Mittwoch, 08.10.2014

Rookie Tops & Flops der Saison

Watkins, Johnny und das Monster

Knapp ein Drittel der Saison ist schon wieder vorbei, höchste Zeit für einen ersten Blick auf die Rookies. Während die Bewertung des Top-Picks Jadeveon Clowney (Knieverletzung) aufgrund nur eines Spiels nicht möglich ist, konnten sich andere Neulinge in den Vordergrund spielen - oder sahen ihre Aktie konstant fallen. Mit dabei: Chicagos Interception-Maschine, Baltimores Tackle-Monster und der wandelnde Zirkus-Catch Sammy Watkins.

Sammy Watkins (l.) wurde an vierter Stelle von den Buffalo Bills gezogen
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Sammy Watkins (l.) wurde an vierter Stelle von den Buffalo Bills gezogen

Tops:

Sammy Watkins, WR, Buffalo Bills (#4 Overall):

Für gewöhnlich brauchen Rookie-Receiver, egal wie gut sie im College waren, rund ein Jahr, um sich in der NFL zu akklimatisieren. Kombiniert man das mit der QB-Situation in Buffalo und den schwachen Leistungen von EJ Manuel über die ersten vier Wochen, hätte wohl kaum jemand ernsthaft Kritik geübt, wenn sich Watkins zum Start seiner Karriere schwer getan hätte.

Doch dazu kam es gar nicht erst. Der 21-Jährige legte gleich im zweiten Saisonspiel acht Receptions für 117 Yards und einen Touchdown hin und ließ so nach seinem starken Training Camp auch weiter seine Leistungen für sich sprechen. Jüngstes Highlight: Ein unfassbarer Zirkus-Catch gegen Detroit, der das entscheidende Field Goal Sekunden vor dem Ende ermöglichte.

Verbessern muss Watkins, wie alle Rookie-WRs, noch seine Routes. Bislang limitieren die Bills sein Repertoire noch auf vergleichsweise einfache Spielzüge. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass Watkins seit der Preseason immer wieder mit Rippenproblemen zu kämpfen hatte. Zusammenfassung: Ist Watkins erst mal bei 100 Prozent und findet sich in der Offense noch besser zurecht, steht dem Preis als Offensive-Rookie-of-the-Year wohl nicht viel im Weg.

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Kyle Fuller, CB, Chicago Bears (#14 Overall):

Sieht man von einem schwachen Auftritt gegen die Green Bay Packers ab, hat Kyle Fuller die Erwartungen bislang übertroffen. Der Defensive Rookie des Monats steht bei drei Interceptions, kein Spieler hat mehr. Dazu erzwang er zwei Fumbles und verzeichnete bereits 25 Tackles - immerhin noch ein Top-Ten-Wert unter allen Cornerbacks.

Doch noch beeindruckender als die Zahlen ist die Tatsache, dass Fuller in den ersten beiden Spiele nicht in der Startformation stand und dann als Ersatz für den schwer verletzten Routinier Charles Tillman ins kalte Wasser einer ansonsten schwachen Bears-Defense geworfen wurde. Dabei bleibt der 22-Jährige auf dem Teppich: "Es gibt immer etwas zu verbessern und ich habe definitiv noch Bereiche, an denen ich arbeiten muss."

Darüber hinaus richtete sich Fuller, dessen Sternstunde bislang das Spiel gegen die 49ers (6 Tackles, 2 INT) war, nach dem Packers-Spiel schnell wieder auf und nahm am vergangenen Wochenende Panthers-Rookie-Star Kelvin Benjamin (siehe unten) aus dem Spiel, inklusive eines herausragenden Tackles bei einem weiten Pass. "Benjamin hatte elf Targets und fing nur drei Bälle. Es ist ein tolles Zeichen, dass Kyle es mit einem so großen Receiver aufnehmen konnte", lobte anschließend auch Head Coach Marc Trestman.

C.J. Mosley, ILB, Baltimore Ravens (#17 Overall)

Zugegeben: Mosleys NFL-Start war holprig und vor drei Wochen wäre er in dieser Liste nicht aufgetaucht. Doch der Linebacker ist mit 26 Tackles über die vergangenen beiden Spiele definitiv in der Liga angekommen und zieht bereits erste Vergleiche zu Ray Lewis. Probleme hat der 22-Jährige trotz bereits einer Interception noch ab und zu in der Pass Coverage, doch vor allem gegen das Laufspiel ist er schon jetzt bei den Ravens nicht mehr wegzudenken und steht ligaweit mit 49 Tackles auf dem sechsten Rang.

