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NFL

Juggernaut mit Ladehemmung

Russell Wilson hat sich von seiner Knöchelverletzung mittlerweile erholt

Die Seattle Seahawks (7-3-1) empfangen im Sunday Night Game von Week 13 die Carolina Panthers (4-7) (Mo., ab 2.30 Uhr live auf DAZN). Der Fokus liegt jedoch bereits auf höheren Zielen, die angesichts der starken Konkurrenz ein wenig angepasst werden müssen. SPOX blickt auf einen der NFC-Favoriten und fragt sich, was für Seattle drin ist in dieser Saison.

Nach den drei durchaus überzeugenden Siegen gegen die Bills, Patriots und Eagles dachte man eigentlich, dass die Seahawks wieder vollends in der Spur seien. Gerade der Statement-Erfolg in Foxborough weckte Erinnerungen an die ganz großen Jahre der Legion of Boom mit zwei Super-Bowl-Teilnahmen in Serie. Doch letzte Woche ging es dann nach Tampa und die Truppe von Pete Carroll erlitt einen empfindlichen Rückschlag.

5:14 ging man in Florida baden, die einzigen Offensiv-Punkte kamen über ein Field Goal zustande. Besiegelt wurde die Pleite durch einen späten Pick vom eigentlich wiedererstarkten Quarterback Russell Wilson, der sich spätestens gegen Philly mit seinem Receiving-Touchdown komplett von seiner hartnäckigen Knöchelverletzung zurückgemeldet hatte.

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Doch wie sich herausstellte, war seine Offensive Line nicht wirklich auf der Höhe des Geschehens und ließ ihren QB vollends im Stich. Wilson kassierte sechs Sacks und kam folglich durch die Luft überhaupt nicht zur Geltung, was seine lediglich 151 Passing-Yards (17/33) unterstreichen. Ging es dagegen ins Scrambling, war er wie üblich kaum zu halten (80 Yards auf acht Carries) - dafür aber seine Kollegen, die auf dem Boden nicht mal die Hälfte seiner Produktion zustande brachten.

War man bis dahin war durchaus noch theoretisch im Windschatten der Dallas Cowboys im Hinblick auf den Nummer-Eins-Seed unterwegs, scheint dieses Rennen jetzt vorzeitig entschieden. Die Frage, die die Hawks nun beantworten müssen, ist vielmehr, ob Tampa nur ein Ausrutscher und Schuss vor den Bug zur rechten Zeit war - oder eben doch ein Fingerzeig für den Rest der Saison inklusive Postseason.

"Ich mache mir darüber keine Sorgen", gab sich Carroll nach der Niederlage gelassen: "Nicht im geringsten. Lasst uns zurück an die Arbeit gehen und wieder in die Spur finden. Ich glaube nicht, dass dies ein Trend ist. Wir reparieren die Sache hier."

Nur wenige Ausrutscher

Die Saison der Seahawks verlief bis hierhin eigentlich recht konstant und mit wenigen Ausrutschern. Nach dem epischen Unentschieden bei den Cardinals in Week 6 stand man bei 4-1-1 und damit gerüstet für einen Angriff auf die Spitze der NFC. Einzig die Pleite gegen die Rams sorgte für Zähneknirschen, doch die sind schon länger der Angstgegner der Seahawks. Danach gab es eine knappe Niederlage in New Orleans, wo man durchaus mal verlieren kann.

Es folgte die nächste Serie von drei Siegen in Folge, doch bei den Buccaneers brachen alte Wunden wieder auf. Man trat ohne die verletzten Earl Thomas und Michael Bennett an, was aber nur bedingt ins Gewicht fiel - das Gesamtgebilde dieser Defense ist so tief besetzt, dass selbst solche Ausfälle zu kompensieren sind.

