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Die NFL-Regeln erklärt

Was steckt hinter den bunten Flaggen?

Mittwoch, 21.10.2015 | 16:10 Uhr
Die Unparteiischen in der NFL müssen während eines Spiels eine Vielzahl an Dingen beachten
© getty
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Pre-Snap-Strafen: Noch bevor sich ein Spielzug überhaupt entwickelt, gibt es bereits einiges, das beide Teams falsch machen können. Meist zum großen Unverständnis ihrer Coaches, wie Raiders-Coach Jack Del Rio jüngst erklärte: "Die Pre-Snap-Strafen sind die, bei denen ich nur sehr wenig Geduld habe. Das sollten wir als Team nicht tolerieren. Diese Strafen müssen so weit es geht eliminiert werden."

Starten wir bei der Offense: Vor jedem Snap muss die Offense mindestens sieben Spieler an der Line of Scrimmage (nicht zwangsläufig alle in Ballnähe) aufgestellt haben. Jeder Spieler (abgesehen von dem Spieler, der den Snap entgegennimmt), der nicht an der Line of Scrimmage steht, muss sich mindestens ein Yard dahinter aufreihen.

Kein Offensivspieler darf darüber hinaus, nachdem er seine vermeintliche Position eingenommen hat, eine plötzliche Bewegung machen und so den Eindruck erwecken, als hätte der Spielzug begonnen. Das wäre ein "False Start". Generell muss jeder der elf Offense-Akteure direkt vor dem Snap für wenigstens eine Sekunde komplett ruhig stehen - abgesehen von einem Spieler, der sich parallel zur Line of Scrimmage oder rückwärts (aber nicht vorwärts) bewegen darf.

Verstößt er dagegen und bewegt sich auf die Line of Scrimmage zu, ohne nochmals stehen zu bleiben, haben wir eine "Illegal Motion". Bewegen sich mehrere Spieler gleichzeitig und kommen vor dem Snap nicht nochmals komplett zum Stillstand, spricht man von einem "Illegal Shift". Das resultiert in einer 5-Yard-Strafe sowie einer Wiederholung des Downs. Spieler vor dem Snap zu bewegen kann die Defense aus dem Konzept bringen, gerade wenn sie Manndeckung spielt und ein Receiver plötzlich auf der anderen Seite der Offensive Line steht.

Offside, Encroachment, Neutral Zone Infraction: Doch auch die Defense kann vor dem Snap schon Fehler machen, die kostspielig enden können. Primär reden wir dabei von drei Dingen: Offside, Encroachment und Neutral Zone Infraction. Alle drei meinen ähnliche Dinge, haben aber feine Unterschiede.

Der Reihe nach. Offside wird gepfiffen, wenn ein Verteidiger die Line of Scrimmage bereits überschritten hat, wenn der Snap erfolgt. Encroachment bedeutet, dass ein Verteidiger einen Spieler der Offense vor dem Snap berührt. Neutral Zone Infraction schließlich wird dann geahndet, wenn ein Defense-Spieler die Line of Scrimmage vor dem Snap überschreitet und damit den False Start eines Offense-Spielers provoziert.

Das Cap-System der NFL: Money Talks

Während Verstöße dagegen lediglich mit einer 5-Yard-Strafe belegt sind, können die Folgen deutlich weitreichender für die Defense sein: Gelingt es dem Quarterback, mit einem Hard Count (vereinfacht gesagt: der Versuch des Quarterbacks, den Snap primär mit Worten anzutäuschen) eine Offside-Strafe zu provozieren und dann sofort den Ball zu bekommen, hat er ein sogenanntes "Free Play".

