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Third and Long: Die SPOX-Meinung zur vergangenen NFL-Woche

Warum ist Watson plötzlich so stark?

Dienstag, 03.10.2017 | 12:00 Uhr
Deshaun Watson ist der Shootingstar der vergangenen beiden Wochen
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Trades, No-Huddle, Überraschungen, Pats und Co. - eure Fragen

Steffen: Das Trade-Fenster ist ja noch ein wenig offen; erwartest du noch Panik-Trades? Bsp. NE-Def, SEA-OL oder generell für Verletzte?

Die Erfahrung sagt nein, weil gute Teams so etwas nicht machen. Einen Spieler mitten in der Saison zu holen und dann erst zu sehen, wie er wirklich ins eigene Scheme und auch in das eigene Team passt, ist ein hohes Risiko - umso mehr, da man dafür dann noch Draft-Picks abgeben muss und nicht weiß, wie schnell der als sofortige Unterstützung geholte Spieler tatsächlich weiterhilft.

Was ich mir aber vorstellen kann, sind einige zunächst kleiner wirkende Trades, die später aber einen größeren Einfluss haben. Etwa, dass die Pats einen ihrer Running Backs für einen Linebacker oder einen Edge-Spieler abgeben, um Hightower zu unterstützen. Aber nicht in der Blockbuster-Kategorie, nein.

Fabian Nitsch: Woran liegt es, dass bei Teams mit schwachen O-Lines (z.B. Seattle oder Arizona) No-Huddle so viel besser funktioniert als die normale Offense?

Man sollte hier nicht verallgemeinern - ein Team mit einer schlechten Offensive Line wird nicht auf Knopfdruck besser, weil es mehr No-Huddle spielt. Das ist nur ein sinnvolles Mittel, wenn einige Faktoren erfüllt sind, so wie bei den beiden von dir genannten Beispielen.

Wenn richtig ausgeführt, bringt eine No-Huddle-Offense einige immense Vorteile mit: Personnel-Pakete der Defense können ausgenutzt werden, die Offense diktiert das Tempo und kann defensive Auswechslungen verhindern und der Quarterback kann die unweigerlich folgenden simpleren Defensiv-Konzepte - schlicht weil die Defense weniger durchwechseln kann und weniger Zeit zwischen den Plays hat - zu seinem Vorteil nutzen.

All das funktioniert aber nur, wenn die Offense in puncto Play-Calling und Terminologie des Playbooks eine No-Huddle-Offense auch effizient spielen kann. Wenn der Quarterback in der Lage ist, an der Line of Scrimmage direkt Matchups und Formationen der Defense zu identifizieren. Und wenn die Offense vielseitige Spieler hat, so dass aus den gleichen Formationen und Personnel-Paketen unterschiedlichste Plays umgesetzt werden können.

Die Pats waren über Jahre hinweg das große Beispiel hierfür und sind es auch immer noch. Arizona und Seattle können das in Bestbesetzung ebenfalls sein. Mehrere Verfechter der No-Huddle-Offense - etwa Chan Gailey und Chip Kelly - haben bereits betont, dass die No-Huddle im Training weniger der kostbaren weil limitierten Trainingszeit kostet, schlicht weil kein physischer Huddle gebildet und lange Plays angesagt werden.

Timo Ezilius: Bills, Panthers, Rams überraschten - was haben die Teams gemein, woher kommt die plötzliche Unvorhersehbarkeit deiner Meinung nach?

Schwierige Frage, weil die Situationen so unterschiedlich sind. Dementsprechend ist es vielleicht nicht der richtige Weg, mögliche Gemeinsamkeiten zu suchen, eher die individuellen Aspekte stehen im Fokus. So profitieren die Rams unglaublich von Sean McVay, das hatte ich in der vergangenen Woche bereits beleuchtet. Während Goff noch immer etwa mit Pressure große Probleme hat, erlaubt es McVays Play-Calling sowie sein Scheme, Goffs Schwächen zu verstecken und seine Stärken zu fördern.

Bei den Bills muss man beeindruckt sein, wie stark die Defense über die ersten vier Wochen aussieht. Die prominenten Abgänge in der Offense und der Secondary ließen auf eine schwere Saison schließen, Sean McDermott aber hat sich unerwartet schnell eine aggressive und dabei effiziente Defensive zusammengebaut. Tre'Davious White sieht bisher wie ein Homerun-Pick aus, Micah Hyde ist eine enorme Verstärkung. Offensiv sind Tyrod Taylor und LeSean McCoy jederzeit zu einem Big Play in der Lage, während Taylor keine unnötigen Risiken eingeht.

Und Carolina? Da bin ich ehrlicherweise überfragt. Die Panthers sind für mich bisher mehr Wundertüte als die anderen beiden Teams. Gegen die Patriots hatte Newton sicher sein mit Abstand bestes Saisonspiel, nachdem er genau wie die gesamte Offense über die ersten Wochen überhaupt nicht rund wirkte. Falls - und das ist angesichts der Leistungen der Patriots-Defense sicher noch eine berechtigte Frage - Newton und die Panthers hier tatsächlich langsam einen offensiven Rhythmus finden, wird mit diesem Team zu rechnen sein. Möglicherweise auch wieder mit mehr geplanten Newton-Runs. Die defensive Front jedenfalls wird Carolina in vielen Spielen konkurrenzfähig machen.

