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NBA Offseason: Miami Heat

"Ein schlechter, schlechter Sommer"

Mittwoch, 17.08.2016 | 13:01 Uhr
Big Three? Nur Hassan Whiteside (M.) spielt definitiv noch für die Miami Heat...
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Erstmals seit 13 Jahren gehen die Miami Heat in eine Saison ohne Dwyane Wade. Andere Spieler wie Hassan Whiteside galten als wichtiger - dadurch blieb ein bitterer Beigeschmack. Zudem steht hinter Chris Bosh ein riesengroßes Fragezeichen. Die Offseason in der Analyse.

Die Transaktionen: Der eine oder andere hat es wohl mitbekommen: Dwyane Wade ist weg. Das langjährige Gesicht der Franchise entschied sich nach seiner Meinung despektierlicher Behandlung durch die Heat für einen Wechsel, der die NBA-Welt erschütterte - zum ersten Mal seit einer halben Ewigkeit ist Miami nicht mehr "Wade County".

Einschätzung zu Wade: Es ist etwas Persönliches

D-Wade blieb indes nicht der einzige Abgang: Luol Deng wechselte für viel Geld zu den Lakers, Gerald Green ging für deutlich weniger Kohle nach Boston. Joe Johnson ging nach Utah. Amar'e Stoudemire beendete seine NBA-Karriere und spielt von nun an für Hapoel Jerusalem.

Einige Spieler wurden aber freilich auch gehalten. Hassan Whiteside (4 Jahre, 98,4 Millionen Dollar) entschied sich gegen Angebote aus (unter anderem) Dallas und blieb in South Florida, bei Tyler Johnson (4 Jahre, 50 Millionen) matchten die Heat das lukrative Angebot aus Brooklyn. Mit Udonis Haslem (1 Jahr, 4 Millionen) wurde zumindest ein ewiger Heatle ebenfalls gehalten.

Außerdem wurden einige Neuzugänge für wenig Geld und maximal zwei Vertragsjahre geholt: Derrick Williams, Wayne Ellington, James Johnson, Willie Reed, Luke Babbitt (per Trade), Stefan Jankovic und Okaro White. Nachdem es schon extrem ruhig um Miami geworden war, kam mit Dion Waiters Ende Juli außerdem noch einer der Steals der Free Agency nach Miami (2 Jahre mit Spieler-Option, 6 Millionen).

Die Strategie: Der Plan sah eigentlich vor, Kevin Durant zu holen und Whiteside zu halten. Diese beiden Moves hatten Priorität, alles andere wurde hintenangestellt, auch eine Einigung mit Wade. Man ging davon aus, dass man sich mit ihm schon irgendwie einig werden würde und dass er, wie so oft in der Vergangenheit auch weniger Geld akzeptieren würde.

Nun - das hat nicht ganz geklappt. Durant ist ein Krieger, Wade ist ein Bulle und die Heat mussten sich schnell einen Plan B überlegen. Immerhin klappte es mit Whiteside und Johnson, ansonsten wurden aber vor allem Lückenfüller kurzfristig verpflichtet. Und das aus gutem Grund.

Zum einen ist der nächste Free-Agent-Jahrgang deutlich tiefer und besser besetzt als der diesjährige, also sollte man finanzielle Flexibilität wahren. Und zweitens: Niemand kann sich sicher sein, welche Richtung als nächstes eingeschlagen wird, solange man die gesundheitliche Lage von Chris Bosh nicht adäquat beurteilen kann.

Der letzte Stand: Bosh will gerne zurückkehren, die Franchise hat Angst, für eventuelle "Unfälle" verantwortlich gemacht zu werden und verweigert angeblich daher die Freigabe. Es handelt sich um eine Situation, die von außen nicht zu beurteilen ist. Niemand weiß aktuell, ob Bosh überhaupt noch einmal in der NBA spielen wird.