Dabei kann er einen weiten Pass ohne Risiko werfen, da die Offense im Falle einer Interception schlicht die 5-Yard-Strafe akzeptiert und so trotzdem in Ballbesitz bleibt. Green Bays Quarterback Aaron Rodgers ist ein Meister in dieser Disziplin. Ebenfalls aufmerksam muss die Defense, genau wie die Offense, bei möglichen Auswechslungen zwischen zwei Plays sein: Zwölf Spieler auf dem Platz beziehungsweise im Huddle sind, wenig überraschend, verboten und können auch nach einem eigentlich abgeschlossenen Spielzug noch geahndet werden.

(In)Eligible Receiver: Gehen wir aber davon aus, dass vor dem Snap alles korrekt abgelaufen ist und ein legaler Spielzug beginnt: In den wenigen Sekunden, die ein Play dauert, lauern erneut überall Regelverstöße. Ein erstes Beispiel beginnt technisch gesehen schon vor dem Snap: Die Frage nach einem Eligible (also "berechtigten") Receiver, oder anders ausgedrückt: Welcher Spieler darf einen nach vorne geworfenen Pass fangen?

Ein solcher Passfänger muss kein Wide Receiver, Tight End oder Running Back sein: Die Offense kann auch etwa einen zusätzlichen Offensive Lineman als Eligible anmelden - muss das aber vorher den Schiedsrichtern mitteilen, die das dann per Mikrofon ankündigen. Wird der Ball dann nach vorne geworfen, so dürfen nur Eligible Receiver den Pass fangen. Andernfalls liegt ein "Illegal Touching"-Foul vor. Die Spieler, die nicht als Receiver angemeldet sind, dürfen bei einem Pass nach vorne außerdem auch nicht die Neutral Zone überschreiten, ehe der Wurf erfolgt. Ein Verstoß dagegen bedeutet ein "Ineligible Receiver Downfield"-Foul.

Holding und Pass Interference: Bei einem Passspielzug gibt es primär zwei Strafen, die man während einer NFL-Übertragung mit am häufigsten von den Schiedsrichtern vernimmt: Holding und Pass Interference. Beide Fouls können sowohl von der Offense, als auch von der Defense begangen werden. Offensiv betrifft es in aller Regel die Offensive Line, entweder im Run Blocking oder in Pass Protection. Dabei geht es darum, wie man seinen Gegenspieler blockt und so versucht, ihn zu stoppen.

Hält man ihn, wie der Name des Vergehens bereits vermuten lässt, fest, anstatt ihn wegzuschieben, resultiert das in einer 10-Yard-Strafe und einer Wiederholung des Downs. Defensiv wird dann ein "Holding"-Foul gepfiffen, wenn ein Verteidiger einen Offensivspieler, der nicht in Ballbesitz ist, festhält - allerdings gibt es hierbei eine leichte Einschränkung: Solange sich der Offensivspieler nicht weiter als fünf Yards von der Line of Scrimmage entfernt hat, dürfen Verteidiger ihre Hände nutzen, um den Gegner zumindest aus dem Rhythmus zu bringen. Festhalten dürfen sie ihn aber auch hier nicht.

NFL-Offenses unter der Lupe: In der Vielfalt liegt die Kraft

Zu sehen ist diese Art des Verteidigens vor allem bei aggressiven Secondaries, wie etwa die der Seattle Seahawks, die physisch spielen und das Timing einer Offense früh stören will. Sobald diese 5-Yard-Zone aber verlassen wird, gilt besondere Vorsicht: Hindert ein Verteidiger einen Receiver nach dem Wurf daran, den Ball zu fangen, ehe der ihn erreicht, gibt es eine "Pass-Interference"-Strafe. Es ist eine der vielen Regeln, die das Passspiel bevorteilen, denn Teams können so durchaus weite Pässe auf schnelle Receiver versuchen - und darauf spekulieren, dass dem Verteidiger ein Fehler unterläuft.

