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Defense wins Championships - oder?

Die Elite-Defenses sind nach den ersten vier Spielen die großen Trümpfe
© getty
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16. New York Giants (2-2)
(@Packers, Ravens, @Rams, Eagles)

Die Pleite am Montagabend bei den Vikings dürfte die Verantwortlichen deutlich weniger ärgern, als die Niederlage zuhause gegen Washington in der Woche davor, bei der Eli Manning - wieder einmal - ein Division-Spiel leichtfertig herschenkte. Und doch gibt es über diese beiden Spiele eine gemeinsame, besorgniserregende Erkenntnis: Odell Beckham muss sich dringend in den Griff bekommen. Gegen die Redskins leistete er sich nach einer Manning-Interception emotionale Ausraster an der Seitenlinie, ehe er sich gegen Minnesota erneut mit seinem Gegenspieler anlegte - nur um danach zu sagen, dass ihm Football "keinen Spaß mehr" mache. Dabei kann diese Offense, und das hat sie vereinzelt auch angedeutet, ein Top-Angriff sein, auch weil Victor Cruz überraschend stark zurückgekommen und Rookie Sterling Shepard seit dem ersten Spiel ein Faktor ist. Sorgen bereiten dafür aber einerseits das Running Game, wo, genau wie in der Secondary, das Verletzungspech schon zugeschlagen hat. Und die teure D-Line muss jetzt auch im Pass-Rush produktiver werden.

15. Los Angeles Rams (3-1)
(Bills, @Lions, Giants, Panthers)

Bei wenigen Teams habe ich so lange überlegt wie bei L.A. Die Rams haben über die ersten vier Spiele bereits Arizona und Seattle geschlagen, die Defensive Line reißt regelmäßig Spiele an sich und zum jetzigen Zeitpunkt muss man davon ausgehen, dass das Debakel in San Francisco zum Auftakt nicht mehr als ein Ausrutscher war. Warum also die Überlegungen, warum die Rams nicht weiter oben? Einfach gesagt: Ich kann dieser Offense schlicht nicht vertrauen. Das Run-Blocking ist weitestgehend ein Desaster, im Passing Game lebt Case Keenum, der immerhin kostspielige Turnover vermeidet, stark von einzelnen Plays, auch hier fehlt ganz klar die Konstanz. Wenn die Defense und vor allem Aaron Donald so auftreten, wie gegen die Cards und die Seahawks, kann das reichen - die Frage ist, ob dieses Team so kontinuierlich Spiele gewinnen kann. Zumindest in den kommenden beiden Partien aber werden die Rams jedenfalls kein Außenseiter sein.

14. Houston Texans (3-1)
(@Vikings, Colts, @Broncos, Lions)

Ein weiteres Team, für das man noch kein so richtiges Gefühl hat - umso mehr, nachdem inzwischen klar ist, dass J.J. Watt den Rest der Saison verpassen wird. Die defensive Front kann zwar auch ohne Watt stark sein und Houston hat auch jetzt noch die beste Defense in der eigenen Division. Gleichzeitig aber lassen die Texans bislang 4,6 Yards pro gegnerischem Run zu, nur Detroit, Washington und Oakland sind hier noch schlechter. Offensiv spielt Brock Osweiler bisher eine sehr wacklige Saison, die Texans sind aktuell zu stark von den Big Plays über Will Fuller abhängig. Das dürfte einer der Gründe dafür sein, dass Head Coach Bill O'Brien das offensive Play-Calling seit dem vergangenen Spieltag übernommen hat. Eine spannende Frage: Gelingt es O'Brien jetzt, Running Back Lamar Miller effektiver einzusetzen, als das bisher der Fall war? Osweiler würde es ihm zweifellos danken.

13. Dallas Cowboys (3-1)
(Bengals, @Packers, Eagles, @Browns)

Die Cowboys sind eine der positiven Überraschungen aus dem ersten Saisonviertel: In Abwesenheit des verletzten Tony Romo überzeugt Dak Prescott mit Turnover-freien Auftritten, dabei füttert er seine Slot-Receiver und Tight End Jason Witten und verlässt sich ansonsten auf das Running Game. Hier stürmt Ezekiel Elliott zunehmend in die dominante Rolle, die von ihm im Vorfeld bereits erwartet wurde und mit dieser Formel können die Cowboys, davon ausgehend, dass Dez Bryant nicht länger ausfällt, in einer, wieder einmal, komplett offenen NFC East mithalten. Warum also nur Rang 13? Diese Defense ist an ihrer Front bisher schlicht zu anfällig. 4,5 Yards pro gegnerischem Run und der Pass-Rush kommt nur sporadisch. Gute Nachricht: Defensive End DeMarcus Lawrence hat seine Sperre abgesessen und kehrt in Week 5 zurück.

