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Thomas Davis vor dem Super Bowl

Die gute Seele der Panthers

Donnerstag, 04.02.2016 | 21:28 Uhr
Thomas Davis hat drei Kreuzbandrisse überwunden - jetzt steht er im Super Bowl
© getty
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Wenn die Carolina Panthers am Sonntagabend im Super Bowl auf die Denver Broncos treffen (Mo., ab 0.30 Uhr im LIVETICKER) kann Coach Ron Rivera wohl mit einer seiner wichtigsten Stützen planen: Linebacker Thomas Davis will trotz Armbruch spielen und ist nicht nur aufgrund seiner Erfahrung schwer zu ersetzen. Für Davis schließt sich gleichzeitig ein Kreis. Er weiß, was die Stunde geschlagen hat.

Zehn Jahre ist es her, dass Thomas Davis einem Super-Bowl-Ring derart nahe kam wie dieser Tage. In seiner ersten NFL-Saison, der damals 22-Jährige wurde noch als Safety eingesetzt, zogen die Panthers ins NFC Championship Game ein - und verloren mit 14:34 deutlich in Seattle. Damals tat er sich schwer, die Dinge richtig einzuordnen.

"Als junger Mann hast du nicht wirklich verstanden, was da vor sich ging", blickte Thomas jüngst in der New York Post zurück: "Für mich war es das erste Jahr und ich dachte einfach, dass wir schon bald wieder die nächste große Chance haben würden. Doch erst jetzt, zehn Jahre später, sind wir so weit gekommen."

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Daher wird der Routinier nicht müde, seine Mitspieler daran zu erinnern, diese große Gelegenheit auch zu nutzen: "Sie sollen das Beste aus diesem Moment machen. Du weißt nie, wann du eine solche Chance wieder bekommst." Und niemand weiß das besser als Davis, dessen Karriere schon mehrfach vor dem Ende schien - und der stattdessen ein historisches Comeback feierte.

Keine Geschenke zu Weihnachten

Schon lange vor den tragischen 23 Monaten, in denen sich der Linebacker zwischen 2009 und 2011 gleich drei Mal das Kreuzband riss, war das Leben nicht immer einfach im Davis-Haushalt. Seine Kindheit verbrachte er in dem kleinen Shellman, ein Dorf in Georgia mit knapp über 1.000 Einwohnern. "Manchmal gingen die Lichter aus und wir brauchten ein Verlängerungskabel vom Nachbarn. Oder das Wasser wurde abgestellt, weil die Rohre kaputt waren. Solche Dinge gab es immer wieder", berichtete er selbst.

An wenigstens zwei Weihnachtsfeste erinnere er sich, an welchen er kein einziges Geschenk bekam, "das habe ich damals nicht verstanden. Als Kind denkst du dann, dass du in diesem Jahr nicht brav genug warst. Du versuchst herauszufinden, was du im kommenden Jahr besser machen kannst."

Antworten fand er früh im Sport. Ob Basketball, Leichtathletik, Baseball oder natürlich Football (auf nahezu jeder erdenklichen Position): Der Sport wurde seine Welt. Thomas mauserte sich zu einem der besten High-School-Athleten des Landes, einem College-Star - und einem First-Round-Pick für die Panthers. Schnell wurde er zum Stammspieler und Leistungsträger. Bis dann das Schicksal Ende 2009 knallhart zuschlug.

Tortour im Lazarett

Drei Kreuzbandrisse in 23 Monaten. Am gleichen Knie. Noch nie war ein NFL-Spieler davon zurückgekommen, Davis schaffte es. "Ich glaube das hing unter anderem an meinem Willen, mich durchzubeißen. Als ich klein war, hatten wir viele schwere Zeiten. Das hat mich auf so etwas vorbereitet. Im College in Georgia hat uns Coach Mark Richt eingetrichtert, dass wir alles beenden sollen, was wir anfangen. Natürlich bin ich stolz, mich als erster Spieler davon erholt zu haben", sollte Davis Jahre später sagen.

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Was lange ein Geheimnis war: Selbst der große Kämpfer Davis war sich nicht sicher, wie seine Zukunft aussehen würde. Als er sich im September 2011, kurz nach seinem dritten Kreuzbandriss, mit Geschäftsführer Marty Hurney, Head Coach Ron Rivera und Team-Eigentümer Jerry Richardson traf, begleitete ihn ein Gefühl der Unsicherheit.

Doch die Reaktion seiner Bosse war überwältigend. Rivera, der das Team gerade erst übernommen hatte, sagte "ohne zu zögern, dass er weiter auf mich baut. Wenn ich es schaffe, würde er mit mir planen." Auch Hurney und Richardson sprachen Davis ihr uneingeschränktes Vertrauen aus. Sie sollten nicht enttäuscht werden.

Lehrmeister für Luuuuke

Nachdem er zwischen 2009 und 2011 lediglich neun Spiele absolviert hatte, kommt Davis seit 2012 auf 62 Spiele, in jeder Saison verzeichnete er mindestens 100 Tackles. Doch nicht nur das: Der Routinier ist ein Mentor für seine Mitspieler geworden, und niemand profitierte davon mehr, als Luke Kuechly.