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Doch offensiv gelang zum dritten Mal in diesem Jahr kein Touchdown - grundsätzlich gewann man keines dieser Spiele. Die Offensive Line ist dabei der Hauptschuldige, doch das ist wahrlich keine neue Erkenntnis. Auch früher schon machte dieser Mannschaftsteil immer Probleme, weil einfach kaum etwas zusammenpasst. Da täuschen dann auch die insgesamt besseren Vorstellungen der offensiven Front etwa bei den Spielen in New England oder Philadelphia nicht drüber hinweg.

Die Tatsache, dass dort mit George Fant und Germain Ifedi gleich zwei Rookies starten, hilft genauso wenig wie der Abgang von Left Tackle Russell Okung in der Offseason. Umso bemerkenswerter ist es, dass das Team dennoch Platz 4 in Total Offense belegt und im Laufspiel sowie Scoring auf den Rängen 3 und 4 verortet wird. Der Schluss liegt nahe, dass Seattle trotz Defiziten ein offensives Juggernaut darstellt

Die Suche nach dem Beast Mode

Dass das Laufspiel die Seele der Seahawks-Offense repräsentiert, ist nicht neu und unter Carroll seit jeher Gang und Gäbe. Doch dass dies immer noch so effektiv funktioniert, war nach dem Karriereende von Marshawn Lynch nicht unbedingt zu erwarten. Hinzu kam, dass sich reihenweise Running Backs verletzt haben. Thomas Rawls war längere Zeit draußen und just als dieser zurückgekehrt war, verletzte sich Rookie-Entdeckung C.J. Prosise schwer an der Schulter und wird seinerseits nun lange ausfallen.

Dennoch läuft es buchstäblich für Seattle, was eher nicht am mobilen QB lag, der bis vor kurzem aufgrund einer hartnäckigen Knöchelverletzung noch zum Dienst in der Pocket verdammt war. Also mussten andere aushelfen. Einer davon war Christine Michael, der bis zu seiner überraschenden Entlassung seine beste Saison bisher mit 469 Yards und sechs Touchdowns hingelegt hatte. Doch Rawls kam zurück, Prosise drehte auf und so war Michael scheinbar obsolet und ist via Waver Wire nun in Green Bay gelandet.

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Das Passspiel wiederum litt nicht direkt unter Wilsons Knöchel. Vielmehr trat er den Beweis an, dass er auch als Pocket-Passer einen soliden Eindruck macht. Auch half ihm merklich, dass Tight Jimmy Graham nun nach der letztjährigen Seuchensaison wieder fit und in Form ist. Er bildet im Duett mit Wide Receiver Doug Baldwin ein dynamisches Angriffsduo, das nur schwer zu halten ist - wenn Wilson die Zeit bekommt, seine Zuspiele an den Mann zu bringen.

Der QB selbst propagiert derweil Gelassenheit: "Es ist ziemlich simpel: Wir müssen einfach Wege finden, um Plays zu machen. Das ist uns schon früher gelungen."

Defensiv alles beim Alten

Was aber schon immer funktionierte, und auch durch die zuletzt vorherrschende Personalnot nicht entscheidend beeinträchtigt wurde, ist die Defense. Die Legion of Boom besteht immer noch aus den drei Eckpfeilern von einst: Cornerback Richard Sherman, Free Safety Earl Thomas und Abrissbirne, Strong Safety Kam Chancellor.

Sicherlich leidet aber selbst die Gruppe unter dem Fehlen von Defensive End Michael Bennett, dessen Pass-Rush-Qualitäten selbst in diesem Kader ihresgleichen suchen. Nicht zufällig bezeichnete ihn Patriots-Head-Coach Bill Belichick vor kurzem als besten Defensiv-Spieler der NFL. Sein Pass-Rush-Partner Cliff Avril ist derweil mit zehn Sacks in herausragender Form und macht den Ausfall so gut es eben geht wett.

Und auch wenn zuletzt Thomas ebenfalls nicht zur Verfügung stand, funktioniert das Gesamtkonstrukt und belegt derzeit Platz 7 in Total Defense. Zudem ist man drauf und dran, die Liga zum fünften Mal in Serie in Scoring Defense anzuführen, also im Schnitt die wenigsten Punkte zuzulassen.

