NFL: Vorschau: Pittsburgh Steelers - Kansas City Chiefs

Systemausfall: Kritisches Upgrade für Steelers

Samstag, 01.10.2016 | 16:00 Uhr
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Die Pittsburgh Steelers (2-1) empfangen nach ihrer ersten Saisonniederlage die Kansas City Chiefs (2-1) im Sunday Night Game (Montag, live ab 2.30 Uhr auf DAZN). Sie treffen zwar auf einen Gegner mit ähnlicher Ausrichtung wie in der Vorwoche, werden aber durch die Rückkehr eines Superstars ein wichtiges Upgrade erhalten. Zudem erwartet den anderen Topstar des Teams ein echter Härtetest.

Nach zwei überzeugenden Siegen zu Beginn setzte es für die Pittsburgh Steelers letzte Woche eine deftige Pleite in Philadelphia. Es war, als erlitten sie einen kompletten Systemausfall: Die Defense war mit Rookie-Quarterback Carson Wentz, dessen Screen-Pässen und dem Running Game um Wendell Smallwood überfordert. Offensiv war zwar auf Antonio Brown Verlass (12 Catches für 140 Yards), doch ansonsten gelang im Grunde gar nichts.

Gegen Kansas City wird der Gegner offensiv ähnlich auftreten, da Eagles-Head-Coach Doug Pederson nahezu das identische System aus KC mitbrachte, nachdem er immerhin drei Jahre die Rolle des Offensive Coordinators unter Andy Reid bekleidet hatte. Es könnte also durchaus sein, dass man auf Seiten der Steelers die Lehren aus der Niederlage ziehen und entsprechend Anpassungen vornehmen wird.

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Die Steelers-Offense wiederum erhält an diesem Sonntag ein signifikantes Upgrade: Running Back Le'Veon Bell ist nach abgesessener Sperre zurück und scharrt mit den Hufen.

Nun kann man nicht sagen, dass das Running Game bis jetzt ein Totalausfall war bei Pittsburgh. Vertreter DeAngelo Williams wirkte vielmehr gerade in den ersten beiden Spielen, als hätte er kürzlich in einem Jungbrunnen gebadet. Er führte die Liga in Rushing-Yards an und erzielte insgesamt drei Touchdowns (einen per Catch). Doch gegen die Eagles ging auch ihm ein wenig die Luft aus, der Gegner hatte sich auf ihn eingestellt und nachdem Philly früh in Führung gegangen war, setzte Mike Tomlin fast exklusiv aufs Passspiel - Williams lief ganze acht Mal für 21 Yards.

Mehr Explosivität durch Bell

Unterm Strich machte der selbst ernannte "alte Mann" aber einen guten Job als Vertretung für den Star. Wie Bell steht auch er für variables Spiel aus dem Backfield und weiß sowohl auf dem Boden als auch als Anspielstation zu überzeugen. Doch Bell bringt eben mehr Explosivität mit und macht alles nochmal ein Level besser.

Williams brachte es in den ersten drei Spielen auf 3,9 Yards pro Carry. Bells Werte in dieser Kategorie waren in seiner Breakout-Saison 2014 4,6 und im Vorjahr gar 4,9, was überragend ist. Noch wichtiger aber scheint Bells Rolle als eine Art doppelter Boden für Ben Roethlisberger, denn wann immer es brenzlig wird für den QB, der gegen KC nicht bedeutend weniger unter Druck geraten dürfte als gegen die Eagles, bildet Bell eine weitere zuverlässige Anspielstation neben Antonio Brown - beide fangen nahezu alles.

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Wie wichtig das ist, zeigt die Zahl der Targets in Richtung seiner Top-Running-Backs. Über 35 Spiele gingen 5,6 Pässe pro Spiel in die Richtung von Bell. Williams suchte Roethlisberger in dieser Saison exakt 21 Mal, also sieben Mal pro Spiel. Der Unterschied ist allerdings, dass Bell in seiner Karriere 77 Prozent der Zuspiele auf ihn auch fing, Williams fing in diesem Jahr nur knapp zwei Drittel. Eine klare Differenz, auch wenn drei Spiele natürlich keine allzu verlässliche Vergleichsgrundlage bilden.

