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So funktioniert die Offensive-Line der Patriots

Vollmer: "Zu hart gibt es nicht!"

Von Jan-Hendrik Böhmer
Freitag, 14.01.2011 | 10:26 Uhr
Dan Koppen und Logan Mankins lassen Anthony Adams (Bears) nicht zu Tom Brady durch
© Getty
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Das beste Team der NFL hat eine Geheimwaffe. Ihr Name: Dante Scarnecchia. Der Ex-Marine machte die O-Line der Patriots zur besten der Liga. Mit knallharten Methoden. Auch der deutsche Offensive Tackle Sebastian Vollmer quält sich durch die harten Drills des Erfolgstrainers. Zusammen mit SPOX erklärt er, was New England so gut macht.

New England ist das beste Team der NFL. Acht Spiele haben die Patriots zuletzt hintereinander gewonnen, in dieser Saison kein einziges Heimspiel verloren. Quarterback Tom Brady spielt eine nahezu perfekte Saison. Seit 335 Pässen ist er ohne Interception - NFL-Rekord. Und das, ohne auf sonderlich viele Elite-Receiver zurückgreifen zu können.

Garant für diesen Erfolg ist die Offensive-Line. Sie ist das Herzstück der Patriots-Offense. Ihre Aufgabe: Brady vor dem gegnerischen Pass-Rush zu schützen und den Weg für das eigene Laufspiel freizublocken. Und das funktioniert in diesem Jahr hervorragend.

"Nicht einmal sonderlich talentiert"

"Dabei sind die einzelnen Spieler nicht einmal sonderlich talentiert", schreibt der ehemalige Patriots-O-Liner Ross Tucker in seiner Kolumne. Lediglich Left Guard Logan Mankins zählt für ihn zu den Top-Five auf seiner Position. Nimmt man jedoch die Five-Man-Front zusammen, ergibt das die aktuell beste O-Line der NFL. Doch warum eigentlich?

SPOX und Offensive Tackle Sebastian Vollmer erklären das System der Patriots.

Vom Undrafted-Free-Agent zum Star

Erster Grund für den Erfolg der O-Line ist Dan Koppen. Der Center hat das Kommando und ist ein Meister darin, gegnerische Defensiv-Spielzüge vorherzusehen - und seine Line dementsprechend auszurichten. Zusammen mit den Guards Logan Mankins (links) und Dan Konolly (rechts) schließt er außerdem bei einem Inside-Pass-Rush blitzschnell die Lücken in der Mitte (A- & B-Gaps) oder stößt sie für die eigenen Running Backs auf.

Erst durch diese starke Leistung konnten zwei Undrafted-Free-Agents zum neuntbesten Rushing-Angriff der Liga aufzusteigen: Fullback Danny Woodhead (durchschnittlich 5,6 Yards pro Lauf) und Running Back BenJarvus Green-Ellis (1008 YDS, 13 Touchdowns). Die hatte vor dieser Saison kaum jemand auf der Rechnung.

Jeder blockt für Brady

Ganz im Gegensatz zu Brady. Der steht ganz oben auf der Abschussliste der Gegner. Umso wichtiger ist die Arbeit von Left Tackle Matt Light. Er bewacht Bradys Blindside - schützt den Quarterback vor Verteidigern, die er selbst nicht sehen kann. Light ist schnell, erkennt mögliche Gefahren frühzeitig und ist kaum aus dem Gleichgewicht zu bringen. Zusammen mit Right Tackle Sebastian Vollmer - und häufig sogar dem Tight End und Fullback - sorgt er dafür, dass Brady so viel Zeit in der Pocket hat, wie kaum ein anderer NFL-Quarterback.

Weiterer Beleg für ihre gute Arbeit: Brady musste in dieser Saison erst 25 Sacks einstecken - ein Spitzenwert. Zum Vergleich: Chicago-Bears-Quarterback Jay Cutler ging 52 Mal zu Boden. In anderen Worten: Die O-Line der Patriots spielt überragend. Und das ist der Verdienst von Assistant Head Coach und Offensive Line Coach Dante Scarnecchia.

Training wie bei den US-Marines

Der 62-Jährige hat aus soliden Einzelspielern eine schlagkräftige Truppe geformt. Sein Motto: "Wir sind vielleicht nicht die größten - und wir sind auch vielleicht nicht besonders talentiert - aber wir sind gut darin, das Spiel durch dieselben Augen zu sehen."