Die harte Konsequenz in dem Fall: Der nächste Spielzug beginnt an dem Punkt, wo das Foul begangen wurde - das können also auch 30 oder 40 Yards sein. Auch die Offense kann unter Anwendung der Regel eine Pass-Interference-Strafe kassieren - mit dem Unterschied, dass das Foul hier bereits vor dem Wurf selbst erfolgen kann, etwa wenn der Offensivspieler seinen Gegenüber aus dem Weg schubst, um sich Freiraum zu verschaffen. Die aktuell wohl größte Regeldebatte betrifft aber den Moment danach und die Frage: Was ist eigentlich ein Catch?

In der Theorie sprechen wir von einem Catch, wenn ein Receiver den Ball fängt, beide Füße (oder ein Knie/einen Ellbogen) innerhalb des Spielfeldes auf den Boden bekommt und dabei nie die Kontrolle über den Ball verliert. Spannend wird es aber, wenn der Receiver den Ball doch fallen lässt oder die Kontrolle verliert. Dann müssen die Offiziellen nach ihrem Ermessen beurteilen, ob er den Ball lange genug in der Hand hatte, um vom Pass-Fänger zum Ballträger zu werden. Genau diese Ermessensfrage sorgt auch in dieser Saison, zuletzt bei Golden Tates Touchdown für die Detroit Lions gegen die Chicago Bears, für viel Unklarheit. Eine klare Definition, die alle Eventualitäten abdeckt, ist schwer zu finden.

Und der Quarterback? Der Quarterback selbst kann ebenfalls im Zentrum eines Fouls stehen, positiv, wie negativ. Gerät er etwa kurz nach dem Snap unter starken Druck, und wirft den Ball noch innerhalb der Pocket (also der Raum, denn ihm die O-Line freiblockt) auf den Boden, kann das geahndet werden - sofern kein Eligible Receiver in der Nähe war ("Intentional Grounding"). Man merkt schon: Hier ist durchaus Interpretationsspielraum vorhanden.

Umgekehrt muss die Defense aber beim Pass-Rush stets aufpassen und darf nicht blindlings auf den Quarterback zustürmen. Hat der nämlich seinen Pass abgefeuert und ein Verteidiger läuft dennoch mit vollem Tempo (ein Schritt in Richtung QB nach dem Pass ist erlaubt) in ihn hinein, gibt es eine "Roughing-the-Passer"-Strafe. Bedeutet 15 Yards und ein First Down für die Offense, den New York Giants unterlief zum Abschluss von Week 6 genau dieser eigentlich unverzeihliche Fehler im Spiel gegen die Philadelphia Eagles.

Unter dem gleichen Sonderschutz steht im Übrigen auch der Kicker beim Field Goal oder Punt. Läuft dabei ein Verteidiger in das Standbein des Kickers, nachdem der Ball weg ist und ohne diesen zu berühren, gibt es ebenfalls eine 15-Yard-Strafe inklusive eines neuen First Downs ("Roughing the Kicker"). Läuft er "nur" in das andere Bein, gibt es eine 5-Yard-Strafe und das Fourth Down wird erneut ausgespielt ("Running into the Kicker").

Eine ebenfalls unnötige, gleichsam aber auch häufige, Strafe ist das "Personal Foul", ebenfalls mit 15 Yards geahndet. Dieses kann die Offense genau wie die Defense betreffen und umfasst jede Art von unnötiger oder übertriebener Härte, zum Beispiel: Ein Spieler ist bereits über die Seitenauslinie gelaufen und wird noch getackelt, oder ein Spieler wird an seinem Helmgitter ("Facemask") festgehalten. Auch unsportliches Verhalten wie das Provozieren eines Gegenspielers oder ein ausufernder Jubel zählen hier dazu. Unsportliches Verhalten kann auch gegen einen Spieler (oder Trainer) gepfiffen werden, der an der Seitenlinie steht.

Seite 1: Die Basics eines NFL-Spiels sowie das Mysterium "Zeit"

Seite 2: Vor dem Snap und im Play - wer kann was wann falsch machen?

Week 7 im Überblick

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