Dann eben Rang 2

Angesichts des Siegeszugs der Dallas Cowboys (11-1) ist Platz 1 in der NFC wohl weg. Vor dem Duell mit den Panthers, bei denen mit Center Ryan Kalil und Linebacker Luke Kuechly wichtige Säulen fehlen, beträgt der Rückstand somit schon 3,5 Spiele - ein Abstand, den man wohl in den letzten fünf Saisonspielen nicht mehr aufholen kann. Da in der eigenen NFC West die Messe gelesen scheint - die Cardinals liegen drei Spiele zurück, die Rams 3,5 - gilt die volle Konzentration also dem Kampf um Platz 2 der NFC und der damit verbundenen First-Round-Bye.

Im Rennen darum kämpfen im Grunde noch die Detroit Lions und Atlanta Falcons, die ebenfalls sieben Siege auf dem Konto haben. Die New York Giants kommen zwar auf acht, doch da sie die East wohl nicht gewinnen werden, spielen sie in dieser Hinsicht keine Rolle. Die Lions müssen sich unter anderem noch mit den Giants und Cowboys auswärts sowie den Packers daheim messen. Die Falcons wiederum treten noch gegen die Chiefs, Saints und in Carolina an.

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Die Seahawks indes haben auch noch einiges vor der Brust: Nach den Panthers geht es nach Green Bay und dann kommen die Seahawks-Problemgegner Rams und Cardinals. In Stein gemeißelt ist der zweite Seed also noch lange nicht, insbesondere, wenn sich die Offense noch weitere Aussetzer leistet.

Wenig Konkurrenz für Dallas

Was in jedem Fall funktionieren sollte, ist die Playoff-Teilnahme. Das scheint angesichts der schwächelnden West-Konkurrenz unabdingbar. Doch was passiert dann? Stand jetzt ist es freilich zu früh, Prognosen für die Postseason abzugeben oder den Playoff-Baum durch zu tippen.

Doch allein von der Aufmachung her scheint eines klar: Viele Teams werden den Cowboys in dieser Saison nicht gefährlich werden können, die Seahawks aber gehören in jedem Fall dazu. Mit ihrem Pass-Rush haben sie das Zeug dazu, der mächtigen O-Line entgegenzutreten und Druck auf Dak Prescott auszuüben, wie es bereits die Minnesota Vikings in dieser Woche gezeigt haben. Und mit ihrer beinharten Rush-Defense muss ein Ezekiel Elliott auch erstmal klarkommen.

Die Frage wird aber sein, ob die Offense, die gute Zahlen aufweist, ihr Potenzial auch im richtigen Moment wird abrufen können.

Der NFL-Spielplan im Überblick

Das SPOX-NFL-Tippspiel, Week 13:

Florian RegelmannStefan PetriAdrian FrankeMarcus Blumberg

Cowboys @Vikings

CowboysCowboysCowboysCowboys

Chiefs @Falcons

FalconsFalconsFalconsFalcons

Lions @Saints

SaintsSaintsSaintsSaints

Rams @Patriots

PatriotsPatriotsPatriotsPatriots

Broncos @Jaguars

BroncosBroncosBroncosBroncos

Texans @Packers

PackersPackersPackersPackers

Eagles @Bengals

BengalsBengalsEaglesEagles

Dolphins @Ravens

RavensDolphinsRavensRavens

49ers @Bears

Bears49ersBearsBears

Bills @Raiders

RaidersRaidersRaidersRaiders

Giants @Steelers

SteelersSteelersSteelersGiants

Redskins @Cardinals

CardinalsRedskinsCardinalsRedskins

Buccaneers @Chargers

ChargersBuccaneersChargersChargers

Panthers @Seahawks

SeahawksSeahawksSeahawksSeahawks
Colts @JetsJetsJetsColtsColts
Week 1211-511-512-412-4
Insgesamt103-74102-75

110-67

105-72
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