Dienstag, 01.12.2015

Tuesday Hangover, Week 12

Selbstzerstörung, wohin man schaut

Eigens verursachte Probleme waren das Thema in Week 12. Da wären die San Francisco 49ers, die gegen Arizona um den Touchdown betteln und von Interceptions wenig halten, die Pittsburgh Steelers, die beim Fake-Versuch eine Seite aus dem Colts-Playbook klauen, oder die Browns und die Ravens, die - das würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Nick Foles sammelt derweil wenige Argumente für sich und der Methusalem der Liga siegt weiter. Den Überblick behält der Hangover.

San Franciscos Coach Jim Tomsula hatte im Spiel gegen Arizona wenig Spaß mit den Refs
© getty
San Franciscos Coach Jim Tomsula hatte im Spiel gegen Arizona wenig Spaß mit den Refs

Der Catch der Woche: Odell Beckham Jr. Also langsam wird's ja langweilig. Klar, Odell Beckham Jr. kann den Ball fangen - im Stehen, im Laufen, rückwärts in der Luft gebogen und offenbar auch im Hechtsprung und mit einer Hand in die Endzone segelnd. Und weil der Wide Receiver der New York Giants Linkshänder ist, kann man nicht mal in der ursprünglichen Bedeutung der Floskel sagen, er hätte den Ball "mit links" gefangen...

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Aber Spaß beiseite. OBJ ist ein unglaublicher Freak und scheinbar gibt es für ihn nichts Leichteres, als solche Wahnsinns-Plays in Reihe hinzulegen. Weiß der Mann eigentlich, dass man einen Football auch ganz normal mit zwei Händen fangen kann und das auch keine Punktabzüge gibt?! Aber eigentlich muss er das auch nicht, worauf sollten wir sonst am Montagmorgen verdutzt und mit offenem Mund starren?

Der Flop der Woche: Der Onside Kick in Richtung Zuschauerränge. Wenn es eng wird am Ende braucht es schon mal einen Onside Kick, um sich den Ball schnell zurück zu holen. Die Miami Dolphins waren ob des klaren Rückstands bei den New York Jets voll im Verzweiflungsmodus und versuchten folglich genau das - einen Onside Kick in Form eines Pooch-Kicks, der genau hinter dem aufgerückten Hands-Team landen und für Konfusion beim Gegner sorgen soll.

Zumindest muss irgendetwas in der Art der Plan der Dolphins gewesen sein. Doch die Ausführung gelang...naja, nicht so ganz. Rookie-Kicker Andrew Franks traf den Ball so schlecht, dass das Leder nicht nur über alle Gegenspieler segelte, sondern auch noch deutlich im Seitenaus landete. Immerhin sorgte er damit beim neutralen Publikum für den einen oder anderen Lacher, seinem Team geholfen hat die Nummer aber eher nicht.

Die Selbstzerstörung der Woche: San Franciscos Red-Zone-Desaster. Diese Sequenz war doch recht zäh. Zum Start des dritten Viertels brauchten die Arizona Cardinals beim Gastspiel bei den San Francisco 49ers nicht lange, um tief in die Red Zone einzudringen. Was dann aber passierte, war äußerst kurios.

Bei First and Goal von der 3-Yard-Line versuchte Carson Palmer einen Pass zu Larry Fitzgerald, der nicht ankam. Aber es flog eine Flagge für Defensive Pass Interference durch Jimmie Ward. First and Goal von der 1 also. Zwei Spielzüge später: Palmers Pass zu Brown ist incomplete, doch es fliegt eine Flagge - Illegal Use of Hands, Hands to the Face durch Trumaine Brock - First and Goal an der 2! Drei Spielzüge später dann: Incompletion zu Fitzgerald, aber: Pass interference gegen Michael Wilhoite! First and Goal an der 1!

