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Third and Long: Die SPOX-Meinung zur vergangenen NFL-Woche

Verletzungen, Debüts, inakzeptable Statements

Dienstag, 10.10.2017 | 14:00 Uhr
SPOX blickt auf eine turbulente Woche in der NFL zurück
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Die NFL steuert mit großen Schritten auf die Regular-Season-Halbzeit zu, die ersten fünf Spieltage sind abgehakt - und erneut mischt sich die Politik in den USA auf unschöne Art und Weise in den Sport ein. Derweil sehen die Bears-Fans endlich zum ersten Mal Mitch Trubisky, Deshaun Watson hat seinen ersten echten Härtetest und Verletzungen prägen das Bild nach Week 5. SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt zurück auf die vergangenen Tage in der NFL.

Was Jerry Jones macht ist alarmierend

Die Nachricht sickerte nach der Niederlage gegen Green Bay durch: Cowboys-Eigentümer Jerry Jones hat angekündigt, dass kein Cowboys-Spieler, der "die Flagge respektlos behandelt", spielt: "Passiert irgendetwas despektierliches gegenüber der Flagge, dann spielen wir nicht." Ein Kommentar, der prompt Lob von Donald Trump einheimste - und der eine direkte Bedrohung des Rechts auf freien Protest sowie der Versuch ist, die eigenen Spieler einzuschüchtern. Es zeigt zudem wieder, dass die eigentliche Botschaft einfach nicht ankommt, ob absichtlich oder unabsichtlich.

Es geht bei den Protesten - das hatte ich vor zwei Wochen schon geschrieben - nicht um die Hymne oder die Flagge. Es geht um Ungleichheit, um Rassismus, um willkürliche Polizeigewalt. Niemand behandelt eine Flagge oder Hymne respektlos, weil er sich hinkniet. Man behandelt eine Flagge aber durchaus respektlos, indem man die Werte, für die sie einsteht und die das den gleichen Flaggen-Verteidigern so wichtige Militär in der Welt verteidigen soll, mit Füßen tritt. Genau das macht Jones hier, auch wenn er nicht den generellen Protest verbietet.

Die Tatsache, dass er danach noch den peinlichen Auftritt von Vizepräsident Mike Pence verteidigte, der das Colts-Niners-Spiel besucht hatte, nur um nach der Hymne zu gehen, weil Spieler sich währenddessen hingekniet hatten, setzte dem ganzen die Krone auf. "Wenn unser Vizepräsident der Auffassung ist, dass die Flagge respektlos behandelt wurde, sollte er das ausdrücken dürfen, wie er will. Er hat auch Rechte", betonte Jones. Oh, die Ironie...

Dass zudem jetzt ausgerechnet jemand wie Jones die drohende Keule schwingt, ist an Lächerlichkeit eigentlich kaum zu überbieten. Der gleiche Jerry Jones hat vor nicht allzu langer Zeit einen Spieler wie Greg Hardy trotz mehrerer Vorfälle extremer häuslicher Gewalt verpflichtet und diese Entscheidung mehrfach öffentlich verteidigt. Aber bei friedlichem Protest zieht Jones offenbar die Grenze.

Das Debüt von Mitchell Trubisky

Man sollte es nicht überbewerten - erster Start, Primetime, eine der besten Defenses in der NFL auf der anderen Seite - aber doch wurde das Debüt von Mitchell Trubisky mit Spannung erwartet. Dabei wurden immerhin einige Dinge deutlich:

  • Wie vermutet passte Trubisky deutlich besser in die Bears-Offense, als das bei Glennon je der Fall war. Rollouts, präzise und schnelle Pässe, Screens, Play Action - diese Dinge waren zu erwarten und Trubisky setzte sie früh gut um. Das half ihm auch dabei, deutlich schneller und entschlossener zu spielen als Glennon zuvor, seine Pässe kamen mehrfach - wenn auch nicht immer - mit Antizipation.
  • Er zeigte außerdem gutes Pocket-Movement und half der Line gegen den Rush. Die Bewegungen wirken fließend, er kann seine Athletik gut einsetzen. Der Fumble ging nicht auf sein Konto, seine Receiver halfen ihm derweil mit mehreren Drops wenig.
  • Beeindruckend sein Verhalten beim Touchdown-Pass: Natürlich war Glück mit dabei, dass Sendejo nicht richtig an den Ball kam. Trubisky aber behielt die Ruhe und die Übersicht, sah das Eins-gegen-Eins-Matchup und dirigierte seinen Tight End vor dem Pass in der Bewegung noch nach links.
  • Zu den negativen Punkten: Trubisky lief mehrfach zu schnell aus einer noch sauberen Pocket, unter anderem auch bei der entscheidenden Interception zum Schluss. Das erklärt auch, warum 37,5 Prozent seiner Pässe von außerhalb der Pocket kamen - der zweithöchste Wert für einen Quarterback in der NFL über die letzten beiden Jahre. Einige seiner Pässe kamen auch noch ungenau oder in Coverage, gerade die späte Interception darf ihm so rein vom Wurf und der Coverage her nicht passieren.
  • Darüber hinaus war es noch ein recht simpler Ansatz insgesamt. Trubisky spielte auch deshalb so schnell, weil er einige One-Read-Plays dabei hatte. Das ist völlig legitim für einen Rookie-Quarterback, spannend wird aber sein, wie er sich hier in den kommenden Wochen weiterentwickelt.