"C.J. spielt im Moment wirklich, wirklich stark. Gleichzeitig gibt es noch viele Bereiche, in denen er sich verbessern kann. Aber was ich so an ihm mag ist die Tatsache, dass er das weiß. Er gibt sich nach einigen guten Spielen jetzt nicht zufrieden, sondern will darauf weiter aufbauen. Deshalb ist er wahrscheinlich im Moment so stark", schwärmte Ravens-Coach John Harbaugh zu Wochenbeginn.

Bei der Niederlage gegen Indianapolis am vergangenen Sonntag verursachte er mit einem QB-Hit nicht nur eine Interception, sondern stoppte Colts-RB Ahmad Bradshaw auch bei Fourth Down. Mosley ist schon jetzt auch im offenen Feld extrem genau mit seinen Tacklings und wenn er noch besser im Passspiel wird, ist der Linebacker ein legitimer Defensive-Rookie-of-the-Year-Kandidat.

Kelvin Benjamin, WR, Carolina Panthers (#28 Overall):

Wenn aktuell jemand Watkins Konkurrenz beim OROTY-Award macht, dann ist es Benjamin. Was wurde vor der Saison nicht alles über Carolinas Offense hergezogen: Der Abgang nahezu aller Receiver, dazu herbe Verluste in der O-Line und Quarterback Cam Newton verpasste große Teile der Offseason aufgrund einer Knöchel-OP.

Und trotz alledem steht Benjamin nach fünf Spielen bereits bei 367 Yards und drei Touchdowns. Zudem hat intern nur Tight End Greg Olsen mehr Receptions (27) als der Rookie (24), dem schon sechs Receptions von über 20 Yards gelangen. Wie viel Vertrauen Newton schon jetzt in Benjamin hat lässt sich allein daran festmachen, wie oft er trotz Double-Coverage den Pass zu dem Receiver versucht - weil sich Benjamin immer wieder gegen mehrere Gegenspieler in der Luft durchsetzt.

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"Das zeigt einfach die Beziehung zwischen uns, und das Vertrauen", bestätigte Benjamin, der auch im Run-Blocking starke Ansätze zeigt, selbst: "Ich strebe immer nach einem höheren Standard." Dabei sind ein Thema noch die Drops: Von allen Receivern hat nur New Yorks Victor Cruz (5) hier in dieser Saison noch mehr auf dem Konto als der Rookie (4). Doch letztlich hat auch der 23-Jährige schon gelernt: "Am Ende geht es immer nur ums Team."

Terrance West, RB, Cleveland Browns (#94 Overall):

Als in Cleveland zu Saisonstart alle über Johnny Manziels Chancen spekulierten und auf eine Reduzierung der Sperre von Receiver Josh Gordon hofften, übernahm Terrance West, gemeinsam mit Rookie-Kollege Isaiah Crowell, kurzerhand die Offense. Kein Rookie-RB hat nach den ersten fünf Spielen mehr Rushing-Yards als West (235), der Drittrunden-Draftpick ersetze den verletzten Ben Tate herausragend.

Zudem gelangen ihm hinter der herausragenden O-Line der Browns bereits zwei Runs von über 20 Yards. "Terrence und Isaiah sind definitiv schon weiter als gedacht. Gleichzeitig wissen beide, dass noch viel Arbeit vor ihnen liegt. Aber die Ansätze sind überaus ermutigend", lobte auch Head Coach Mike Pettine und Offensive Coordinator Mike Shanahan fügte hinzu: "Man kann nie genug Jungs haben, die mit dem Ball laufen können."

Vorerst wird sich West mit der Backup-Rolle hinter dem wiedergenesenen Tate (22 ATT, 123 YDS gegen Tennessee am Sonntag) zufrieden geben müssen. Doch angesichts Tates Verletzungshistorie dürfte West eher früher als später wieder Chancen bekommen, seine unerwartet gute Rookie-Saison weiter auszubauen.

Knapp dahinter: Joel Bitonio (OT, Cleveland Browns), Brandin Cooks (WR, New Orleans Saints), Allen Hurns (WR, Jacksonville Jaguars), Isaiah Crowell (RB, Cleveland Browns), John Brown (WR, Arizona Cardinals), Jeremy Hill (RB, Cincinnati Bengals), Anthony Barr (OLB, Minnesota Vikings)

Seite 1: Tops: Der wandelnde Zirkus-Catch & die Interception-Maschine

Seite 2: Flops: Ein unauffälliger Corner & eine Runningback-Enttäuschung

Adrian Franke

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