Gegen KC ist es jedoch ratsam, früh den Lauf zu etablieren, denn diese Defense erlaubt bislang 123 Rushing-Yards pro Spiel und 4,2 Yards pro Run - eher schwache Werte. Zusätzlich dürfte ein erfolgreiches Laufspiel für Räume und Zeit fürs Passspiel sorgen, das gegen die Chiefs ohnehin schwierig wird. Kansas City lässt die elftwenigsten Yards zu.

Laufspiel als Schlüssel

Druck erzeugen sie, auch wenn die Sack-Zahlen noch ausbaufähig sind, allerdings dennoch, wie die acht Interceptions untermauern - von denen aber gleich sechs aufs Konto von Ryan Fitzpatrick aus der Vorwoche gehen. Das führt schließlich zu einer Turnover-Ration von Plus-5, während Pittsburgh in dieser Kategorie bei Minus-1 liegt. Dieser Umstand macht der Offense das Leben nochmal einen Tick schwerer.

Der Schlüssel könnte also darin liegen, neben Bell auch Williams in einer Rotation einzusetzen, um diese vermeintliche Schwäche in der Verteidigung des Gegners auszunutzen. Dass der Game Plan in diese Richtung tendieren könnte und auch beide gleichzeitig auf dem Platz stehen werden, ließ sich unter der Woche aus Pittsburgh deutlich vernehmen.

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Das größte Fragezeichen bezüglich Bell ist aber ohnehin sein Fitnesszustand. Nicht nur verpasste er die ersten drei Spiele der Saison, er absolvierte gar seit Anfang November 2015 aufgrund einer Knieverletzung kein Spiel mehr. Coach Mike Tomlin jedenfalls scheint das aber nicht zu stören: "Sein Fitnesslevel ist kein Grund zur Sorge für uns. Er ist jemand, der über das ganze Jahr hinweg gut trainiert hat und in Form ist. Wir haben ihn jeden Tag gesehen, er war ein Teil unseres Teams und er war hier im Trainingskomplex. Er weiß Bescheid, was wir schematisch machen. Wie gut er sportlich in Form ist, was seine Physis angeht, werden wir sehen, sobald er auf dem Trainingsplatz ist."

"Normalerweise werden wir am Sonntag sehr viel von Le'Veon Bell auf dem Platz sehen", ließ Tomlin schließlich vielsagend wissen. Was das bedeutet, lässt sich wiederum in der Statistik der letzten drei Spielzeiten ablesen: Bell hatte fast 800 Touches in seiner noch recht kurzen Karriere. Und das, obwohl er bereits 13 Spiele durch Sperren oder Verletzungen verpasst hat.

Peters vs. Brown

Darüber hinaus wird es spannend zu sehen, wie die Chiefs auf Brown reagieren werden. Dieser fängt bekanntlich alles und kann aus jedem Catch ein Big Play machen. Die naheliegende Antwort hier wäre: sie stellen Marcus Peters auf ihn ab. Der Cornerback ist vielleicht der beste Spieler seiner Defense - neben Linebacker Derrick Johnson und in Abwesenheit des verletzten Justin Houston - und führt die NFL mit vier Picks an.

Darüber hinaus wird Head Coach Reid nicht müde zu betonen, dass noch vieles verbessert werden könnte, trotz des letztlich ungefährdeten Sieges über die Jets. Und auch in diesem Lager könnte ein Rückkehrer für eine schnelle Verbesserung sorgen: Jamaal Charles steht vor seinem ersten Einsatz nach Kreuzbandriss. In den ersten drei Wochen saß der Star-Running-Back noch draußen, jetzt könnte es soweit sein.

Allerdings haben dessen Vertreter, Spencer Ware und Charcandrick West, ebenfalls einen sehr überzeugenden Job gemacht, weshalb Charles eher behutsam wieder herangeführt werden dürfte. West allerdings muss am Sonntag verletzt zuschauen. Ein wahrer Clash der zwei vielleicht besten Running Backs der Liga fällt dennoch wohl leider aus - wenngleich Charles Pittsburgh im Screen-Game, zumal Steelers-Linebacker Ryan Shazier nach wie vor angeschlagen ist, ebenfalls wehtun könnte.

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