des Footballs: der Line of Scrimmage. Die Eagles haben bisher eine Offensive Line, die besser ist, als ich gedacht hätte, und eine Defensive Line, die Spiele noch deutlicher dominiert, als ich vermutet habe. Die Konsequenzen daraus sind eindrucksvoll: Defensiv kann Philly bisher individuelle Schwächen in der Secondary häufig kaschieren, offensiv sieht man klare Fortschritte im Run Game und vor allem bei Carson Wentz.

Das Receiving-Corps ist deutlich besser als letztes Jahr, auch weil Agholor und Ertz auftrumpfen und die Secondary sollte mit Ronald Darby sowie möglicherweise auch Sidney Jones im Laufe der Saison noch Upgrades bekommen. Der Kern für mich aber: Es gibt aktuell wenige - man könnte fast sagen: gar keine - Teams, die in der Offensive und der Defensive Line gleichzeitig überzeugen (Washington etwa wäre ein Kandidat, die Rams ein potentiell weiterer), und kein Team schafft das auf dem Niveau der Eagles. Das ist ein riesiger Trumpf.

Johannes Pressler: Ist die OBJ-Verletzung (sofern es zu einer vollen Genesung kommt) das Beste, was den Giants hätte passieren können?

Die Giants würden auch mit Beckham im weiteren Saisonverlauf mutmaßlich nicht mehr ernsthaft um die Playoffs spielen, zu groß sind die Fragezeichen im Run Game, auf der Left-Tackle-Position oder auch generell in der Defense. Beckhams Ausfall raubt einer eindimensionalen Offense den Fixpunkt und so sind die Chancen auf einen hohen Draft-Pick nochmals deutlich höher. So weit ein nicht ganz unberechtigter Ansatz.

Ich bin persönlich kein Fan vom Tanking und glaube auch, dass es das in der NFL in dem Sinne nicht gibt - die NFL ist zu schnelllebig, für Coaches und viele Spieler geht es jedes Jahr um den Job. Bewusst schlechte Auftritte sind da nicht drin, und insbesondere die Jets zeigen dieses Jahr, wie es aussieht, wenn ein individuell unterlegenes Team kratzt und beißt. Die Saison eines Teams kann verrückte Entwicklungen einschlagen, der Sieg der Giants selbst in Denver ist das beste Beispiel.

Zudem spielt Eli Manning besser als in der Vorsaison und es könnte sein letztes Jahr auf diesem Level sein. Natürlich, der vermeintliche hohe Pick ermöglicht es den Giants, möglicherweise eine Weichenstellung für die Zukunft in Person eines Quarterbacks vorzunehmen. Doch ist das alles andere als eine Garantie, der Draft viel zu ungewiss und alle Prognosen in der Hinsicht im Oktober mehr oder weniger unmöglich. Beckhams Ausfall wird letztlich im Draft einige Spots bringen. Das ist Stand heute aber eher ein kleiner Trost als ein langfristiger Hauptgewinn.

ClemsonNation: Wie wahrscheinlich sind HC-Entlassungen während der Saison? (Kandidaten wären vielleicht Hue Jackson, John Fox, Ben McAdoo)

Die werden kommen. McAdoo könnte sich bei den Giants mit dem Sieg in Denver tatsächlich etwas Zeit erkauft haben, auch wenn viele Dinge - die Stagnierung des Offense-Schemes, sein öffentlicher Umgang mit den Spielern, der generelle Rückschritt in der Defense, seit Jahren die gleichen Baustellen - gegen ihn sprechen.

Die Bears spielen aktuell überraschend gut, John Fox sollte also noch etwas Leine haben. Ich habe Clevelands Hue Jackson weit vorne auf der Liste. Ja, der ganze Browns-Plan wird Zeit brauchen, das war auch vorher klar. Aktuell aber fehlt mir jegliche Entwicklung innerhalb des Teams, mit der Quarterback-Baustelle - eigentlich Jacksons vermeintliche Stärke - als Spitze des Eisberges.

Lennart Kirchhoff: Detroit scheint wie eine One-Man-Show von Stafford - oder steckt mehr hinter den Siegen?

One-Man-Show wäre zu viel gesagt, die Defense hat in mehreren Spielen überzeugt. Aber Detroit hat ein riesiges Problem in der Offensive Line, und das war gegen die Saints wieder sichtbar. Zwei Sacks und sieben QB-Hurries für Cam Jordan alleine, sechs Sacks gelangen New Orleans insgesamt. Stafford hatte bei 39 Prozent seiner Dropbacks Pressure.

Die Lions haben auch in dieser Saison bislang kein verlässliches Run Game und sind im Passspiel zu eindimensional, das Deep-Ball-Game ist ein zu geringer Faktor. Dazu kommen Drops der Receiver - kurzum: Es ist keine One-Man-Show, trotzdem hängt zu viel an Stafford, dessen Knöchelprobleme ihn gegen die Saints hinter dieser Line zu einem einfachen Ziel machten. So wie die Lions aktuell spielen, wird es schwer, bis zum Schluss um die Playoffs mitzuspielen.

tbSilva: Sind die Steelers diese Saison wieder ein Defense First Team (+ Bell)?

Völlig richtige Beobachtung! Egal, ob Ben Roethlisberger jetzt denkt, dass er noch etwas im Tank hat oder auch nicht - Fakt ist: Das Passspiel hat bisher in dieser Saison keinen Rhythmus und vor allem lange Pässe sind und bleiben ein Problem. Roethlisberger hatte enormes Glück, dass sein Pass gegen Kansas City, der letztlich zu Browns Touchdown führte, keine Interception war - das Spiel hätte kippen können.

Was die Steelers aber defensiv haben, ist einerseits eine im Vergleich zu 2016 klar verbesserte Secondary, andererseits eine individuell glänzend besetzte Defensive Line. Cam Heyward und Stephon Tuitt müssen aktuell eines der besten Interior-Line-Duos sein, das bekam auch Kansas City zu spüren. Pittsburgh müsste defensiv gar nicht so komplex agieren, wie das über die ersten Wochen teilweise der Fall war.

Und Bell? 4,13 Yards im Schnitt nach Kontakt, neun (!) Forced Missed Tackles - Bell hatte in dieser Saison schon einige großartige Spiele, dieser Auftritt war schlicht sensationell. Allerdings müssen die Steelers aufpassen, dass sie ihren Running Back nicht komplett überarbeiten, nach sechs Spielen hat Bell bereits 134 Runs sowie 30 Catches auf dem Konto. Dieser Umstand war auch in der vergangenen Saison bereits sichtbar. Pittsburgh täte gut daran, James Conner häufiger mal ins Spiel zu bringen.

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