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Vom Sündenbock zum Matchwinner

Dienstag, 11.10.2016 | 06:02 Uhr
So sehen Sieger aus: Roberto Aguayo freut sich über seinen Game-Winner
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Die Tampa Bay Buccaneers (2-3) haben ihr Auswärtsspiel bei den Carolina Panthers (1-4) in letzter Sekunde mit 17:14 (3:0, 3:0, 8:14, 3:0) BOXSCORE gewonnen und den Super-Bowl-Teilnehmer der letzten Saison weiter in die Krise gestürzt. Zum Matchwinner der Bucs im Monday Night Game wird Kicker Roberto Aguayo - dabei hatte der sich bereits als Sündenbock angeboten.

Aguayo, der zur Verwunderung vieler Experten im Frühjahr in der zweiten Runde gedraftet worden war - so früh wie kein Kicker im letzten Jahrzehnt - hatte vor der Partie nur eines von drei Field Goals verwandelt. Gegen die Panthers, die ohne MVP Cam Newton antreten mussten, vergab er zwei weitere Kicks, bevor er in der Schluss-Sekunde dann aus 38 Yards Entfernung erfolgreich war.

Zuvor hatten die Buccaneers in der ersten Hälfte über weite Strecken dominiert, aber nur eine knappe Führung mit in die Kabine genommen. Carolina schlug nach dem Seitenwechsel mit zwei Touchdowns zurück, leistete sich aber insgesamt vier Turnover. Drei davon gingen auf das Konto von Backup-Quarterback Derek Anderson (18/28, 278 YDS, 2 INT, FUM). Auf der Gegenseite blieb Quarterback Jameis Winston (18/30, 219 YDS, TD), der in den letzten Wochen große Probleme gehabt hatte, seinerseits ohne Ballverlust. Panthers-Tight End Greg Olsen stellte mit 9 Catches über 181 Yards eine Karriere-Bestmarke auf.

Durch die Niederlage stehen die Panthers, die in der letzten Regular Season nur eine Partie verloren hatten, am Ende der NFC South. Tampa Bay kann nach drei Pleiten in Folge erst einmal durchatmen.

Die Stimmen:

Roberto Aguayo (Buccaneers-Kicker): "Das Team hat mich die ganze Zeit unterstützt, das bedeutet mir viel. Wenn ich nicht treffe, ist es wie bei anderen Spielern auch: Wenn es bei ihnen nicht klappt, muntere ich sie auf. So ist der Sport - es ist erst mit dem allerletzten Spielzug vorbei. Ich hätte die anderen beiden Kicks gerne zurück, aber am Ende hab ich das wichtigste Field Goal verwandelt."

Der Spielfilm:

Vor dem Kick-Off: Für beide Teams ist es aufgrund des schlechten Saisonstarts mit nur einem Sieg aus vier Spielen bereits ein "Must-Win-Game" im Playoff-Rennen. Super-Bowl-Teilnehmer Carolina ist daheim besonders unter Druck, muss aber auf Quarterback und MVP Cam Newton (Gehirnerschütterung) verzichten. Running Back Jonathan Stewart ist ebenfalls nicht dabei, sein Ersatzmann im Backfield ist Cameron Artis-Payne.

Bei den Buccaneers fehlt ebenfalls eine Menge Starpower: Im Backfield ist Charles Sims auf der IR gelandet, auch Doug Martin kann nicht mittun. Jacquizz Rodgers soll es richten. In der D-Line fallen Gerald McCoy und Robert Ayers aus, Wideout Cecil Shorts obendrauf.

1. Viertel: Hallo, Herr Rodgers! Die ersten sechs Plays sind Runs von Jacquizz Rodgers, der Drive läuft gut. Mit einem Field Goal von Second-Rounder Roberto Aguayo legt man vor, die Panthers punten nach drei Runs von Artis-Payne. Rodgers legt wieder los, kommt mehrfach ins second level. Trotzdem: Nach einem Sack von Winston ist im Mittelfeld Schluss. 3:0 Buccaneers.

2. Viertel: Jetzt kommt Anderson über seine großen Receiver und Tight End Olsen ins Spiel, nach 46 Yards wird dennoch gepuntet. Die Gäste punten ebenfalls - doch Ted Ginn Jr. mufft den Punt, weil ihn ein Teamkollege mit dem Knie erwischt! Die Bucs übernehmen an der 30, kommen bis an die 1-Yard-Linie. Und dann: False Start, Delay of Game, Time-Out, incomplete - und Aguayo haut aus 33 Yards an die Stange. Uff! Anderson im Gegenzug zu offensichtlich auf Kelvin Benjamin: tipped und intercepted! Das bringt Aguayo noch einmal ins Spiel, diesmal trifft er aus 35 Yards. 43 Sekunden bleiben Anderson, das macht er gut, Chance aufs Field Goal. Und Graham Gano? Daneben aus 43 Yards. Halbzeit, 6:0 Bucs.

