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Primetimes Streben nach Glück

Montag, 07.09.2015 | 10:29 Uhr
In San Francisco hielt es Sanders nur ein Jahr - doch er ging mit dem Super-Bowl-Ring
© getty
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Wer an Deion Sanders denkt, hat unweigerlich "Primetime" im Kopf. Sanders war jahrelang eine der NFL-Hauptattraktionen, auf wie neben dem Platz. Und doch suchte der extravagante, stets betont lässige Cornerback lange nach wahrem Glück, was ihm beinahe zum Verhängnis wurde. Allerdings hatte Sanders früh ein Versprechen abgegeben - und er sollte Wort halten.

Ohne Maske und ohne Show richtete sich Deion Sanders, das goldene Jackett gerade übergezogen, an die prominent besetzten Zuhörerreihen. "Oft, wenn wir Erfolg in der Öffentlichkeit haben, straucheln wir in unserem Privatleben", gab der frisch gebackene Hall-of-Famer zu und teilte seine Erfahrungen weiter: "Dieses Spiel hat mir beigebracht, dass ich wieder aufstehen muss, wenn ich am Boden bin. Dieses Spiel hat mir beigebracht, dass man einige Dinge im Leben nicht früh genug angehen kann."

Football, fügte Sanders hinzu, "hat mir beigebracht, ein Mann zu sein, wieder aufzustehen und auch mit Schmerzen weiterzumachen. Dieses Spiel hat mich so vieles über Menschen, über Hingabe und über Opfer gelehrt."

Es waren ehrliche Worte, die einen ernsten Hintergrund haben. Denn die Geschichte von Deion Sanders ist die des kleinen Jungen, der seiner Mutter ein besseres Leben ermöglichen wollte - und der an seiner eigenen Idee beinahe zerbrochen wäre.

"Ich wollte reich sein"

"Ich wusste schon immer, dass ich mal viel Geld verdienen will. Ich wollte reich sein", blickte Sanders einst auf sein Leben zurück. Doch die Realität sah zunächst ganz anders aus. Der heute 48-Jährige wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, seine Familie lebte in einem der ärmsten und gefährlichsten Stadtteile von Fort Myers. Sein Vater verließ die Familie schon früh und hatte Zeit seines Lebens große Drogenprobleme.

Nur gelegentlich tauchte er auf, oft nur um auf die Spiele seines Sohnes zu wetten. Sanders' Mutter dagegen hatte zwei Jobs, und brachte die Kinder über die Runden. Gleichzeitig wusste sie, dass das Umfeld ihren Deion früher oder später auch auf die schiefe Bahn bringen könnte und handelte: Als Sanders neun Jahre alt war, meldete sie ihn zum Football an.

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Es war Liebe auf den ersten Blick. Sanders war nicht nur physisch derart talentiert, dass er alle Altersgenossen problemlos in den Schatten stellte - ihm wurde auch schnell etwas klar: Als Teenager realisierte Sanders, dass ihm der Sport helfen könnte, seiner Mutter ein besseres Leben zu ermöglichen. Ihm war auch bewusst, dass die beste Chance darauf im Sprungbrett College-Football lag.

Die Geburt von Primetime

So entschied sich Sanders schnell für Florida State, nachdem er Georgia abgesagt hatte, weil Coach Vince Dooley ihn im ersten Jahr noch auf die Bank setzen wollte. Ein undenkbarer Vorschlag für Neon Deion, der stattdessen im Football, Baseball und in der Leichtathletik für FSU dominierte - und sich seine eigene Marke kreierte.

"Defensive Backs wurden damals nicht gut bezahlt", blickte er später zurück, "deshalb erschuf ich im College diesen Charakter, den man lieben oder hassen konnte. Aber er war Primetime." Der Spitzname, den ihm angeblich ein High-School-Freund gab, nachdem Sanders in einem Basketball-Spiel 30 Punkte erzielt hatte, sollte ihn ein Leben lang begleiten. Zu gut fasste er genau das zusammen, wofür Sanders so lange stand: Die ganz große Bühne.

"Von mir selbst erwartet, großartig zu sein"

Um es mit Sanders' Worten zu sagen: "Ich habe von mir selbst erwartet, großartig zu sein. Ich habe von mir erwartet, Dinge zu verändern. Wenn du nicht an dich selbst glaubst - wie könnte da jemand anderes an dich glauben?"

Seinem Erfolg und seinen hohen Ambitionen ordnete Sandes zunehmend alles unter, die Schulbildung spielte keine große Rolle. So entschied er etwa fast sinnbildlich den 1989er Sugar Bowl mit einer Interception kurz vor Schluss, welche den 13:7-Sieg über Auburn besiegelte.

Doch wie später raus kam, hatte Sanders in dem dazugehörigen Semester keinen einzigen Kurs besucht. Erst als Reaktion darauf wurden entsprechende Regeln verfasst, die College-Athleten in Florida dazu verpflichten, neben dem Sport auch ihre akademischen Aufgaben zu erfüllen.

Ein Leben auf der Überholspur

Sanders aber gab der Erfolg Recht. Die Atlanta Falcons wählten ihn wenige Monate nach eben jenem Sugar Bowl mit dem fünften Draft-Pick der ersten Runde und ließen Primetime seine Freiheiten. So durfte Sanders, den die Falcons zum bis dato bestbezahlten Defense-Spieler aller Zeiten machten, weiter parallel Baseball spielen und sorgte dadurch für historische Premieren.

In seinem NFL-Debüt gelang ihm per Punt-Return sein erster Touchdown, nur fünf Tage zuvor hatte er einen Home Run für die New York Yankees geschlagen. Schon damals wusste er: "Einige Leute kommen, um mich anzufeuern, andere kommen, weil sie hoffen, dass ich versage. Aber egal ob sie mich lieben oder mich hassen: Sie werden kommen."

Sein Wechsel nach San Francisco 1994, wo er in seinem einzigen Jahr in der Bay Area den Super Bowl holte, sowie vor allem der nur ein Jahr später abgeschlossene Siebenjahresvertrag über 35 Millionen Dollar mit den Dallas Cowboys bescherten ihm noch größere Bühnen.

Der Showman genoss es in vollen Zügen, so zumindest schien es für die meisten Außenstehenden. Und doch sollte er später mit den Medien, aber auch mit den Fans reinen Tisch machen: "All die Dinge, die ihr von mir dachtet, all die Dinge, die ihr geliebt habt oder die ihr nicht akzeptiert habt - ich habe das alles für meine Mutter getan."

Seite 1: Die Geburt von Primetime

Seite 2: Der Preis des Ruhms

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