Und das erreicht der Ex-Soldat durch knallhartes Training. Seine Lehrmethoden hat er von den US-Marines. Seine Übungseinheiten gelten als die mit Abstand härtesten in der NFL. Sein Streben nach Perfektion macht aus seinen Spielern die am besten trainierten Linemen der Liga - sowohl körperlich als auch mental. "Er hat uns beigebracht, immer hart zu spielen und bei jedem Spiel und in jedem Training 100 Prozent zu geben", erklärt Vollmer.

Individual Periods = Hölle

Besonders anspruchsvoll seien dabei seine sogenannten Individual Periods. Das sind die Drills, bei denen die Linemen unter sich sind und in speziell auf sie zugeschnittenen Trainingseinheiten gegeneinander antreten - noch bevor es überhaupt ins eigentliche Team-Training geht. "Das ist das härteste, was ich jemals erlebt habe", sagt auch Tucker. "Es gibt keine Pausen. Und wenn es endlich vorbei ist, sind alle Spieler vollkommen erledigt. Das ist absolut kein Spaß. Aber ich muss zugeben: Danach ist man in Top-Form."

Kein Wunder. Denn Scarnecchia nutzt jede freie Minute auf dem Platz. Wenn andere Teams ihren Linemen zum Beispiel während der Special-Teams-Einheiten eine Pause gönnen oder einzelne Spielzüge lediglich theoretisch durchgehen, zieht er voll durch. In voller Ausrüstung lässt Scarnecchia seine Spieler etwa das Timing von Blocks üben.

One-on-One. Mit voller Kraft. "Coach Scarnecchia weiß ganz genau, wie er uns rannehmen muss. Bei jedem seiner Drills kann man etwas lernen. Man kann sich jeden Tag verbessern, aus jeder Trainingseinheit etwas mitnehmen", erklärt Vollmer.

Standpauke für Super-Bowl-Sieger

Und der Erfolg gibt Scarnecchia recht. Kein Trainer ist länger bei den Patriots im Amt, kein anderer war bei allen sechs Super-Bowl-Auftritten des Teams dabei. Deshalb lassen auch alle Spieler das Training ohne Murren und Knurren über sich ergehen.

Zugegeben, ihnen bleibt auch nichts anderes übrig. Denn bei ihm gibt es keinen Spieler, der besonders hervorgehoben wird. Egal ob Rookie oder Pro-Bowler - alle müssen bei ihm gleich leiden. "Er hat auch keine Hemmungen davor, selbst gestandenen Super-Bowl-Siegern die Meinung zu geigen, wenn sie schlecht spielen", sagt Center Koppen. "Er ist nie zufrieden. Er will uns perfekt machen."

Vollmer: "Lob ist mir völlig egal"

Und noch etwas hat Scarnecchia seinen Spielern eingetrichtert. Sich nicht auf dem Lob auszuruhen, das in den letzten Wochen auf sie einprasselte. "Lob ist mir völlig egal", sagt Vollmer. "Man ist immer nur so gut wie sein letztes Spiel. Wenn wir jetzt versagen, spricht niemand mehr so gut von uns. Deshalb darf man sich auf so etwas nicht ausruhen und muss immer versuchen, sich zu verbessern. Besonders jetzt. In den Playoffs muss man sich jede Woche steigern, weil die Gegner von Spiel zu Spiel besser werden."

Damit spielt Vollmer auf das anstehende Spiel gegen die Jets an. Hier ist die O-Line besonders gefragt. Denn New York setzt auf eine Blitz-intensive Defense und blockt das Running-Game so gut wie wenige andere Teams in der Liga. Gleichzeitig muss sie Brady so viel Zeit wie möglich in der Pocket geben, damit dieser trotz der starken Jets-Secondary um Darrelle Revis und Antonio Cromartie einen freien Receiver finden kann.

Drill-Sergant und guter Freund

Doch auch hier vertraut das Team auf den Trainer. "Er macht das seit 40 Jahren. Wir wissen, dass, wenn wir alles genau so durchziehen, wie er es will, dann das Ergebnis stimmt. Deshalb gibt es kein zu hart. Deshalb macht es fast Spaß", sagt Vollmer. Spaß?

Doch auch das ist es, was Scarnecchia ausmacht. Die Art, wie er ein Team formt. Es zusammenschweißt. Sie alle durch die gleichen Augen sehen lässt. Durch gemeinsames Training - und durch ein gemeinsames Leben. So lädt er seine Spieler und deren Familien etwa im Sommer zum gemeinsamen Essen in sein Strandhaus ein.

Denn auch das ist Scarnecchia. Auf dem Platz der knallharte Sergeant aus dem Marine Corps - abseits davon ein verständnisvoller Vorgesetzter, der sich um seine Angestellten kümmert. Auch das trägt dazu bei, dass die O-Line der Patriots so gut funktioniert.

Die NFL-Playoffs im Überblick

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