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In der Vielfalt liegt die Kraft

Mittwoch, 14.10.2015 | 18:57 Uhr
Manning, hier auf dem Weg in die "Shotgun", war in den vergangenen Jahren das Maß aller Dinge
© getty
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Das Running Game: Inside, Outside, Zone und Man

Doch so hoch man die Quarterback-Position auch bewerten will: Jeder QB wird besser, wenn er ein gutes Running Game hat. Als Musterbeispiel wird für diese Theorie gerne John Elway genannt, der in den 80ern und 90ern einer der besten Quarterbacks der NFL war, seine beiden Super-Bowl-Titel aber erst gewann, als ihm rund um Terrell Davis ein starkes Running Game zur Seite gestellt wurde. Noch heute sind sich Dolphins-Fans sicher, dass Elway-Konkurrent Dan Marino ein Titel verwehrt wurde, weil ihm eben jenes Running Game als Komplementärstück fehlte.

Zugegeben, die Zeiten von Legenden wie Jim Brown, Walter Payton, Eric Dickerson oder Barry Sanders, in denen das Running Game der unangefochtene Fokus einer NFL-Offense war, sind zweifellos vorbei. Und doch benötigt eine jede Offense aus verschiedensten Gründen nach wie vor ein wenigstens solides Running Game.

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Zum einen zwingt es Defenses, den Running Back zu beachten und erlaubt es so nicht, alle Kräfte auf die Pass-Defense zu richten. Nur mit dem Run Game kann man außerdem verlässlich und kontinuierlich die Zeit runterlaufen lassen, will man eine eigene Führung über die Zeit bringen: Jede Incompletion, also ein Pass, der nicht von einem Mitspieler gefangen wird, stoppt schließlich die Uhr.

Auch um die gegnerische Defense müde zu machen (während sich die eigene erholt), gibt es wenig bessere Wege, als ein gutes Laufspiel aufzuziehen. Die Dallas Cowboys waren im Vorjahr das Paradebeispiel hierfür. Darüber hinaus ermöglicht nur ein konstantes Running Game vergleichsweise einfache Pässe über "Play-Action-Spielzüge". Dazu aber später mehr.

Man oder Zone?

Doch was macht, neben einer guten Offensive Line, ein starkes Running Game aus? Worauf gilt es zu achten?

Bleiben wir zunächst einmal noch kurz bei der O-Line, dem elementaren Rückgrat einer guten Running Offense. Es gibt hier prinzipiell zwei verschiedene Herangehensweisen, was das Freiblocken für den Running Back angeht: Das "Man-Blocking-Scheme" und das "Zone-Blocking-Scheme".

Wie die beiden Namen vermuten lassen, geht es darum, woran sich die Offensive-Linemen orientieren, wenn der Snap erfolgt ist und sie blocken sollen. Das Man-Blocking-Scheme bedeutet schlicht und ergreifend, dass jeder Blocker einen direkten Gegenspieler hat. Die Offense orientiert sich dabei an einem bestimmten Gegenspieler (meist der Middle Linebacker, auch "Mike Linebacker" genannt). Ausgehend davon hat in jedem Spielzug jeder Blocker einen konkreten Gegenspieler, den er aus dem Weg zu räumen hat. Auch kurzfristige Änderungen und unerwartete Positionswechsel der Defense nach dem Snap sind dabei berücksichtigt.

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Im Zone-Blocking-Scheme ist es der Offensive Line zunächst egal, welcher Verteidiger sich wo aufstellt. Stattdessen bekommt jeder Blocker eine bestimmte Zone zugewiesen, die er freiräumen muss. Meist bewegt sich die Line hierbei nach dem Snap diagonal: Im Idealfall erwischt ein O-Line-Man einen Gegenspieler dabei von der Seite, hat also rein physikalisch gesehen schon einen Vorteil. Head Coach Gary Kubiak hat diese Art des Blockings über Jahre in Houston perfektioniert und im Vorjahr mit Erfolg nach Baltimore gebracht. Doch dieses System zu erlernen ist nicht einfach, was aktuell bei den Denver Broncos zu sehen ist.

