Saints-Tight-End Jimmy Graham im Porträt

Das Kid mit der Ein-Prozent-Chance

Von David Wünschel
Mittwoch, 09.10.2013 | 15:25 Uhr
Jimmy Graham "dunkt" den Football nach jedem Touchdown
© getty
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Von den Eltern vor die Tür gesetzt und im Waisenhaus vermöbelt, musste sich Jimmy Graham seinen Status als NFL-Superstar hart erkämpfen. Über die Umwege Adoption und Basketball landete er 2010 bei den New Orleans Saints, wo er sich seitdem zum besten Tight End der Liga gemausert hat. SPOX hat den Spieler genauer unter die Lupe genommen.

Monday-Night-Game, Woche vier, im Superdome von New Orleans. Sowohl die heimischen Saints als auch die Dolphins sind mit 3-0 in die Season gestartet, aber nur ein Team wird seine weiße Weste an diesem Abend behalten.

Jimmy Graham steht selten im Blickpunkt, nur wenige Bälle kommen aus Drew Brees' Richtung zu ihm geflattert. Die spärlichen Gelegenheiten, die sich ihm bieten, nutzt er aber: Graham fängt alle vier Pässe. Er rennt, er pflückt den Ball aus der Luft und er scort. Obwohl drei Cornerbacks um ihn herumstehen.

Danach macht er sich mit dem Football auf den Weg zu den Torstangen, steigt hoch und "dunkt" über den Querbalken. Am Ende des Abends stehen für den Tight End 100 Yards und zwei Touchdowns zu Buche, die Saints entscheiden das Topspiel für sich.

"Ich war achtundneunzig Dollar wert"

Dass Graham nur wenige Möglichkeiten bekommt, kennt er seit seiner Kindheit nicht anders. Er wuchs in North Carolina auf, hatte nie Kontakt zu seinem Vater aber dafür zu Armut, Missachtung und Vernachlässigung. Bereits in früher Kindheit unterließ seine Mutter die Unterhaltszahlungen an den Stiefvater, der junge Jimmy wurde prompt vor die Tür gesetzt. "Als Kind habe ich mich oft gefragt, was ich wert bin. 98 Dollar war wohl in etwa das, was ich mit neun Jahren wert war", so Graham zu "ESPN".

Zwei Jahre später gab Jimmies Mutter ihren Sohn auf: Sie setzte ihn mit zwei Kleidertüten vor einem Waisenhaus ab, verschloss die Autotüren und fuhr davon. Nach neun Monaten, in denen Jimmy sich Nacht für Nacht in den Schlaf weinte und von seinen älteren Mitbewohnern verachtet und verschlagen wurde, entschied sie sich, ihn wieder aufzunehmen.

Das Kid mit der Ein-Prozent-Chance

Jimmy Graham sieht sich selbst als das "Kid mit der Ein-Prozent-Chance, es zu schaffen": "Ich bin nicht das Kind, das jeder adoptieren will. Ich bin der problematische (...) Junge, von dem man fernbleibt. Weil jeder denkt, dass es keine Hoffnung gibt".

Dennoch entschied sich Becky Vinson, eine junge Mutter von gerade 25 Jahren, die Jimmy in der Kirchengemeinde kennengelernt hatte, den damals 14-Jährigen zu adoptieren. "Sie war diejenige, die meine 1%-Chance wahr werden ließ", so Graham.

Vom Forward zum Tight End

Vinson sorgte dafür, dass Grahams Leben in geordnete Bahnen kam. Er besuchte regelmäßig die Highschool und erreichte im Basketball All-State-Honors. Das brachte ihm ein Stipendium fürs College in Miami ein, wo er von 2005 bis 2009 für die Hurricanes Körbe warf: Bis heute profitiert der All-Pro von seiner enormen Sprungkraft und Athletik.

Obwohl Graham nach Abschlüssen in Marketing und Management eine lukrative Basketball-Karriere in Übersee winkte, entschied er sich, in die Vom-Forward-zum-Tight-End-Fußstapfen von Tony Gonzalez und Antonio Gates zu treten. Der Football-Coach der Hurricanes, Randy Shannon, überzeugte Graham mit Visionen vom erfolgreichen NFL-Star, noch ein College-Jahr dranzuhängen und es mit American Football zu versuchen.

Vor dem NFL-Draft 2010 erkannten viele Scouts sein Talent, dennoch wurde er aufgrund seiner geringen College-Erfahrung erst Ende der dritten Runde vom damaligen Superbowl-Champ aus New Orleans gepickt.

