Sonntag, 17.01.2016

Playoff-Vorschau: Divisional Round

Schwergewichts-Kampf und QB-Rätsel

Das Divisional-Weekend geht weiter! Nach dem irren Drama in Arizona und dem spektakulären Comeback von Julian Edelman greifen jetzt die Carolina Panthers ins Geschehen ein. Mit den Seattle Seahawks wartet ein mächtiger Brocken auf die fast perfekten Panthers. Den Abschluss gibt es in Mile High: Die Denver Broncos empfangen Pittsburgh - und die Steelers müssen ohne den verletzten Antonio Brown ran (jetzt im SPOX LIVETICKER!

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No. 1 Carolina Panthers (15-1) - No. 6 Seattle Seahawks (10-6) (So., 19.05 Uhr)

Der Weg in die Playoffs:

Carolina: Eigentlich hätte es aus Sicht der Panthers kaum schlechter beginnen können. Noch vor dem ersten Saisonspiel riss sich Top-Receiver Kelvin Benjamin das Kreuzband und eine ohnehin vermeintlich anfällige Offense verlor ihre größte Waffe. Doch Cam Newton und Co. sollten alle Kritiker Lügen strafen: Die Panthers verzeichneten ligaweit die meisten Punkte pro Spiel (31,2) und entschieden, auf dem Rücken eines starken Running Games und ihres vielseitigen Quarterbacks, selbst Shootouts für sich.

Ergänzend dazu dominierte die Defense über weite Strecken. Carolinas aggressive Front Seven, gepaart mit einer sensationellen Saison von Cornerback Josh Norman, ließ gegnerische Offenses verzweifeln. So standen die Panthers kurz vor der perfekten Saison - nur um in Week 16 gegen ein auf dem Papier hoffnungslos unterlegenes Falcons-Team zu verlieren. In Week 17 gab es dann zum Abschluss einen dominanten 38:10-Heimsieg über Tampa Bay, der Carolina den NFC-Top-Seed sicherte.

Seattle: Seattle startete ebenfalls holprig in die Saison, wenn auch aus ganz anderen Gründen. Die Seahawks verloren vier ihrer ersten sechs Spiele, die Defense gab mehrere Führungen im Schlussviertel noch her und die O-Line wackelte bedenklich. Arizona zog in der Division davon, doch die Bye Week sollte einen Wendepunkt markieren. Die O-Line wurde stabiler, Russell Wilson wurde sicherer aus der Pocket.

Die neue Offense der Seahawks unter der Lupe: "Come on, Russ - Take Over!"

Das Resultat: Das Passing Game explodierte förmlich. Zudem glänzte Thomas Rawls in seiner Rolle als Lynch-Backup und zauberte einige herausragende Leistungen aufs Parkett. Den Schlussspurt mussten die Hawks dann auch noch ohne den ebenfalls verletzten Rawls sowie ohne Neuzugang Jimmy Graham (Patellasehne) bestreiten, aber mit starker Defense und einem noch stärkeren Wilson zog Seattle in die Playoffs ein. Da sah es erst nach einem Wildcard-Aus in Minnesota aus - ehe ein katastrophales Field Goal die Hawks im Rennen hielt.

Die aktuelle Situation:

Carolina: In der Secondary drückt beim souveränen NFC-South-Champion ein wenig der Schuh. Die Panthers haben im Schlussspurt der Regular Season die Cornerbacks Charles Tillman und Bene Benwikere verletzungsbedingt verloren, so dass, abgesehen von Norman, die wirklich verlässlichen Cover-Cornerbacks fehlen.

Offensiv hatte Rookie-Receiver Devin Funchess einige gute Spiele in der zweiten Saisonhälfte und soll neben Speedster (und Drop-König) Ted Ginn Jr. das Receiving-Corps anführen. Ginn war unter der Woche leicht angeschlagen, kann aber spielen. Er ist wichtig, damit die Hawks die ganze Länge des Feldes verteidigen und lange Pässe fürchten müssen. Davon abgesehen läuft das Passspiel allerdings primär über Tight End Greg Olsen. Im Running Game derweil ist Jonathan Stewart der große X-Faktor: Stewart verpasste die letzten drei Spiele der Regular Season aufgrund einer Fußverletzung, soll jetzt aber wieder bei 100 Prozent sein.

Die Rams-Rückkehr ist perfekt: Richtige Entscheidung oder Milliarden-Risiko?

"Ich stehe dem Team voll zur Verfügung", erklärte er selbst gegenüber dem Charlotte Observer. "Was auch immer nötig sein wird, um dieses Spiel zu gewinnen: Ich werde meine Aufgabe erfüllen." Stewarts Rückkehr sollte auch die Read Option über Newton, ein wichtiger Bestandteil der Offense, wieder gefährlicher machen und an Selbstvertrauen mangelt es nach der Bye Week ebenfalls nicht. "Wir sind das bessere Team. Wir müssen da raus gehen, selbstbewusst auftreten und dürfen keine Angst vor dem Druck haben", forderte Safety Roman Harper.

