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Colts-Quarterback auf dem Weg zum Superstar

Luck: Der neue Comeback-König

Von Sven Kittelmann
Mittwoch, 06.11.2013 | 12:40 Uhr
Andrew Luck steht in dieser Saison bei 13 Touchdown-Pässen und nur 3 Interceptions
© getty
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Wenn er läuft oder passt, wirkt es weniger spektakulär als bei anderen. Er jagt keine Yard- oder Touchdown-Rekorde und schlägt eher die leisen Töne an. Und doch dürfte Andrew Luck einer der ganz Großen in der NFL werden, wie er zuletzt beim Comeback gegen die Houston Texans bewies.

Seine Statistiken sind eher im Liga-Mittelmaß zu finden, er gilt unter bösen Zungen als langweilig. So langweilig, dass die Parodie "NFL-QBs on Facebook" auf "profootballmock.com" ihn mit der Person des immer höflichen Schleimers versehen hat, der nie in den Trashtalk der Mannings, Bradys und Romos einsteigt.

Doch wer Andrew Luck einmal spielen gesehen hat, der dürfte die Meinung, er sei ein Langweiler, schnell ablegen. Wenn die Nummer 12 der Indianapolis Colts den Platz betritt, ist Unterhaltung garantiert.

Luck auf den Spuren von Manning

Da wäre zum einen das Offensichtliche, dass er gegen die Houston Texans am Sonntag wieder einmal vorführte: Er verwandelte einen Rückstand im vierten Viertel in einen Sieg. Zum zehnten Mal in 24 NFL-Spielen. "Er überrascht mich nicht. Nichts, was er tut, überrascht mich", lautete das ungewöhnliche Lob von Tight End Coby Fleener.

Ähnlich cool wie Fleener agiert Luck auf dem Feld. Schlechte Leistungen von ihm selbst oder seinen Mitspielern schüttelt er von der einen zur anderen Sekunde einfach ab.

"Die besonneneren Köpfe haben am Ende gesiegt", lautete nach dem 27:24 in Houston Lucks einfache Formel für den Sieg. Bei den Texans hatte er zur Halbzeit gerade einmal drei Pässe an den Mann gebracht und war unter ständigem Druck der gegnerischen Defensive. Nach der Pause warf er gleich drei Touchdown-Pässe auf T.Y. Hilton - die schlechte Leistung aus Halbzeit eins war ebenso vergessen wie die Tatsache, dass mit Reggie Wayne der beste Colts-Receiver fehlte.

Mit solchen Leistungen reiht sich Andrew Luck in die Riege der ganz Großen ein. Würde man seine Comeback-Wins auf eine lange NFL-Karriere hochrechnen, dürfte er Legenden wie Peyton Manning (40 Comebacks), John Elway (36) oder Joe Montana (35) - allesamt mindestens 15 Jahre in der Liga - in der ewigen Rekordliste locker überholen, ein neuer Comeback-König scheint geboren. Im Moment ist er noch der Thronfolger.

Keine filmreife Ansprache

Auch weil das gewisse Etwas fehlt - zumindest für die mediengerechte Aufbereitung der jeweiligen Comeback-Siege.

Eine Legende wie bei Elway, der angesichts eines Rückstands, an die eigene 2-Yard-Linie gedrängt, sagte: "Wir haben sie dort, wo wir sie haben wollen" oder wie bei Joe Montana, der im vierten Viertel eines Super Bowl mit dem Rücken zur Wand seinen Offensiv Linemen erst einmal Comedian John Candy auf der Tribüne zeigte.

Das weiß auch Fleener, der nach dem Texans-Spiel fast entschuldigend sagte: "Ich würde jetzt gerne erzählen, dass es zur Halbzeit eine filmreife Ansprache gab. Die gab es aber nicht."

Kleiner Luck ganz groß

Diese Bodenständigkeit ist es, die Luck auszeichnet. Er war bereits auf der High School ein hervorragender Quarterback, aber im Gegensatz zu so vielen Quarterbacks und Footballspielern niemand, der sich vom Glanz blenden ließ. So zeigte er großen Football-Universitäten wie Nebraska oder Oklahoma State die kalte Schulter und entschied sich für das sportlich eher kleinere Stanford. Denn dort war eine bessere akademische Ausbildung garantiert.

Am College blieb er seinen Prinzipien treu und entschied sich 2011 - schon damals wäre er im Draft ganz vorne gelandet - gegen die NFL und für ein weiteres Jahr bei den Cardinals. Auch, um sein Architektur-Studium zu beenden und unter dem jetzigen 49ers-Coach Jim Harbaugh seine Quarterback-Fähigkeiten weiter auszubauen. Und schon damals zeigte er als eher stille Führungspersönlichkeit, zu was er fähig ist.

"Er kann auch mal laut werden, keine Frage", so Cardinals-Center Chase Beeler. "Seine Führungsqualitäten haben aber eher mit der Aura zu tun, die ihn umgibt. Wenn man einen so talentierten, selbstsicheren und selbstbewussten Menschen um sich hat, steckt das an." Auch weil Luck stets bemüht war, seine Mitspieler besser zu machen. So mache er sich selbst klein, um "alle anderen um sich herum groß wirken zu lassen", erklärte Harbaugh seinen ehemaligen Schützling. "Aber dadurch wird er einer der ganz Großen."

Luck im Konzert der NFL-Großen

Wie groß sein einstiger Musterschüler geworden ist, durfte Harbaugh in dieser NFL-Saison bereits bewundern. Mit einem für ihn weniger schmeichelhaften Ergebnis, gewann Luck in San Francisco mit den Colts doch 27:7.

Und führte seinem Ex-Coach besonders beim Touchdown-Run zum 20:7 vor Augen, wie besonders er wirklich ist. Souverän täuschte er dabei die Ballübergabe an den Running Back an, um dann unbehelligt in die Endzone zu laufen.

Anders als sein College- und nun NFL-Rivale Robert Griffin III, der ihm die Heisman-Trophy, das Rampenlicht beim Draft und in der Rookie-Saison stahl, wirken solche Läufe nicht spektakulär, sondern "nur" wirkungsvoll. Er ist ein Pocket Passer, der laufen kann. Kein Scrambling Quarterback, der auch werfen kann. Was ihn wiederum erneut mit Elway oder Montana verbindet.

Der würdige Manning-Nachfolger

Quarterback-Legende Elway war es auch, der einen weiteren Sieg der Colts gegen einen der diesjährigen NFL-Favoriten mit ansehen durfte - oder eher musste.

Denn Elways Denver Broncos kassierten ihre bis dato einzige Saisonniederlage gegen Luck und seine Offensive. Und so besiegte Luck - nicht mit spektakulären Läufen oder Big Plays, sondern systematisch mit drei Touchdown-Pässen und einem -Lauf - seinen Colts-Vorgänger Peyton Manning.

Aus dessen überdimensionalen Schatten scheint Luck augenscheinlich bereits herausgetreten. So sehr die Colts-Fans wissen, dass sie Peyton Manning elf Mal in die Playoffs führte, der Stadt half, "ein neues Stadion zu bekommen und einen Super Bowl zu feiern", wie ein Fan gegenüber "ESPN" erklärte, sie wissen auch: "Luck ist unsere Zukunft. Für die nächsten zwölf bis 15 Jahre." Was auch Manning bereits im Frühjahr 2012 wusste, als er seinem damaligen Noch-Team Luck ans Herz legte.

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