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Third and Long: Die SPOX-Meinung zur vergangenen NFL-Woche

Warum die Patriots fast erneut verloren hätten

Dienstag, 26.09.2017 | 10:30 Uhr
Tom Brady und die New England Patriots kamen gegen die Houston Texans mit einem blauen Auge davon
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Warum Sean McVay für Jared Goff so wichtig ist

Jared Goff wurde vor dem Draft höher angepriesen als sein Tape wirklich gezeigt hat - trotzdem ist er ein besserer Quarterback als er es in seiner Rookie-Saison in der schlimmen Offense von Jeff Fisher zeigen konnte. Was wir über die ersten drei Spiele sehen, ist der unglaubliche Effekt, den gutes Coaching, Scheme und auch bessere Mitspieler auf einen jungen Quarterback haben können.

In der Offense des neuen Head Coaches nämlich kann Goff deutlich freier auftreten, und die Gründe dafür sind auf Tape deutlich sichtbar: Die Balance zwischen Run Game und Passing Game ist besser, McVay - das konnte man bereits in seiner Offense in Washington beobachten - baut in Kombination damit ein extrem effizientes Play-Action-Spiel auf.

Außerdem lässt er Runs und Pässe aus identischen Formationen spielen, was es der Defense deutlich schwerer und so dem Quarterback leichter macht. Bei den Play-Action-Pässen hat Goff so häufig enorm viel Zeit und das ermöglicht auch lange Pässe. Dazu kommen Pre-Snap-Motions um dem Quarterback Hinweise auf die Coverage zu geben.

McVay schafft es, Goff in einen Rhythmus zu bringen, indem er ihm klare Reads und vergleichsweise einfache Completions ermöglicht. Ob mit Rub Routes - die man gegen die 49ers mehrfach beobachten konnte - Play Action oder schlicht kurzen Completions gegen eine passive Coverage: Das Scheme hilft Goff, der sich dafür mit genauen Pässen in enge Fenster revanchiert. Nach wie vor ist er gegen Pressure und generell in der Pocket fraglos anfällig. Doch dank McVay ist Goff auf einem sehr guten Weg, und man darf gespannt sein, wie andere Teams mit jungen Quarterbacks im kommenden Jahr eine mögliche Trainersuche gestalten.

Newton, die Seahawks, London, die Giants - eure Fragen

Pulp: Sollte man in Carolina langsam daran denken, Shula zu feuern und/oder an Newton zu zweifeln?

Vielleicht der falsche Ansatz zu der Frage, aber zumindest wenn ich mir Panthers-Tape anschaue, kommt mir immer zuerst ein Gedanke in den Kopf: "Cam Newton KANN nicht bei 100 Prozent sein." Selbst für seine Verhältnisse wirken die Pässe enorm ungenau und inkonstant, er verfehlt freistehende Receiver. Man muss sich schon fragen, ob er nach seiner Schulter-OP zu früh zurückgebracht wurde. Zudem ist die Line wirklich nicht gut, was Newton umso mehr Probleme bereitet, weil er selbst deutlich weniger läuft.

Mit dem im Hinterkopf aber fallen auch schematisch einige Dinge auf: Newton ist eben - wie viele vor der Saison befürchtet haben - bei den kurzen Pässen überhaupt nicht genau. Seine kurzen Dropbacks wirken hölzern, oft steht er schlecht in der Pocket. Dazu liest er seine kurzen Route-Kombinationen teilweise falsch, was zu Turnovern führt. Aber es ist nicht alles schlecht. Newton zeigte gegen die Saints auch mehrere gute kurze Pässe und McCaffrey übernimmt eine immer größere Rolle im Slot genau wie Outside. Allerdings sind die Verluste von Greg Olsen und mutmaßlich Kelvin Benjamin nur schwer zu kompensieren, schematisch genau wie für die ohnehin runter geschraubten Downfield-Elemente.

Klar ist: Carolina braucht ein dominantes Run Game. Dabei können die End-Arounds und Option Runs, die wir mit Toss-Möglichkeiten für Newton sehen, helfen. Die Panthers brauchen aber mehr vom Passspiel, um im Run Game effektiv zu sein.

MaFu: London Game 1 2017: London-Team ja wieder in vieler Munde. Für wie wahrscheinlich hältst du ein solches? Möglichkeiten und Probleme der Umsetzung.

Spannendes Thema, über das man sicher geteilter Meinung sein kann. Ich bin von einem Team in London noch nicht überzeugt und denke, die NFL täte besser daran, nach und nach die Anzahl der Regular Season-Spiele in Europa auf sechs bis acht aufzustocken - und dabei dann auch Deutschland und Frankreich zu inkludieren. Die logistischen Probleme nämlich sind einfach riesig.

Das beginnt natürlich mit den langen Reisen, insbesondere Duelle mit Westküsten-Teams wären vom Schedule her immer ein kontroverses Thema. Ein London-Team bräuchte außerdem mindestens eine Außenstelle in den USA, um Workouts für mögliche Neuverpflichtungen abzuhalten und dergleichen. Zudem müssten die Spieler die USA verlassen und möglicherweise für die Saison von der Familie wegziehen. Nicht zuletzt ist ja gar nicht gesagt, dass London ein London-Team auch direkt "adoptiert". Mit einer Vielfalt an verschiedenen Teams bedient man die Fan-Interessen in meinen Augen aktuell zumindest besser.