Chip Kellys Rückgrat

Am ehesten veranschaulichen kann man das Zone-Blocking anhand von Eagles-Coach Chip Kelly. Der prägte zu seiner Zeit als College-Coach in Oregon einst den Satz: "Wir waren in der Vorsaison landesweit das zweitbeste Rushing-Team mit 6,2 Yards pro Laufversuch - und wir haben vier Running Plays: Inside Zone, Outside Zone, Counter und Draw." Werfen wir einen Blick darauf.

Das "Inside Zone-Game" ist an sich leicht erklärt: Der Running Back visiert eine Lücke zwischen zwei Blockern an und läuft durch diese relativ gerade durch. Kelly lässt hier gerne aus einer sogenannten "Unbalanced Formation" heraus spielen, wie im Schaubild zu sehen, sprich mit mehr O-Line-Men auf einer Seite des Centers als auf der anderen.

In dem Fall blockt also die Line geschlossen nach rechts, während der Tight End (das kann auch ein Running Back, Fullback, oder Wide Receiver sein) direkt nach dem Snap die linke Seite absichert, sodass kein Pass-Rusher den Ballträger von der ansonsten ungeblockten Seite hinter der Line stoppt. Bei der Defense kann ein solcher Spielzug, vor allem wenn die Offense schnell agiert, für Verwirrung sorgen.

Etwas anders sieht das "Outside-Zone-Game" aus:

Ein Beispiel wäre das sogenanntes "Pin and Pull"-Scheme: Während ein Großteil der Line (etwa der Left Tackle, der Right Guard und der Right Tackle) nach vorne blocken ("Pin") ziehen zwei Mann direkt nach dem Snap zur Seite ("Pull"). Sie lassen also eine Lücke, schaffen dafür an anderer Stelle aber Überzahl. Diese Art des Blockens muss perfekt einstudiert sein, andernfalls funktioniert sie nicht. Klappt aber alles, läuft der Running Back mit zwei O-Linern vor sich auf Linebacker oder Defensive Backs zu - und sorgt für viel Raumgewinn.

Dass ein gutes Scheme aber nicht alles ist, muss Chip Kelly bislang in der laufenden Saison feststellen. Nachdem Philadelphia im ersten Jahr unter ihm ein herausragendes Running Game aufzog (5,1 Yards pro Run, 160,4 pro Spiel) und auch in der Vorsaison hier gut abschnitt (4,2/124,5), stehen die Eagles aktuell bei 3,8 Yards pro Versuch und 93,2 pro Spiel. Der einfache Grund: Keine Offensive Line ist im Run Blocking schwächer - und Kelly dürfte sich inzwischen ärgern, etwa Guard Evan Mathis im Sommer abgegeben zu haben.

Trap und Counter

Abschließend stehen noch zwei Begriffe im Raum, die einem im Zusammenhang mit dem Running Game früher oder später begegnen - "Trap" und "Counter". Ein Counter-Spielzug ist in der Theorie nicht schwer zu erklären: Der Running Back täuscht nach dem Snap zunächst einen Lauf in eine Richtung an, nur um dann schnell die Richtung zu ändern. Fällt die Defense darauf herein, können sich so große Löcher ergeben. Liest sie den Spielzug aber richtig, resultiert er häufig in einem Raumverlust.

Die Bezeichnung "Trap" bezieht sich wiederrum aufs Blocken. Ein Beispiel: Ein Verteidiger steht auf der linken Seite des Centers, wird aber letztlich (bewusst) von einem Spieler, der auf der rechten Seite des Centers steht, geblockt - so wie es der Tight End im Inside-Zone-Schaubild tut.

(Beim Draw-Play, um Kellys Quartettt komplett zu machen, geht es darum, die Defense zu täuschen: Alles deutet auf einen Passspielzug hin und wenn die Pass-Rusher die Pocket von außen angreifen, wird der Ball an den Back übergeben, der dann meist durch die Mitte läuft.)

Seite 1: Der Quarterback - der Chef in jeder Formation

Seite 2: Das Running Game: Inside, Outside, Zone und Man

Seite 3: Das Passing Game: Screens, Play Action und No Huddle

Seite 4: Offensive Philosophien: Ein Blick auf die Grundlagen

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