Zahlensalat und Notizen - der Spieltag in Stichpunkten

  • Nein, es war kein guter Auftritt von DeShone Kizer - erneut. Kizer hält den Ball zu lange in der Pocket und verschuldet so Sacks, seine Interception in der Red Zone war grausam. Aber ihn deshalb jetzt auf die Bank zu setzen? Das macht wenig Sinn. Wenn man einen Rookie-Quarterback von Anfang an rein wirft, muss man ihm auch Fehler und Durchhänger zugestehen, insbesondere bei einem Rebuild-Team wie Cleveland. Gerade Kizers College-Tape hat klar gezeigt, dass er deutliche Hochs und Tiefs haben wird. Insofern liegt ein anderer Schluss nahe: Hue Jackson spürt langsam den Druck einer möglichen Entlassung, was die Bedeutung von kurzfristigen Siegen erhöht.
  • Die Probleme gegen Pressure bleiben bei Jared Goff offensichtlich. Gegen die Seahawks hatte er einige sehr gute Pässe, vor allem die Seam-Routes bediente er sehr gut, um Seattles Cover-3-Defense zu attackieren. Die vorentscheidende Interception aber zeigte ein altes Muster: Inside Pressure, Goff weiß nicht, sich aus der Pocket zu bewegen (und die Chance war definitiv da). Stattdessen wirft er unter starker Bedrängnis - in die Arme von Earl Thomas. Goff hat in diesem Jahr große Schritte nach vorne gemacht, er hat aber auch noch viel Arbeit vor sich.
  • Auf der anderen Seite des Balls war es das wohl beste Saisonspiel der Seahawks-Front, auch ohne den verletzten Cliff Avril. Frank Clark ersetzte Avril gut, Sheldon Richardson hatte einige sehr gute Momente. Dass die Rams dabei so wenig Run-lastig spielten, war aber durchaus verwunderlich und untypisch für L.A. unter McVay.
  • Seattles Run Game derweil bleibt ein Grund zur Sorge, es war das dritte von bisher fünf Saisonspielen, in denen die Seahawks nicht über 100 Rushing-Yards kamen. Das liegt natürlich auch an den Verletzungen im Backfield, vor allem aber an der Offensive Line - kaum ein Team hat so viele Runs an oder hinter der Line of Scrimmage gestoppt. Die Seahawks wollten nach einer stark Pass-lastigen Vorsaison mehr Balance. Dass das klappt, ist bislang zumindest nicht absehbar.
  • Jacksonville hat seine Formel für Siege endlich umgesetzt: Die 14 Pässe von Blake Bortles waren die wenigsten für ein Team seit den Bills 2015, Leonard Fournette verzeichnete am Ende doppelt so viele Runs wie Bortles Pässe. Und dank seines 90-Yard-Touchdowns hatte er dabei nur 0,3 Yards pro Run weniger, als Bortles pro Pass. Gleichzeitig hilft es, dass bislang in dieser Saison genau zwei Cornerbacks mit mindestens 200 Snaps eine Catch-Rate von unter 40 Prozent zugelassen haben: Jalen Ramsey und A.J. Bouye.
  • Im Sunday Night Game war ein Problem der Texans-Defense ganz auffällig: Houston spielte über weite Strecken zwar großartige Run-Defense, der Pass-Rush aber hatte gegen die bislang schlechteste Pass-Protecting-Line der NFL seine liebe Mühe. Das wurde vor allem bei konservativerem Rush deutlich, allein in der ersten Halbzeit gab es mindestens sieben Gelegenheiten, bei denen Alex Smith die Pocket relativ unbedrängt zu einer Seite (meist seine rechte) verlassen konnte. Das ermöglichte den Chiefs viele wichtige Completions.
  • Noch einmal zurück zum Jaguars-Sieg in Pittsburgh, denn man darf schon den Game Plan der Steelers hinterfragen: Jacksonville kam mit einer der besten Pass-Defenses und der schlechtesten Run-Defenses nach Pittsburgh. Was machten die Steelers? 55 Pässe für Big Ben, 15 Runs für Le'Veon Bell. Schwer nachvollziehbar. Auch wenn die fünf Interceptions von Roethlisberger dramatischer klingen, als es aussah: Das Passspiel ist und bleibt ein Problem in Pittsburgh.
  • Die Ausfälle von J.J. Watt und Whitney Mercilus sind unglaublich bitter für Houston. So wie sich die Offense über die letzten drei Wochen präsentierte und wie die Division sowie die AFC insgesamt aussehen, durfte man durchaus von einem tieferen Playoff-Run träumen. Ohne Watt und Mercilus fehlt Houston an der Front nicht nur enorme individuelle Qualität, auch die von Houston schon in der vergangenen Saison genutzte 5-Across-Formation verliert jetzt deutlich an Effektivität. Eine der großen Stärken des Trios Watt/Mercilus/Clowney ist es, dass alle drei an der Line of Scrimmage komplett flexibel aufgestellt werden können. Das erlaubt es Houston - wie etwa gegen die Patriots zu sehen - die drei extrem effizient einzusetzen. Jetzt wird das nicht mehr so funktionieren, Offenses können ihre Protection stärker zu Clowney verschieben.
  • Gibt es einen Running-Back-Wechsel in San Francisco? Matt Breida hatte am Sonntag in Indianapolis mehr Snaps (37:35) als Carlos Hyde, war besser ins Passspiel eingebunden und insgesamt der deutlich produktivere Back. Hyde dagegen vermasselte einen Pass-Protection-Snap und ließ einen Pitch von Hoyer fallen, die Dynamik im Niners-Backfield wird über die kommenden Wochen spannend zu beobachten sein.

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