12. Buffalo Bills (2-2)
(@Rams, 49ers, @Dolphins, Patriots)

Wenige Coaches stecken so viel öffentliche Kritik ein wie Rex Ryan, und die ist in den allermeisten Fällen angesichts seines Auftretens und seiner Art auch genauso gerechtfertigt wie selbst verschuldet. Doch nach den vergangenen beiden Spielen muss man schlicht den Hut vor Ryan ziehen. Gegen die Cardinals eliminierte er das Deep-Passing-Game, während er gegen die Patriots Rookie-Quarterback Jacoby Brissett mit verschiedenen Looks verwirrte und zu seiner eigentlich gewohnten Aggressivität in der Defense zurückfand. Das Resultat: Der erste Pats-Home-Shutout seit 1993 und bei elf von zwölf Third Downs stoppten die Bills New England. Das Linebacker-Corps galt nach der Verletzung von Reggie Ragland als potentielles Sorgenkind, über die ersten vier Partien spielen die Linebacker groß auf. Darüber hinaus stimmt die Balance, auch wenn Sammy Watkins womöglich den Rest der Saison verpassen wird. Der Offensive-Coordinator-Wechsel scheint tatsächlich gefruchtet zu haben, das Running Game funktioniert besser und Tyrod Taylor wirkt sicherer in der Pocket.

11. Cincinnati Bengals (2-2)
(@Cowboys, @Patriots, Browns, Redskins)

Der ungefährdete Sieg über die Dolphins am Donnerstagabend sollte nicht allzu hoch bewertet werden. Stattdessen gilt es eher, kritische Schlüsse daraus zu ziehen: Die Offense ist stark abhängig von A.J. Green, nach den Abgängen von Mohamed Sanu und Marvin Jones fehlen noch die echten Alternativen im Passing Game. Immerhin: Tight End Tyler Eifert steht unmittelbar vor dem Comeback. Gleichzeitig funktioniert das Running Game bislang überhaupt nicht, all das macht die Offense unter dem Strich zu ausrechenbar - während die Secondary schon fünf Passing Plays von mindestens 40 Yards zugelassen hat, der ligaweit vierthöchste Wert. Die positive Nachricht in der Defense: Die Front wirkte mit der Rückkehr von Vontaze Burfict gegen Miami deutlich aggressiver und dominanter, Eifert und Burfict könnten diesem Team wieder ein vertrauteres Gesicht geben.

10. Baltimore Ravens (3-1)
(Redskins, @Giants, @Jets, Steelers)

Die Ravens sind wieder zurück - wer hätte das gedacht? Zugegeben, bedenkt man die Tatsache, dass Baltimore einen absoluten Top-Trainerstab hat, sollte es etwas weniger verwundern. Dabei fallen zwei Dinge über die ersten vier Spiele auf: Die Ravens präsentieren sich in der Mitte ihrer Defense wieder deutlich besser, während Safety Eric Weddle der Secondary Sicherheit gibt. Darüber hinaus hat die Offense das Potential, eine klassische Ravens-Offense zu werden: Mit der Entlassung von Justin Forsett ist klar, dass Terrance West bis auf Weiteres die Chance im Backfield erhält, und West feierte gegen Oakland gleich einen eindrucksvollen Einstand. In Kombination damit zeigt Mike Wallace gute Ansätze, er könnte der Big-Play-Receiver in dieser Offense sein. Und Steve Smith ist in unglaublicher Form von seinem Achillessehnenriss zurück gekommen. Baltimore hat die Chance, Cincinnati in diesem Jahr in der AFC North hinter sich zu lassen.

9. Green Bay Packers (2-1)
(Giants, Cowboys, Bears, @Falcons)

Als eines von nur zwei Teams (die Eagles sind das andere) hatte Green Bay bereits seine Bye-Week, was in allererster Linie natürlich die Sample Size verkleinert. Gerade bei den Packers ist das ein nicht unwichtiger Fakt, denn noch fällt es schwer, Green Bay einzuschätzen. Die Packers hatten bislang ein herausragendes Viertel, das erste Viertel gegen Detroit, in dem die Offense an das Monster aus der 2014er Saison erinnerte. Davon abgesehen aber spielt Eddie Lacy noch immer eher inkonstant, das Scheme hilft den Receivern nach wie vor zu wenig und Mike McCarthys konservatives Play-Calling hätte das Duell mit den Lions beinahe nochmals spannend gemacht. Auch in der Secondary ist noch Luft nach oben, doch sollte Jordy Nelson aus der einwöchigen Pause nochmals fitter zurückkehren und wenn er und Aaron Rodgers heiß laufen, ist eine völlige Offense-Explosion nach wie vor möglich.