Als der spätere Defensiv-Spieler des Jahres nach Carolina kam, erinnert sich der inzwischen beste Linebacker der NFL, nahm ihn Davis sofort unter seine Fittiche: "Er sagte: Hey, mein Name ist Thomas. Ich werde mich um dich kümmern. So lange du hart arbeitest, bin ich für dich da. Er war überhaupt nicht egoistisch, er gab mir sofort seine Telefonnummer und sagte ich solle mich melden, falls ich irgendetwas brauche."

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Davis sah Kuechly als den kleinen Bruder, den nie hatte. Inzwischen pushen sich beide im Training bei nahezu jeder Einheit und ergänzen sich auf dem Platz hervorragend. "Luke ist extrem talentiert, aber er liest die Spielzüge auch sehr schnell. Er verlässt sich auf das, was er gelernt und was ihm das Video-Studium verraten hat", so Rivera: "T.D. auf der anderen Seite? Er ist ein Spieler, der es fühlt. Er verlässt sich wirklich auf seinen Instinkt."

Davis, das wird jedem klar, der sich mit dem Team beschäftigt, ist die Seele der Panthers - und gleichzeitig eine Art Vaterfigur für die jungen Spieler. Niemand will den 32-Jährigen enttäuschen. Carolinas All-Time-Leading-Tackler ist in seiner nunmehr elften Saison, weshalb ihn einige Teamkollegen mit tiefstem Respekt "Opa" nennen. "So alt", betont Davis dann allerdings, "bin ich auch nicht."

"Besserer Vater als Spieler"

Und doch bringt er eine natürliche Autorität mit - auf, aber auch abseits des Platzes. "Ich würde sagen, dass ich ein besserer Vater als Football-Spieler bin", sagt Davis selbst und Kuechly berichtet. "Natürlich kann er Football spielen. Aber das Beste an ihm sind die Sachen neben dem Feld. Er hat zum Beispiel für alles ein Event: Weihnachten, Thanksgiving, Schulanfang, das Frühlings-Trainingslager. Er kümmert sich um jeden Feiertag."

Man kommt zudem nicht umher, den Einfluss, den Davis' schwierige Kindheit auf ihn hatte, auch heute noch zu bemerken. Gemeinsam mit seiner Frau Kelly hat er eine Stiftung aufgebaut, die tausenden unterprivilegierten Kindern finanziell unter die Arme greift. College-Stipendien werden vergeben - und es gibt ein Programm, das Kindern Weihnachtsgeschenke zusichert. Sein immenses Engagement brachte Davis den NFL Walter Payton Man of the Year Award ein. Er nutzte die Bühne, um an NFL-Spieler zu appellieren: Jeder kann etwas verändern.

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"Ich selbst hatte keine männliche Bezugsperson, als ich aufgewachsen bin. Das änderte sich erst mit meinen Football-Coaches in der High School. Meine Mutter und meine Großmutter haben mir und meiner kleinen Schwester alles beigebracht, was wir wissen mussten. Als NFL-Spieler hören die Kinder auf uns", weiß Davis, dessen Augen leuchten, wenn er über seine sozialen Projekte spricht. "Wir haben eine Stimme und es liegt an uns, die auch zu nutzen. Ich versuche, sie zum Positiven zu nutzen. Ich will den Kindern zeigen, dass sie mir am Herzen liegen und ich will, dass sie Erfolg haben."

An jedem Montag, außer wenn die Panthers abends spielen, verbringt er daher Zeit mit den von seiner Stiftung unterstützen Kindern. Von Quarterback Cam Newton hat Davis deshalb einen passenden Namen bekommen: Newton nennt ihn "Charlotte's Sweetheart".

"Wollen den Super Bowl"

All das sollte aber niemandem den Eindruck vermitteln, dass Thomas Davis nicht auch ein herausragender Football-Spieler ist. Nach wie vor deckt er mit seiner Explosivität und richtig dosierten Aggressivität große Teile des Feldes ab und fungiert gleichzeitig als das Gewissen seines Teams: "Es ist toll, dass wir in dieser Saison 15 Spiele gewonnen haben, das hat keiner von uns bisher geschafft. Gleichzeitig aber wollen wir unser Ziel nicht aus den Augen verlieren. Wir wollen den Super Bowl gewinnen."

Denn klar ist: Kein Panthers-Spieler kann diese Situation und die große Chance besser einschätzen als Davis, der nach dem Einzug ins NFC Championship Game in seinem ersten NFL-Jahr bis in die Vorsaison warten musste, ehe er einen weiteren Playoff-Sieg verbuchen konnte: "Das rückt die Dinge wirklich ins richtige Licht und genau das werde ich den Jungs mitgeben: Nutzt diese Chance. Du weißt nie, wann du sie vielleicht wieder bekommst." Wer Davis' Geschichte kennt, wundert sich auch mitnichten, dass der im Spiel gegen Arizona vor zwei Wochen erlittene Armbruch ihn nicht stoppen wird.

Unter der Woche trainierte er bereits wieder beeindruckend gut mit und der Linebacker lässt keinen Zweifel daran, dass er am Sonntag auflaufen wird. Er will den Panthers-Verantwortlichen den ultimativen Preis liefern und sie so für das Vertrauen belohnen, das sie vor gut vier Jahren in ihn gesteckt haben. "Wenn dir als Spieler so viel gegeben wurde, dann willst du das einfach zurückzahlen", so Davis. "Ich will Teil des Teams sein, das Mr. Richardson diese Trophäe liefert und ihm den Ring an den Finger steckt."

Der Super Bowl im Überblick

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