Hier ist meine Vermutung, was über die nächsten Jahre passieren wird: Die NFL wird weiter alle Vorkehrungen treffen, um möglichst perfekte Rahmenbedingungen für ein potenzielles London-Team zu schaffen. Ein erster großer Schritt ist der Stadion-Deal mit Tottenham , mehr Spiele in England werden bald schon kommen. Zunächst aber werden die Eigentümer angesichts der Umzüge der Rams, Chargers und Raiders innerhalb kürzester Zeit an dieser Front Ruhe wollen. Wenn aber das Thema das nächste Mal ernsthaft aufkommt - ich würde auf fünf bis sieben Jahre tippen - dann ist London bereit und mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten eine ernsthafte Option.

Patrick Hupfer: Kommen die Seahawks mit dieser O-Line in die Playoffs? Was muss geändert werden?

Auf die Playoffs tippe ich grundsätzlich nach wie vor, weil die Division insgesamt keinen guten Eindruck macht. Die Rams sind ein Kandidat für sechs, sieben Siege, Arizona hat am Montagabend gezeigt, dass die eigenen Schwächen in der Line größere Sprünge in diesem Jahr schlicht verhindern. Nichtsdestotrotz bleibt Seattles Offensive Line ein großes Problem: Auch mit neuem Right Guard war die Line gegen Tennessee sichtlich überfordert, laut Pro Football Focus ließen drei O-Liner fünf oder mehr Pressures zu - dazu gehörte auch der neue Starter Oday Aboushi. Russell Wilson hatte bei 44 Prozent seiner Dropbacks Pressure durch die Defense.

Zwar sah die Line vereinzelt besser aus, das aber war auch einer etwas zurückhaltenderen Titans-Taktik geschuldet. Tennessee blitzte bei gerade einmal 20 Prozent von Wilsons Dropbacks - erreichte dafür aber Pressure bei 50 Prozent der Blitze.

Was wir bisher von der Seahawks-Line gesehen haben, macht es in meinen Augen für Seattle unmöglich, eine traditionelle NFL-Offense aufzuziehen und mit Wilson aus der Pocket heraus (was er durchaus kann, das haben wir in den vergangenen Jahren gesehen) zu gewinnen.

Also, was muss geändert werden? Vieles, aber ich versuche es mal realistisch: Mehr No-Huddle-Offense, um die Defense müde zu machen und schneller zu spielen. Noch mehr Rollouts und Play Action, um Wilson innerhalb der Struktur des Plays aus der Pocket zu bekommen. Und mehr Zone Reads und Run-Pass-Options, um die Defense dazu zu zwingen, Wilson konstant als elften Spieler zu verteidigen, im Run und im Passing Game. Nummerische Nachteile nämlich können sich diese Seahawks offensiv absolut nicht leisten.

Sebastian Mühlendorf: Können die Giants trotz der knappen Niederlage Hoffnung aus den letzten anderthalb Viertel ziehen?

Kurze Antwort: In meinen Augen nein. Die Giants-Offense wirkt noch immer komplett wie Stückwerk, der einzige echte Unterschied ab Mitte des dritten Viertels war, dass Odell Beckham das Spiel an sich gerissen hat. Davon abgesehen war es weitestgehend die gleiche Offense. Um sicher zu gehen habe ich das Tape gerade nochmal angeschaut, meine Notizen: Unkreatives - mutmaßlich auch durch die Limitierungen aufgrund der Line bedingtes - Play-Calling, sehr viel kurz, der Ball wird zu Beckham gezwungen.

Das Run Game sah teilweise ein wenig besser aus, das muss man sagen, nach wie vor aber fehlt hier die Konstanz. Manning zeigte einige gute Bewegungen in der Pocket und einige gute Pässe, warf gleichzeitig aber auch mehrfach - das war sehr auffällig - klar in Coverage. Die Offense kommt nur so weit, wie Beckham sie trägt, was dann eben auch Räume etwa wie für den Shepard-Touchdown öffnet. Doch das ist ein gefährliches Spiel. Denn gute Teams werden in der Lage sein, in einem solchen Szenario einen Wide Receiver zumindest halbwegs zu kontrollieren.

Nick Tremonia: Klare Favoriten straucheln oder verlieren gegen "schwächere" Teams - was sagt das über die Machtverhältnisse in der Liga aus?

Gut, dass die Frage noch kam, sonst hätte man es anders thematisieren müssen. Die überraschenden Niederlagen der ersten Wochen zeigen nämlich vor allem eine Wahrheit, die sich in den vergangenen Jahren schon mehrfach bestätigt hat: Spiele im September sind selbst für NFL-Verhältnisse unglaublich schwer zu prognostizieren. Teams haben wenig Trainingszeit, viele Starter spielen in der Preseason gar nicht oder kaum.

Das macht die ersten Partien auch für Schwergewichte wie New England oder Pittsburgh ein wenig zu Findungsphasen und man darf davon ausgehen, dass im Oktober die Verhältnisse wieder klarer werden. Trotzdem muss man den vermeintlich schlechteren Teams auch Lob aussprechen: Die Jets-Run-Defense hatte nach zwei furchtbaren Spielen gegen Miami einen großartigen Tag, während Jay Cutler mehrfach offensichtlich Probleme damit hatte, die Offense aufs Feld zu übertragen. Buffalo spielt weiter starke Defense und die Bears sind mit ihrer Defensive-Front und den beiden Running Backs ein unangenehmer Gegner.

Seite 1: Warum die Pats beinahe verlieren und Zahlenspiele zu Week 3

Seite 2: McVay und Goff, London-Team, Seahawks, Panthers-Sorgen und vieles mehr

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