Super-Bowl-Countdown: Das Manning-Dilemma

Wie eine vergammelte Auster

Von Florian Bogner
Donnerstag, 04.02.2010 | 16:14 Uhr
Quarterback Peyton Manning wurde 2009 zum vierten Mal zum MVP der NFL gewählt
© Getty
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Peyton Manning ist Quarterback der Indianapolis Colts, sein Vater Archie ein Idol der New Orleans Saints. So weit, so schlecht: Am Sonntag stehen sich beide Teams im Super Bowl gegenüber. Ein Dilemma, das die ganze Manning-Familie beschäftigt - und am Ende doch zu Peyton halten lässt.

Archie Manning ist ein armer Kerl. Um das aus deutscher Sicht begreifen zu können, stelle man sich mal kurz vor, Archie Manning sei, sagen wir: Wolfgang Overath. Und dann stelle man sich vor, der 1. FC Köln stünde im Champions-League-Finale, es ist das Spiel, auf das jeder FC-Fan inklusive Overath ein ganzes Leben gewartet hat - und dann spielt Köln gegen ein Team, das ausgerechnet von Overaths Sohn aufs Feld geführt wird. Man möchte nicht mit Overath tauschen.

In dem real vorliegenden Fall heißt Overaths Sohn Peyton Manning und spielt am Sonntag für die Indianapolis Colts gegen die New Orleans Saints, Archie Mannings Saints, um den Super Bowl. Und die Mannings hassen es. Archie war von 1971 bis 1982 der Quarterback der Saints, vielmehr das Gesicht der ganzen Franchise, und logischerweise wurden auch seine kleinen Söhne Cooper, Peyton und Eli damals zu glühenden Saints-Fans und sind es heute noch.

"Wer das nicht versteht, hat keine Kinder"

Archie Manning ist immer noch tief mit den Saints verwurzelt. Er hat zwar keine offizielle Funktion, ist aber so was wie ein ernsthaftes Maskottchen des Teams, eine Art Talisman. Und natürlich wünscht sich Archie Manning, dass die Saints einen schönen Tages mal den Super Bowl gewinnen. Nur nicht dieses Mal. "Wenn es zu diesem Spiel kommt, werde ich für meinen Sohn sein", sagte Archie vor wenigen Wochen, als er noch sprechen konnte.

"Sean Payton (Coach der Saints, Anm. d. Red.) weiß das und Drew Brees weiß das. So ist es eben. Wer das nicht versteht, hat wahrscheinlich keine Kinder." Seit feststeht, dass das Finale um den Super Bowl wirklich Colts vs. Saints heißt, hat Archie Manning alle Interviews abgesagt.

Für die Manning-Familie spricht dieser Tage Cooper Manning, der älteste Sohn von Archie. Von Cooper denkt man, dass er es nicht leicht haben muss, er, als Sohn bzw. älterer Bruder von drei NFL-Quarterbacks, der selbst "nur" Geschäftsführer einer Energie-Investment-Firma ist, nachdem seine eigene Football-Karriere wegen einer Wirbelverletzung im College endete. Aber Cooper ist glücklich damit, wie es ist. Nur eben nicht mit diesem Super Bowl.

Freund oder Bruder?

Cooper ist in einer ähnlichen Zwickmühle wie sein Vater, ist er doch eng mit Saints-Quarterback Drew Brees befreundet und von den drei Brüdern wohl der fanatischste Saints-Fan. Er geht mit Brees angeln, die beiden Familien treffen sich häufiger zum Essen oder gehen zusammen ins Kino - die ganz enge Freundschafts-Kiste eben.

"Ich versuche der ganzen Sache soviel Positives abzugewinnen, wie es geht", sagt Cooper, "aber es fühlt sich so an, wie eine vergammelte, rohe Auster zu essen. Ich mag es nicht, wenn Peyton gegen Eli spielt. Und ich mag das hier auch nicht."