Dann war es aber mal gut mit all dem Quatsch, oder? Mitnichten! Drei Snaps später: Pass Interference gegen die Defense in der Endzone - Eric Reid gegen Fitz - First and Goal an der 1! Falls wer nicht mehr mitbekommt, das war das dritte First Down innerhalb der 2-Yard-Line in dieser Zeit! Es folgte, weil's so schön war, der nächste unvollständige Pass von Palmer in die Endzone und die nächste Flagge: Wer hatte noch nicht? Richtig, Gerald Hodges gegen Jermaine Gresham - DPI! First and Goal an der - ihr werdet es euch inzwischen denken können - 1!

Zwei Spielzüge später passierte schließlich doch noch das Unfassbare: David Johnson lief mit Ball und ohne Flaggen in die Endzone zum Touchdown! Der erste im Spiel übrigens. Und wir lehnen uns nicht zu weit aus dem Fenster, mit der These: Damit hatte kaum noch jemand gerechnet...

Kurz vor dem Karriereende steht...Nick Foles. Aufgrund der Gehirnerschütterung von Case Keenum stand am Sonntag doch wieder Nick Foles als Quarterback der St. Louis Rams auf dem Platz. Und er nutzte seine Chance - um zu zeigen, warum ihn Coach Jeff Fisher überhaupt erst auf die Bank gesetzt hatte.

Nach solidem Start ohne größere Fehler ging es mit fortlaufender Spieldauer so langsam den Bach runter für den Ex-Eagles-Quarterback, der vor nur zwei Jahren noch (statistisch betrachtet) eine MVP-würdige Saison abgeliefert hatte. Gegen Cincinnati hingegen leistete er sich gleich drei Interceptions: Die erste kann passieren. Der Ball war abgefälscht und Reggie Nelson pflückte das Leder via Tip-Drill aus der Luft. Kein Ding. Aber die anderen beiden, die waren einfach nur schlimm! Sowohl Leon Hall, als auch George Iloka mussten nicht viel tun, um die Bälle abzufangen - sie gingen ja im Grunde genau in ihre jeweiligen Richtungen.

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Da hilft es auch nicht, dass Foles nach dem Spiel ankündigte: "Ich werde nicht aufgeben. Ich werde weiter arbeiten." Nach dieser Glanzvorstellung darf vielmehr auch wirklich ganz offen diskutiert werden, wer denn im nächsten Jahr die Pässe für die Rams werfen wird. Es wird aber wohl jemand sein, der aktuell noch nicht der Organisation angehört.

Der weise alte Mann der Woche: Matt Hasselbeck. Weg von schlechtem Quarterback-Play, hin zu etwas Historischem: Matthew Hasselbeck, der mit seinen 40 Lenzen ja nun schon für sich selbst betrachtet recht historisch daher kommt, hat das Kunststück vollbracht, als erster Quarterback in seinem nun schon fast biblischen Alter seine ersten vier Spiele nach dem 40. Geburtstag zu gewinnen.

Das gelang Hasselbeck komplett ohne Gehhilfe (und, um im Thema zu bleiben - auch ohne die Hilfe eines Running Games)! Wir sind total begeistert und gespannt, was passiert, wenn Andrew Luck seine Verletzungspause überstanden hat. Wer spielt dann eigentlich, Mr. Pagano?

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Adrian Franke / Marcus Blumberg

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Adrian Franke(Redaktion)

Adrian Franke, Jahrgang 1989, ist seit 2013 bei SPOX.com tätig. Nach dem Abitur 2007 in Mannheim sammelte er erste Praxiserfahrungen im Printjournalismus. Anschließend war er 2010 bereits für einige Monate als Praktikant bei SPOX und kehrte 2013 parallel zu seinem Geschichts- und Anglistikstudium in Heidelberg zurück. Seit Herbst 2015 ist sein Kernressort die NFL.

Marcus Blumberg(Redaktion)

Marcus Blumberg, Jahrgang 1984, ist seit 2014 für SPOX.com tätig. Geboren und aufgewachsen im Herzen Niedersachsens studierte er Germanistik und Philosophie in Göttingen. Schon währenddessen war er für Baseballinsider und AmericanFootballinsider tätig. Nach einem Praktikum bei SPOX Anfang 2012 kehrte er zurück und ist vor allem in den Bereichen Sportal, Live und US-Sport tätig.

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