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Schnee, Eis und Sneakers

Von Sven Kittelmann
Mittwoch, 29.01.2014 | 11:11 Uhr
Charles Woodson sackt 2002 Tom Brady - oder doch nicht?
© getty
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Der Super Bowl XLVIII zwischen den Denver Broncos und Seattle Seahawks in New York (Montag, 0.30 Uhr im LIVE-TICKER) ist der erste Super Bowl, der nicht entweder in einem Dome oder den Schönwetterregionen der USA stattfindet. Dabei gehört kaltes Wetter zum Football eigentlich dazu: Viele Klassiker der NFL-Geschichte verdanken ihren Kultstatus den widrigen Bedingungen. Vorhang auf für die fünf besten Spiele mit Gänsehautfaktor.

Platz 5 - NFL Championship Game 1948: Weißabgleich

Das erste im Fernsehen übertragene Endspiel der NFL stellte die damaligen Geräte vor eine harte Probe: Schließlich musste man die Spieler der Philadelphia Eagles und Chicago Cardinals aus dem ewigen Weiß des Schnees heraus identifizieren können. Und diese mussten bereits vor dem Kickoff im Shibe Park zu Philadelphia tatkräftig mit anpacken: Da die Groundskeeper den Schnee nicht von der Plane auf dem Spielfeld herunterbekamen, waren die kräftigen Jungs gefragt.

Der Einsatz der Plane hatte dabei keinen wirklichen Vorteil gebracht. Da es munter weiterschneite, waren die Referees mehr auf ihr Gefühl denn ihr Augenmaß angewiesen, um First Downs oder Touchdowns zu bestimmen. Zu ihrem Glück gab es allerdings nur eine Szene, bei denen die Referees am Ende wirklich gefragt waren: Nach einem Fumble der Cardinals an der Mittellinie nahm Running Back Steve van Buren kurze Zeit später das Heft in die Hand und sorgte mit einem Touchdown-Run über fünf Yards für den einzigen Score des Tages.

Dabei hatte Van Buren das Spiel fast verpasst, war er doch davon ausgegangen, dass es abgesagt werden würde. Coach Greasy Neal hatte ihn per Telefon schließlich vom Gegenteil überzeugt, van Buren allerdings vor ein logistisches Problem gestellt: Mit seinem Auto kam er nicht die Auffahrt herunter, also musste er auf dem Weg zu seinem ersten NFL-Titel mit der U-Bahn anreisen und die letzten sechs Blocks zum Stadion zu Fuß durch den Schnee stapfen.

Platz 4 - AFC Championship Game 1976: Steelers frieren Raiders ein

Als die Pittsburgh Steelers Anfang Januar 1976 den Oakland Raiders zum dritten Mal innerhalb von fünf Spielzeiten in den Playoffs gegenüberstanden, kannten sich die beiden Teams aus dem Effeff. Doch die Kalifornier sahen sich im Three Rivers Stadium zu Pittsburgh einer Eiseskälte um die -10 Grad Celsius ausgesetzt, die im Raiders-Lager für Unmut sorgte. Besonders der Kunstrasen trieb Besitzer Al Davis und Coach John Madden auf die Barrikaden.

Die Greenkeeper der Steelers hatten eigentlich das Festfrieren des Bodens verhindern wollen und Heizlüfter unter einer Plane installiert. Diese Plane war jedoch in der Nacht vor dem Spiel gerissen und der Kunstrasen steinhart gefroren. "Das Eis war schlimmer als die Kälte, besonders das Eis an den Seitenlinien", resümierte Madden nach der Partie. "Das war für unsere Wide Receiver hart, weil sie in unserem System schnelle Drehungen und Cuts zum Ball machen."

Besonders Davis - der sich nie zu schade für eine Kontroverse war - beschuldigte im Nachhinein die Greenkeeper, den desolaten Zustand des Feldes mit Absicht herbeigeführt zu haben. Dabei hatten die Steelers am Ende mit 16:10 das bessere Ende für sich, bekleckerten sich aber in Sachen Turnover nicht gerade mit Ruhm: Acht der 13 Ballverluste im Spiel waren den Hausherren zuzuschreiben. Nutzen konnten das die Raiders - ihrer meisten Offensivwaffen durch das Eis und die Kälte beraubt - letzten Endes nicht.

Das AFC Championship Game als Video

Platz 3 - NFL Championship Game 1934: Sneakers Game

Hätten sich die Raiders an der NFL-Historie orientiert und sich auf die Weisheit von Ray Flaherty verlassen, hätten sie 1976 vielleicht den Super Bowl erreicht. Flaherty, 1934 als End bei den New York Giants aktiv, schlug seinem Head Coach Steve Owen im Endspiel gegen die Chicago Bears bei ähnlichen eisigen Verhältnissen, wie sie gute 40 Jahre später in Pittsburgh herrschen sollten, den Einsatz von Turnschuhen an Stelle der üblichen Stollenschuhe vor.

Owen schickte also seinen Assistenten Abe Cohen los, der zunächst feststellen musste, dass alle Sportgeschäfte in Manhattan bereits geschlossen hatten. Doch in der Halbzeitpause - die Giants lagen gegen die favorisierten Bears mit 3:10 zurück - kam Cohen mit neun vom Manhattan College geborgten Basketballschuhen wieder zurück.

Mit derart sicherem Tritt drehten die Hausherren die Partie im Polo Ground durch einen 27-Punkte-Lauf im vierten Viertel und feierten mit einem 30:13-Erfolg ihren zweiten NFL-Titel. Und dies, obwohl der legendäre Giants-Coach George "Papa Bear" Halas die Nachricht, die Gegner hätten ihre Schuhe gewechselt, mit den Worten: "Gut. Tretet ihnen auf die Zehen", quittiert haben soll. Diese Taktik fruchtete immerhin 15 Minuten lang.

Seite 2: Die Tuck Rule und der Ice Bowl

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