Seattle: Aus dem Spiel bei den Vikings irgendwelche Schlüsse zu ziehen ist schwierig: Die Seahawks konnten ihr Passspiel bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt nie ins Rollen bringen, im Running Game fehlte die Konstanz. Beides sollte in Charlotte besser funktionieren: Die Passing Offense um Wilson funktioniert mit vielen sicheren, schnellen Pässen, gepaart mit den langen Shots - mitunter gar nicht allzu weit weg von dem, was die Panthers hier machen.

Im Running Game sollte endlich Marshawn Lynch zurückkehren. Lynchs Comeback nach wochenlanger Verletzungspause war eigentlich schon für das Minnesota-Spiel fest eingeplant, kurzfristig musste er aber doch passen. Beast Mode trat nicht einmal die Reise mit dem Team an. Gegenüber ESPN stellte jetzt Lynch selbst am Donnerstagabend klar: "Ich bin bereit."

Defensiv gibt es ohnehin kaum Zweifel an Seattle. Als erstes Team in der Super-Bowl-Ära ließen die Hawks in vier aufeinanderfolgenden Jahren die wenigsten Punkte zu. Und nach wie vor gilt: Defense wins Championships! Von den letzten zehn Duellen zwischen der Top-Scoring-Offense und der Defense, die die wenigsten Punkte zulässt, hat das Team mit der besten Defense sieben gewonnen.

© Spox

Players to Watch:

Carolina: Greg Olsen. Natürlich wird es extrem spannend zu sehen, wie Cam Newton mit Seattles wiedererstarkter Defense klar kommt. Seine wichtigste Waffe dafür aber ist sein Tight End. Als die Panthers in Week 6 bei den Seahawks mit 27:23 gewannen, machte Olsen mit sieben Catches für 131 Yards und einem Touchdown den Unterschied aus.

Die Seam-Route (der Receiver bewegt sich zwischen zwei Coverage-Zonen) bereitete Seattles Cover 3 in dieser Saison mehrfach Probleme, auch beim direkten Duell dieser beider Teams. Olsen ist hierfür prädestiniert. Davon abgesehen muss Stewart gegen Seattles athletische Front Seven Yards rausholen, wo wenige Yards zu holen sind. Dann kann Newton zu Bestform auflaufen.

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Seattle: Tyler Lockett. Doug Baldwin wird es mutmaßlich mit Josh Norman zu tun bekommen, auch wenn abzuwarten bleibt, wie die Panthers Baldwin aus dem Slot heraus behandeln. Kommt es aber zu dem direkten Duell, wird es wichtig sein, dass Lockett den Panthers-Backup-Cornerback, egal mit welchem er es letztlich auch zu tun bekommt, schlägt. Das würde Carolina dazu zwingen, die Coverages anzupassen und zumindest einige Wege im Running Game für die Hawks öffnen.

Darauf kommt es an: Welche Front Seven kann dieses Spiel dominieren? Beide Teams sind hier herausragend gut besetzt, beide Teams können einen gegnerischen Offensivplan mit ihrer Front komplett zerstören. Das wird umso wichtiger, da sowohl Wilson, als auch Newton als Runner eine ernsthafte Bedrohung sein können.

Die Seahawks sind an der D-Line stärker, die Panthers im Linebacker-Corps. Wer den Quarterback besser in der Pocket und das gegnerische Running Game in Schach hält, erhöht seine Siegchancen enorm.

Prognose: Es wird ein absoluter Schwergewichtskampf zweier Teams, die in den vergangenen eineinhalb Jahren ungewöhnlich oft die Klingen gekreuzt haben. Die Seahawks werden im Passing Game wieder deutlich besser aussehen, eine Rückkehr von Leader Marshawn Lynch würde der Offense einen zusätzlichen Boost geben. Die Panthers aber haben defensiv die richtigen Antworten parat und Stewarts Rückkehr hilft umgekehrt ebenfalls enorm. So gewinnt am Ende das Heimteam ein packendes Duell mit einem späten Field Goal. 26:24 Panthers.

Seite 1: Carolina Panthers vs. Seattle Seahawks

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Adrian Franke

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Adrian Franke(Redaktion)

Adrian Franke, Jahrgang 1989, ist seit 2013 bei SPOX.com tätig. Nach dem Abitur 2007 in Mannheim sammelte er erste Praxiserfahrungen im Printjournalismus. Anschließend war er 2010 bereits für einige Monate als Praktikant bei SPOX und kehrte 2013 parallel zu seinem Geschichts- und Anglistikstudium in Heidelberg zurück. Seit Herbst 2015 ist sein Kernressort die NFL.

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