Die Folgen lassen sich derweil etwas einfacher ableiten. Sollte Bosh draußen bleiben, würde Miami vermutlich einen sanften Rebuild einleiten und den in Miami eher "unterwältigenden" Goran Dragic womöglich traden und in der Free Agency 2017 wieder voll angreifen. Sollte Bosh zurückkehren und auf altem Niveau spielen, könnte Miami schlagartig wieder zu einem der besseren Teams im Osten werden. Momentan weiß man es nur einfach nicht.

Die Schwachstellen: Siehe oben. Die Qualität der Heat ist kaum zu beurteilen, wenn man nicht sicher sein kann, ob und wie ihr bester Spieler ihnen im kommenden Jahr helfen kann. Wenn wir sicherheitshalber davon ausgehen, dass Bosh nicht oder nur begrenzt zur Verfügung stehen wird, lässt sich immerhin schon einmal sagen, dass die Heat den einen oder anderen Schritt zurückmachen werden. Wenngleich sie bei guter Entwicklung ihrer jungen Spieler schon noch Playoff-Hoffnungen haben dürften.

Ein (wahrscheinliches) Starting Lineup aus Dragic, Josh Richardson, Justise Winslow, Josh McRoberts/Williams und Whiteside könnte immerhin deutlich schneller spielen als letzte Saison, aber Spacing wäre mit dieser Fünf ein echtes Problem. Angesichts seiner Größe mag das verwundern, aber Bosh wäre womöglich der beste Shooter, der in Miami im Kader steht.

Auch auf der Bank sieht es nicht wirklich anders aus. Waiters und James Johnson sind Wild Cards, wie sie im Buche stehen, und kämpfen wie einige der anderen Neuzugänge um neue Verträge. Defensiv hat Miami viel Potenzial, gerade mit Blick auf Winslow vor seiner zweiten Saison, aber offensiv hat Coach Erik Spoelstra viel Arbeit vor sich.

Zumal folgende Frage offen ist: Wer übernimmt die Crunchtime-Aufgaben von Wade? "The Flash" mag in die Jahre gekommen sein, war am Ende von Spielen aber auch in der letzten Saison noch die verlässlichste Option der Heat. Das zeigte sich insbesondere wieder in den Playoffs zeigte. Dragic wird sicherlich einige seiner Aufgaben übernehmen können, aber sonst? Wird aus "Wade County" von nun an "Waiters Island"?

Das Fazit: Eine erfolgreiche Offseason sieht anders aus. Für die Situation um Bosh kann Miami natürlich nichts, insofern kann man sie für ihre "Lückenfüller"-Verpflichtungen nicht wirklich an den Pranger stellen. Völlig unabhängig von dieser Situation war jedoch der Umgang mit Wade - und hier hat sich Heat-Präsident Pat Riley offenbar schlicht und einfach verzockt.

Das sagte er zumindest öffentlich. Angesichts seiner Bilanz als Team-Macher ist es eigentlich kaum zu glauben, dass Riley Wades Abgang nicht zumindest billigend in Kauf genommen hat. Aber wie man es auch dreht und wendet: Es bleibt ein bitterer Beigeschmack, der Ruf der Heat als "erstklassige Organisation" hat in diesem Sommer Schaden genommen.

Vielleicht sieht das bald alles ganz anders aus, wenn Bosh zu alter Stärke zurückkehrt, Winslow, Johnson und Richardson zu Stars werden, Whiteside auch mit Max-Deal in der Tasche motiviert bleibt und im nächsten Sommer Hochkaräter wie Blake Griffin, Chris Paul, der Greek Freak Giannis Antetokounmpo oder vergleichbare Spieler an den Südstrand kommen.

Vielleicht erweist sich die Strategie des "Paten" Riley ein weiteres Mal als genau richtig. Aber diese Vorstellung ist Stand jetzt rein hypothetisch. Daher muss man sich an die Einschätzung von Riley selbst halten, der die Offseason wie folgt kommentierte: "Ein schlechter, schlechter Sommer für uns."

Note: 5+

Die Heat im Überblick

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