Durchbruch unter Sean Payton

Dort musste er sich im ersten Jahr mit der Reservistenrolle hinter Veteran-Tight-End Jeremy Shockey begnügen. Die kurze Einsatzzeit, die er bekam, nutzte der Pro Bowler allerdings, um die Aufmerksamkeit von Headcoach Sean Payton auf sich zu lenken.

In der Saison 2011/2012 schlug Graham ein wie eine Bombe: Im Premierenjahr als Starter stellte er auf der Tight-End-Position den Franchise Rekord für Received Yards (1310) auf und die Bestmarke für Touchdowns (11) ein. Von seinen Kollegen wurde er als höchster Neueinsteiger auf Rang 14 der Top100 NFL-Spieler gewählt.

Alptraum für Defenses

Dabei hilft Graham vor allem seine einzigartige Mischung aus Schnelligkeit und Statur: Bei einer Größe von 2,01 Metern und einem Gewicht von 120 Kilogramm rennt er die 40-YDS-Distanz in 4,5 Sekunden. Für die meisten Defenses ist Graham ein Alptraum: "Du deckst ihn mit einem Cornerback, (...) und er überspringt ihn. Du deckst ihn mit einem Linebacker, und er rennt ihm davon", so Teamkollege Curtis Lofton.

Dank seiner großen Spannweite ist Grahams Fang-Radius immens - was ihn für einen Top-Quarterback wie Drew Brees zu einem perfekten Ziel macht. "Er kann rennen wie ein Reh. Er kann fangen. Er ist wettbewerbsfähig. Er ist hart. Alles, was Du von einem Tight End willst, hat er", lobt Brees.

Der All-Pro fängt nicht nur fast alles, was in seine Richtung fliegt, dank seiner Athletik bleibt er auch nach dem Catch oft auf den Beinen und macht zusätzliche Yards.

Im Duell mit Gronkowski

Wäre da nicht noch Rob Gronkowski von den New England Patriots, wäre Graham wohl unangefochten der beste Tight End der Liga. In der Saison 2011/12 kämpften beide Spieltag für Spieltag um den Rekord für die meisten Yards Raumgewinn eines Tight Ends in der NFL-Historie - am Ende knackten sie ihn beide, aber Gronkowski hatte die Nase mit 1327 Yards leicht vorne.

Dennoch ist Graham vielen Experten zufolge momentan der Beste auf seiner Position. Nicht zuletzt, weil er in den ersten fünf Spielen der Saison grandiose Leistungen ablieferte: Die meisten gefangenen Yards (593) und nach Wes Welker die meisten Touchdowns (6). Gronkowski laboriert derweil weiterhin an einer Armverletzung.

Graham bleibt geerdet

Auch neben dem Football-Feld nutzt Jimmy Graham die sich ihm bietenden Chancen. Statt seine Vergangenheit zu verteufeln, wertschätzt er die Kindheitserfahrungen: "Ich habe gekämpft, aber das ist mein Charakter".

Trotz Ruhm und Geld, die der Status als NFL-Star mit sich bringen, bleibt Graham geerdet. "Leute kommen von überall auf dich zu. Aber ich bin ein starker Typ und ich umgebe mich mit guten Menschen".

Superbowl-Run der Saints?

Diese umgeben ihn auch auf dem Spielfeld. Seit Headcoach Sean Payton nach seiner Abwesenheit 2012 (Strafe für den Bounty-Skandal) wieder an der Seitenlinie zu finden ist, läuft es rund für Graham und die Mannschaft aus der krisengebeutelten Hurricane-Stadt.

Da sowohl der zukünftige Hall-of-Fame-Quarterback Drew Brees als auch die in der Vorsaison extrem schwache Defense wieder in die Spur zurückgefunden haben, ist den Saints sogar ein Superbowl-Run zuzutrauen.

"Du kannst dein Schicksal ändern"

Um den zu realisieren, kämpft das Team aus New Orleans mit den Conference-Rivalen aus Seattle, San Francisco und Green Bay darum, die NFC am 02. Februar im MetLife Stadium repräsentieren zu dürfen.

Doch selbst, wenn sich die Saints in ihrer Conference nicht durchsetzen können, beweist Jimmy Graham, dass er sowohl auf als auch neben dem Platz ein Vorbild ist. In einem Interview mit der Frage konfrontiert, was Kids, die sich jede Nacht in den Schlaf weinen, wissen sollten, antwortete er: "Sie können denken, dass sie gefangen sind. Aber ich bin der Beweis, egal was passiert, wenn du bereit bist zu kämpfen, kannst du erfolgreich sein. Wenn du bereit bist zu kämpfen, kannst du dein Schicksal ändern."

Jimmy Graham im Steckbrief

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