3. Viertel: Perfekter Drive der Panthers zu Beginn der zweiten Hälfte. Vor allem Olsen ist "locked in" und holt 55 Yards bei zwei Catches. Bis an die 1-Yard-Linie kommt man, dann wirft Anderson bei Third Down hinter Olsen. Egal, Rivera spielt den vierten Versuch aus, Artis-Payne drückt das Ei über die Linie. Tampa Bay puntet, Carolina auch - aber dann rennt Defensive End Howard Jones den Punter über den Haufen. Neues First Down. Es folgen ein Pass auf den völlig freien Olsen und ein 12-Yard-Run von Artis-Payne: Touchdown! Spiel gedreht? Nein, Winston braucht nur vier Plays für den Konter, Mike Evans fängt nach Double-Move den 26-Yard-TD. Auch die Two-Point-Conversion funktioniert, Ausgleich. Es folgen zwei Punts. 14:14.

4. Viertel: Zu viele Turnover der Hausherren! Anderson fumbelt nach einem Scramble in der gegnerischen Hälfte, nach einem Bucs-Punt führt er sein Team überragend bis an die 1-Yard-Linie. Und dann ein ganz übler Pick in die Double Coverage, er hatte Olsen gesucht. Die Vorlage kann Tampa Bay aber nicht nutzen, weil Aguayo aus 46 Yards schon wieder vorbeizielt! Aber Winston bekommt den Ball in den Schlussminuten noch einmal zurück und führt das Team in die gegnerische Hälfte. Aguayo macht sich schon warm, eine Facemask-Strafe gegen Kony Ealy kommt ihm zu Hilfe. So sind es 38 Yards zum Sieg ... Bulls-Eye! Endstand: 17:14 Tampa Bay.

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Der Star des Spiels: Roberto Aguayo. Klar, von der reinen Leistung her war das wieder schwach vom 22-Jährigen, der zwei Field Goals verfehlte, die Adam Vinatieri wohl auch mit 50+ noch im Halbschlaf versenken würde. Aber in der letzten Sekunde konnte sich der vielleicht beste Kicker der College-Geschichte dann doch noch vom Druck befreien, der seit dem Draft auf ihm lastet. Und der war enorm: Auf Twitter wurde schon während des Spiels über seine Entlassung spekuliert. Aguayo verwandelte den ersten Game-Winner seiner Karriere, vielleicht der Dosenöffner für die Zukunft.

Der Flop des Spiels: Derek Anderson. Wie heißt es so schön? Es war nicht alles schlecht bei Anderson, der 2014 gleich zweimal an Stelle von Newton gegen Tampa Bay gespielt und zweimal gewonnen hatte. Zeitweise bewies er sich als fähiger Ersatzmann und verstand sich gerade mit Olsen fast blind. Aber die Turnover waren einfach nur böse. Beim ersten Pick starrte er zu lange in Richtung Benjamin, nach dem zweiten in der Endzone wirkte er selbst wie versteinert. Der Fumble war ebenfalls überflüssig, bei einem Scramble muss er den Ball einfach besser schützen.

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Das fiel auf:

  • Charles Sims und Doug Martin sind ein formidables Gespann aus dem Backfield. Stattdessen musste es Jacquizz Rodgers für die Bucs richten - und der Ex-Bear, der erst nach Week 1 ins Team geholt worden war, erwies sich als bester Buccaneer an diesem Abend. 30 Rushes (Career High!) für 101 Yards, dazu fünf Catches für weitere 28 Yards. Insgesamt acht missed Tackles provozierte der nur 1,68 Meter große Running Back - bärenstark. Gerade in der Anfangsphase lief die Partie nur über ihn.
  • Auf der Gegenseite muss man Tight End Greg Olsen noch einmal gesondert herausheben. Ohne ihn wäre die Partie schon sehr viel früher entschieden gewiesen. Olsen war wie erwartet die erste Anspielstation von Anderson, doch im Gegenzug zum letzten Jahr (vier Catches in zwei Spielen) bekamen ihn die Bucs zu keiner Zeit in den Griff. Den 31-Jährigen hat man irgendwie selten auf dem Zettel, wenn es um die besten Tight Ends der Liga geht, aber keiner seiner Konkurrenten hat in dieser Saison mehr Yards angesammelt. Und auch all time gehört er in vielen Kategorien schon zu den Top Ten.
  • Neun Turnover in den letzten drei Spielen: Jameis Winston hatte in den vergangenen Wochen alles andere als überzeugt. Auch gegen die Panthers war er nicht fehlerlos und hatte unter anderem bei einem Fumble Glück, aber durch seine Beweglichkeit und Schnelligkeit machte er es dem Pass Rush nicht leicht und brachte die wichtigen Pässe an den Mann. Im letzten Drive kamen vier von fünf Pässen an.
  • Sind die Playoffs noch zu erreichen für Carolina? Mit einem fitten Cam Newton ist man immer noch ein extrem starkes Team. Aber die Statistik sieht mittlerweile düster aus: Seit 1990 haben nur sechs Prozent aller Teams mit einem 1-4-Record die Postseason erreicht. Ein großes Problem: Nach nur 19 Turnovern in der letzten Saison hat man jetzt bereits 14 auf dem Konto.

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