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Magic Mariota und Manning-Misere

Rookie Marcus Mariota hatte ein historisches NFL-Debüt
© getty
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Flop der Woche: Andrew Luck. Was wurde über die Colts-Offense nicht alles geschrieben. Es sollte, beflügelt durch die Neuzugänge Andre Johnson und Frank Gore, die womöglich beste Offensive aller Zeiten werden. Gegen eine gnadenlose Bills-Defense landete Indy erst mal wieder auf dem Boden der Tatsachen. Luck leistete sich zwei Picks und steht hier stellvertretend für eine enttäuschende, schlecht ausbalancierte Offense - Gore führte die Running Backs mit acht Versuchen für 31 Yards an.

Luck war nicht in der Lage, sein Team im Spiel zu halten - was den Kritikern, die ihn noch nicht im Elite-Status sehen, neue Nahrung gab. Seine beiden TD-Pässe kamen erst, als Buffalo schon deutlich führte. Knapp dahinter: Der von vielen Experten so gelobte Derek Carr, der gegen Cincinnati kurz vor dem Ende der ersten Hälfte mit einer Handverletzung raus musste. Carr verzeichnete bei zwölf Versuchen sieben Completions für lediglich 61 Yards.

Dümmster Playcall der Woche: Hier muss man nicht lange suchen. Die Giants führten mit 23:20 in Dallas, 1:40 Minuten vor dem Ende, die Cowboys ohne übrige Timeouts. Doch anstatt bei Third and Goal einen Laufspielzug zu wählen und so in jedem Fall die Uhr weiter laufen zu lassen, sofern es keinen Touchdown gibt, wählten die Giants einen Play-Action-Pass - und Manning warf den Ball unter Druck weg, anstatt wenigstens noch den Sack einzustecken.

Das schenkte den Cowboys 40 Sekunden, die ihnen am Ende den Last-Minute-Sieg ermöglichten. Es war zudem nicht der einzige Bock, den die G-Men bei ihrem vorentscheidenden Drive schossen. So startete Manning knapp vier Minuten vor dem Ende einen Spielzug, obwohl noch 17 Sekunden auf der Play Clock waren und ließ hier weitere wertvolle Zeit auf der Uhr.

Week 1 im Roundup: Mariota düpiert Winston - Seattle stolpert

Doch damit nicht genug: Kurz vor dem verhängnisvollen Play-Action-Pass-Versuch sagte Manning Running Back Rashad Jennings, dass er nicht in die Endzone laufen solle - selbst wenn er die Chance hätte, damit die Uhr weiterläuft. Dabei hätte ein Touchdown das Spiel entschieden und Dallas konnte die Uhr ohnehin noch zu oft anhalten. "Ich glaube, Eli war verwirrt was die verbleibenden Timeouts anging. Er dachte, Dallas hätte nur noch ein Timeout und wollte die Uhr runter laufen lassen, obwohl sie noch zwei hatten", bestätigte Coach Tom Coughlin. Alles in allem eine mehr als peinliche Situation für Manning Junior und die Giants.

Ausraster der Woche: Klare Sache: Pacman Jones. Im zweiten Viertel der Partie seiner Bengals gegen die Oakland Raiders gingen mit dem Defensive Back die Nerven durch. Jones, nach einem Spielzug über Raiders-Rookie-WR Amari Cooper kniend, schob Coopers Helm zur Seite und knallte dann den Kopf des Rookies auf eben jenen Helm. "Ich will einfach Football spielen und schrecke vor niemandem zurück", erklärte der 31-Jährige anschließend bei ESPN. Aha. Ja gut.

SPOX meint allerdings: Mit Football hatte das wenig zu tun. Doch umso beeindruckender war Coopers ruhige Reaktion: "Es ist ein physisches Spiel, deshalb musst du auch mit so etwas rechnen." Man könnte glatt den Rookie und den Routinier verwechseln...

Zitat der Woche: "Es ist Fourth Down, und wem sonst sollten sie den Ball denn geben? Ich denke, sie wissen inzwischen, was passiert, wenn sie Lynch in so einer Situation den Ball nicht geben. Deshalb wussten wir, was passieren würde." Rams-DT Michael Brockers gewährte im St. Louis Post-Dispatch Einblicke den entscheidenden Fourth-Down-Stopp gegen die Seahawks - nicht ohne die Wunde des berüchtigten Plays aus dem vergangenen Super Bowl nochmals zu öffnen...

Unmittelbar vor dem Karriereende... steht selbstverständlich Peyton Manning. Nicht wenige glauben, dass es sich eher um Wochen, als um Monate handeln könnte, ehe der zukünftige Hall-of-Famer sein letztes NFL-Spiel macht. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass Mannings bereits in der Preseason sichtbare Probleme auch gegen Baltimore auftraten. Arm- und damit Wurfstärke sind große Fragezeichen, Manning gelang keine Completion von über 20 Yards. Mehr "Schwung" in den Pässen war zuvor vollmundig angekündigt worden. Zu sehen war davon nichts.

Gegen eine knallharte Ravens-Defense steckte Manning zudem einige Sacks ein - gleichzeitig darf aber auch das Playcalling hinterfragt werden. Die Broncos, die unter Gary Kubiak monatelang eine ausbalancierte Offense und stärkeren Fokus auf das Running Game gepredigt haben, ließen Manning in der ersten Hälfte bereits 25 (!) Pässe werfen.

Insgesamt 40 waren es am Ende, das kann im Vorfeld niemals der Game Plan gewesen sein. Und dennoch: Setzt sich der Trend bei Manning fort, werden früher oder später, so verrückt das zunächst klingt, Stimmen lauter, die Brock Osweiler eine Chance geben wollen. Bis dahin darf Manning aber weiter ran. Die nächsten Gegner? Kansas City und Detroit, beides auswärts. Na viel Spaß dabei.

(Was wir nicht ganz verschweigen wollen: Schon 2012 wurde dem Touchdown-Rekordjäger der Rücktritt nahegelegt. Es folgten ein MVP-Award (einmal Zweiter), eine Super-Bowl-Teilnahme und 131 Touchdowns in drei Jahren. Vielleicht... versteht der Mann sein Handwerk ja doch.)

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