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Sebastian Vollmer vor dem Super Bowl

Ganz normal und unersetzlich

Samstag, 31.01.2015 | 17:06 Uhr
Schlagzeilen liefert er eher selten: Sebastian Vollmer
© getty
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Wenn die New England Patriots im Super Bowl in der Nacht auf Montag (ab 0:30 Uhr im LIVE-TICKER) auf die Seattle Seahawks treffen, dann werden nur wenige Kameras auf Sebastian Vollmer gerichtet sein - so hat er es am liebsten. Dennoch ist der 30 Jahre alte Right Tackle aus dem Team von Tom Brady und Co. nicht mehr wegzudenken. "Seabass" ist ein echter Fels in der Brandung - in mehrfacher Hinsicht.

Wenn man Sebastian Vollmer mit einem Wort beschreiben müsste, dann ginge dieses vielleicht in Richtung "abgeklärt". Oder "ruhig". Er selbst würde wahrscheinlich sagen: "Normal."

Die Presse, die sich seit seinem Einzug in den Super Bowl auf ihn stürzt, ganz besonders die aus Deutschland, würde vielleicht noch ein weiteres hinzufügen: "Langweilig."

Herr Vollmer, wie wäre das so, als erster Deutscher überhaupt den Titel zu holen? "Es ist mein größtes Ziel als Sportler, das hat aber nichts damit zu tun, dass ich Deutscher bin."

Und als Deutscher in der NFL? "Ganz normal, das fällt nur mal bei Telefoninterviews in der Kabine auf."

Die Hysterie um Deflate-Gate? "Keine Ahnung. Ich fass die Bälle ja nicht an."

Wie ist das, wenn am Sonntag die ganze Welt zuschaut? "Während des Spiels realisiert man das nicht. Man blendet das aus."

Aber vorher ist doch Chaos, oder? "Es ändert sich wenig. Die Routine ist gleich, die Meetings bleiben gleich."

Und wer gewinnt das Ding? "Entscheidend ist die Tagesform, deshalb ist der Ausgang völlig offen."

Unerschütterlich

Ein Querschnitt durch die Interviews der letzten Tage, mit der "Welt", "Bild", dem "SID" oder auch der "ARD". Schlagzeilen? Mitnichten. Abergläubisch? "Nicht wirklich." Deutsche Tugenden? Nein, seine Eltern haben ihn geprägt. Musik vor dem Spiel? Unterschiedlich. Die hohen Temperaturen in Arizona? "Hoffentlich kein Problem." Und nach der Karriere? Einen Beruf ausüben, normales Leben führen - er weiß noch nicht genau, was es sein wird.

Eins ist klar: Wer von Berufs wegen dutzende Male täglich seine knapp drei Zentner Körpergewicht mit Full Speed in einen nicht minder schnellen und kräftigen Gegenspieler schleudert, den kann so schnell nichts erschüttern.

Der richtige Job für "Silent Bob"

Es ist Vollmers Naturell: Vor der Kamera entspannt, nachdenklich, die Stimme mit dem dunklen Timbre hat nach über zehn Jahren in den USA (College in Houston, seit 2009 in New England), einen leichte amerikanische Färbung. Manchmal sucht er nach den richtigen Worten. Die Mimik bleibt dabei fast immer unverändert, ein wenig erinnert er an Kevin Smiths Kultfigur "Silent Bob". Naja, abgesehen von den 2,03 Meter und den 145 Kilo.

Andererseits gehört es eben zum Job. Nicht zu hoch steigen, nicht zu tief fallen. Ein guter Spielzug, etwa den Laufweg für LeGarrette Blount freigeblockt oder den Pass Rusher per "Pancake-Block" ausgeschaltet? Schön, aber in wenigen Sekunden geht es weiter. Vom Gegner überrumpelt, vielleicht sogar einen Sack verschuldet? Egal. "Wenn man Fehler macht, dann ist es okay. Man darf sie nur nicht zwei Mal machen", sagt er vor einigen Jahren im SPOX-Interview.

Also, Herr Vollmer, wo liegen ihre Stärken? "Das müssen andere beurteilen." Gut. Versuchen wir's.

Musterprofi macht Karriere

Eins ist klar: Der 30-Jährige, in Düsseldorf geboren, ist ein Vollprofi. "Wenn wir 13 Uhr spielen, stehe ich immer um 5:30 Uhr auf", verrät er der "Welt", wobei er vor dem Super Bowl etwas länger schlafen will. Der Kick-Off ist um 16:30 Uhr Ortszeit. Vier Stunden vor Beginn ist er im Stadion, macht sich warm, wird getaped. Zu essen gibt es Hühnerbrust, Erbsen, vielleicht Kartoffeln.

Und wenn mal kein Spiel ansteht? Dann ist er sogar schon um 5:30 Uhr am Trainingsgelände: Kraftraum, Behandlungsraum, Filmraum, Trainingseinheiten. Die Offseason? "Man hört nie wirklich auf, Ausdauer- und vor allem Krafttraining zu machen", sagte er den "Ruhrnachrichten".

Eine derartige Professionalität beeindruckt, vor allem wenn sie mit unbändigem Willen gepaart ist. Erst mit 14 spielte Vollmer zum ersten Mal Football. Als er nach Houston ging, sprach er kaum Englisch. Er setzte sich trotzdem durch - und fiel vor dem Draft O-Line-Guru Dante Scarnecchia von den Patriots auf.

Lob von Belichick, Brady und Werner

Sechs Jahre später spielt er immer noch als Right Tackle und räumt für Tom Brady alles ab, sein letzer Vertrag hatte ein Volumen von 27 Millionen Dollar. Keine Selbstverständlichkeit in New England - Coach Bill Belichick ist berüchtigt dafür, teure Veteranen von einem Moment auf den anderen abzuschießen. "Sebastian ist ein sehr schlauer Spieler, niemand arbeitet härter als er", lobt Belichick und Brady kann sich "niemand anderen als ihn" als Leibwächter vorstellen.

Auch abseits des Feldes verliert niemand ein schlechtes Wort über Vollmer. "Er ist ein sehr netter Typ", lobt Colts-Star Björn Werner, dessen Team vor zwei Wochen 7:45 gegen die Pats verlor, gegenüber SPOX. "Wir haben nach dem Spiel gequatscht, er ist ein super Mensch. Er arbeitet immer hart und macht einfach seinen Job."

"Bin keiner, der nervös wird"

Für ihn ist Vollmer der wohl beste rechte Tackle der NFL. Werner würde seinem Landsmann den Titel gönnen, der Rivalität der beiden Teams zum Trotz: "Wir Deutschen in der NFL sind doch eine kleine Familie." Glück gewünscht haben übrigens auch schon Dirk Nowitzki und der Deutsch-Amerikaner Tom Nütten.

Fußballer haben sich noch nicht gemeldet - aber das kann sich ja noch ändern. Und wird Vollmer wohl auch herzlich egal sein. Wenn am Sonntag die Blitzlichter klicken, hat er längst alles ausgeblendet: Die Niederlage vor drei Jahren ("steigert den Druck nicht"), die Schmerzen nach einer langen Saison ("blaue Flecken sind Alltag"), die angereisten Eltern auf den Rängen.

Aber den einen oder anderen Schmetterling im Bauch, den hat er doch - oder? "Ich bin keiner, der groß nervös wird." Na dann!

Der Super Bowl im Überblick

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