Dennoch wird auch er am Sonntag zu den Colts halten. Wegen Peyton. Blut ist eben dicker als Wasser, auch im Hause Manning. "Drew und ich werden auch nach dem Super Bowl weiter Freunde bleiben", sagt Cooper fast beschwichtigend.

"Aber ich weiß, dass es genau so wäre, wenn ich gegen Drews Bruder spielen würde. Dann würde Drew auch zu seinem Bruder halten. Ich wünschte mir nur, Peyton würde gegen jemand anderes spielen."

Manning will den zweiten Ring

Am einfachsten hat es dieser Tage wohl Peyton Manning selbst, wenn man mal davon absieht, dass er noch dieses eine nicht ganz unwichtige Footballspiel vor der Brust hat. Peyton spielt am Sonntag und seine Familie muss zusehen, wie er die Saints-Defense mit seinen chirurgisch genauen Pässen auseinander nehmen wird. Der Rest der Mannings wird es ihm mit einer Träne im Knopfloch gönnen.

Blog: Die Erfolgsgeschichte der Colts

Peyton ist dabei, eine fabelhafte Karriere zum zweiten Mal zu krönen. Er streckt den Finger nach seinem zweiten Super-Bowl-Ring aus und seine Colts sind Favorit - eben wegen Manning, der eine fabelhafte Saison nur noch zu Ende bringen muss. Nach einer Super-Bowl-Teilnahme der Colts sah es vor der Saison nämlich wahrlich nicht aus.

Mit Tony Dungy verabschiedete sich im letzten Jahr der langjährige Headcoach der Franchise und mit Wide Receiver Marvin Harrison Mannings beliebtestes Passziel gleich mit. Als sich dann auch noch Harrisons vermeintlicher Nachfolger Anthony Gonzalez frühzeitig verletzte, schrieben die Kritiker schon einen Abgesang auf Manning und die Colts.

Vier MVP-Titel hat kein anderer

Ein halbes Jahr später hat Peyton sie alle Lügen gestraft. Mit 14-0 starteten die Colts einen wahren Vernichtungsfeldzug über die NFL und die "perfect season", eine Saison ohne Niederlage, wurde nur dadurch verhindert, dass die Colts in den letzten beiden Saisonspielen die Starspieler schonten. Sie hatten Wichtigeres im Sinn. Voller Fokus auf die Playoffs und den Super Bowl, war die Devise.

Weil Harrison und Gonzalez unpässlich waren, warf Peyton die Bälle einfach jemand anderem zu. Reggie Wayne, Dallas Clark und die bis dato unbekannten Austin Collie und Pierre Garcon wurden mit Manning-Pässen nur so bombardiert. Am Ende der Regulären Saison hatte Manning 13 verschiedene Receiver gewählt und insgesamt 33 Touchdowns geworfen, was die Einstellung seines zweitbesten Karriere-Resultates bedeutete.

Blog von Andreas Renner: Feuer frei für den Super Bowl

Manning wurde anschließend zum MVP gewählt, zum vierten Mal, keiner hat mehr Titel. Seit zwölf Jahren spielt der 33-Jährige in der NFL und hat in jeder einzelnen Saison 25 oder mehr Touchdowns geworfen. Auf Platz zwei dieser Statistik liegen Dan Marino und Brett Favre. Mit fünf Saisons.

Auf dem Weg zum Rekordvertrag

Auch wenn Manning das Charisma und die Unnahbarkeit seines Freundes Tiger Woods fehlt, ist der Quarterback dabei, den Golfer als den am meisten bewunderten Sportler in den USA abzulösen - wenn er das nicht schon nach den jüngsten Entwicklungen um Woods hat.