TJ: Wie repariert New England diese Defense?

Die Pats-Defense war bereits nach Week 1 sehr ausführlich sowie in der vergangenen Woche das Thema, deshalb nur ein paar kurze Gedanken. New England wird die ganze Saison über defensive Probleme haben, die Frage ist nur, wie groß die werden. Das Linebacker-Corps ist genauso ein Problem wie die Edge-Run-Defense. Für mich am überraschendsten aber sind die Schwierigkeiten in der Secondary.

Vor Saisonbeginn schien es, als könnte New England mit Butler, Gilmore und McCourty viel Man/Cover-1 spielen und so in der Front aggressiver, was die Blitz-Pakete angeht, agieren. Bisher sehen wir aber vor allem individuelle Fehler und Kommunikationsprobleme in der Secondary. Trotzdem denke ich nach wie vor, dass die beste Chance für die Pats-Defense hier liegt. Die Fehler in der Secondary korrigieren, in der Front wieder die Gaps disziplinierter spielen, wie man es von einer Belichick-Defense eigentlich kennt. Und darauf aufbauend aggressiver im Blitzing werden.

Bartleby: Wie lange bleibt KC ungeschlagen?

Natürlich sehr hypothetisch, weil wir aktuell wieder einmal eindrucksvoll sehen, dass jeder jeden schlagen kann. Ich hab die Frage aber deshalb aufgenommen, um die Chiefs noch etwas zu loben: Ein guter Pass-Rush, eine sehr starke Run-Defense, Alex Smith spielt bisher die beste Saison seiner Karriere und Kareem Hunt bastelt an seiner Rookie-des-Jahres-Kampagne; auf die Saison gesehen steht er jetzt bei 27 Forced Missed Tackles, elf mehr als jeder andere Running Back.

Die Chiefs sind nach vier Wochen das ausgeglichenste Team in der Liga. Jetzt aber wartet mit Houston, Pittsburgh, Oakland, Denver und Dallas ein brutaler Schedule bis zur Bye Week. Mein Tipp: KC verliert nächste Woche in Houston das erste Mal, weil die Texans die eine große Schwäche dieses Chiefs-Teams - die Pass-Protection - gnadenlos zu ihrem Vorteil nutzen werden.

Leonidas: Kann Eli Manning das Ruder in dieser Saison noch rumreißen oder ist seine "Zeit" vorbei?

Dass die Manning/Roethlisberger/Rivers-Draft-Klasse im Spätherbst ihrer Karriere ist, wurde über die ersten vier Wochen relativ deutlich. Gerade bei den Giants wäre es aber zu billig, Manning einfach als Sündenbock hinzustellen. Denn - und hier muss man die Kaderplanung hinterfragen - die Probleme, die New York aktuell hat, hatte das Team auch schon in der vergangenen Saison. Nur weniger ausgeprägt, weshalb es nicht allzu deutlich durchkam.

Alles beginnt mit der Offensive Line, die nach wie vor zum unteren Liga-Durchschnitt gehört - in Pass-Protection. Im Run-Blocking nämlich ist sie bisher ein absolutes Debakel, die Giants werden hier regelmäßig von ihren Gegnern dominiert. Das zeigt sich vor allem in Short-Yardage-Situationen, aber auch in der quasi kaum vorhandenen Fähigkeit, Blocks auf dem Linebacker-Level aufzuziehen. Und dass New York dazu eines der schwächsten Running-Backs-Corps der Liga hat, ist auch kein Geheimnis.

Die Folge daraus? Eine Offense, die für Gegner ausrechenbar ist. Ja, Ben McAdoo lässt häufiger 2-Tight-End-Sets spielen, doch war schon vor dem Draft klar, dass Evan Engram viel mehr Receiver als Tight End ist (in puncto Stärken und Schwächen vergleichbar etwa mit Jordan Reed). Sprich: 2-TE-Formationen mit Engram auf dem Platz darf man getrost als die 3-WR-Sets, welche die Offense der Giants schon in der vergangenen Saison so extrem auffällig dominiert haben, notieren.

Weil die Line nicht gut ist, muss Manning zudem den Ball schnell werfen und schon sind wir beim Problem angelangt: Kein Run Game, eine vorhersehbare Offense und ein Quarterback, der den Ball schnell loswerden muss, während Brandon Marshall bislang überhaupt keine Verstärkung ist. Übersetzung: New York ist offensiv enorm abhängig davon, dass Odell Beckham Spiele an sich reißt, was das Scheme durchaus vorsieht. Das alleine ist aber zu wenig, um eine konstante Offense aufs Feld zu bringen.

Jetzt habe ich viel geschrieben, das Manning in Schutz nimmt, dabei sei aber auch klar gesagt: Manning spielt ohne jede Frage auch selbst nicht gut. Ich glaube aber nicht, dass es zwangsläufig an ihm ist, in dieser Saison noch das Ruder herumzureißen.

Seite 1: Das London-Problem, Watson und die Texans-Offense und Zahlen

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