Blog: Mannings dunkle Seite - Als Peyton blank zog

Sein sportlicher Wert ist unbestritten. Keiner wirft so genau wie Manning, keiner kann die Defense der Gegner so gut lesen, keiner ist so obsessiv und gründlich in der Vorbereitung wie er. 2004 statteten ihn die Colts mit einem Sechs-Jahres-Vertrags über 99,2 Millionen US-Dollar inklusive eines "signing bonus", eines Handgeldes von 34,5 Millionen aus.

Nach der nächsten Saison läuft sein Vertrag aus. Colts-Besitzer Jim Irsay macht jetzt schon keinen Hehl daraus, dass es eine neue Rekordmarke geben wird - im Gespräch sind 20 Millionen Dollar pro Jahr und ein Handgeld von rund 50 Millionen Dollar. "Jeder Spieler ist irgendwie ersetzbar - er ist es nicht", so Irsays einleuchtende Begründung.

Man liebt ihn oder man hasst ihn

Zu Manning hat jeder in den USA eine Meinung - entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Manchen geht es gegen den Strich, dass Manning Republikaner ist, manche hassen einfach seine verdammt dominante Art zu spielen, wieder andere verfluchen insgeheim sein Saubermann-Image. Ihm wird nachgesagt, dass seine eigenen Teamkollegen ihn nicht leiden können - was ein Märchen ist. Manning hasst es einfach nur zu verlieren und ist so vom Erfolg besessen, dass er seinen Teamkollegen oftmals oberlehrerhaft vorkommt.

Aaron Francisco ist schon lange in der NFL, hat unter anderem mit Kurt Warner als Quarterback zusammen gespielt. Aber Manning sei nicht vergleichbar mit Warner, sagt er. "Keiner trainiert die Jungs so wie Peyton", sagt Francisco. Trainiert? Ja, Manning ist im Training wie ein Coach. "Ich habe so was noch nie gesehen. Er spricht mit den Receivern, den Running Backs, den Linemen, mit jedem. Die Coaches stehen an der Seitenlinie und gucken zu, wie er die ganze Arbeit macht. Es ist verrückt, aber genau deswegen ist er ein großartiger Quarterback."

Respekt, den ihm auch seine größten Gegner zollen. Jared Allen von den Minnesota Vikings zum Beispiel. Er hebt Mannings schnelle Auffassungsgabe hervor. "Er muss eine innere Uhr haben, die ihm genau sagt, wann er den Ball loswerden muss und wohin, noch bevor er den Pass wirft", sagt der Tackle. "Er liest die Defense so schnell. Zuerst muss man den Typen vor einem überwinden, aber dann musst du auch noch Peyton kriegen."

Geschenke nur für die eigenen Spieler

Es gibt aber auch noch einen anderen Manning. Den abseits des Feldes. Der 33-Jährige ist gern gesehener Gast bei "Saturday Night Live" und ist dabei wirklich ziemlich witzig. Außerdem macht er Werbung für eine Kreditkartengesellschaft und nimmt sich dabei selbst aufs Korn.

Manning ist zudem sozial engagiert, spendet einen Teil seines Gehaltes jedes Jahr seiner eigenen Stiftung. Wenn Peyton hilft, dann macht er das ohne großes Tamtam, verweigert seinen Angestellten sogar teilweise, seine neuste Spende den Medien mitzuteilen. Er braucht das nicht.

Seiner O-Line macht er jedes Jahr extravagante Geschenke. Center Jeff Saturday, mit dem er sich 2005 am Spielfeldrand ein berühmtes Streitgespräch lieferte, schenkte er letztes Jahr nicht etwa ein Handtuch oder einen George-Foreman-Grill, sondern einen Golfurlaub in Augusta. "Er ist unglaublich großzügig", sagte Saturday anschließend gerührt.

Allerdings darf nicht jeder auf Geschenke von Peyton hoffen: Seine Gegner zum Beispiel. Das werden am Sonntag auch die Saints erfahren. Und Archie Manning wird trotzdem stolz sein, egal wie es ausgeht.

Super-Bowl-Countdown: Grüße aus dem Knast

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